Der Rottenburger Kopp-Verlag: Verschwörungen allerorten

In der Bischofsstadt Rottenburg ist der rechts-esoterisch-weltverschwörerische Kopp-Verlag angesiedelt. Bei diesem handelt es sich um einen umtriebigen Verlag, der vor allem mit Konspirologen-Kost, Pseudohistorie und Pseudowissenschaft sein Geld macht. Und das nicht zu knapp, wenn mensch den Angaben des Verlages trauen darf. Demnach werden monatlich 150.000 Kataloge ausgeworfen und täglich 1.500 Pakete von 30 Mitarbeitern versandt (Presseinformation von 2008). Kein kleiner Hinterhof-Verlag also.

Der Kopp-Verlag verfügt über Anbindung zur extremen Rechten. Neben einer engen Kooperation mit dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag (und früher mit dem rechts-neuheidnischen Arun-Verlag), wird auch in rechten Publikationen Werbung für den Kopp-Verlag geschaltet. Beispielsweise in der nationalliberalen Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ oder der ultrarechten Wochenpostille „Junge Freiheit“. Darüber hinaus haben auch einzelne Kopp-Autoren gute Kontakte zur rechten Szene bzw. dürfen ihr zugerechnet werden.

Insgesamt ist die Verbindung von Verschwörungen und Esoterik zu politisch rechten Einstellungen gar nicht so selten anzutreffen und auch nicht ungewöhnlich. Vielmehr ist die geradezu angelegt. Aus UfOs werden so schnell Reichsflugscheiben und aus dunklen Hintermännern, Illuminati oder „der Hochfinanz“ werden Freimaurer, Zionisten, Juden und Rothschilds. Letztlich landet fast jede Weltverschwörungstheorie wieder in antisemitischen Gewässern, denn fast jede Verschwörungstheorie ist strukturell mit dem Verschwörungsantisemitismus deckungsgleich und dieser ist historisch gesehen die Mutter aller Verschwörungstheorien.
In Kopp-Publikationen wird fast nie etwas von „den Juden“ als Verursachern geschrieben, aber generell bleibt diese Interpretationsmöglichkeit offen.

Die Kopp-AutorInnen im Kopp-Verlag, sowie die VerfasserInnen der Online-Artikel auf der Verlagshomepage sind eine Ansammlung recht gegensätzlicher Gestalten. Hier ein drei ausgewählte Kopp-Autoren als Beispiel:
* Der Ahmadinejad-Fan Jürgen Elsässer. Elsässer hat sich vom kritischen Antideutschen und Antinationalisten zum antiimperialistischen und antiamerikanischen Querfront-Vorkämpfer entwickelt. Auf der Kopp-Homepage versucht Elsässer in einem Artikel mit der Überschrift „Neda - die Märtyrerin mit dem Kreuz. Widersprüche bei der Berichterstattung über den Mord an einer iranischen Studentin“ Zweifel an den Mord an der iranischen Regimekritikerin Neda durch Schergen des Mullah-Regimes zu suggerieren. Von Elsässer stammen aber noch härtere Meinungen. In einem Beitrag vom 15.06.2009 auf seinem Blog bejaht Elsässer die Folter gegen als Mittel des Mullah-Regimes gegen die Aufständischen: „Das sollen die Repräsentanten des iranischen Volkes sein, oder auch nur der iranischen Opposition? Da lachen die Hühner im Capitol! Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“
* Bruno Bandulet (* 1942) aus Bad Kissingen. Bandulet ist seit 1995 Herausgeber des politischen und rechten Hintergrunddienstes „Der DeutschlandBrief”, der einst das Organ der rechtspopulistischen Minipartei „Bund freier Bürger“ (BfB) war. Bandulet war auch selbst Beisitzer im BfB-Parteipräsidium.
* Die Gebrüder Grandt, Michael und Guido, die für den linken Alibri-Verlag 1999 eine durchaus lesenswerte Anthroposophie-Kritik („Waldorf-Connection“) verfasst haben. Michael Grandt verfasste zudem das Buch „Unternehmen Wüste - Hitlers letzte Hoffnung. Das
NS-Ölschieferprogramm auf der Schwäbischen Alb“ (2002), dass sich kritisch mit einem Nazi-Ausbeutungsprogramm auf der Zollernalb befasst.
Aber über die Jahre haben sich die Brüder anscheinend immer mehr selbst dem Irrationalismus zugewendet. Aus der Feder von Guido Grandt stammt das verschwörungstheoretische Kopp-Buch „Schwarzbuch Freimaurerei. Geheimpolitik Staatsterror Politskandale“ (2007). Und sein Bruder Michael versucht aus einer über 3000jährigen Geschichtsverfälschung abzuleiten, warum Israel ein unrechtmäßiger Staat sei:
„Nach den geschilderten Ereignissen dürfte zumindest klar sein, dass es ein »angestammtes« oder gar historisches Recht der Israelis auf das »Gelobte Land«, sprich Palästina nicht gibt. Dieses liegt lediglich in der biblischen Genesis begründet und ist seither Legitimation zu Besatzung, Folter und Mord.“

Zwei neue Kopp-Bücher sollen als Beispiel dafür dienen, warum Kopp-Produkte unter Rechten so beliebt sind.

*** Beispiel I: Haider als Opfer einer Verschwörung ***
Vom Bestseller-Verschwörungsautor Gerhard Wisnewski stammt ein druckfrisches Buch mit dem Titel „Jörg Haider – Unfalltod, Mord oder Attentat?“ . Darin macht der Autor aus dem rechten Saufbold ein Attentatsopfer. Wisnewski versucht den Eindruck eines Anschlags durch Geheimdienste zu erwecken. Er nennt zwar nicht direkt den Mossad, aber vielen seiner AnhängerInnen dürfte dieser (antisemitische) Gedanke gekommen sein.
So wird der verblichene Austrofaschist Haider zum Märtyrer. Was der Autor damit befriedigt ist vor allem ein Bedürfnis. Und zwar nicht nach Wahrheit, sondern nach Aufrechterhaltung des Scheins. Der Vorzeigefamilienmensch und Law&Order-Mann Haider darf einfach nicht betrunken und aus einer Schwulenbar kommend den Rennfahrer gespielt haben. Aus einem „darf nicht“ wird dann schnell ein „kann nicht sein“. Also wird nach Alternativen gesucht.
Wenn rechte Pophelden sterben ist es wie bei normalen, es wuchern die Verschwörungstheorien und sie werden mit einem Heiligenschein ausgestattet. Dazu werden alternative Zukunftsvisionen erstellt: Wenn er nicht gestorben wäre, dann …
So heißt es dann auch folgerichtig in der Verlags-Ankündigung zum Buch: „Haider ist in dem Moment gestorben, wo er auf dem Weg war, bundespolitisch wieder mehr Macht zu erringen. Das dürfte den Tätern nicht gefallen haben.“
Brav wird diese Verschwörungsfantasie wiedergekäut vom NPD-Parteiblatt über das neonazistische Infoportal „Freier Beobachter Bodensee“ bis zur Haider-Partei BZÖ, deren Pressemann eine ominöse „Hochfinanz“ hinter dem Haider-Tod vermutet.
Wisnewski gewährte dem iranischen Staatsrundfunksender IRIB mehrfach Interviews in denen er Verschwörungstheorien wiederkäut. Kein Wunder. Der theokratische Iran besitzt bekanntermaßen eine Staatsführung, in der antisemitische Verschwörungstheorien gerne geglaubt werden.

*** Beispiel II: Bürgerkriegs-Voraussage für Deutschland ***
Islam-Paranoiker und Rechtsaußen-Autor Udo Ulfkotte (* 1960) veröffentlichte dieses Jahr nach „SOS Abendland“ (2008) mit „Vorsicht Bürgerkrieg“ sein zweites Buch im Kopp-Verlag. Inhaltlich scheint es um den angeblichen Untergang des Abendlandes durch MigrantInnen, insbesondere Muslime, zu gehen. In der Verlags-Ankündigung heißt es: „In diesem Buch lesen Sie, in welchen Gemeinden, Städten und Stadtteilen Deutschlands die Bundesregierung zukünftig innere Unruhen erwartet. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Finanzcrash und Massenarbeitslosigkeit, Werteverfall, zunehmende Kriminalität, Islamisierung, ständig steigende Steuern und Abgaben, der Zusammenbruch von Gesundheits- und Bildungssystem und die vielen anderen verdrängten Probleme werden sich entladen. Linke gegen Rechte, Arme gegen Reiche, Ausländer gegen Inländer, mittendrin religiöse Fanatiker - das explosive Potenzial ist gewaltig.“
Auch hier steigt die „Deutsche Stimme“ oder das braune Blatt „Blaue Narzisse“ brav auf die Vorlage ein.