Solidarität mit der Liebig 14

Am morgigen Mittwoch den 02.02.2011 soll in Berlin das Hausprojekt in der Liebigstraße 14 geräumt werden.
Dazu gibt es nun auch in Tübingen einige Soliaktionen:
* Bereits am Wochenende zeigten einige Bewohner_innen des Wohnprojektes Schellingstrasse ihre Solidarität mit der Liebigstraße 14 und hängten ein Transparent aus ihren Fenstern. ("Keine Räumung unter dieser Nummer!!! 02.02.2011 Berlin Liebig 14 BLEiBT!")
* Am 02.02.2011 gibt es eine Kundgebung um 18:00 Uhr auf dem Tübinger Holzmarkt.

Links:
http://liebig14.blogsport.de/
http://wba.blogsport.de/tagx-liebig-14/
http://l14soli.blogsport.de/
http://www.jpberlin.de/tueinfo/cms/node/19445

SOLIDARITÄT MIT DER LIEBIG 14

Für Mittwoch, den 02.02.11, hat das alternative Hausprojekt Liebig14 in
Berlin-Friedrichshain den offiziellen Räumungsbescheid erhalten.
Die Liebig14 versteht sich als ein selbstverwaltetes Wohnprojekt mit dem
Anspruch, herrschaftsfreie Strukturen zu schaffen. Das Projekt soll die
Möglichkeit bieten, selbstverwaltet in bezahlbarem Wohnraum zu leben, soll
Raum bieten für unkommerzielle Kultur sowie für linke und linksradikale
Politik und Vernetzung.
Mit selbstorganisierten und unkommerziellen Veranstaltungen (wie
Vorträgen, Konzerten, Workshops, Vernetzung-Treffen) und Platz für
politische Gruppen und Organisation stellt die Liebig14 einen Raum für
emanzipatorische Praxis und selbstverwaltete Kultur dar.
Mit ihrer 20-jährigen Geschichte ist die Liebig14 nicht nur ein wichtiger
Bestandteil der linken Szene, sondern auch im Stadteil verwurzelt.
Gerade in Friedrichshain werden die Veränderungen in den Stadtvierteln
sichtbar: Immobilien werden durch Luxus-Sanierungen aufgewertet, die
Mieten steigen, Räume, die nicht “profitabel” sind oder sein wollen und
Menschen mit wenig Geld werden verdrängt und müssen einer schick gemachten
Konsum-Szenerie weichen.
Diese kapitalistischen Veränderungsprozesse, die sich in Stadteilplanung
und -entwicklung widerspiegeln, werden unter dem Begriff Gentrifizierung
zusammengefasst.
Im Kapitalismus wird tendenziell alles zur Ware, so auch Wohnraum.
Wohnräume werden deshalb nicht nach den Bedürfnissen der Menschen
beurteilt und gestaltet, sondern danach, wie sie möglichst viel Profit
abwerfen.
Die Liebig14 hat sich als Teil des “Wir bleiben alle-Bündnisses” aktiv in
die Diskussion und Kämpfe gegen Gentrifizierungs-Prozesse eingebracht. In
ihrer Struktur und Organisation verweigert sich das selbstverwaltete
Hausprojekt den Verwertungszwängen im Kapitalismus.
Deshalb ist die drohende Räumung kein Zufall, sondern dient der
Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Interessen.
Die Räumung ist zudem kein Einzelfall:
besetzte Häuser, Wohnprojekte, autonome und soziale Zentren in aller Welt
sehen sich mit Repression und Verdrängung konfrontiert.
Die Räumung der autonomen Zentren “Ex-Steffi” und “Obw9" in Karlsruhe und
Stuttgart haben in Süddeutschland selbstverwaltete Räume zunichte gemacht.
Viele andere Projekte sind von der Räumung bedroht.

Es macht uns traurig und wütend, dass mit der drohenden Räumung der
Liebigstraße 14 ein weiterer Ort vernichtet werden soll, in dem versucht
wird, nicht kaptitalismus-konform zu leben.
Unsere Solidarität gilt nicht nur den Bewohner_innen, die ihr Zuhause
verlieren, sondern allen Menschen und Projekten, die von Verdrängung und
Repression betroffen sind.

Solidarität mit der Liebig14 und allen anderen bedrohten Projekten!