Daten und Fakten zu Frau Dr. Lanik!

Nächste Woche beginnt das umstrittene Seminar "Angewandte Ethnologie und Militär" von Frau Dr. Monika Lanik am Institut für Ethnologie in Tübingen.
Für all jene, die noch nicht ganz davon überzeugt sind, dass es sich bei der Vorlesung von Frau Dr. Lanik um eine Rekrutierungsveranstaltung der Bundeswehr handelt, hier einige Daten und Fakten. Für diejenigen, die sich bereits entschlossen haben mit zu protestieren, einige Argumentationshilfen:

1.)Pdf. des auf www.streitkraeftebasis.de downloadbaren Buches "Afghanistan - Land ohne Hoffnung?". Einfach „Lanik“ in die Suchmaske eingeben und voilà. Es ist, wie jeder selbst lesen kann, "den Helfern und Soldaten gewidmet, die ihr Leben für die Befriedung Afghanistans einsetzen". Abgesehen davon, dass die Arbeit auch ethnologisch fragwürdig ist (so z.B. die undifferenzierte Zuschreibung von Eigenschaften qua Volkszugehörigkeit a la "Deutsche brauchen Strukturen" S 118) trägt dieser Aufsatz eindeutig den Charakter der Einsatzvorbereitung für SoldatInnen. Man kann - wenn man Zeit sparen möchte- das Augenmerk auf S127ff . richten, wo Lanik explizit die umstrittene These, Deutschlands Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt hofiert. Hier spricht sie auch nicht mehr als "Ethnologin", sondern als (ehemalige, siehe unten) Geheimdienstangehörige. Das darauf folgende "Fazit" resümiert wofür ihre Forschungen gedacht sind: "Worauf kann man sich als Bundeswehrsoldat in Afghanistan mit Sicherheit verlassen? Verwandtschaft zählt usw..."(S 130) Sie gibt Tipps, wie Stammesloyalitäten, Verwandtschaftsbeziehungen usw. für die Führbarkeit des Krieges dienstbar gemacht werden können.
2.)Die Ankündigung eines Vortrages, den Frau Lanik auf Einladung des rechtskonservativen (und das ist sehr freundlich formuliert) bayreuther Ethnologen Thomas Bargatzky gehalten hat. Dieser veranstaltete lange das Forum: Sicherheit und Kultur, das nach Protesten abgesetzt wurde. Die Referenten dieses Forums kommen ausschließlich aus Bundeswehr und rechtsextremen Kreisen. Bargatzky selbst schreibt regelmäßig bei der Jungen Freiheit, die vom Verfassungsschutz als Scharnier zwischen Rechtskonservativismus und rechtsradikalem Milieu eingestuft wird. Auf Bargatzkys Institutshomepage können Studierende direkt Formulare für Praktika bei der Bundeswehr downloaden: http://www.ethnologie.unibayreuth.de/Mitarbeiter/Bargatzky/Bargatzky.html. Sie hat dort zu „Ethnienkarten“ im militärischen Kontext referiert. Solche zu erstellen dürfte auch ihr Job beim „Amt für Geoinformationswesen“ der Bundeswehr sein.
3.)Zu Frau Laniks Werdegang und beruflicher Vita: Sie war zunächst angestellte des „Zentrums für Nachrichtenwesen“ einer Art semi-legalen Auslandsgeheimdienst der Bundeswehr. Nachzuprüfen hier: http://www.dtic.mil/cgi-bin/GetTRDoc?AD=ADA483460&Location=U2&doc=GetTRD...
Hier wird sie in einer Fußnote (S120, Fn. 361) zitiert, genauer wird hier – in einem Dokument einer renommierten Amerikanischen Militärschule (genauer: einer Schule der US-Marine) -Laniks Afghanistan-Briefing von 2006 zitiert. Sie wird dort zitiert als Angestellte des „Zentrums für Nachrichtenwesen“.
Was das ist/war, kann man hier nachlesen: http://www.geheimdienste.org/anbw.html. Über die Rolle des ZNBw beim Fall Murat Kurnaz werde ich hier nichts schreiben, weil es wenig zur Sache tut. Man kann sich aber schon fragen, was eine Person, die da gearbeitet hat, zu Fragen der „Berufsethik“ zu sagen hat. Nachdem das ZNBw geschlossen werden musste, wechselte Lanik zu einer mehr oder weniger direkten Nachfolgeorganisation: Dem Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Das ist auch ihr gegenwärtiges Betätigungsfeld.
4.)Wo Frau Lanik sonst so verkehrt, kann man sich unter anderem hier ansehen: http://www.rk-mgk-bayreuth.de/index.php?option=com_content&task=view&id=...
5.)Eine weitere Kostprobe von Laniks Ethnologieverständnis findet sich in dem beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt zu beziehenden Buch: „Wegweiser zur Geschichte: Afghanistan“. (in der Anlage als Nummer 4). Hier beschäftigt sie sich hauptsächlich damit, wie man mit paschtunischen Khanen umgehen muss, um die Sicherheitslage in Afghanistan zu stabilisieren.
6.)Zuletzt: Hier: http://www.presse.dgv-net.de/tl_files/dokumente/Protokoll_Ethik.pdf ein Diskussionsprotokoll eines DGV-Diskussionsforums, wo Lanik auf S 4 so argumentiert:“ Sie plädierte dafür, dass innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes noch viel mehr ethnologische Fragen aufgeworfen würden. Wenn sich Ethnologen nicht selbst dieser Fragen annehmen, bestünde die Gefahr, dass das Wissen um kulturelle Gegebenheiten von Fachfremden ohne entsprechende Expertise abgedeckt werde“. Wer glaubt, dass der Satz: „Wenn ich es nicht tu, dann tuts jemand anders, und der womöglich noch schlechter“, ein Argument ist, dass in einer Ethik-Debatte bestand hat, sollte zumindest keine Lehrveranstaltungen zum Thema Ethik anbieten. (Es gibt ohnehin keine einzige Publikation zu Fragen der Ethik von ihr.)