Lieber Herr Engler, Liebe Frau Gropper!
Über den Zeitraum mehrerer Wochen durften wir im vergangenen Semester ihre Strategie gegenüber den legitimen Forderungen der protestierenden Student*innen im Kupferbau der Uni Tübingen kennen lernen: Verbale Zugeständnisse kombiniert mit der Versicherung, wir hätten doch alle dieselben Ziele auf der einen Seite; eine starre Verweigerungshaltung bei der Umsetzung wirklicher Veränderungen auf der anderen. Diese Strategie hat nun – wirft man einen Blick auf die von ihnen zugesicherte ‚Zivilklausel’ und vergleicht diese mit dem Programm an der Uni Tübingen im SoSe 2010- eine neue Dimension erreicht.
Verabschiedet wurde im Senat eine ‚Zivilklausel’, die das Papier nicht wert ist, auf der sie gedruckt ist. Garantiert wird dabei – worauf bereits die Informationsstelle Militarisierung (http://www.imi-online.de/2010.php?id=2072) hingewiesen hat- keineswegs, dass es keine Kooperation von Universität und Rüstungskonzernen oder Bundeswehr geben darf; gefordert wird lediglich, dass die Forschung in irgendeinem Sinne ‚friedlichen’ Zwecken dienen muss. Die Schwammigkeit dieser Forderung wird nur noch von ihrer Naivität übertroffen. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Bundeswehr oder ihre Kumpanen in Politik und Kapital ihre Wehrforschung unter Titeln wie „Hauptseminar: Einführung: Wie bombardiert man ‚versehentlich’ die afghanische Zivilbevölkerung II“ an der Uni anbieten würden. Klarerweise redet man hier lieber über „Friedenssicherung“, über Engagement in Fragen der nationalen oder internationalen „Sicherheit“ oder über „außenpolitische Herausforderungen“ in einer multipolaren Welt. Ihrer Zivilklausel nach könnte man auch die Münchner Sicherheitskonferenz, ein Kriegstreibertreffen gegen welches jedes Jahr tausende Menschen auf die Straße gehen, an der Universität Tübingen stattfinden lassen.
Und tatsächlich, eine ähnliche, wenn auch bedeutend kleinere Veranstaltung haben Sie ja auch vor! Am 15. April 2010 soll, so kann man der Homepage des Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) entnehmen, an Ihrer Hochschule und mit offizieller Unterstützung selbiger das so genannte ‚Sicherheitspolitische Forum’ stattfinden. Abgesehen davon, dass am Programm so ausgewiesene Freunde militärischen Abenteurertums wie Wolfgang Ischinger, der Organisator der Münchner Sicherheitskonferenz, vertreten sind, spricht schon das Ankündigungsplakat eine eindeutige Sprache: Zu sehen ist ein Mann vor einem Nuklearsprengsatz, auf dem groß „Iran“ zu lesen ist. An die Bombe ist ein kleines Lämpchen angeschlossen, und der Mann beteuert: „Really … it´s for peaceful, domestic uses…“. Säbelrasseln á la Tübinger ‚Zivilklausel’. Man könnte noch einiges über diese Tübinger Sicherheitskonferenz und ihr ‚friedenssicherndes’ Potential anfügen, aber vor unserem geistigen Ohr hören wir sie bereits rufen: „Aber ist nicht auch eine Grüne anwesend, die eine Lanze für die Abrüstung brechen wird? Und müssen wir als Pluralisten nicht auch die Argumente eines Carlo Masala hören?“ Nein, müssen wir nicht! Abgesehen davon, dass Grüne spätestens seit dem Jugoslawienkrieg nur noch sehr lückenhafte Feigenblätter für solche Veranstaltungen abgeben, weil sie selbst längst auf der Neuen Deutschen Welle richtung Platz an der Sonne schwimmen, können wir nicht tolerieren, dass unter dem Deckmäntelchen irgendwelcher ‚Diskussionen’ Studierende und Schüler*innen sukzessive an militaristische und imperialistische Positionen gewöhnt werden.
Ein gutes Beispiel für diese Gewöhnung sind die Jugendoffiziere der Bundeswehr, die Schülern und Schülerinnen durch Planspiele und ähnlichen Müll die ‚Arbeit’ der Bundeswehr näher bringen sollen. Richten Sie ihren Blick etwa auf die Homepage des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr, so werden sie dort ein schönes Schulprojekt finden, in dessen Rahmen bereits den Kleinsten ein Ausweg aus der Langweiligkeit des Schulunterrichts geboten wird: „Mathe muss nicht trocken sein“, heißt es dort, schließlich kann man ja auch Karten für die Bundeswehr zeichnen. „Wir tun im Wesentlichen das Gleiche wie jeder zivile Vermessungstrupp auch. Denn im Prinzip ist es egal, ob man den Gefahrenbereich einer Schießbahn auf einem Truppenübungsplatz oder die Grundstücksgrenzen in einem Neubaugebiet vermisst“, so Oberstleutnant Telzer zu den Elftklässlern.
Wir müssen Sie, Herr Engler und Frau Gropper, aber nicht auf diese Homepage hinweisen, denn Sie sitzen ja quasi an der Quelle, können Sie doch mit Frau Dr. Monika Lanik von der Ethnologie Tübingen direkt auf eine Angestellte dieses Amtes zurückgreifen. Diese bietet übrigens im kommenden Semester ein Hauptseminar zum Thema „Angewandte Ethnologie und Militär“ an. Ein Schelm, wer hier Böses denkt. Sie wird doch nicht etwa, wie ihr am rechten Rand agierender Kollege Thomas Bargatzky an der Uni Bayreuth, bei dem sie bereits mehrmals Gastvorträge hielt, Studierende dazu anhalten wollen sich bei der Bundeswehr zu engagieren? Bei dem regelmäßigen Autor der rechtsextremen Zeitschrift „Junge Freiheit“ Thomas Bargatzky kann der/die Interessierte direkt auf seiner Institutshomepage Formulare für Praktika bei der Bundeswehr downloaden. So wenig subtil wird Monika Lanik wohl nicht agieren. Dass Laniks Afghanistan-„Forschungen“ nichts desto trotz im Dienste des militärischen Engagements der Bundeswehr stehen, davon kann sich jedeR leicht in dem Buch „Afghanistan- Land ohne Zukunft?“ (download unter: www.streitkraeftebasis.de) überzeugen.
Sie werden sagen, wir sollen uns doch nicht über solche Kleinigkeiten echauffieren, es geht ja nur um „Diskussionen“. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, und jeder dieser „Vorträge“ dient, ob bewusst oder unbewusst, ein und demselben Ziel: Die Menschen daran zu gewöhnen, dass die „Sicherheit“ Deutschlands am Hindukusch, am Horn von Afrika oder sonst wo verteidigt werden muss. Wir verweigern uns dieser deutschen Normalität: Bundeswehroffiziere in Klassenzimmern, Bundeswehrangestellte als Dozent*innen, Kriegslobbykonferenzen in der Neuen Aula sind keineswegs ‚normal’, und wir werden sie nicht stillschweigend hinnehmen. Auch Sie fordern wir auf, dieses Treiben nicht zu tolerieren!
Marxistische Aktion Tübingen, 21.März 2010
Termin aktuell
Hallo,
habe gerade etwas recherchiert und ich finde nirgends einen ofiziellen Termin für das Forum von BSH ?!
Haben die das absichtlich von ihrer HP genommen, aus Angst vor Protest?
Wenn es jemand findet, bitte hier psiten :)
danke
Link
hier die homepage: http://www.sicherheitspolitisches-forum-tuebingen.de/
hier der folder mit termin, ort, teilnehmerInnen: http://tuebingen.sicherheitspolitik.de/uploads/media/Folder_Sicherheitsp...
Lanik - Lehrveranstaltung
Ähnliches gilt übrigens für die Lehrveranstaltung von Frau Dr. "Bombenteppich" Lanik. Mehr als der Titel (und der ist offenbar schon Grund genug, Ort und Zeit selbst auf CAMPUS geheim zu halten) ist bisher nicht rauszufinden:
"Angewandte Ethnologie und Militär"
Wer mehr weiß, bitte posten!
Solidarische Grüße
lanik
Von Lanik kann man eine Kostprobe ihrer "wissenschaftlichen" Arbeiten auf www.streitkräftebasis.de runterladen. Das Buch heißt: "Afghanistan - Land ohne Zukunft?". Ihr Aufsatz scheint mir eine Art kulturalistische Neuauflage von Rassentheorie zu sein, insofern als sie "dem Afghanen" und "dem Deutschen" qua Zugehörigkeit zu diesem "Volk" homogene Eigenschaften andichtet (das nur als Polemik, man könnte das auch genauer argumentieren). auch enthält der Aufsatz eine Reihe von guten Tipps für die Soldaten im Einsatz.
Bei Bedarf würde ich den Link nochmal raussuchen, ansonsten einfach in der Suchmaske von streitkräftebasis.de suchen. Sie hat auch - das geht aus einem E-Mail-Verkehr hervor, der vorliegt, mehrmals bei T. Bargatzky in Bayreuth im Rahmen des sogenannten "Forum: Kultur und Sicherheit" referiert, unter anderem zur Erstellung ethnologischer Karten für Auslandseinsätze. Das "Forum: Kultur und Sicherheit" ist ein Treffpunkt für Rechtskonservative und Militaristen aus dem Umfeld der Bundeswehr und hat auch eine Internetpräsenz, bei der allerdings nur einige der Vorträge gelistet sind. Auch bei Veranstaltungen diverser Reservistenverbände tritt sie immer wieder auf. Ansonsten ist nur bekannt, dass sie beim Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr angestellt ist.
rG, Jury
Infos zum Seminar
Infos des Instituts finden sich im kommentierten Vorlesungsverzeichnis unter http://www.uni-tuebingen.de/ETHNOLOGIE/pdf/vorlesungsverzeichnis_sose201...
Am Freitag den 23.4. lädt Frau Lanik übrigens ab 9 alle kritischen Stimmen zu einer Auftaktveranstaltung ein...
Veranstaltungsort ist der Seminarraum 3 des Instituts für Ethnologie im Schloss.
angewandte Ethnologie und Militär
Infos zum Blockseminar sind nicht in Campus sondern auf der Institutshomepage
http://www.uni-tuebingen.de/ETHNOLOGIE/pdf/vorlesungsverzeichnis_sose201...
Erster Termin am 23.4, Raum 3 im Schloss
Lehrveranstaltung Lanik usw
Danke sehr für den wertvollen Veranstaltungs-Hinweis! Im Übrigen halte ich nichts von Denk- oder Diskussionsverboten, nur weil sie einer bestimmten politischen Couleur nicht genehm sind. Aber Meinungsfreiheit war bei selbsternannten Marxisten ja noch nie gefragt. In diesem Sinne: Auf bald, ihr Möchtegern-Revolutionäre!
...
gääähhhhnn! Hast nur das obligatorische R. Luxemburg-Zitat für deine "Meinungsfreiheits"-apologie vergessen. gääääähnnn, Möchtegern-Provokateur.
Lanik raus aus der Uni!
Auch bei der rechts-konservativen Reservistenkameradschaft Bayreuth, deren Verteidigungspolitische Arbeit darin bestehen soll, "sich auch als Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu engagieren" hat Lanik ihre völkische Afghanistananalyse ablassen dürfen. In einer sehr widerlichen Veranstaltungsreihe:
http://www.rk-mgk-bayreuth.de/index.php?option=com_content&task=view&id=...
Das geht gar nicht!!
Soll übrigens eines von nur drei Seminaren im Hauptstudium sein, die dieses Semester angeboten werden...
Junge Freiheit
Tja, unsere Freiheit ist wirklich jung. Und die Amis haben sie gebracht. Danke USA. Also was habt ihr genau gegen die "Junge Freiheit" - ich kenn die Zeitung? Bürgerliche Mitte zu sein ist doch kein Verbrechen? "Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden" (Rosa Luxemburg). Warum wird diese Freiheit nur für sich selbst in Anspruch genommen?
Junge (Un-)Freiheit
Lieber Freund der Jungen Freiheit,
schön, dass du Nazimedia aufgreifst, um ein Zitat Rosa Luxemburgs zu pervertieren.
Die Junge Freiheit tritt in ihrer Art und Weise auf als wäre sie bürgerliche Mitte. Das Wie ihrer Artikel und Meinungsdarstellung scheint hier diesem (noch weiter differenzierbaren) gesellschaftlichem Milieu nahe zu stehen.
Es kommt aber nicht nur auf das Wie an, sondern ganz besonders auf das Was. Der Geist der JF ist dem von Carl Schmitt ähnlich. Sie beruft sich auf ihn und hält ihn in Ehren. Das der JF nahe stehende, neu-rechte "Institut für Staatspolitik" stellt für sich und die eigene Strömung einen "verbreiteten Schmittismus" fest. [1] Nun das wäre ja nicht so schlimm, wenn dieser Schmitt nicht so Sachen geäußert hätte wie, Grundrechte seien "unveräußerliche Eselsrechte". Außerdem: "Das protego ergo obligo ist das cogito ergo sum des Staates, und eine Staatslehre, die sich dieses Satz nicht systematisch bewußt wird, bleibt ein unzulängliches Fragment". [2] Kurz: Der Staat ist alles, er passt schon auf dich auf. Und das sagt er in der Zeit der Weimarer Republik. Ironie? Wohl kaum, denn in der Zeit des NS war er von der Umsetzung dessen bei Hitler begeistert und machte liebend gerne mit. In Bezug u.a. auf Carl Schmitt warb die JF 1993:"Jedes Abo eine konservative Revolution".
In einem Aufsatz von Thorsten Hinz in der JF 05/07 (S.18) heißt es: "Eine aus einem idealisierten Menschenbild resultierende Lebenslüge ist das ständige Beschwören des 'bürgerlichen Engagements', also die erwünschte 'Teilhabe' an der politischen Willensbildung der Gesellschaft." Was als Alternative bliebe wäre eine von vorneherein beschränkte Oligarchie und ein gesetzlich/verfassungsrechtlich festgeschriebenes Verbot, politisch zu partizipieren, wenn man diese "Lüge" aufheben wollte. Ist das dann Freiheit? Ist es jung? Nein, eine alte Unfreiheit wie es bspw. nach 1815 restauriert wurde (um bei der "bürgerlichen Mitte" zu bleiben).
Ein weiterer Punkt ist der verdeckte Rassismus und das Völkische in JF-Artikeln. Vor allem der Zuzug von MigrantInnen stellt nach Meinung der JF eine Gefahr da. Analysiert werden Integrationsprobleme nicht von Fehlern, die bei der Integration liefen und laufen, sondern vom Standpunkt eines homogenen Volkes aus. Götz Kubitschek fordert:
"Wir müssen Grundsätzen und Begriffen ihre Bedeutung und ihre definitorische Kraft zurückgeben. Identität etwa ist keine Privatangelegenheit [!] Sie ist nicht herstellbar, kein Akt der freien Entscheidung, kein Griff in einen Puzzlekasten. Das Kollektive, das Wir als Größe, der man nicht entrinnen kann [!], kehrt mit Macht zurück. Wir müssen das "Wir" definieren und vom "Nicht-Wir" scheiden. Das "Wir" darf nicht zerredet werden, und es sieht so aus, als sorgte der Machtanspruch geschlossener Einwanderergruppen [?] zuverlässig dafür, daß selbst dem nationsvergessenen Deutschen sein Deutschsein aufgeht. Im Kampf der Kulturen stoßen das Ich, das Individuelle, die Selbstverwirklichung an ihre Grenzen." [3]
Von oben herab die Identität vorgeben? Wer erhebt jetzt hier über wen die Wahrheit zu bestimmen? Darf man dann noch anders denken? Eins muss man der JF zugestehen: Ihr politisches Mimikry gestaltet sie so geschickt, dass man ihr rechtlich nicht habhaft wird. Deshalb wurde sie auch aus dem VS-Bericht NRW gestrichen (wozu sie aber auch erstmal mit dem Mimikry anfangen musste. Bis Mitte der 90er war sie eindeutiger). Sind ihre Gedanken dann aber dadurch besser? Nein!
Was zeichnet eine Professorin, die einer solchen Zeitung nahe steht und damit auch diese Forderungen mittragen kann, so aus, dass sie unbedingt an einer Uni lehren sollte. Und was soll sie lehren? Dass man anderen vorgibt, was Freiheit zu sein hat, damit also Freiheit einschränkt? Wenn man verhindern will, dass so eine Person lehrt, dann ist das zwar eine Einschränkung der Freiheit, aber mit dem Ziel, die Freiheit am leben zu erhalten. Einen Mittelweg bei diesem demokratischen Dilemma ist noch nicht gefunden worden. Sollte die Frau aber trotz des Widerspruchs lehren, so bleibt zu hoffen, dass Otto-NormalstudentIn wachsam und kritisch ist. (Allerdings bezweifel ich, dass Bachelor-Studis noch so wach sein können, um verdeckte Agitation zu entlarven. Erst recht nicht bei einem 7-stündigen Blockseminar). Allerdings ist Kritik im derzeitigen Studiensystem nicht immer förderlich. Studierende sitzen am kürzeren Hebel, wenn es um die Note geht und die ist leider nun mal in der "Leistungsgesellschaft" bei schwierigen Arbeitmarktsituationen nicht unwichtig. Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden, solange der Andersdenkende nicht das Ziel hat das Andersdenken abzuschaffen.
AHL
[1] IFS: Die 'Neue Rechte'. Sinn und Grenzen eines Begriffs. 2003. S. 17.
[2] Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen, Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Korollarien. Berlin 1963. S. 65.
[3] G.K.: Es wird ernst. In: JF v. 24.2.06. S.1
Selber nachfragen
Liebe Leute, nachdem sich das Rektorat bis jetzt nicht dazu genötigt sah, zu den Vorwürfen überhaupt Stellung zu nehmen, schreibt doch alle mal privat und fragt nach: bernd.engler@uni-tuebingen.de
Sicherheitspolitisches Forum Tübingen
Sehr geehrte Verfasser des offenen Briefes an das Rektorat der Universität Tübingen,
ich möchte nichts zu den Ausführungen zur Zivilklausel der Universität sagen.
Vielmehr möchte ich als Vorstand der HSG Tübingen des Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen einige Kommentare, zu den Vorwürfen gegenüber dem von uns organisierten Forum, anfügen.
Als erstes ist richtigzustellen, dass nicht die Universität das Forum organisiert, sondern die HSG Tübingen des Bundesverband hat den Großen Senat zu diesem Zweck von der Universität gemietet.
Das von uns geplante Forum als „Kriegslobbykonferenzen in der Neuen Aula“ zu bezeichnen trifft nicht im entferntesten die Intention der Veranstaltung. Wir sehen in den aktuellen Bestrebungen auf eine Welt ohne Atomwaffen hinzuarbeiten, eine Chance das internationale Umfeld kooperativer und weniger unsicher und ungerecht zu gestalten. Dennoch gibt es faktisch auch Grenzen dieser Bestrebungen, sonst wäre die Welt ohne Atomwaffen bereits real.
Genau diese Chancen und Grenzen sollen auf dem Forum diskutierte werden, damit sich die Öffentlichkeit stärker an der bislang elitendominierten sicherheitspolitischen Debatte beteiligen kann. Dazu benötigt sie Informationen, um sich eine eigene kritische Meinung zu bilden, die sie dann in den demokratischen Prozess einbringen kann.
Und genau hierzu wollen wir als Pluralisten sehr wohl die kontroversen Stimmen und Ansichten hören und den eigenständig denkenden Studierenden und Bürgern anbieten, die wir mitnichten „sukzessive an militaristische und imperialistische Positionen“ gewöhnen wollen. Solche Positionen sind nicht Inhalt des Programms oder der Ausführungen der Referenten. Ferner trauen wir den Studierenden durchaus zu, selbst zu entscheiden inwieweit sie sich durch die Veranstaltungen an der Universität „beeinflussen“ lassen.
Botschafter Ischinger ist deshalb eingeladen worden, weil er sich seit Jahren für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzt und sich hierfür auch schwierigen Diskussionen stellt. Ebenso braucht das Forum keine „grünen Feigenblätter“ . Frau Malczak ist nicht aus diesem Grunde eingeladen worden, sondern weil sie die Position einer Partei im Bundestag vertritt, die die in Deutschland stationierten Atomwaffen schnellstmöglich abziehen möchte. Ferner ist Frau Malczak auch Studierende dieser Universität. Der Satz, dass die „Grüne(n) spätestens seit dem Jugoslawienkrieg nur noch sehr lückenhafte Feigenblätter für solche Veranstaltungen abgeben, weil sie selbst längst auf der Neuen Deutschen Welle richtung Platz an der Sonne schwimmen“ wirkt auf mich wie die Gleichsetzung von Auslandseinsätzen mit einem Platz an der Sonne. Eine These, die wahrscheinlich nur wenige in Deutschland teilen werden und für viele Menschen wie kalter Zynismus erscheinen muß.
Was die Karikatur zum Iranischen Atomprogramm angeht, so ist diese nicht mehr und nicht weniger als eine Karikatur. Eine überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen mit politischem Hintergrund, die dazu anregen soll sich zu positionieren.
Abschließend, hoffe ich dass Sie sich am Forum beteiligen und Ihre Positionen und Meinungen in die Diskussionen einbringen und so den Forumscharakter der Veranstaltung beleben.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Schwarz
Vorstand HSG Tübingen des Bundesverband Sicherheistpoltik an Hochschulen
Re: Sicherheitspolitisches Forum
Lieber Sebastian,
ich gehöre nicht zu den Verfassern des Briefes, teile aber die darin formulierte Kritik.
@"Meinungsfreiheit" und "Pluralismus": Hier möchte ich darauf hinweisen, dass der offene Brief nicht fordert, dass Ihre Veranstaltung gar nicht stattfinden soll. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass die Universität sich an solchen Veranstaltungen nicht unterstützend beteiligen soll. Abgesehen davon möchte ich sehen, wie "pluralistisch" die Uni reagieren würde, wenn irgendeine Antifa-Gruppe von ihr die Neue Aula und Geld zur Unterstützung für eine Veranstaltung wollte. Im Übrigen - ich möchte das nicht näher ausführen, höchstens auf Nachfrage- denke ich, dass die Berufung auf den "Pluralismus" und die "Meinungsfreiheit" auch durchaus regressive Züge haben kann, wie sie auch leicht daran sehen können, dass sich NPD und Konsorten permanent auf selbige berufen um das Verbotsgesetz (Verbot von NS-Widerbetätigung) zu "kritisieren".
@Charakter der Veranstaltung: Ich denke, dass das Thema der Veranstaltung zunächst einmal egal ist. Bundeswehr und Bundeswehr-nahe Organisationen sollten weder in Schulen (siehe Problem der "Jugendoffiziere"), noch an Universitäten hofiert werden. Es ist durchaus eine Gewöhnungs- und Normalisierungsstrategie. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen, dass nicht mit Ihrer Veranstaltung zu tun hat, sondern die zweite im offenen Brief erwähnte LV angeht, die von Frau Lanik. Uns liegt ein privater Mailverkehr vor, in dem T. Bargatzky (jemand, der irgendwo zwischen Rechtsradikalismus und Traditionskonservativismus steht) schreibt, er freue sich sehr über die Veranstaltung von Fr. Lanik, so etwas auf der Uni zu machen sei "zu meiner Zeit noch völlig undenkbar gewesen". Ich denke Ihnen ist völlig klar, dass im Rahmen der Neuausrichtung der NATO in den 90ern auch die Bundeswehr eine Änderung ihres Aufgabenbereichs vollzogen hat. Im Zuge dieser Neuausrichtung muss die Bevölkerung natürlich dran gewöhnt werden, dass von deutschem Boden nun doch wieder Krieg ausgeht (ob "umgangssprachlich" (Guttenberg) oder nicht, ist hier egal).
@"Platz an der Sonne" - ich verstehe Ihre Kritik nicht. Auslandseinsätze dienen dazu sich geostrategisch zu positinieren, sich militärisch zu profilieren und/oder sich ökonomische Einflußsphären zu sichern. Insofern stehen sie in einer gewissen Kontinuität zu den Bestrebungen, die der zu spät gekommene deutsche Imperialismus eben auch schon zur Zeit dieses Zitats hatte. Und ob diese These von den meisten Deutschen geteilt wird oder nicht, weiß ich nicht; klar ist aber, dass die Ablehnung der Auslandseinsätze eine große Mehrheit in der Bevölkerung teilt.
@Karrikatur. Sicher ist es nur eine Karraikatur, und soll zum "nachdenken anregen". Aber sie zeigt eben auch, in welche Richtung das "Nachdenken" gehen soll.
Abschließend: Wer sich an dem Forum beteiligen wird, weiß ich nicht, sicher werden einige auf die eine oder andere Weise ihrer Meinung Ausdruck verleihen. Auch ne kleine Demo und ziviler Ungehorsam sind ja noch im Rahmen des pluralistischen Grundkonsenses.
Mit besten Grüßen,
Loulou
Zu "abschließend"
Wie es der Name schon sagt, ist auch eine Beteiligung kritischer Stimmen am "Forum" erwünscht. Allerdings unter Einhaltung bestimmter Umgangsformen, sprich im Rahmen der Diskussionsrunde. Wer seiner Meinung anderweitig Ausdruck verleihen will, kann das ja zuhause auf dem stillen Örtchen tun - denn wir sind hier nicht im antiautoritären Kindergarten. Für eine Demo steht jederzeit die Wilhelmstraße (oder besser gleich die B27) zur Verfügung. Lasst Euch also nicht aufhalten! Und "ziviler Ungehorsam" setzt m.E. eine staatliche Anweisung, Unterdrückung o.ä. voraus. Bei einer sicherheitspolitischen Vortrags- und Diskussionsrunde zivilen Ungehorsam üben zu wollen, ist irrationaler, ideologisierter Schwachsinn. Wobei besagter Ungehorsam natürlich ein schönes Schlagwort aus vergangenen Protestzeiten ist, das der/die eine oder andere Möchtegern-Revolutionär frühzeitig aufschnappt.
Übrigens heißt es "Karikatur".
Und jetzt freuen wir uns alle auf eine langsame Normalisierung von sicherheitspolitischem Denken, da auf unsere schöne Erde (auf der sich nun mal auch Deutschland befindet) noch einiges an Ärger zukommt.
abermals "gähhhhn"
gäääääähhhnnn....selber Möchtegern-Provo-Müll wie vorhin....gäääähhhnn...
An den Gääähhhner
Nimm beim Gähnen bitte die Hand vor den Mund!!! Gähnen ist leider kein nennenswertes Argument.
Interview dazu im Bildungsmagazin
http://radio.ernst-bloch-uni.de/2010/04/interview-mit-kritiker-des-semin...