Es geht Ums Ganze:
...die ganze Reinheit der Theorie!
...die ganze Identität des radikalen Individuums!
...nur nie um die ganze Abschaffung des Systems!
Bei den Demos um Heiligendamm 2008 machte ein Bündnis von sich sprechen, welches sich „Ums Ganze“-Bündnis nennt. Viele und vor allem jüngere Radikale sehen ihre Position in Stellungnahmen des Ums-Ganze-Bündnisses am ehesten vertreten und nutzen dessen Rhetorik um andere u.a. radikale linke Positionen zu kritisieren oder zu verurteilen. Mir drängte sich während der ganzen Entwicklung doch ein für die radikale Linke im Großteil des deutschsprachigen Raumes sehr gefährliches Phänomen auf, zu welchem ich anhand folgender Punkte hinführen möchte:
1. Verkürzter Antikapitalismus oder „Bist du aktiv, dann läuft was schief!“
Die ganze Idee die Linke und die radikale Linke grundlegend mithilfe marxscher Argumente zu kritisieren kommt aus dem Phänomen der linken Splitterfraktion der „Antideutschen“. Diese kritisieren aus einer vornehmlich antifaschistischen Perspektive die linken Solidaritätsaktionen mit palästinensischen Befreiungsbewegungen1 sowie die teilweise autonomen Kampagnen gegen Großkonzerne2 und Gentrifizierung3. Zu den Vorwürfen gehört Antisemitismus4, „Antiamerikanismus“5 und „verkürzte Kapitalismuskritik“6. Von außen betrachtet könnte dieser Konflikt als ein Konflikt der Prioritäten betrachtet werden:
Den Einen (Großteil der radikalen Linken) geht es darum, den Kapitalismus und seine Ausbreitung mit allen Mitteln zu bekämpfen, den Anderen, hier den AntiDs (Antideutschen) geht es darum, die kleinsten Ansätze von Faschismus im Keim zu ersticken. Daraus folgt für sie, dass sie keine gemeinsamen Ansätze mit neofaschistischen Gruppen haben wollen. Die Neonazis aber, im Versuch aus ihrer marginalen Position herauszukommen, hängen sich an alle möglichen linken Kampagnen an und versuchen diese über die kleinsten möglichen Gemeinsamkeiten zu vereinnahmen. Ein Beispiel sind die Kampagnen gegen us-amerikanische Großkonzerne wie McDonalds, die die Neonazis als „Eindringlinge von Außen“ darstellen können und unter nationalistischen Vorzeichen versuchen zu vereinnahmen.
Die AntiDs versuchen nun seit den 90ern den anderen Linken diese Kampagnen auszutreiben, wollen aber wohl nicht die Vereinnahmungsversuche der Nazis als Argument angeben (was bei bei den meisten Linken wohl auch nicht angekommen wäre, schließlich lässt mensch dadurch seine Politik von rechtsaußen kontrollieren).
Um also ihre Position zu finden, schließlich wollten die AntiDs auch keine Kapitalismusbefürworter sein, mussten andere Argumente her. Und die fanden die insgesamt eher universitär orientierten AntiDs (Unistädte sind häufig Hochburgen der Antideutschen) in den Schrift des guten alten Karl Marx:
Die Schriften von Marx lassen sich so interpretieren, dass der gesamte Kapitalismus eine fast mechanische objektive Struktur ist, die von sich heraus zu verschiedenen Ergebnissen führt. Objektiv bedeutet, dass keine Akteure maßgeblich verantwortlich für die Tatsachen sind, die unter dem Kapitalismus entstehen. Durch den Mechanismus der Konkurrenz werden alle Akteure zu den kapitalistischen Handlungen gezwungen. Weder Kapitalist*innen, noch Großkonzerne können demnach für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden, der Kapitalismus alleine trägt die Schuld. Dieser Logik zufolge kann zum Beispiel Nike nicht für die ummenschlichen Arbeitsbedingungen und die Kinderarbeit in ihren Fabriken in Ostasien verantwortlich gemacht werden, weil nur der Kapitalismus daran schuld ist. Und wenn etwas dagegen unternommen werden soll, dann bitte nichts außer die Abschaffung des Kapitalismus. Bei der Frage wie das erreicht werden soll, beziehen sich AntiDs aber weniger auf Marx: Arbeiterklasse gibt es ihnen zu folge nicht mehr. Allein, und kann wieder Marx zitiert werden, die „Waffe der Kritik“ scheint in diesem Moment eine vernünftige Antwort auf den Kapitalismus zu sein. Das heißt, sowohl im stillen Kämmerlein als auch in Infoveranstaltungen und Publikationen den Kapitalismus kritisieren und seine Abschaffung propagieren. Wie das dann genau funktionieren soll, dazu schweigen AntiDs meistens, wohl auch auch deshalb, weil auch ihnen das nicht so bewusst ist. Sicher sind sie nur mit ihrer Kritik, und die wird dann auch gerne vernichtend formuliert, an allen „aktivistischen“ Bemühungen gegen den Kapitalismus: Sowohl Gewerkschaftsorganisierung, als auch Konsumboykotte, direkte Aktionen, Sabotageakte, Druck auf Konzerne aufbauen usw. bringt alles nichts um den Kapitalismus anzugreifen sondern ist im besten Fall nutzlos oder eben häufig strukturell Antisemitisch, "Antiamerikanisch", verkürzte Kapitalismuskritik, personalisierte Kapitalismuskritik usw.
Diese Position wird übrigens auch von den „Wertkritiker*innen“ vertreten; so nennt sich eine theoretisch-kapitalismusanalytische Richtung, an der sich AntiDs hauptsächlich orientieren.
Offensichtlich besteht das Problem der AntiDs darin, ein geringeres Interesse im Kampf gegen den Kapitalismus zu haben und eine höhere Angst, von Rechts vereinnahmt zu werden. Ihre Theorie konstruieren sie daher zu 100% an dem Kriterium, dass sie nicht vereinnahmt werden kann und zu 0% an dem Kriterium, dass sich daraus Handlungsalternativen ableiten lassen. Es kann auch von einer „Reinheit“ der Theorie gesprochen werden. Warum diese Strategie den Nazis dennoch in die Hände spielen kann, zeige ich am Schluss.
2. „Ums Ganze“ oder „Die Reinheit der Theorie auf die Straße tragen“
Aus oben genannten Gründen sind konsequente AntiDs auch 2008 nicht auf die Straßen gegen den G8-Gipfel gegangen. „Personalisierte Kapitalismuskritik“ nannten sie es, wenn gegen bestimmte Politiker*innen demonstriert wird, anstatt zu darzustellen, dass der Kapitalismus alleine verantwortlich für die Politik ist, und keine Personen. Einer Fraktion von AntiDs war das wohl zu langweilig, weshalb sie sich zum Ums-Ganze-Bündnis zusammenrauften, um unter den Vorzeichen ihrer rein-theoretischen Theorie und der Kritik an den aktivistischen Linken auf die Straße zu gehen. Das Ums-Ganze-Bündnis verbindet die Theorie und die Kritik mit großangelegten symbolischen Aktionen. Aber auch bei ihnen bleibt alles beim alten: pragmatische Bündnisse um tatsächlich etwas zu blockieren oder tatsächlichen gesellschaftlichen Einfluss zu beweisen, wie es zum beispiel die postautonome „Interventionsistische Linke“ versucht, bleiben des UGlern (Ums-Ganze-Anhänger*innen) suspekt. Lieber wird eine „reine“ Theorie vertreten, die zwar außer Theoriearbeit keinen Handlungsspielraum lässt, aber die auch deshalb nie falsche Handlungen bewirken kann und außerdem immer schön mit Marx erklärbar bleibt.
Die Position von Ums-Ganze ist, dass es wichtiger ist mit einem kleinen Kern von Radikalen die richtige Theorie zu erarbeiten und zu vertreten, als gesellschaftlich Einfluss zu nehmen. Pragmatismus, also dass es doch notwendig sei, z.B. einen Naziaufmarsch zu verhindern, eine Abschiebung aufzuhalten oder Kriegen entgegenzutreten, ist für UG nie ein Arguement. Ob alles was gesagt wird aber auch mit Marx zu rechtfertigen ist, scheint da schon viel wichtiger zu sein. So ließt sich die dicke UG-Broschüre „staat, weltmarkt und die herrschaft der falschen freiheit“ wie eine Marx-Sekundärliteratur, auch wenn zu eindeutige Hinweise auf Marx und zuviele Zitate vermieden werden. Dabei ist die Theorie des UG-Bündnisses sicher nicht falscher als die meisten anderen Theorien zum Kapitalismus. Sie ist eben, wie jede Theorie, nur eine Perspektive auf die Situation der Welt. Das Problem ist wohl hauptsächlich eine Theorie zu überhöhen und dazu ausgerechtnet eine Theorie, mit der jegliche Handlung diskreditiert werden kann, aber keine Handlungsmöglichkeiten gegen den Kapitalismus aufgezeigt werden können.
3. Inhaltliche Knackpunkte oder „Alles Antisemitisch oder was?“
UGler*innen und AntiDs kritisieren linke Positionen wenn z.B. Konzerne kritisiert werden, dass es dabei nicht um den Kapitalismus gehen würde sondern darum, die USA zu diskreditieren (Vorwurf des „Antiamerikanismus“). Dass nicht-us-amerikanische Konzerne genauso kritisiert werden wird unterschlagen. Oder wenn Konzerne oder Politiker*innen von Linken kritisiert werden, behaupten AntiDs und UGler*innen, das tatsächliche Anligen der Kritik sei, Personen für das Desaster des Kapitalismus verantwortlich zu machen, die dann jüdisch sein könnten (Vorwurf des strukturellen Antisemitismus). Sie nutzen das Argument der Objektivität des Kapitalismus, um jede Kritik an Konzernen (z.B. die Ermordung von Gewerkschafsfunktionären in Betrieben von Coca Cola in Kolumbien) oder an Politiker*innen (z.B. George W. Bush wegen seiner neoliberalen Bemühungen und kriegerischen Methoden in aller Welt) zu diffamieren: nicht die jeweiligen Akteure seien Schuld an den Verbrechen, es sei der Kapitalismus. Dies scheint natürlich nicht ganz falsch zu sein, ist jedoch offensichtlich sehr einseitig. Kann die Macht von politischen Positionen oder von Konzernen derart heruntergespielt werden? Ist tatsächlich der*die Präsident*in eines wohlhabenden Landes genausoviel vom Kapitalismus abhängig in ihren*seinen Taten, wie ein illegalisierte*r Migrant*in? Ist der reichste Mann der Welt in seinem Handeln ebenso vom Kapitalismus gezwungen wie ein*e arme*r Landarbeiter*inn, die aus Hunger gezwungen ist Regenwaldbäume zu fällen? Wohl kaum! Jegliche Macht als irreal und jegliche Verantwortung für nichtig zu erklären scheint eine in den 60ern stehengebliebene, ökonomistische Position zu sein.
Mit dem Argumenten der Subjektlosigkeit des Kapitalismus wird trotzdem auch leicht der Vorwurf der „verkürzten Kapitalismuskritik“ angebracht. Linker Kritik wird dann unterstellt, ihre Kapitalismuskritik hätte tatsächlich antiamerikanische oder strukturell-antisemitische Motivationen. Zum Beispiel wenn die Grausamkeiten des Kapitalismus anhand von us-amerikanischen Großkonzernen dargelegt wird. Eng verflochten ist der Vorwurf des Antiamerikanismus von Seiten der AntiDs mit dem Vorwurf des Antisemitismus: USA als wichtigster Verbündeter Israels, für AntiDs das Bollwerk gegen Antisemitismus schlechthin, darf nicht übermäßig kritisiert werden. Dasselbe gilt für Israel selbst, schließlich vertreten AntiDs eine pro-israelische Position und vermuten hinter jeder pro-palästinensischen oder anti-israelischen Positionen pauschal Antisemitismus. Aber auch Aktivitäten von Linken außerhalb vom Protest gegen Konzern- und Staatenpolitik bleibt vor vernichtender Kritik von AntiDs und UGler*innen nicht verschont: gewerkschaftliche Bemühungen aller Art, der Aufbau von Alternativen durch selbstverwaltete Betriebe oder Kommunen, usw. ist nicht mit der Objektivität des Kapitalismus vereinbar bzw. kann ihrer meinung nach nicht zur Abschaffung des Kapitalismus führen. Es wird deutlich, für was diese Art von Kapitalismuskritik verwendet wird :
1. Der Konstitution der eigenen Gruppe als die kleine, radikale Minderheit mit den nötigen Theoriewissen gegenüber allen anderen linken und radikalen Gruppierungen.
2. Der Diffamierung jeglicher antikapitalistischen Praxis, teilweise um auch die kleinsten Tendenzen aufzugreifen und kritisieren zu können, die Übereinstimmungen mit rechten Gruppen haben könnten, teilweise nur, um diese als „nicht antikapitalistisch“ darzustellen.
4. „Wo ist der Ausweg?“ oder Ums-Ganze-Kongress gegen Ums-Ganze-Bündnis
Interessanter dagegen war der Ums-Ganze-Kongress „no way out“ im Dezember 2007, dessen Vorträge auf ugkongress.blogsport.de nachgehört werden können:
Die Referent*innen waren aus vielfältigen Strömungen zusammengesammelt und konnten so auch ein vielfältiges Bild des Kapitalismus und seiner Bekämpfung aufzeichnen. Viele Referent*innen widersprachen mit deutlichen Worten der vom Ums-Ganze-Bündnis propagierten Position. Ich erwähne hier nur zwei: Nadja Rakowitz, die über die marxsche Politische Ökonomie referierte sagt deutlich, dass auch Marx immer wieder deutlich gemacht hat, dass es sich beim Kapitalismus nicht um objektive Strukturen handelt, sondern um soziale Verhältnisse. Dies macht deutlich, dass auch aus marxscher Perspektive nicht ein subjektloses Konstrukt herrscht, sondern ein soziales Verhältnis mit Subjekten, die handeln und somit dieses Verhältnis beeinflussen oder stürzen können. Gerhard Hanloser, der auch zu den bekanntesten Kritiker*innen der Antideutschen Splitterbewegung zählt, spannte den Bogen von der Überholtheit alter Klassenkampfpositionen zur Nützlichkeit des Klassenbegriffs auch in heutigen Kämpfen. Somit deutete auch er auf die sinnhaftigkeit konkreter Kämpfe im Bezug auf Antikapitalismus hin.
Wer die Vorträge von der ugkongress.blogsport.de-Seite oder von anderen antikapitalistischen Veranstaltungen hört, merkt dass der Kapitalismus doch nicht so Subjektlos ist: Sowohl Mächtige, die zur Verantwortung gezogen werden können, Arbeiter*innen, die Widerstand leisten können, Konsument*innen, die ihren Konsum als Waffe einsetzen können wie auch alle möglichen anderen Rollen und Sphären unserer Welt können zum Kampf gegen den Kapitalismus und die herrschenden Verhältnisse für eine bessere und gerechtere Welt eingesetzt werden! Interessant dazu auch die Internetseiten der Anarchosyndikalist*innen www.fau.org, die Seite der Interventionistischen (eingreifenden) Linken www.dazwischengehen.org, die Seite der Projektwerkstatt Saßen www.projektwerkstatt.de und die Seite der internationalen Anarcho-Kommunist*innen www.anarkismo.net.
Fazit:
Was letztlich deutlich wird, ist dass es in der Kritik von AntiDs wie auch dem UG-Bündnisses Kernpunkte gibt, die diskutiert werden sollten: Antisemitismus in der Linken, Vereinnahmungsversuche von rechts, Effekt und Anspruch von antikapitalistischen Kampagnen usw. Deutlich wird aber auch, dass die Form der Kritik, wie sie UG und AntiDs formulieren, häufig nicht als konstruktive Kritik gebraucht werden kann, sondern sehr oft wichtige Mobiliserungen angreifen, wichtige Aktionen blockieren, wichtige Politisierungen Einzelner versauen usw. Weiter wird deutlich, dass die Anziehungskraft dieser Form der Kritik auf bestimmte Jugendliche sehr hoch ist: Beschimpfungen wie „Antisemit“ und Diskreditierungen wie „verkürzte Kapitalismuskritik“ treffen die Emotionen nicht-gefestigter Jugendlicher oder Erwachsener schwer. Der Anpassungsdruck ist entsprechend hoch. Die Motivation die Position der AntiDs oder des UG-Bündnisses zu teilen ist aber auch einge ganz andere, wie bei vielen anderen Linken:
Es geht nicht darum, tatsächlich etwas gegen den Kapitalismus zu tun, seine Ausweitung entgegenzutreten oder seine Basis anzugreifen. Und schon gar nicht darum, die Bedingungen unter denen die Menschen im Kapitalismus leben müssen zu verbessern. Es geht also nicht darum, wirklich Politik von unten machen zu wollen, denn all das kann dieser Theorieansatz nicht bieten. Daher verwundert es nicht, dass die Menschen die sich an diesem Theorieansatz orientieren vorwiegend zu den gesellschaftlich bessergestellten gehören: Schüler*innen und Studierende, die mit ihrer guten Verwertungsaussicht (Jobmöglichkeit) keine dringende Notwendigkeit zur Abschaffung des Kapitalismus sehen. Im Gegenteil, könnte eine solche Abschaffung oder Schritte dahin eventuell ihre angenehme Zukunftsperspektive (nach der prekären Praktikumszeit) gefährden.
Was dieser Theorieansatz aber bieten kann, ist eine Identität des „Ultra-Radikalen“, eines Menschen der die Welt verstanden hat und den anderen zeigen kann, dass sie es (noch) nicht verstanden haben. Die Identität des*r Kritikers*in, die*der sich radikal gebärden kann, ohne zuviel Arbeit leisten zu müssen oder gar die eigene Freiheit zu riskieren (Repression zu erfahren). Nicht umsonst bewertet der Verfassungsschutzbericht die Antideutschen durchweg positiv: sie reden nur und demonstrieren, aber sie gefährden niemanden, kein Besitz oder Herrschaftsverhältnis; im Gegenteil: sie hindern die meisten Linken noch daran diese Verhältnisse zu gefährden.
Diese Tatsach der Identität könnte ein massives Problem sein, schließlich rekrutiert die radikale Linke zu einem hohen Maße mithilfe identitätspolitischer Merkmale ihren Nachwuchs. Der Bedarf nach Identitätsstiftenden Elementen darf dabei nicht lächerlich gemacht werden: es ist real und völlig legtim, da er in der Massengesellschaft auch notwendig für die Persönlichkeitsentfaltung ist.
Ein noch größeres Problem des Theorieansatzes von UG bzw. der AntiDs ist aber eines, welches er eigentlich bekämpfen will. Der Theorieansatz ist ausschließlich dazu geeignet ist, Faschist*innen zu bekämpfen und wird dazu verwendet jede Tendez in den sozialen Bewegungen und der radikalen und nicht-radikalen Linken, die als von rechts vereinnahmbar aufgefasst werden kann, aufzugreifen und öffentlich zu diffamieren. Diese Reinheit sorgt aber im schlimmsten Fall auch dafür, dass die von UGler*innen und AntiDs bekämpften Tendenzen von den sozialen Bewegungen und den Linken fallen gelassen werden und gleich von faschistischen Gruppen aufgegriffen werden. Je mehr linke Gruppen z.B. die Kampagne damals gegen die Privatisierung der Bahn fallen ließen, weil sie demnach nichts antikapitalistisches enthält, desto eher freut sich die NPD und andere extremrechte Organisationen auf die Monopolstellung bei dieser Kampagne. Mithilfe der Theorie von UG kann sich die radikale Linke im deutschsprachigen Raum selbst ins äußerste Abseits schieben, wo sie dann außer für Schüler*innen und Studierende während dieser "Schonfrist" (vor dem Berufsleben) im Leben nicht attraktiv sein kann. Dank der Dekonstruktion der Klassen durch UG&Co ist dann auch das wohlhabende Berufsleben, fern von den wirklichen Unannehmlichkeiten des Kapitalismus, mit gutem Gewissen für die Ex-Radikalen möglich.
Die radikale Linke muss sich mit diesem Problem konfrontieren, will sie weiterhin daran arbeiten handlungsfähig und gesellschaftlich relevant zu werden.
Zum Bild: ganz andere Vereinnahmungsversuche sind da wohl die Gefahr
Recherche
Das der Artikel insgesamt schlampig recherchiert ist und abgesehen davon voller Rechtschreibfehler lässt sich schon alleine an der Tatsache festmachen, dass das Treffen der G8 2007 und nicht wie behauptet 2008 war *g*. peinlich peinlich...vielleicht lieber doch in Studenten Städte ziehen liebes Proletarier Kind...
mit liebes Grüßen aus Berlin
bullshit
"Es geht nicht darum, tatsächlich etwas gegen den Kapitalismus zu tun, seine Ausweitung entgegenzutreten oder seine Basis anzugreifen. Und schon gar nicht darum, die Bedingungen unter denen die Menschen im Kapitalismus leben müssen zu verbessern."
was soll der quatsch? das ist falsch. es geht nich gegen die kämpfe, die bedingungen im kapitalismus konkret verbessern wollen. diese kämpfe werden von ug als legitim anerkannt.
es geht darum die kämpfe als dass zu sehen, was sie sind. nämlich kämpfe einzelner gruppen/milieus etc etwas vom kapitalisitschen kuchen ab haben zu können. das ist völlig normal im kapitalismus. die meisten tun es. arbeiterInnen versuchen ihre arbeitskraft so teuer wie möglich zu verkaufen und besitzende versuchen so viel wie möglich gewinn zu machen. alle kucken drum, dass jeweils ihre schäfchen im trockenen sind. wieso soll das besonders böse sein, wenn managerInnen so etwas tun und wieso ist es gut wenn gewerkschaften so etwas tun? es ist immer das gleiche!
entsprechend sollte man den arbeitskampf oder die kämpfe um billige mieten nicht zu revolutionären kämpfen verklären.
darum geht es letztendlich.
lustig ist auch das du den vermeintlichen ansatz von ug kritisierst, aber nicht ein zitat aus ihren zahlreichen plukationen drin hast. entsprechend werden irgendwelche vorurteile, halbwahrheiten und anderer kram aus verschiedenen strömungen "der antiDs" und anderer zusammengerührt.
setzten sechs
Zieht die Maske ab selbstlose Jediritter
eieiei lieber bullshit,
schon lange keinen größeren Quatsch mehr gelesen, der dann auch noch so breitbeinig und dickeirig daherkommt. Leider wird Euer theoretischer Quark nicht intellektueller, wenn er schulmeisterlich-deutsch ("setzen sechs") daherkommt.
Also Deine Meinung: wenn sich Leute für billigere Mieten einsetzen ist das das Gleiche, wie wenn Konzerne aufgrund der Profitmaximierung Menschen zerstören.
Wenn Arbeit versucht durch Kämpfe sich notdürftig über Wasser zu halten ist das das Gleiche, wie wenn das Kapital aus Konkurrenz untereinander Umwelt, Lohn- und Tranferabhängige immer weiter auspresst.
Also Profitmaximierung ist das gleiche wie Um-ein-gutes-Leben-Kämpfende-Ausgebeutete, ist das Gleiche wie Kapitalismus insgesamt. Unterstellt wird dem armen Kapital, dass es auch immer ums Überleben kämpft. Schon mal, nur um das Nachdenken n bisschen anzuregen, was von Konzentration, Monopolbildung etc. gehört? Was von ungleichen Welthandelsbedingungen etc gelesen? Eure idealen Wettbewerbsvorstellungen sind ja süß neoliberal.
Ja klar...das Kapital befindet sich im kapitalistischen Befehlsnotstand. Die sind nach Feierabend eigentlich ganz anders. "Man kommt nur so selten dazu"!
Revolutionär sind dann für Dich nur Kämpfe, die quasi von Bedürfnissen entkernt auf eine Zukunft hinkämpfen, von der ihr nur wisst, dass sie ohne Kapitalismus und deshalb ganz toll sein soll. Da sind dann auf einmal alle lieb zu einander.
Fazit: Ihr verlangt Aktion ohne persönliche Betroffenheit (reinen Herzens) für eine jenseitige Sache, von der ihr intensiv glaubt, dass sie das Paradies ist, aber nicht wisst wie's funktionieren soll.
Liebe Heilige, mancher Selbstmordattentäter hat sich da schon gegenüber Euch als ordentlicher Materialist (wegen der konkreten Leistungen im Paradies) und als weniger religiös und irrational (weil die Heils-Versprechungen konkreter sind) erwiesen ;-).
Ich denke, ihr habt in Euerer Kleinstadt-Ein-Familienhaus-Jugend zuviel Krieg der Sterne und reine Jedi-Ritter geschaut. Zieht die Maske ab, ihr reinen selbstlosen Treckis. Aber mit antikapitalistischer Politik hat das nix zu tun.
Können wir dann mal irgendwann wieder politisch denken und handeln?
Bitte lass das mal
bitte antworte doch auf eine Kritik eines Einzelnen nicht, indem du hier wieder ein Kollektiv unterstellst ("Ihr" "Euch". etc.)
Und lass mal diese dämlichen Unterstellungen ("Kleinstadt-Einfamillinehaus-Jugend").
oooohhh
"diese kämpfe werden von ug als legitim anerkannt.
es geht darum die kämpfe als dass zu sehen, was sie sind." dann erklärt er...
Die Kolleg_in oben gibt sich also als UG-Filiale und will mir deren Denkweise erklären (und was da so als illegitim und legitim anerkannt wird.) Er/Sie konstruiert sich somit als Mitglied im UG-Kolletkiv.
Diese theorielose Überbetonung von Theorie kann ich nur ironisch ertragen. Schade, dass man bei Dir immer alles bierernst-deutsch vortragen muss. Wie im Oberseminar. Das siehts der Prof auch nicht gern, wenn man Witze über seine ernsten Themen macht und damit seine Vorherrschaft schon von der Form her nicht anerkennt. Die Ideologie oben ist aber echt schräg: Verhalten von Arbeit = Verhalten von Kapital. Ts,ts. Da kann kaum ernst bleiben.
Noch mal im Klartext:
Diese subjektlose Kritik fordert subjektlose Antikapitalist_innen. Das ist menschenverachtend und ungesund. Hoffen wir, dass sich der Quatsch nicht über die Kreise hinaus erweitert, die sich das leisten können: Mittel- und Oberschicht-Studis und Schüler_innen.
Nein, wenn Arbeit versucht
Nein, wenn Arbeit versucht durch Kämpfe sich notdürftig über Wasser zu halten, ist das nicht das Gleiche, wie wenn das Kapital aus Konkurrenz untereinander Umwelt, Lohn- und Tranferabhängige immer weiter auspresst. Aber es ist auch nicht das Gleiche, wie eine Gesellschaft zu verändern, in der Arbeit sich immer mit Kämpfen über Wasser halten muss - und das war das Argument, Darth Vader. Die Abschaffung des Kapitalismus ist was anderes, als sich mehr Geld von Chef abzutrotzen - dann soll man es aber auch nicht als solches verkaufen.
boba fett strikes back
die Frage bleibt nur: was ist dann Kapitalismus abschaffen? Und solange es darauf keine Antwort gibt, die alle anderen Antworten überflüssig macht, gibt es darauf viele Antworten:
sich radikalisierende Gewerkschaftskämpfe, mit denen der Klassenkampf dialektisch zur Revolution führt, war die Antwort die Marx auf seine Frage nach der Abschaffung der Kapitalismus gegeben hat. (ihr benutzt seine Theorie doch so gerne, warum nicht seine taktik? weil er ein "autoritärer charakter" war? müsstet ihr dann aber nicht auch seine theorie ein wenig in frage stellen?)
andere antoworten gibt es viele und für mich ist jede legitim:
fabrikbesetzung, arbeiterselbstverwaltung und anarchosyndikalismus; streiks und solidarische boykotte; konzernbekämpfung durch kampagnen; kommunen und aufbau von netzwerken solidarischer ökonmie; und tausend andere....
(und kommt mir bitte nur mit wirksamen argumenten, ich habe genug marx und auch ug-hefte gelesen, um zu verstehen was ihr meint, kann mich von eurer schwarz-weiß-denkerei aber leider nicht anstecken lassen...)
@ boba fett
1. Lass das bitte mit deinem "Ihr". Ich bin weder beim UG-Bündnis, noch vestehe ich mich als Antideutsch. Ich weiß nicht, was du da für einen persönlich Kreuzzug gegen die abziehst, das ist mir auch egal, aber ich habe keine Lust bei der Diskussion ständig in irgendwelche Schubladen eingeordnet zu werden. Das liegt nicht daran, dass ich Schubladen ganz schlimm finde, sondern daran, dass es für die Diskussion überhaupt nichts nützt und es einfach zeitaufwändig und ärgerlich ist, ständig irgendwelche Unterstellungen und Beschimpfungen von dir zu lesen (ständig nur Marx lesen, Theoriefurzer usw.) Entweder man diskutiert sachlich und argumentativ oder ich bin raus.
2. Zu deiner Frage, wie der Kapitalismus abzuschaffen ist: Mich stört an dieser Gesellschaft (unter anderem), dass die meisten Menschen sich ihr Leben lang abrackern und kaum was davon haben. Die Produktionsmittel und die Arbeit werden nicht dazu eingesetzt, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern dazu, Reichtum in privater Hand, also Kapital zu vermehren. Also will ich eine Gesellschaft, in der die Produktionsmittel von allem gemeinsam genutzt werden, um möglichst gut die Bedürfnisse der Leute zu befriedigen, in der sich Menschen nicht gegenseitig vom Reichtum ausschließen, sondern ihn zusammen für ein möglichst angenehmes Leben verwenden. Kommunismus ist also eine Gesellschaft, in der die Produktionsmittel vergesellschaftet sind, das Privateigentum abgeschafft und planvoll für die Befriedigung von Bedürfnissen aller gearbeitet wird.
Natürlich kann man sagen: Ich pflanz in meinem Garten Gurken für meine und meiner paar Freunde Bedürfnisbefriedigung an und mache somit unseren privaten Mini-Kommunismus. Von Gurken zu leben ist aber ein Lebenstandart, dem ich nichts abgewinnen kann. Es müssen sich also möglichst viele (am besten alle auf der Welt) Produktionsmittel in der Hand von Kommunisten befinden, damit erstmal überhaupt und dann später auch ein angenehmes Überleben und Leben möglich ist. Man wird schnell feststellen: Wenn man in dieser Gesellschaft Produktionsmittel einer vernünftigen Verwendung zuführen will, stößt man sofort auf ein Problem. Die gehören nämlich schon jemandem und die Eigentümer wollen sie nicht unbedingt loswerden. Ihr Wort hat auch ziemlich viel Gewicht, denn diese Gesellschaft leistet sich einen riesigen Gewaltapparat, der genau solche Übergriffe gegen das Privateigentum verhindern soll - den Staat. Schon der kleinste Schritt zum Kommunismus - sagen wir mal die Vergesellschaftung der Lebensmittelindustrie und ihrer Zuliefererindustrien - stößt auf ein Heer von Polizisten und Soldaten und dann kann man mit seiner Zwille einpacken. Solange es also in dieser Gesellschaft Leute mit genug Gewalt- und Machtpotenzen im Rücken gibt, die Privateigentum wollen (und im Moment sind es wahrscheinlich so um die 99%) kannste irgendwas, was den Namen Kommunismus verdient, knicken. Noch mehr: Eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel wäre auch ein Abzug von Reichtumsquellen der deutschen Nation und vermutlich hätten deutsche Nationalisten was dagegen, dass man Deutschland wichtiger Produktionsmittel beraubt. Das schmälert nämlich ihre Möglichkeiten, sich in der Welt gegen andere Nationen durchzusetzen. Also auch hier: Solange es also in dieser Gesellschaft Leute mit genug Gewalt- und Machtpotenzen im Rücken gibt, die sich als deutsches Volk verstehen (und im Moment sind es wahrscheinlich so um die 99%) kannste irgendwas, was den Namen Kommunismus verdient, knicken. Was ist also die Lösung (du kannst es wahrscheinlich schon ahnen)? Na, man muss bei den Leuten für die Einsicht sorgen, dass Privateigentum und Nation was Schlechtes ist, damit es nicht mehr 99%, sondern viel viel weniger werden. Und wie sorgt man bei den Menschen für so eine Einsicht? Ich würde sagen, am besten dadurch, dass man ihnen erklärt, dass ihr Interesse nach Privateigentum und Nation die Folge hat, dass sie sich ihr ganzen Leben für Kapital und Nation abrackern und kaum was davon haben - dass man dieses Interesse also lassen sollte, wenn man ein angenehmes Leben will.
3. Ich weiß nicht, wie Gewerkschaftskämpfe dialektisch zu einer Revolution führen. Ich verstehe überhaupt nicht, was "dialektisch" bedeutet und bisher hat es auch keiner geschafft, mir das vernünftig zu erklären. Du kannst dich gerne daran versuchen. Das klingt wie so ein Zauberdings, das so funktioniert, dass plötzlich aus etwas, was gar nicht revolutionär ist, irgendwie, aus unerfindlichen Gründen, "dialektisch" halt, was anderes wird - nämlich was Revolutionäres. Wie soll das funktionieren, erklär das doch bitte einmal?
Ein Gewerkschaftskampf hat, wenn er vernünftig geführt wird, den Zweck, für verbesserte Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen oder in einer Unternehmensbranche zu sorgen. Entweder war der Gewerkschaftskampf erfolgreich - dann gibt es halt verbesserte Arbeitsbedingungen - oder er war es nicht - naja, schlecht gelaufen, muss man nochmal versuchen. An keinem Punkt sehe ich da den Übergang dazu, Privateigentum und Nation abzuschaffen. Umgekehrt: Lohn ist nichts anderes als private Verfügung über ein Stück Reichtum, den man sich mit dem Geld dann kaufen kann. Wer sich für mehr Lohn einsetzt, will mehr Privateigentum für sich haben, der will eine andere Verteilung von Privateigentum zwischen ihm und dem Unternehmen. Das ist doch einfach was anderes als die Abschaffung des Privateigentums zu wollen. Und bevor jetzt der Einwand kommt: Ich sage nicht, dass das irgendwie reformistisch und schlimm ist. Lohnkampf ist eine Notwendigkeit im Kapitalismus, ohne den könnten die Arbeiter_innen gar nicht überleben. Den sollen sie ruhig machen - und zwar noch mehr und noch offensiver als jetzt. Aber Lohnkampf ist einfach was ganz anderes, als kommunistische Politik und ich sehe da auch keine zauberhafte Dialektik, durch die er mehr wird. Außer ...
... ja außer man geht zu den streikenden Arbeiter_innen hin und sagt ihnen das alles, was ich unter Punkt 2 geschrieben habe und nochmehr, damit sie keine Privateigentümer und keine Deutsche mehr sein wollen. Das gleiche auch bei den Studis, den Arbeitslosen, den Hochschulsekretärinnen und allen anderen, die sich an den Auswirkungen des Kapitalismus aufregen. Und das versuchen die UGler auch, soweit ich das einschätzen kann. Also sehr vernünftig.
4. Ich habe nichts gegen Fabrikbesetzungen oder Umsonstläden oder was du da sonst noch aufzählst, aber ich wehre mich dagegen, wenn das als Abschaffung des Kapitalismus oder als ein Schritt dahin bezeichnet wird. Das ist es nämlich einfach nicht. Das sind meisten Strategien von armen Leuten, im Kapitalismus besser zurechtzukommen, nicht ganz unterzugehen, es ein bisschen angenehmer zu haben - und insofern habe sie auch ihre Berechtigung. Aber mehr ist es eben nicht und ich sehe meine Aufgabe als Kommunist primär nicht darin, Leuten beim Zurechtkommen im Kapitalismus zu helfen, sondern darin, möglichst viele Leute davon zu überzeugen, ihn abzuschaffen. Es stimmt auch nicht, dass der Kommunismus eine ferne Utopie oder das Endziel oder sowas ist. Kommunismus ist die Mindestforderung. Wenn der Zustand erreicht ist, kann die Gesellschaft überhaupt erst damit anfangen, ihr Leben vernünftig zu gestalten. Davor kämpft man halt gegen die Zwänge von Kapital und Nation.
fühle mich als
fühle mich als Antideutscher beleidigt, wenn Ug´ler als Antideutsche bezeichnet werden
:(
Ts
Die Position des UG-Bündnisses hat sich von antideutschen Haltungen inzwischen sehr deutlich wegbewegt und ist deutlich stärker z.B. von Positionen des Gegenstandpunkt inspiriert. Dass die Subjektlosigkeit des Kapitalismus Blödsinn ist, finde ich noch richtig. Aber was du dem dann an "konkreten Kämpfen" gegenüberstellst ist tatsächlich nichts, was mit Antikapitalismus zu tun hätte. Wenn du einen Kampf gegen die Privatisierung der Bahn für so etwas hältst, dann hast du die Rolle des Staates in der bürgerlichen Gesellschaft offenbar nicht genügend reflektiert: Er steht nicht im Gegensatz zum Markt, sondern ordnet und schützt die Verhältnisse vielmehr Kraft seines Gewaltmonopols - er ist der ideelle Gesamtkapitalist. Nicht überall, wo Kapitalismuskritik drauf steht, ist auch eine drin.
Und da sind wir dann bei der Interventionistischen Linken. Das ist ein Bündnis, das sich das kritiklose Mitmachen zur Aufgabe gesetzt hat - überall, wo es größere Mobilisierungen auf klassischen linken Politikfeldern gibt. Und wo wir schon beim G8-Gipfel sind sei an das Konzept Block G8 erinnert, das in seinem bewussten Verheizen von Menschenmaterial einer Armee würdig gewesen wäre.
Andererseits ist es natürlich möglich, z.B. Verteilungskämpfe zuzuspitzen. Aus einem bescheidenen Lohnkampf, der die Profitinteressen des Unternehmens nicht schädigen soll, kann ein antagonistischer Klassenkampf werden - sofern die Einsicht in die entsprechende Notwendigkeit da ist. Soweit ich das verstanden habe, würde das UG-Bündnis die Existenz von Klassen aber auch gar nicht bestreiten.
thema verfehlt
ich bin erstaunt. du schreibtst hier über ein bündnis ohne auch nur ein zitat von diesem zu verwenden. aber noch mehr erstaunt bin ich über die inhalte. ein wildes sammelsurium an vermutungen und unterstellungen. hast du auser dem staatstext noch andere sachen von dem bündnis gelesen? naja, ich schließe mich an:
sechs setzen!
du musst ja echt mal
du musst ja echt mal irgendwann von irgendwem, den du als antideutschen identifiziert hast, persönlich verletzt worden sein. ...jaaaa, jetzt kommt wieder: "geh doch mal auf meine kritik ein bäbäbä...". nein, wir sind so coole elitäre, ultra-radikale zirkel, die nur auf den sprung ins berufsleben warten und deshalb unterhalten wir uns nicht mit dir (du prolet). außerdem bin ich anarchist und seh trotzdem bei "den" antideutschen positionen und auch den analysen von TOP/Ums Ganze so manches als richtig an... schlimm, nicht?! aber gründ doch ne gruppe und mach was: subway smashen, fahrkartenautomaten zu kleben, ladendiebstahl, vokü, ... sagt doch keiner was dagegen! aber bild dir nicht ein, dass du damit den kapitalismus zum wanken bringst. und erklär vor allem nicht "dem nachwuchs", der dir ja sehr wichtig zu sein scheint, dass solche actions besonders links/revolutionär/antikapitalistsich/vor-paradiesisch wär. und zum thema repression: oh mann, genau für so leute, die nich nachdenken und irgendwelche dumm-actions starten zahl ich monatlich was an die rote hilfe... tststs.
nachtrag.
"sagt doch keiner was dagegen!" stimmt natürlich nicht. verfolgungsbehörden werden sehr wohl was sagen ;) . war auch nicht als aufruf zu verstehen!
Gibts denn was anderes als die UG-Bibel?
Also die TOP-Leute sagten im Infoladen auf Kritik hin, ihre Papiere seien jetzt auch nicht so gut. Aber man solle doch nur den zentralen Text wirklich ernst nehmen - also "Staat, Weltmarkt und die Freiheit der falschen Herrschaft". Bald käme noch mehr. Wüsste nicht, da es da schon irgendwas anderes gibt. Von daher gibts eben nur das eine Buch auf das der Kollege Bezug nimmt. Oder haben die schon was Neues fertig?
Außerdem erinnert mich das n bisschen an Verbindungen: Die sagen auch, man darf nicht über sie reden, wenn man nicht dabei war. Bei Euch muss man zuerst nachweisen, dass man auch das Ganze scheiß Buch gelesen hat! Die Hinweise auf den Kongress finde ich inhaltlich absolut ausreichend. Sie gehen sogar über das Buch hinaus. Die wichtigsten Themen und Argumentationsmuster sind genannt. Wenn Euch keine Argumente einfallen, dann schreibt kein Blech oder stellt Regeln auf, dass man Euch nur kritisieren kann, wenn man über Zitate große Belsenheit simuliert. Das ist doch akademisches Getue um hier Herschaftsverhältnisse innerhalb einer Diskussion aufzubauen. Aber als Kritiker ohne Reflexion über die Wechselbeziehungen von Gesellschaft und Subjekt könnt ihr anscheinend solche Themen wirklich nicht reflektieren. Kann das sein?
weitere Teile
Ums Ganze arbeitet an zwei weiteren Teilen, wie man aus dem Vorwort der Broschüre entnehmen kann. "Zwei weiter Texte sind ind Arbeit: einer zum Begriff der Ideologie, ein weiterer zum Begriff der Kapitals."
Einen Überblick zur Antinationalismus- Diskussion gibt es hier: http://www.trend.infopartisan.net/trd1109/t341109.html
Der Versuch einer Antwort
Ich finde den obigen Text, der ja nur die Fortsetzung einer Reihe ähnlicher Kommentare ist ziemlich kritisierenswert und werde deshalb versuchen mich entlang des Textes mit einigen der darin enthaltenen Fehlern zu beschäftigen.
1. Aktiv der Aktivität wegen?
Zuerst einen scheint mir ein Missverständnis zu sein, dass Nazis sich an linke Themen anhängen um aus ihrer marginalen Position zu kommen. Wieso sollte eine Kampagne gegen McDonalds zunächst einmal links sein? Solche Kampagnen sind so aufgebaut, dass sie einzelne kapitalistische Firmen herausgreifen und diese moralisch verurteilen, den "guten" und den "bösen" Kapitalisten gegenüberstellen und das Ziel der Kampagne ist dann, dafür zu sorgen dass beim "bösen" niemand mehr kauft. Nun ist es aber so, dass - wie du in deinem Text bereits so ironisch angemerkt hast - McDonald keineswegs die Möglichkeit hat, einfach niemanden auszubeuten, da der Profit dann ganz schnell weg ist, McDonalds unweigerlich pleite geht und BurgerKing an dessen Stelle tritt. Und danach der nächste. Und das ist auch keine besonders abartige Marx-Interpretation, da sich der ja genau die Mühe gemacht hat, zu erklären, wie solche Strukturen im Kapitalismus wirken.
Und zu behaupten, so etwas sei antikapitalistisch ist wohl ziemlich lächerlich, da es ja gerade die Illusion hervorruft, die Bosheit des McDonalds-Chef sei das Problem und eben nicht der Kapitalismus, den könne man wenn sich erst alle von überteuertem Biogemüse ernähren ganz schön haben.
Antisemitismus entspringt (sehr kurz gesagt) sehr häufig aus einer Kapitalismuskritik, die sich dann - quasi als Vertreter des Kapitalismus - die Juden und ihre Banken konstruiert und diese als böse Kapitalisten darstellt. Als struktureller Antisemitismus wird nun eben diese Haltung bezeichnet, bestimmte Gruppen von Menschen für den Kapitalismus verantwortlich zu machen, also quasi Antisemitismus ohne Juden.
Um auf die Nazis zurückzukommen scheint es mir fast eher so, als ob manche "Linke" sich - um aus ihrer marginalen Position zu kommen - in das 'Jagdgebiet' der Nazis begeben.
2. Besser irgendeine Theorie als eine, die nicht das "Volk" erreicht
Im Text wird dann dem Ums Ganze Bündnis vorgeworfen, es sei ihnen viel wichtiger, an einer Theorie über den Kapitalismus zu arbeiten, statt sich blind in irgendwelche reformistischen Kämpfe zu stürzen. Ein wenig zu diesen innerkapitalistischen Kämpfen habe ich ja bereits gesagt, aber nun noch etwas zu diesem Theoriehass:
Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie sich jemand als emanzipatorisch begreifen kann und gleichzeitig so erbittert versucht zu verhindern, dass die Menschen (und das ist es, was ich unter emanzipatorisch verstehe) sich über ihre Situation im klaren werden und sich dagegen entscheiden und beschließen ein anderes System zu wollen und andere eben durch theoretische Arbeit davon zu überzeugen, und will, dass stattdessen alle das tun was nun mal links ist ohne das groß zu hinterfragen - könnte ja "die Bewegung" (die sich gar nicht bewegt) schwächen.
Und dann ist beispielsweise die Ansicht, dass der Klassenbegriff überholt ist ein Verbrechen, da er bei der Mobilisierung durch Bankerhass stört.
3.
scheint, als würde hier größtenteils nochmal das stehen, auf was ich bereits unter 1. geantwortet habe, deshalb werde ich nur noch kurz zu zwei Sachen was sagen:
1. Das versucht wird, eine elitäre Theorie dazu zu verwenden, sich gegenüber anderen Gruppen abzusetzen ist natürlich totaler Unsinn, das sieht man zum Beispiel schon daran, dass es in Tübingen in den letzten Monaten eine Unmenge Vorträge gab, in denen versucht wurde die Theorien anderen Personen zu vermitteln und sich mit denen auszutauschen, was ja wohl eher auf das Gegenteil eines elitären Dünkels hinweist.
2. Es geht wohl keineswegs um die Diffamierung einer antikapitalistischen Praxis sondern um eine - teilweise auch deutliche Kritik - an Gruppen, die sich selbst Links oder gar Linksradikal nennen, aber im besten falle sozialdemokratische Inhalte vertreiben.
4. na, wenn die das sagen
OK, noch eine deutliche Bekräftigung deiner Thesen: viele tolle Leute sagen es , gegen eine solche Autorität sollte ich wohl lieber schweigen.
Fazit:
a) Kritik muss keineswegs immer konstruktiv sein, ich finde es deutlich wichtiger erstmal die Dinge, die ich für falsch halte zu dekonstruieren als immer gleich produktive Vorschläge zu machen. Außerdem sind deine "wichtigen Mobilisierungen" ganz einfach nicht wichtig, weil sie absolut nichts verändern, was nicht zuletzt daran liegt, dass du eine gute Kritik ohne zögern für irgendwelche abstrusen "linken" Inhalte über Bord wirfst.
Aber es ist natürlich ganz klar dass die Bonzenkinder nichts besseres zu tun haben als dich daran zu hindern, den Kapitalismus durch Sozialdemokratie abzuschaffen. Mal ernsthaft, kommt dir die Aussage, das die Leute die versuchen eine radikal antikapitalistische Theorie zu entwickeln und zu verbreiten in Wirklichkeit den Kapitalismus retten wollen, hingegen deine Gewerkschaften, die kein anderes Ziel haben als den Kapitalismus vielleicht kurzzeitig etwas angenehmer zu machen (und dann aus Sachzwängen den Lohnverzicht aushandeln) die wahren Antikapitalisten sind nicht ein bisschen merkwürdig vor?
Und ist es nicht sinnvoller, Aktionen zu kritisieren als versuchen, sie den Nazis wegzunehmen? Insbesondere wenn sie (wie deine Bahn-Kampagne) so ein schrecklich positives Verhältnis zum Staat und zum Volk haben und absolut nicht antikapitalistisch sind?
Letztendlich stellt sich halt die Frage, ob es einem wichtiger ist, "gesellschaftlich relevant" zu werden und das dann aus irgend einem Grund als Linksradikal zu verkaufen oder zu versuchen die Gesellschaft abzuschaffen.
Gesellschaft abschaffen?
och Gottchen,
Du willst die Gesellschaft abschaffen? Also alle käsen Dich an. Hast Du die Gesellschaft mal gefragt, ob sie von Dir "abgeschafft" werden will?
Elitären und undemokratischen Blödsinn bekämpfen!
Hast du Tueinfo mal gefragt,
Hast du Tueinfo mal gefragt, ob es deinen Blödsinn lesen will?
Elitären Dummquatsch abschaffen!
re: versuch einer antwort
der artikel hat ja die gewünschte diskussion ausgelöst, scheint aber nicht immer durch die extremen selbstsicherheit durch gekommen zu sein, um wirklich nachdenken anzuregen.
der Versuch einer Antwort z.B. bleibt voll auf seiner Position, die aus langjährig-tübinger-Perspektive schon ganz normal zu sein scheint, aber für Linke, die etwas in der Welt unterwegs sind, die mega-krasse Passivitäts-Position wäre! Jugendliche, die in Tü aufwachsen und "politisiert" werden, würde in so manch anderen Orten von Radikalen schockiert aufgnommen werden. Nichts gegen die parikulare Vielfältigkeit, lass jeden Ort seine eignen Theorien entwickeln! Aber wenn sonst nichts hilft, dass diese Position sich selbst hinterfragt, dann vielleicht dass Radikale auf der Ganzen Welt einen nicht nachvollziehen können!?
Zum Inhalt:
Hältst du die TOP-Theorie denn für so wahr? Und so sehr für die einzige Theorie, die für unsere Kämpfe geeignet ist?
Ist es für die "emanzipatorische Aufklärung" den Menschen zu zeigen: "alle Menschen sind nur Opfer des Systems, welches ganz von alleine, ohne dass nur ein Mensch einfluss darauf hätte, die Welt so gestaltet wie sie jetzt ist: und da gibts kein Entrinnen, denn alles was wir jetzt als Kämpfe betrachten sind nur reformistisch. Sags schnell weiter, damit die ganzen radikalen Trottel aufhören,
Autos anzuzünden, um ihre verdrängung aus ihrem Kiez zu verhindern. Das ist nämlich auch ein Teil des Kapitalismus."
Schon mal etwas von der Ausbreitung des Kapitalismus gehört? Oder ist der Kapitalismus schon einfach überall omnipräsent? Und davon dass Lebensbereiche, die bisher vom Staat getragen werden oder selbstorganisiert gemacht werden, plötzlich von Firmen und Konzernen übernommen werden? Aber das hat ja bestimmt auch gar nichts mit dem Kapitalismus zu tun!? Und dessen Ausweitung zu behindern, sei es bei der Privatisierung der Bahn, bei der kommerzialisierung der Kultur oder bei der kapitalisierung von nicht-kapitalistischen, indigenen Gesellschaften rund um den Globus, hat demnach ja auch nichts mit antikapitalismus zu tun! Warum? Weil der Kapitalismus sich eh erst mal überall ganz ausbreiten muss, damit er abgeschaft werden kann? Also müssen erst noch ein paar Milliarden Menschen draufgehen, bis wir uns die Ärmel hochkrempeln um den Kapitalismus abzuschaffen?
Genug zynismus: z.B. die Ausweitung des Kapitalismus, berücksichtigt die TOP-Theorie GAR NICHT. Und missachtet alle damit verbundenen Aktionsmöglichkeiten. Oder die extreme Ungleichheit innerhalb der Industriestaaten! Oder die extreme Ungleichheit zwische Nord und Süd! Das alles, welches tausende von Aktionsmöglichkeiten bietet, lässt diese Theorie unter den Tisch fallen, und trotzdem seid ihr soooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo überzeugt, dass diese Theorie die einzige richtige zum Thema anti)kapitalismus ist! Und dass alles andere gar nicht links oder gar nicht antikapitalistisch sondern sozialdemokratisch ist!
Zuviel selbstsicherheit ist auch nicht immer gut. Ihr (alle anhänger des kritisierten theorieansatzes) verbaut nicht nur euch, sondern anderen, die ihr mit euren doofen arguementen Überzeugt, effektiv und kritisch mit der welt umzugehen! Wenn alle "radikalen" so wären, wäre die situation für alle linken schon post-apokalyptisch, je nach dem wie sehr ihr einfluss geschätzt wird, wäre die erde vielleicht ebenso post-apokalyptisch!
Echt! Nehmt mal dieses verdammt Brett vor dem Kopf namens "TOP kapitalismuskritik" weg, und ihr sehr wie viele ansätze des effektiven Kämpfens gegen kapitalismus usw. es gibt!
(sorry wenns persönlich oder beleidigend wurde, war echt nicht so gemeint)
uff
Liebe*r Autor*in,
wie du bemerkt haben dürftest, gibt es durchaus eine Grundsatzbereitschaft zu Diskussion und zum Hinterfragen momentaner theoretischer Positionen in den Teilen der Tübinger Linken, die du hier anzugreifen versuchst.
Nur gehen deine Argumente einfach kilometerweit daneben:
Schon mal etwas von der Ausbreitung des Kapitalismus gehört? Oder ist der Kapitalismus schon einfach überall omnipräsent? Und davon dass Lebensbereiche, die bisher vom Staat getragen werden oder selbstorganisiert gemacht werden, plötzlich von Firmen und Konzernen übernommen werden? Aber das hat ja bestimmt auch gar nichts mit dem Kapitalismus zu tun!?
-> Deine Theoriefeindlichkeit versperrt dir hier offensichtlich den Blick. Der Widerspruch zwischen Staat und Kapital ist gar keiner. Privatisierungen sind eben keine "Ausweitungen des Kapitalismus", sondern eine Verschiebung dieses Verhältnisses. Das wurde dir hier schon mehrfach argumentiert. Du, der du hier mit dem Anspruch auftrittst, zum Nachdenken anzuregen, gehst darüber aber großzügig hinweg, weil es in dein fertiges Weltbild nicht passt. Und bevor sich bei dir die antrainierten Reflexe regen: Dieser Zusammenhang ist keineswegs eine Erfindung von UG. Es würde schon reichen, mal ein bisschen Engels zu lesen. Nicht, weil der theoretisch der Weisheit letzter Schluss wäre, aber weil offenbar schon zu diesem frühen Zeitpukt erkannt werden konnte, dass der Kampf mit dem bürgerlichen Staat gegen das Kapital kein emanzipatorischer ist.
Und dessen Ausweitung zu behindern, sei es bei der Privatisierung der Bahn, bei der kommerzialisierung der Kultur oder bei der kapitalisierung von nicht-kapitalistischen, indigenen Gesellschaften rund um den Globus, hat demnach ja auch nichts mit antikapitalismus zu tun! Warum? Weil der Kapitalismus sich eh erst mal überall ganz ausbreiten muss, damit er abgeschaft werden kann? Also müssen erst noch ein paar Milliarden Menschen draufgehen, bis wir uns die Ärmel hochkrempeln um den Kapitalismus abzuschaffen?
-> Die Kommerzialisierung der Kultur hältst du für etwas, das noch vollzogen werden müsste? Da kann ich dir (Achtung, überlesen! Theorie!) nur die Lektüre von Adornos/Horkheimers Aufsatz über die Kulturindustrie in der Dialektik der Aufklärung nahelegen.
Ihr (alle anhänger des kritisierten theorieansatzes)
-> Das ist nicht nur paranoid, sondern auch grundfalsch. Aber das merkst du schon gar nicht mehr.
blinde kuh: ausweitung des kapitalismus seh ich nicht??
Deine Theoriefeindlichkeit versperrt dir hier offensichtlich den Blick. Der Widerspruch zwischen Staat und Kapital ist gar keiner. Privatisierungen sind eben keine "Ausweitungen des Kapitalismus", sondern eine Verschiebung dieses Verhältnisses. Das wurde dir hier schon mehrfach argumentiert. Du, der du hier mit dem Anspruch auftrittst, zum Nachdenken anzuregen, gehst darüber aber großzügig hinweg, weil es in dein fertiges Weltbild nicht passt. Und bevor sich bei dir die antrainierten Reflexe regen: Dieser Zusammenhang ist keineswegs eine Erfindung von UG. Es würde schon reichen, mal ein bisschen Engels zu lesen. Nicht, weil der theoretisch der Weisheit letzter Schluss wäre, aber weil offenbar schon zu diesem frühen Zeitpukt erkannt werden konnte, dass der Kampf mit dem bürgerlichen Staat gegen das Kapital kein emanzipatorischer ist.
momentchen, habe nicht behauptet, dass die staatliche führung von irgendetwas emanzipatorisch sei. Aber zur Ausweitung des Kapitalismus:
1. ausweitung von kapitalismus heißt nicht unbedingt, dass staatliche institutionen privatisiert werden, kann auch heißen, dass
-dass altpapier nicht mehr von den vereinen abgeholt wird, sondern von einer firma (debatte in tü vor kurzem)
-dass kommunikation weniger (unkommerziell) von face-to-face stattfindet sondern über medien läuft, die kommerziell arbeiten (handy...)
-dass unkontaktierte indigene Gruppen zum ersten mal mit anderen kontakt aufnehmen und anfangen zu handeln
-dass land, welches gesetzlich als "unbesitzbar" deklariert wurde plötzlich privatisiert wird und die nutzer dafür zahlen müssen
..........usw usw: all diese fälle haben erstmal nichts mit staat zu tun und sind trotzdem eine Ausweitung des Kapitalismus (innere als auch äußere Landnahme), Ausweitung der Profitlogik und der Reichweite der Konkurrenz!
2. auch in der kulturindustrie weitet sich der kommerz immer wieder und weiter aus! aber auch die rück-aneignung von musik und kultur ist meiner meinung nach aktiver antikapitalismus! respekt geht hier auch an sent-in-the-clowns!
3.
a. Kapitalismus heißt Profitlogik und Konkurrenz, ja?
b. ein dem Staat unterstellter Betrieb kann ein stückweit unabhängig von Profitlogik operieren, weil der Staat ihn bezuschussen kann, ja?
c. wenn der Staat die Konkurrenz verbietet, ist innerhalb dieses Staats auch kaum vernünftige Konkurrenz möglich, ja?
d. die DB ist aber immernoch gewissen ökonomischen zwängen unterlegen und
e. steuert der zentralisiert-parlamentarische Staat den Betrieb nicht so, dass es sonderlich antikapitalistisch für die Leute ist
->und du willst sagen, eine staatliche bahn ist genauso kapitalistisch wie eine privatisierte... Ich weiß was jetzt kommt: staatskapitalismus, ideeller gesamtkapitalist usw...
Ihr argumentiert, dass d.&e. daran liegt, dass solange es kapitalismus gibt, der staat nur die besten verwertungsstrategien sucht (weshalb eurer meinung nach b und c auch nicht so richtig wären). Antikapitalismus ist eurer Meinung nach nur möglich, wenn die ganze Welt antikapitalistisch ist, weil solange die Welt nach außen kapitalistisch ist, es keinen unterschied macht, dass ein Staat nach innen hin sozialistisch ist: er muss nur die gesamt-verwertung managen. Deshalb nennt ihr Realkommunistische Länder auch Staatskapitalismus.
ABER DASS IST GENAU DIE FATALE UNSCHÄRFE, DIE ICH KRITISIERE!!!
Nehmen wir an, das ganze würde so von sovielen Menschen verstanden werden, dass es zu einer weltrevolution kommen würde und jede kapitalistische struktur, firma, staat würde zerschlagen werden (was an sich ansich schon tendenziell totalitär anhört), dann würdet ihr endlich merken:
ökonomische zwänge gibt es auch ohne kapitalismus! Es ist prinzipiell von den meisten Rohstoffen wenig da, weil wir Menschen eben welche sind, die das leben genießen wollen und auch nur arbeiten erledigen, die direkten sinn und spass machen: wir kriechen ungerne in Stollen um Kohle abzubauen oder stellen uns ungern in lärmige Fabriken. (wie alles andere klappt überlasse ich anderen menschenbild-diskussionen)
Und mit knappen Rohstoffen muss gewirtschaftet werden! Und dann kommen genau die Dinge wieder, die ihr dachtet mit dem kapitalismus besiegt zu haben: die bahn brauch strom zum fahren, strom ist knapp, die lokführer sind auch nicht endlos motiviert ohne lohn zu fahren, die züge fahren daher begrenzt oft: auch im Kommunismus ist nicht alles endlos!! Euer Konstrukt der Absolutheit des Kapitalismus und damit der absoluten Freiheit ohne Kapitalismus würde zusammenfallen wie ein Kartenhaus!
Ne, da ist mir eine staatliche Bahn lieber, die ich gegebenfalls durch proteste dazu zwingen kann, z.B. bestimmte umsonstfahrten zu machen (tübus umsonst?). Oder die bei der nächsten Krise von selbstverwalteten Bahnmitarbeiter_innen übernommen werden kann.
Ein "bisschen weniger kapitalismus" ist möglich und für mich, solange mir niemand eine andere möglichkeit verrät, ein schritt zu "gar keinem kapitalimus"! (bitte nicht wieder das adorno-zitat mit dem richtigen und falschen missbrauchen, das bringt nix und tut so weh...)
Übrigens finde ich es ziemlich tendenziös, den Staatssozialismus nicht aufgrund seines Problem des autoritären Führung zu kritisieren, sondern seine Unterdrückung nur auf "Kapitalismus der auch da nicht richtig bekämpft wurde" herunterzubrechen! Mit autoritärer Kackscheiße ist nicht zu spassen, und das unabhängig davon ob "Kapitalismus" herrscht oder nicht!
(prinzipell rate ich euch mal, zwischen dem lesen in kategorien zu denken, die ihr auch fassen könnt. die können dann, wenn ihr das wichtig findet, mit den ganzen komplizierten text von marx und engels immer wieder abgeglichen werden. denn komplizierte texte können probleme weg-komplexisieren, d.h. sie nicht lösen aber gelöst scheinen lassen. den texten dann trotzdem zuviel autorität beizumessen verhindert das Selber Nachdenken. und das könnte produktiv sein! :-)
re: re: versuch einer antwort
"der Versuch einer Antwort z.B. bleibt voll auf seiner Position, die aus langjährig-tübinger-Perspektive schon ganz normal zu sein scheint, aber für Linke, die etwas in der Welt unterwegs sind, die mega-krasse Passivitäts-Position wäre! Jugendliche, die in Tü aufwachsen und "politisiert" werden, würde in so manch anderen Orten von Radikalen schockiert aufgnommen werden"
Also wenn die ganzen welterfahrennen Leute meinen, kann ich wohl als Tübinger Jugendlicher mit meinen Argumenten einpacken.
Gegen das was du Passivität nennts schlägst du dann also Pseudoaktivität vor?
"Schon mal etwas von der Ausbreitung des Kapitalismus gehört? Oder ist der Kapitalismus schon einfach überall omnipräsent? Und davon dass Lebensbereiche, die bisher vom Staat getragen werden oder selbstorganisiert gemacht werden, plötzlich von Firmen und Konzernen übernommen werden?"
Ja Kapitalismus ist nahezu omnipräsent. Daran änder auch nichts das manche Aufgaben der Staat erfüllt, denn dieser ist Teil einer National Ökonomie und verhällt sich so, wie es seinen einzelnen privaten Kapitalen am meisten nützt. Der Dualismus Staat Markt ist falsch.
"Kapitalismus sich eh erst mal überall ganz ausbreiten muss, damit er abgeschaft werden kann?"
Wer sagt das? Soweit ich weiß vertritt Ums Ganze weder eine Verelendungs- noch eine Zusammenbruchstheorie.
Weißt du was ich zynisch finde? Während "ein paar Milliarden Menschen draufgehen", den Leuten Staatsbahnen als antikapitalistisch zu verkaufen!
Dein einziges Argument scheint zu sein, dass unsere doof sind. Jetzt wo das auch geklärt wäre, könnten wir die Disskusion ja lassen...
Nimm du mal dein Brett namens "Verklärung sozialer Kämpfe" vor dem Kopf weg und du siehst wie viele ansätze es für eine analytische Kapitalimus Kritik gibt.
schonmal was vom staat als
schonmal was vom staat als ideelem gesamtkapitalist gehört? wenn der erhalt der bahn als staatseigenem betrieb inzwieschen als "effektiven Kämpfens gegen kapitalismus" bezeichnet wird ist die linke wirklich in einem traurigen zustand. und wenn schon so von system imanenten "antikapitalistischen" projekten geschwärmt wird ist wohl das beste beispiel für den antikapitalischten superanspruch von gewerkschaften und ko, das die ach so arbeiterkämpferische (reaktionäre) gewerkschaft verdi sich nicht einmal traut sich mit einem fast genauso reaktinären projekt namens köpi zu solidarisieren was wohl am ehsten an die angeblich antikapitalistischen ansprüche des autors herankommt.
liebsgrüße aus der hauptstadt der bewegung die einfach top ist ;-)
genosse engels hatte immer recht
ach ja, der ideelle gesamtkapitalist. Der kapitalismus den eure marx-fraktion ausmalt ist aber ganz schon groß und trotzdem einfarbig: er scheint sich nicht auszubreiten, sondern war schon immer überall, oder? und wenn nicht, wäre es sinnvoll die ausbreitung zu verhindern? wohl nicht, weil es ja erst nach voller entfaltung des kapitalismus zur antikapitalistischen revolution kommen kann (marx' historischer materialismus). Also erstmal ordentlich den karren in den dreck fahren; wieviele von den "unteren" der gesellschaft dabei draufgehen ist erstmal sekundär, ist ja für einen guten zweck.
nach dieser sehr undifferenzierten ansicht, sind selbst kommunen, die absolut autark sind, außer dass sie ihre überschüssigen äpfel gegen batterien tauschen "idelle gesamtkapitalisten": sobald mit einer kapitalistischen umwelt gehandelt wird, durchdringen die kapitalistischen zwänge alles(kommunen,staaten usw)! Aber ist das wirklich so, genoss_in Marx-Lesekreis-Besucher_in? Gibt es wirklich nur scharz: kapitalismus und weis:kommunismus? Gibt es keine zwischenstufen, sondern nur eine plötzliche, weltumfassende Revolution, die den kapitalismus auf einmal abschafft? Und auch keine kleinen stufen dahin, außer marx zu lesen (und andere dazu zu überreden, und solange das bürgerliche leben leben, so gut mensch halt kann)? Dann ist rein gar nichts auf dieser welt antikapitalistisch, sondern alles reaktionär! auch eure marx-leserunde und eure vorträge zu kapitalismuskritik! Die bringen nämlich gar nichts vorran! (nicht, dass etwas marx nicht schaden würde)
Oder es ist nicht so: vielleicht gibt es ja schon eine ausbreitung des kapitalismus, vielleicht lohnt es sich ihn aufzuhalten, vielleicht können freiräume stützpunkte sein(auch eine köpi); vielleicht muss sich das bewusstsein tatsächlich dialektisch entwickeln (siehmal, sogar marx hatte eine praktische taktik), indem reformerisch aussehende klassenkämpfe sich extremisieren (dass verdi das nicht tut, zeigt babylon; siehe fau.org)....
vielleicht ist der kapitalismus auch nichts anderes als die profit- und konkurrenzlogik, die schrittweise ausgeschaltet werden kann, indem es immer weniger raum für profitdenken und konkurrenzverhalten gibt (durch kommunen, syndikate, selbstverwaltete betriebe, "klassenzusammenhalt"). Vielleicht muss dazu die ganze Großtechnologie in gemeinschaftsbesitz übergehen und eventuell ist dazu eine Bahn in staatsbesitz in einer besseren situation.
aber darüber denkt genoss_in ja lieber nicht nach! steht ja weder bei marx noch bei engels drin! und als rechtfertigung nazis zu verprügeln ist es auch nicht gut, also wieso sich tatsächlich mit kapitalismus auseinandersetzen!? lebt sich doch ganz gut so....du depp!
Schade nur um die ganzen jungen leute, die lust auf radikale änderung haben und sich tatsächlich von euch sesselfurzlinksradikalen einreden lassen, die mächtigen (behörden, regierungen, firmenleitungen) machen zu lassen und während dessen "politisch ökonomie" zu studieren wäre radikal!!
grüße aus der "verachteten" provinz und viel spass beim lahmlegen der bewegungshauptstadt: hier habt ihr es ja relativ schnell hingekriegt. und sich trotz theorie-hirnfurzerei als einzige antikapitalistische aktion schwarz anzuziehen und "autonom" zu nennen ist auch eine klasse taktik, um den berliner autonomen den rest zu geben.
und viel glück bei deiner Theorie Ohne Praxis - Gruppe,
(ein blick auf die homepage bestätigt nur alles was ich hier geschrieben habe: haufen vorträge, mal symbolisch demonstrieren, aber nie etwas wirkliches tun! vergewissert euch selbst: top-berlin.net)
Moderationskriterien?
Wenn ihr euch selber ernst nehmt, dann sollten diese Beleidigungen ("du depp";"theorie-hirnfurzerei";"sesselfurzlinksradikalen" etc.)von diesem Um-sich-schlagenden Kritiker mal langsam gelöscht werden.
Habe kein Lust, dass tueinfo zum Provinz-Indymedia verkommt.
#### Moderation ####
a) Wir nehmen uns selbst nicht ernst.
b) Die Kritik ist jedoch berechtigt. Wir, von Tueinfo, möchten alle bitten, sich mit Beleidigungen zurückzuhalten, sonst kommen wir zu euch nach Hause und löschen euch. Und eure Kommentare. Wem es noch neu sein sollte: Beleidigungen tragen nicht zur inhaltlichen Diskussion bei und erregen nur umsonst die Gemüter. Da wir keine Lust haben, einzelne Beschimpfungen aus Beiträgen herauszulöschen, werden wir ganze Beiträge löschen, auch wenn sie sonst Argumente enthalten. Wenn ihr also ein Interesse daran habt, dass eure Beiträge gelesen und eure Argumente gehört werden, verzichtet bitte auf unsachliche Beschimpfungen - auch wenn's manchmal schwer fällt :) (http://xkcd.com/386/)
c) Mao sagt: "Es kann nicht den geringsten Zweifel geben, daß wir falsche Ideen aller Art kritisieren müssen. Es geht natürlich nicht, sich der Kritik zu enthalten, untätig zuzuschauen, wie überall falsche Ansichten um sich greifen, und zu gestatten, daß sie das Feld beherrschen. Fehler müssen bekämpft werden, wo immer sie auftauchen. Aber eine solche Kritik soll nicht dogmatisch sein. Man darf sich dabei nicht einer metaphysischen Methode bedienen, sondern muß sich bemühen, die dialektische Methode anzuwenden. Was wir brauchen, ist eine wissenschaftliche Analyse, sind restlos überzeugende Argumente."
Hört auf ihn, Genossen!
sorry, privatkrieg?
...auf den "depp" wollte ich verzichten, aber dann klappte die wendung in der ironie nicht mehr...
leider ist das kein privat sondern eine ganz öffentlich und da auch genausowichtige sache, es gab auch keine persönlichen beleidigungen mir gegenüber, nur jahrelange enttäuschund und unterdrückte verärgerung und ich bin nicht der einzige der hier die position einer pro-praktischen theorie vertritt, aber gut daran ist ebenfalls, dass es kein krieg ist, sondern eine auseinandersetzung, die trotz ausflüchten theoretischen anspruch hat.
"Level Up" meint ...
Einfach mal AntiDs (das große Modeschimpfwort der "radikalen Linken") als homogene Masse (schon mal was von den Antinationalen gehört Genosse Autor?), die Wertkritik und das UG-Bündnis in einen Topf geworfen, umgerührt und als geschmacklose Suppe deklariert.
Inhaltlich genauso schlecht recherchiert und undifferenziert wie der Reader zur Kritik der Input-Gruppe (da höchst wahrscheinlich vom selben Autor), welche der Jugend Theorien vermittelt welche scheinbar nicht mit dem Sigel des Internationalen Gremiums für Links-tum gekennzeichnet wurde.
Wird die klammheimliche Unterwanderung der Linken durch die Antideutschen überhaupt noch aufzuhalten sein?
zusammenbringen, was zusammen gehört
...eckliger titel, ich weiß...
aber kuck doch mal die prinzipien bei der Kapitalismusanalyse der allermeisten (also mindestens mal alle die ich kenne und dazu alle von denen ich gehört/gelesen habe) AntiDs, von einigen Wertkritiker*innen, vom UG-Bündniss und von den selbstbezeichnenden "Antinationalen" an:
die kritisierten Elemente sind überall vorhanden! Ich merke schon, dass die schlechte Recherche deshalb als Argument so oft kommt, weil ihr inhaltlich nicht widersprechen könnt!
Ich habe den Reader auch gelesen, dort schien für mich aber nichts was auf ein "Sigel des Links-Tums" hindeutet zu stehen. Die Kritik war eher, dass in Tübingen fast nur noch eine politische Richtung "gelehrt" wird, und die dann als die einzig wahre "linksradikale" verkauft wird.
Und da diese Theorie auch noch sehr Praxis-Feindlich ist, wird jede*r Praktiker*in gleich als "Idiot" und "Theoriefeind*in" dargestellt! Deshalb geht in Tübingen auch so wenig, und wenn, dann vor allem außerhalb der Reichweite der selbsternannten, einzig wahren linksradikalen: Bildungsstreik, Dogmop des ZEK setzt Samstagumsonstbusse durch, usw.
ach wie schön ist doch Freiburg, wo sich die AntiDs selbst wieder in die defensive gebracht haben, in der KTS wieder jede Menge (auch nicht antid-konforme) Vorträge und Aktionen laufen, ständig irgendwas besetzt wird usw... Tübingen hat zumindest ein Teil des Potentials von Freiburg, dazu müssen wir aber erst wieder ein Aktionsfreundlichere Klima schaffen!
immer nur meckern...
...tust du doch selber.Wenn du der Meinung bist, dass die unmündige Jugend in Tübingen "heimlich" zum "Antideutschen" erzogen wird, dann mach doch selber Vorträge oder organisier den Generalstreik.
Außerdem heisst es "ZAK" und nicht "ZEK".
Halbwissen gepaart mit blindem Aktionismus bringt "uns" jedenfalls auch nicht weiter.
Wie schön Freiburg ist kann
Wie schön Freiburg ist kann man ja an den letzten Peinlichkeiten ablesen...
Aber ich stimme dir zu in der Dreisam Metropole gibt es Hoffnung: http://maolebt.blogspot.com/
Für eine revolutionäre Massenbewegung!
shit on frybourg
stimmt, da geht ja wohl echt einiges schief:
da müssen unsere genossen dort wohl ein loch in ihrem netz von vorträgen und propaganda gelassen haben, dass sich da ein maoist entwickelt!
und dass die sich echt noch mit so sachen wie green-business-center-verhindern rumplagen, wagenplätze erkämpfen, breit besuchte diy-cafés aufbauen und so quatsch... können die nie lernen, dass das alles eh nichts hilft, und es viel sinnvoller ist im kleinen kreis über kommunismus zu diskutieren oder deutschlandflaggen im garten zu verbrennen?
dann wird sicher morgen
dann wird sicher morgen früh in Freiburg der Kommunismus ausbrechen, wenn die green-business-center verhindern und so...
ne mal ernsthaft, was soll das alles werden und inwiefern hilft das, den Kapitalismus abzuschaffen?
kapitalismus abschaffen?
Klar schafft das nicht den Kapitalismus ab, aber das tut ja gar nichts, was wir tun können. Wir können nur in eine Richtung gehen.
Und diese Richtung heißt z.B. beim Green-Business-Centre:
1. sich gegen die Profitlogik durchsetzen, dem die Erbauung eines solchen Centers folgt: auch wenn es wohl "Nachfrage" nach so etwas gibt; wir verhindern den Bau und die Nachfrage in Freiburg kann uns mal!
2. die ökologische Krise wird immer mehr zum wichtigsten Moment in den Industrieländern zum Beweis, dass der Kapitalismus dringend abgeschafft werden muss. Der "grüne Kapitalismus" versucht diesem Moment den Schwung herauszunehmen und muss deshalb unbedingt verhindert werden! Nicht umsonst steht die Bekämpfung des "grünen kapitalismus" ganz oben auf der to-do-liste von ökoanarch@s hier und sonstwo (earthfirst)...
Deine Kritik geht ins leere
Also du glaubst doch nicht im ernst das UG sich Leute auf einen Kongress einladet, deren Postionen sie nicht interessant finden? Und Nadja Rakowitz ist so oft bei UG Gruppen...und lass dir gesagt ihre Postionen stoßen auf sehr grosses Sympathie. UG ist weder antideutsch noch glaubt man an das "autotmatische Subjekt".
Was sagt UG wirklich (alle Zitate aus dem G( Aufruf):
-Und doch bleibt festzuhalten: Der Kapitalismus ist ein gesellschaftliches Verhältnis – von Menschen hervorgebracht – und als solches auch von den Menschen überwindbar.
-Die Kritik an den kapitalistischen Produktionsverhältnissen muss insofern aber auch eine Kritik an den ideologischen Denkformen sein, in denen sich das historisch Gewordene und gesellschaftlich Hervorgebrachte in den Köpfen der Menschen zum scheinbar Ursprünglichen, Natürlichen oder Göttlichen verkehrt und verselbständigt.
-So naiv es heute auch erscheint, von Revolution zu sprechen, so viel dümmer ist es doch, seine ganzen Fähigkeiten darauf zu verschwenden, sich mit dem schlechten Bestehenden zu arrangieren, wo die globale Entwicklung des Kapitalismus jeder Bestimmung vernünftiger Zwecke spottet.
- Denn der ‚richtige Ort’ für antikapitalistischen Widerstand ist nie unmittelbar gegeben. Die „Richtigkeit“ bestimmt sich ausschließlich in dem Maße, in dem aus der Erfahrung gesellschaftlicher Widersprüche die Einsicht in die Notwendigkeit erwächst, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“
- (Und was dich vielleicht stört ist das UG eine analyse hat und deshalb davon ausgeht das auch vielleicht nötige Praxen nicht gleich den Kapitalismus abschaffen): Wer nicht Islamisten, Neonazis, landlose Bauern, Hartz IV-Protestler und Schwarzfahrer zu einer subversiven Masse verwursten will – und sie dadurch gleich macht, weil sie irgendwie alle etwas gegen ‚Neoliberalismus’ haben – dessen Bilanz muss nüchtern ausfallen. Die Widersprüche im Kapitalismus sind zwar täglich erfahrbar, als komplexes gesellschaftliches Herrschaftsverhältnis entzieht sich der Kapitalismus aber dem unmittelbaren Alltagsbewusstsein.
Interssant auch was die UG Gruppen machen (das hört sich ganz anderes als das was du schreibst):
antifa ak köln kämpft gegen Hartz IV und arag: http://de.indymedia.org/2008/11/231518.shtml
die antifa f besucht Opel: http://de.indymedia.org/2009/03/245022.shtml
und oh schreck die antifa f die mit deiner geliebten fau in einem Bündnis und macht diesen Samstag eine Bundesweite demo in frankfurt (less dir mal den aufruf druch): http://krise.blogsport.de/
Und damit du es weisst niemand will jemandem den Kampf für ein besseres leben verbieten (ganz im gegenteil) aber gleichzeitig muss auch gesagt werden das dieser Kampf eben nicht "automatisch" Revolutionäre ist (bzw. es überhaupt nicht ist). Revolutionäre ist nur die Revolution und dafür bedarf es Theorie bzw. Kritik. Weil diese wohl morgen nicht kommen wird ist nicht verkehrt auch als Radikale Linke richtig soziale Kampfe zuführen aber bitte verkauf die Leute nicht für dumm dabei geht es nicht um die Revolution. Wer die will sollte den Leuten sagen warum kleine Verbesserungen oder Politik eben kaum was bringen...im vergleich zudem was möglich wäre wenn mehr Menschen den Kommunismus wollten in Theorie und Praxis.
Noch ein beleg, dass die Wirklichkeit komplexer ist
Aktion der neuesten UG-Gruppe:
http://de.indymedia.org/2010/01/271820.shtml
Bremerhaven: Arbeiter_innen blockieren den Hafen
egal 27.01.2010 18:23 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe
Am heutigen Tag blockierten ca. 100 Hafenarbeiter_innen und Unterstützer_innen den bremerhavener Hafen, um ihren Protest gegen Entlassungen und Lohnkürzungen zu artikulieren.
Die Blockade hielt etwa eine Stunde und verrursachte einen zwei Kilometer langen Stau.
In den seit Monaten andauernden Auseinandersetzungen um die Umstruckturierung in den Bremer/Bremerhavener Häfen kam es heute zu einen weiteren Höhepunkt. Etwa 100 Arbeiter_innen und Unterstützer_innen blockierten die Hauptzufahrtsstraße des Hafens.
Anlass waren die massiven Entlassungen und Lohn-Kürzungen im Hafenbereich in den letzten Monaten. Trotz harter Repression (Kündigung bei Teilnahme und Urlaubsverbot für diesen Tag) im Vorfeld kam es zu einer breiten Solidarisierung durch Hafenarbeiter_innen und Unterstützerkreise. Getragen wurde der Protest durch Vertreter_innen des GHB(Gesamthafenbetriebsverein), GLB, Autotec und Eurogate, sowie anderen Betrieben aus Bremerhaven, Bremen und Hamburg.
Die Polizei, die von Anfang an präsent war, hielt sich zunächst zurück, drohte im weiteren Verlauf allerdings mit einer gewaltsamen Räumung der Blockade. Nach dem weitere Einsatzkräfte sowie der Staatsschutz eingetroffen waren, entschlossen sich die Arbeiter_innen zum Rückzug, weil das Hauptziel der Blockade, das Herstellen von Öffentlichkeit, gelungen war.
SPAMFREI.aktheoriepraxis@mail.ru
Beruhigend - Praxis die Gleiche
Gute Aktion mit den HafenarbeiterInnen. Für mich wird hier deutlich, dass UG, wenn sie mal in die Praxis gehen, genau das Gleiche machen, wie andere auch. Soziale Kämpfe führen, z.B. gegen Leiharbeit und eben nicht nix tun, wenn es nicht direkt "Ums Ganze" geht. Beruhigend. Aber auch im Widerspruch zu dem was hier so im Namen von UG verbreitet wird.
Das heisst die hehre Theorie wird relativ schnell auf die Praxis zurückgeworfen, in der sich Menschen über soziale Kämpfe politisieren. Und da gehts eben, so gut wie immer nicht sofort "Ums Ganze". Sondern zunächst vielleicht um konkrete Verbesserungen der Lebenssituation
Ein zynischer Kritikerholzkopf auf Indymedia schreibt denn auch bescheuerter-aber treffenderweise: "toll für Lohnarbeit demonstriert..." Eigentlich üblicherweise eine typische Kritik von UG-Seite.
Wenn "Ums Ganze" heisst (siehe Hafenaktion), wir versuchen antikapitalistische Positionen in soziale Kämpfe hineinzutragen, und die Leute zu unterstützen, habe ich kein Problem damit. Ich wurde dafür aber schon manches mal von UG-Halbstarken als Reformist beschimpft. Die haben UG ja dann wohl in der Praxis falsch umgesetzt. Und solche Leute finde ich echt anstrengend.
Wichtig finde ich, dass die antikapitalistische Position nicht auf eine belehrende, diskriminierende und damit Hierarchien erzeugende Weise eingebracht wird, wie das hier in manchen Beiträgen angeklungen ist. So wurden Menschen die soziale Kämpfe führen, mit der Kapitalseite gleichsetzt oder als verdächtig oder regressiv denunziert, wenn der konkrete Gegner innerhalb eines sozialen Kampfes z.B. mal ein Konzern ist. Versteht mich nicht falsch: Wenn soziale Kämpfe wirklich z.B. regressiv (z,B. antisemitisch) sind, muss dagegen gekämpft werden. Aber bitte nicht Leute denunzieren, die sich für Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen einsetzen. Das ist der elementare Kern einer aktiven Selbstermächtigung, Emanzipation und Grundlage für ein antikapitalistisches Verstehen und Agieren.
ich glaube hast ziemlich
ich glaube hast ziemlich viel Vorurteile...darauf möchte nicht eingehen aber dieses Argumen, dann schon:
"Gute Aktion mit den HafenarbeiterInnen. Für mich wird hier deutlich, dass UG, wenn sie mal in die Praxis gehen, genau das Gleiche machen, wie andere auch. Soziale Kämpfe führen, z.B. gegen Leiharbeit und eben nicht nix tun, wenn es nicht direkt "Ums Ganze" geht. Beruhigend. Aber auch im Widerspruch zu dem was hier so im Namen von UG verbreitet wird.
Das heisst die hehre Theorie wird relativ schnell auf die Praxis zurückgeworfen, in der sich Menschen über soziale Kämpfe politisieren. Und da gehts eben, so gut wie immer nicht sofort "Ums Ganze"."
-Also du stellst selbst fest UG hat nichts gegen Praxis! Das sehe ich auch so.
-Du sagst es gibt einen Widerspruch von Theorie und Praxis...Ich würde sagen wenn die Praxis mal zur Revolution führen sollte dann sollte die Theorie immer weiter sein als die Praxis.
-Also UG hast nichts dagegen wenn Leute für ein besser leben Kmapfen (aber Rev. ist automatisch noch nicht- falsch aber auch nicht).
-Wichtig scheint UG zusein aus welcher Perspektive die Praxis geschieht...und ist eben die Kampft für ein besser leben aber im Kapitalismus stoßt ihr damit schnell an ihre Grenzen deshalb für den Kommunismus....
-Was unterscheidet UG von anderen linken Gruppen, fragst du? Es ist der Inhalt! Nicht die Leute abholen dort wo sie stehen sonderen versuchen eine kritische Analyse zulieferen, die den gegenstand bricht, anstatt den Leuten immer erzählen das es ganz toll ist was sie machen...wie sollen so Leute zum nachdenken gebracht werden? Also rein in die sozialen Kampfe aber mit Analyse und radikaler Praxis! (auch wenn die Aktionen genauso aussehen mögen wie bei anderen linken...na und es kommt auf den Inhalt an.
Wo sind die Vorurteile?
ich kann meine Vorurteile nicht entdecken! Nimm den stolz verlinkten Bericht von Radio Bremen:
http://www.radiobremen.de/politik/nachrichten/politikwirtschafthafenarbe...
"Protestaktion gegen Lohndumping
Hafenarbeiter blockieren Durchfahrt in Bremerhaven
Rund 60 Hafenarbeiter haben am frühen Mittwochnachmittag in Bremerhaven vorübergehend die Durchfahrtsstraße auf dem Gelände des Hafens blockiert. Nach Polizeiangaben staute sich der Verkehr bis zum Zolltor Roter Sand. Die Hafenarbeiter protestierten gegen Lohndumping. Ihrer Ansicht nach nutzen die Hafenunternehmen im Land Bremen die Wirtschaftskrise als Vorwand, um die Löhne zu senken. Die Arbeiter demonstrierten auch gegen die geplante Umsetzung von Mitarbeitern in andere Unternehmensbereiche, in denen niedrigere Löhne gezahlt würden. Außerdem sind sie gegen den Einsatz von Leiharbeitern, die nicht dem Gesamthafenbetriebsverein (GHB) angehören."
Wehe, die normale Gewerkschaft macht so was. Die UG-Kritik lautet dann: Hier verschaffen sich nur einzelne Arbeitnehmer_innen einen Vorteil im bestehenden Kapitalismus. Sie wollen sogar andere Arbeiter_innen ausschließen. Zitat:"Außerdem sind sie gegen den Einsatz von Leiharbeitern, die nicht dem Gesamthafenbetriebsverein (GHB) angehören." Die tolerantere Variante der UG-Verurteilung wäre: Ok, die kämpfen für ihre Rechte, aber die sollen nicht denken, dass das was mit Antikapitalismus zu tun hat. Die empörtere Variante der UG-Verurteilung würde der Aktion reinen Klientelismus vorwerfen, der sich nicht von den Handlungen der Kapitalseite unterscheidet – wie gesagt: wenn das ne böse DGB-Gewerkschaft gemacht hätte. Versteht mich nicht falsch, ich habe genug zu kritisieren an den Gewerkschaften. Ich kann nur keinen rechten Unterschied in der Praxis von Gewerkschaftslinken und UG erkennen. Von daher kann ich mir die Jubeljuchzen der fast kompletten UG-Gemeinde auf Indymedia nicht recht erklären (Zitate: " SOligrüße aus Köln! Richtig so Betriebe stilllegen!; Grüsse aus Frankfurt,sehr cool, Die neue Ums Ganze Gruppe rockt; yeah! kommi, Auch solidarische Grüße aus dem Saarland! Da geht ja einiges!; Schöne Grüße selbstverständlich auch aus Göttingen an die New Members of ...Ums Ganze!; So geht das! Ja auch Köln grüßt die neuen Genossen aus Bremerhaven...Ums Ganze! Rockt!“)
Wenn sich Praxis also nicht unterscheidet scheint mir der UG-Hype eben eher Identitätspolitik zu sein. Denn auch innerhalb der Mainstreamgewerkschaften finden heftige Diskurse über eine antikapitalistische Positionen der Gewerkschaften statt. Meistens unter dem Label „Demokratisiserung der Wirtschaft“ oder „demokratische Überwindung des Kapitalismus“. Die KollegInnen, die hier aktiv sind versuchen antikapitalistische Positionen in den Mainstream hineinzutragen, können aber eben revolutionsrhetorisch nicht so auf’n Putz hauen, wenn sie von den Gegner_innen nicht sofort ausgekontert werden wollen. Das kristallisiert sich z.B. an der Diskussion um den „politischen Streik“, um den großen Gewerkschaften wieder das beste Kampfmittel zu verschaffen, dessen Wegnahme sie einstmals selbst zugestimmt haben. Diese Gewerkschaftslinke arbeitet aber nicht nur eindimensional und versucht Antikapitalismus, wie die UGs an die Basis heranzutragen (wie gesagt, ich finde die Hamburger Aktion voll gut – auch die Frankfurter Studidemo war gut), sondern hat es sich auch zusätzlich zur Aufgabe gemacht den Gewerkschaftsapparat zu verändern. Ich toleriere aber durchaus auch die Ansicht, dass das nicht möglich ist. Ich sehe aber bisher auch niemanden, der da in größerem Maße außerhalb der Mainstreamgewerkschaften unter Arbeitnehmer_innen was gerockt hätte (siehe FAU). Ich solidarisiere mich natürlich auch mit der FAU in Bezug auf den Versuch der Unterdrückung durch Gerichte. Hier sage ich: Die Organisation, die gemeinsam mit den Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen erkämpft und deren Vertrauen genießt ist deren Gewerkschaft! Nicht jede Nicht-DGB-Organisation ist eine „gelbe“ Gewerkschaft.
Grundsätzlich scheint mir also UG in der Theorie (und Außendarstellung) eine um das Subjekt verkürzte, rigide Abgrenzungspolitik zu sein, die sich in der Praxis dann in verschiedene Strömungen aufteilt. Die einen (wie die FSO in Tü) steigen aus Protestbewegungen aus und beklagen deren reformistischen Charakter, die anderen begnügen sich nicht mehr mit ihrer Theorie und wollen antikapitalistische Positionen in Basisbewegungen einbringen. Dazu reduzieren sie den theoretischen Anspruch, der normal an andere als Maßstab angelegt wird.
Noch ne Frage zum Schluss: Was ist eigentlich so verdammenswert daran, die Leute da abzuholen, wo sie stehen? Dieser Vorwurf erinnert mich immer an die Diskussion um Straftäter_innen. Die einen sagen: Keine Resozialisierung. Staftäter_innen sollen sich von selbst verändern (Wer nicht hören will, muss fühlen). Dies wird bei NeoKons euphemistisch auch mit der Freiheit des Individuums begründet. Andere sind ganz klar für Hilfe zur Resozialisierung und gegen Knäste. Wenn man die kapitalistische Prägung des Individuums in einer Poststrukturalistischen Weise betrachtet (oder auch z.B. mit Bourdieu) ist klar, dass sich kapitalistische Praxis eingelagert hat in die Individuen. D.h. die Unterdrückungsverhältnisse des Kapitalismus werden getragen von einer objektiven Struktur und deren subjektiven Einlagerung in uns alle (Wir sind Komplizen!). Wie sollen wir diese relationale Festung erobern, wenn nicht durch die antikapitalistische Arbeit an der Struktur (Widerstand!) aber auch mit den Menschen. Hier mag eine Konfrontationspraxis die das rein kognitive Verarbeiten von Kritik betont, in wenigen Fällen was bringen. Normal wirken sich Konflikte aber nur positiv (im dialektischen Sinne) aus, wenn sie in einem solidarischen Verhältnis und nicht in einem Konkurrenz- bzw. Abgrenzungsverhältnis ausgetragen werden. Also in einer gewissen solidarischen Sensibilität für potentielle Partner_innen. Das hat und hatte natürlich schon immer auch Grenzen.
@ wo sind die ...
"Wenn sich Praxis also nicht unterscheidet scheint mir der UG-Hype eben eher Identitätspolitik zu sein."
Die Praxis unterscheidet sich aber, weil die UGler neben dem, dass sie solche Arbeitskämpfe unterstützen, Leute gegen den Kapitalismus aufzubringen versuchen. Das ist nunmal ein Unterschied zu jeder etablierten Gewerkschaft. Den brauchst nicht zu leugnen, nur weil UG auch mal sagen, dass Arbeitskämpfe IM Kapitalismus nunmal nötig sind und da was organisiert.
Was hast du eigentlich dagegen, wenn man sagt, das, was die Gewerkschaft mache, sei nicht antikapitalistisch? Warum ist es für dich gleich eine "Verurteilung"? Das ist überhaupt keine Verurteilung, sondern ein Befund, das Ergebnis einer Analyse, an dem man seine Praxis auszurichten hätte. Zu einer "Verurteilung" wird es nur, weil du der Gewerkschaft unbedingt, ohne Rücksicht auf Verluste, das Label "antikapitalistisch" ankleben willst. Und wenn UG das bestreiten, hast du sofort eine Psycho-Theorie parat, damit man sich mit den Argumenten von UG dazu gar nicht mehr zu befassen braucht. Eigentlich müssten UG deiner Meinung sein und wenn sie das nicht sind, dann liegt es natürlich nicht daran, dass sie für ihre Position gute Gründe haben, mit denen man sich auseinandersetzen müsste, sondern daran, dass es alles identitätslechzende Produkte bürgerlicher Vergesellschaftung sind.
Wenn die Linksgewerkschaftler nicht die Positionen vertreten, die UG propagieren, dann deswegen, weil sie recht haben. Wenn UG nicht die Politik der Linksgewerkschaftler mitmachen, dann nur weil sie sich abgrenzen wollen. Sehr schlüssig! Du kritisierst den intellektuellen Habitus und bringst selber die ganzen Sachen, die man aus bescheuerten Uni-Seminaren kennt: überhaupt keine inhaltliche Widerlegung auch nur einer einzigen Position von UG, stattdessen argumentlose Verweise auf anerkannte Autoritäten aus dem bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb (Bourdieu, Poststrukturalismus) und einfach nur platte Diffamierung und Psychologisierung ("rigide Abgrenzungspolitik").
"Normal wirken sich Konflikte aber nur positiv (im dialektischen Sinne) aus, wenn sie in einem solidarischen Verhältnis und nicht in einem Konkurrenz- bzw. Abgrenzungsverhältnis ausgetragen werden."
Schon wieder bürgerliche Sprachverwirrung. Was soll den "im dialektischen Sinne" überhaupt heißen? Erklär das doch mal. Und ausgerechnet Kommunisten ein Konkurrenz- und Abgrenzungsverhältnis vorzuhalten, wo man von der linken Sozialdemokratie und ihrem Anhang aus jeder Institution spätestens dann rausgemobbt wird, wenn man zur Abschaffung der bürgerlichen Gesellschaft aufruft, ist schon a'weng frech.