Nkunda wird übermütig

Wie im letzten Eintrag berichtet, ist die DR Congo eines der Länder, in denen am meisten gehungert wird. Ende September trat der Premierminister Gizenga zurück. In Katanga kommt es zu Aufständen und in Ituri scheinen sich neue Milizen zu bilden. Die Regierungsarmee geht gemeinsam mit der FDLR erfolglos gegen die CNDP vor. Anfangs von der MONUC dabei unterstützt, verhält sich die UN-Truppe mittlerweile zögerlicher. Vor diesem Hintergrund rief Nkunda alle mit der Regierung Unzufriedenen auf, ihre Aktivitäten zu koordinieren und dem Kabila-Regime ein Ende zu bereiten. Seine Miliz, die sich ursprünglich dem Schutz der Tutsi verschrieben hat, will nun ihre Aktivitäten ausweiten. Dominic Johnson berichtet:

Um der Falle des ethnischen Krieges zu entkommen, versuchen sich die CNDP-Rebellen nun, sich neu zu erfinden. Auf einem Kongress in ihrer Berghochburg Bwiza verkündeten sie letzte Woche ihre Umwandlung in eine Befreiungsbewegung für ganz Kongo. “Wegen einer verantwortungslosen Führung, die jeden Sinn für Würde und Ehre verloren hat, findet sich unser Land in einer fürchterlich schrecklichen Lage wieder, die ausnahmslos alle Bereiche des nationalen Lebens trifft”, erklärte CNDP-Chef Nkunda. Er erinnerte daran, wie in Kongos Hauptstadt Kinshasa die zivile Opposition mundtot gemacht und in anderen Landesteilen Protestbewegungen gewaltsam unterdrückt worden sind. Man werde nun den “Umsturz” im Kongo vorantreiben. Zugleich gab sich die Rebellenbewegung eine Regierung, mit Kommissaren für verschiedene Politikbereiche.
Weltweit verurteilt, bedeutet die Radikalisierung der Rebellen kurzfristig die Absage an jeden Friedensprozess sowie die Selbstermächtigung, bewaffnete Gruppen anderswo zu unterstützen.

Gleichzeitig heißt es, Ruanda würde seine Truppen an der Grenze konzentrieren und Nkunda massiv unterstützen - leugnen lässt sich letzteres wohl kaum noch. Zusätzlich hat die CNDP nun auch noch eines der größten Waffenlager der Regierungsarmee (diese ist vom Waffenembargo ausgenommen) ausgeräumt:

Vergangene Woche erbeuteten die Rebellen der CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) unter dem Tutsi-General Laurent Nkunda kurzzeitig eine der wichtigsten Militärbasen Ostkongos, Rumangabo nahe der Provinzhauptstadt Goma, und bei ihrem Rückzug einen Tag später nahmen sie ein gigantisches Waffenarsenal mit.

Der Leiter der UN-Mission MONUC hat nun an die internationale Gemeinschaft appelliert, mehr Soldaten bereitszustellen, damit man - wie im Irak - einen Surge durchführen könnte. Am 10.Oktober ernannte Kabila einen neuen Ministerpräsident aus der Partei Gizengas, den 51jährigen Adolphe Muzito. dieser erklärte sogleich, den Konflikt im Osten als Priorität und kündigte eine Reise in die Kivus an.

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