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"WOFÜR soll das ein

"WOFÜR soll das ein Argument sein? Was willst du denn mit dem diskreten Hinweis aufzeigen? Dass man nicht so "pöhse" mit der deutschen Demokratie umspringen soll?"

Es geht darum anzuerkennen, dass Menschen es scheinbar attraktiv finden, unter den Bedingungen von Demokratien zu leben - attraktiver jedenfalls als jedes anderes politische Regime auf diesem Planeten.

"mittlerweile darauf geeinigt, dass hier nur der deutsche Staat interessiert und Vergleiche mit dem Elend in der Dritten Welt, den Schandtaten im Dritten Reich, Stalin u.ä. in dieser Diskussion nichts bringen."

Darauf haben wir uns nie geeinigt. Vergleiche bringen etwas, weil ihr ja auch ständig vergleicht - die pöhse Gewaltdemokratie mit eurer wie auch imer gearteten Vision einer menschenwürdigen Organisationsform.

"in welche Absurditäten einen das Argument "Errungenschaft" treiben kann"

Alles kann irgendwie ins lächerliche gezogen werden. Trotzdem gibt es 'menschenwürdige' Errungenschaften. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gehört für mich dazu. Unbegreiflich wie ihr dies in den Dreck zieht.

"Um so einen Unterschied zwischen zwei Sachen festzustellen, muss man halt die beiden Sachen gut kennen. Dann kann man sagen, WORIN sie sich unterscheiden. Dass du weder vom Realsozialismus noch von der bürgerlichen Demokratie eine rechte Ahnung hast, merkt man daran, was für Unterschiede dir einfallen."

Ich habe Unterschiede benannt. Freie Meinungsäußerung, freie Wahlen, demokratisch legitimierte Regierung, Rechtsstaat, Schutz vor staatlicher Willkür. Nach euch sind dies ja alles Banalitäten. Diejenigen Menschen, die in Diktaturen jeder Art leben, gehen nicht so fahrlässig mit diesen 'Errungenschaften' um. Aber wie gesagt, jemand, der selbst in einer Diktatur geboren wurde, weiß diese 'Nichtigkeiten' wahrcheinlich einfach besser zu schätzen.

"In der Diktatur herrscht Willkür - in der Demokratie das Recht!
Allein faktisch stimmt's doch schon mal nicht. Die KPdSU hat auch Gesetze erlassen, nach denen dann vom ganzen Volk gehandelt werden sollte."

Gottchen, was habt ihr denn für ein Bild von der Sowjetunion? Klar, gabs da Rechte. Auf dem Papier zumindest. Aber der Staat hat doch millionenfach auf diese Rechte geschissen, wenn es ihm gegen den Plan ging. Und vor welchen Gerichten hätte man diese Rechte denn auch einklagen können? Es gab ja keine unabhängigen Gerichte. Man mag ja viel über die Vereinigten Staaten schimpfen, und über die Scheisse, die sie in Guantanamo abziehen. Aber immerhin gibt es in diesem land eine Diskussion darüber, und die Gefangenen haben es vorerst geschaft, ihre Rechte nach der Amerikanischen Verfassung geltend zu machen. Nicht einmal etwas annäherndes hätte in der SU passieren können. Ihr seid völlig blind gegenüber der Sowjetdiktatur. Das war Willkür - kein Rechtsstaat.

"und auch im Dritten Reich übrigens) hatte man ebenfalls seine Rechte und seine Pflichten."

Haha! Traurig, dass ich hier lachen muss ob so viel Schrott in einem einzigen Satz. Welche Rechte hätte man denn geltend machen können gegen SA- und SS-Terror? Schon der olle Carl Schmitt hat doch richtigerweise erkannt: "Der Führer schützt das Recht." Das Abbrennen von Synagogen und die Ermordung von Juden und Kommunisten stand doch in keinem einzigen Gesetzesblatt! Der SS-Staat ist förmlich das Symbol für staatliche Willkürherrschaft. Himmelschreiend was ihr für Scheisse behauptet. Von 'einforderbaren Rechten' im SS-Staat zu reden - und das in diesem Land! Ihr rafft den Unterschied zwischen bürgerlicher Demokratie und Terrorherrschaft echt nicht!!!

"Wer mit denen nicht einverstanden war, hat einen auf die Rübe bekommen - da gibt es überhaupt keinen Unterschied zu hier und jetzt. Rechtlich alles einwandfrei."

Verfickte Scheisse. Echt! Bildet euch, bitte!!! Schon mal vom Recht auf einen fairen Prozess gehört? Wie wäre denn der SS-Staat mit 'Staatsfeinden' wie Baader-Ennslin umgegangen? And die Wand gestellt und tot. Als ob sich da jemals überhaupt jemand darum gekümmert hätte, ob Führers Befehle mit solch Nichtigkeiten wie Gesetzen übereinstimmten!

"Gesetze sind Äußerungen der Willkür des Gesetzgebers."

Es gibt im deutschen Recht ein Willkürverbot. Wenn ihr Willkür als völlig beliebiges Handeln der Staatsorgane definiert, dann handelt der deutsche Gesetzgeber keineswegs willkürlich. Willkür ist wie Hitler Synagogen anzuzünden, und sich nicht um die Weimarer Reichsverfassung zu scheren. Der deutsche Gesetzgeber hat dagegen bei seiner Gesetzgebung die Verfassung zu respektieren. Gesetze, die verfassungswirdig sind, sind nichtig. Und, die Rechte, die damit verletzt werden, können vor jedem Gericht eingeklagt werden.

Im übrigen ist der Gesetzgeber in diesem Land auch demokratisch legitimiert. D.h. er verabschiedete Gesetze nach dem Willen einer Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung. Insofern könnte man höchstens argumentieren, hier zwänge eine Mehrheit einer Minderheit ihre Gesetze auf. Allerdings ist selbst dies zweifelhaft - da in einer Demokratie ja Minderheiten durchaus Schutz genießen. Selbst wenn die Volksmehrheit die Meinung dieser Website nicht goutiert, hat der Gesetzgeber noch lange kein Recht, diese Seite zu schließen. Es sei denn, die Meinungsfreiheit würde abgeschafft - in diesem Falle würde dieses politische System aber seine Qualifizierung als 'demokratisch' verlieren.

Es ist ja auch so, dass ihr hier wohl kaum tag ein tag aus Angst habt, um die Zukunft von tueinfo. In 'Diktaturen' erleiden Oppositionelle ein ganz anderes Schicksal. Die fürchten nämlich tatsächlich um ihre soziale Existenz, und manche sogar um ihr Leben.

"Dass man, wenn man in Deutschland die Gesetze nicht befolgt, ins Gefängnis kommt oder einem zur Strafe sein Geld und damit der Zugriff auf Sachen, die man so braucht und haben will, weggenommen wird - das ist Gewalt, weil es MIT GEWALT geschieht und nur mit Gewalt geschehen kann."

Bevor man in Deutschland ins Gefängnis kommt, gibt es erstmal einen Prozess vor einem unabhängigen Gericht. Dort wird der Sachverhalt geklärt. Und sollte Freiheitsentzug dabei rausspringen, verliert man trotzdem noch nicht alle Bürgerrechte. Man hat durchaus die Möglichkeiten, den Richtsspruch durch alle Instanzen anzufechten. Und wir wissen ja, dass sowas durchaus erfolgreich sein kann. Auch wieder solch ein 'nichtiger' Unterschied zu Diktaturen.

Weiterhin habe ich Gewalt als solches nicht verurteilt, sondern darauf hingewiesen, dass ich sie für eine menschenwürdige Organisationsform durchaus für sinnvoll erachte. Wenn man Menschen Rechte zugesteht, dann müssen diese Rechte auch einforderbar sein. Ich kann nicht ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben, und dann schlägt mir auf der Straße der erstbeste die Fresse ein. In diesem Falle muss staatliche Gewalt wirken - und zwar als als Gewaltmonopol gegen die Willkürtaten einzelner. Dadurch, dass auch diesen Willkürtätern unveräußerliche Rechte zustehen, und dass die gesamte Gesetzgebung demokratisch legitimiert ist, erscheint mir das ganze als nicht zu absurdes System.

"die "police brutality""

Wie gesagt, ich tue mich schwer in Deutschland willkürliche und systematische Polizeigewalt zu erkennen. Es mag Ausfälle geben, aber in den meisten Fällen, ist dies doch sehr encadriert. Wenn die Bullerei zu Gewalt greift, dann letztlich auch als Reaktion auf Gewalt von der anderen Seite. Und es sei doch nicht geleugnet, dass die 'andere Seite' und seien es Globalisierungskritiker oder Antikapitalisten durchaus zu Gewalt greifen - un d danach ja meist am lautesten gegen den bösen Bullenstaat anschreien. Was wollen die eigentlich? Dass die Bullen zusehen, wie beim Ersten Mai in Berlin Autos angezündet werden? Wer gibt diesen Menschen denn das Recht dazu dies zu tun?

"Leute in ein stilles Kämmerchen einzusperren ist brutal"

Richtig! Fragt sich bloß, ob es nicht brutaler wäre dieselben Menschen frei auf der Straße rumlaufen zu lassen. Nehmen wir doch mal das Extrembeispiel Kinderschänder. Würdet ihr euch da auch gegen die pöhse Staatsgewalt wehren? Oder Gewalttäter, Räuber und Einbrecher, Betrüger usw.. Wer schützt uns denn gegen die? Vielleicht doch die pöhse Bullerei - oder sehe ich hier wieder alles viel zu praktisch, was ihr mir jetzt theoretisch (v)erklären würdet?

"Dass die Gewalt in der Demokratie "demokratisch legitimiert" ist, macht ihre Anwendung vielleicht für dich, aber ganz bestimmt nicht für die Betroffenen weniger schmerzhaft. Dass der Polizeiknüppel weniger weh tut, nur weil man den Innenminister indirekt mitgewählt hat, ist ja wohl ein Märchen, dass die, zumindestmal mir bekannten, Eigenschaften der menschlichen Physis leugnet."

Wieder wird es deutlich, dass ihr den Unterschied zwischen demokratischem Rechtsstaat und diktatorischer Wilkürherrschaft völlig verkennt. In einer Demokratie hat kein Polizist das Recht, Dich zu schlagen! Und sollte er es doch tun, dann steht dir offen, alle Instanzen der Gerichtsbarkeit auszuschöpfen, um Dein unveräußerliches Recht auf körperliche Unversehrheit geltend zu machen. Insofern tut der Polizeiknüppel schon weniger weh, weil du dich dagegen wehren kannst, während dich die Diktaturbullerei blöde angrinsen würde und dir gegebenenfalls ne Kugel durch den Kopf jagde. Die wissen ja, dass sie nix zu befürchten haben, und das du keinerlei einforderbares Recht hast, noch nicht mal das auf dein eigenes Leben.

"Wenn Menschen ein gemeinsames Anliegen haben, dann überlegen sie gemeinsam, wie sie es am besten machen könnten, und wenn es jedem einleuchtet, machen sie es auch."

Grundsätzlich richtig. Etwas anderes passiert ja in der Demokratie auch nicht. Allerdings gibt es eben gegensätzliche Standpunkte, und manchmal muss eine Entscheidung getroffen werden, obwohl nicht alle der gleichen Meinung sind. Wenn die einen auf dem Fischkutter meinen, Fische gebe es östlich, und die anderen denken, nein, die sind im Westen - dann muss man eine Entscheidung fällen. Wenn man das nicht macht, dann bleibt der Kutter im Hafen und nachher haben alle Hunger. Also muss sich die Minderheit der Mehrheit unterordnen, natürlich ohne, dass man die Minderheit dann als Fischköder benutzt.

"Wenn da einer es sich anders überlegt hat, die Sache jetzt doch anders sieht oder plötzlich keinen Bock hat, dann wird entweder weiter diskutiert oder er macht halt was anderes. Ich weiß nicht wie es bei dir ausschaut, aber in meiner WG sind wir dabei bisher noch nie auf die Idee gekommen, eine Polizei einzuführen, die uns zu etwas zwingt, was wir nicht wollen. Das ist auch eine etwas absurde Vorstellung."

Nein, wie schon erläutert, ist dies mitnichten absurd. Man findet eben nicht immer eine einvernehmliche Lösung. Und wenn der eine lernen will, und der andere die WG mit seiner lauten Musik beschallt, dann braucht man einen Kompromiss. Und wenn unser Musikfreund das nicht einsieht, dann kann man nicht einfach das Problem ausblenden, sondern muss gegebenenfalls entscheiden, dass dieser Mensch aus der WG fliegt. Es ist ja nicht so, dass dergleichen niemals passieren würde. Bei der Organisation menschlichen Zusammenlebens kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Und die werden zwar meist nicht gewalttätig gelöst, aber Gewalt ist immer unterschwellig vorhanden. Wie würdet ihr euch denn verhalten, wenn der Musiktyp euch Tag und Nacht beschallen würde? Irgendwann käme die 'Gewaltlösung' - und sei es dadurch, dass ihr ihn aus der Wohnung klagt.

"Gewalt ist ein Mittel um einen Willen zu brechen - also jemanden dazu zu bringen etwas zu tun, was er nicht tun will. "

Sicher, das ist vollkommen richtig. Genauso ist Gewalt unterschwellig das, was jegliche menschliche Organisationsform zusammenhält. Der Kinderschänder, um wieder mit dem Extrembeispiel zu kommen, MUSS eben davon abgewalten werden, seinen Willen in die Tat umzusetzen. Ist Gewalt hier abartig und schlecht - wenn es keine anderen Mittel gibt, dies zu tun (man könnte ja mit ihm reden...)?

"Gewalt unterstellt immer Interessensgegensätze, es ist also nicht so, dass in der Demokratie irgendein tolles gemeinsames Anliegen "geordnet" wird. In der Demokratie werden die Gegensätze nicht aus der Welt geschafft, sondern alle werden gleichermaßen darauf verpflichtet, sie gegeneinander in einem bestimmten Rahmen immer wieder auszutragen. Wie das geschieht, wurde schon erwähnt - durch die gewaltsame Verpflichtung auf Freiheit, Gleichheit und Eigentum."

Diese Verpflichtung ist demokratisch legitimiert - d.h. die Mehrheit der Menschen in dieser Organisation haben sich aus freiem Willen dazu bekannt. Danach wird dieses Bekenntnis natürlich mit Gewalt (zumeist struktureller Natur) eingefordert. Falls eine Mehrheit mit diesem Bekenntnis nicht mehr einverstanden ist, und meint sich anders besser organisieren zu können, dann steht es ihr frei diese Art der Organisation aufzulösen und eine neue zu begründen. Verfassungen sind ja bekanntlich nicht für die Ewigkeit geschrieben. Und "Die Würde des Menschen ist unantatsbar." ist eine Phrase, die wir sicherlich ersetzen könnten. Fraglich nur, was dabei an neuem rauskäme, und ob es wirklich menschenwürdiger wäre.

"Es ist eben keine Aufforderung, sich hinzusetzen und die Sache mal ordentlich auszudiskutieren, bis man zu einem Ergebnis kommt, sondern ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten, in denen jeder sich stur darauf beruft, dass seine Meinung auch berechtigt ist und er sich deshalb von keinem etwas sagen zu lassen braucht."

Solche Sätze erinnern doch stark an die 1920er Jahre, als die "Quasselbude" Parlament von links- und rechts-außen geschmäht wurde. Beide Parteien (NSDAP und KPD) waren ja dann in der Lage, dieses 'absurde' System durch ein eigenes zu ersetzen. 1933-45 sowie 1945-89 waren denn auch wahrlich glücksbringende Jahre für Deutschland und Europa.

Die Begründer des Liberalismus waren im 17. Jahrhundert bereits weiter als ihr jetzt. Sie haben erkannt, dass es eben unmöglich ist, in der Politik eine Art 'Ergebnis' (davon sprecht ihr ja) zu erreichen, dass der absoluten Wahrheit entspricht - und somit "ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten" verhindern könnte. Damit diejenigen, die sich im Besitz dieser grandiosen absoluten Wahrheit wußten, daran gehindert werden konnten, den anderen die Schädeldecken einzuschlagen, haben diese Urliberalen TOLERANZ gepredigt. Toleranz gegenüber anderen Meinungen, und eben die friedliche Debatte, die ihr hier in den Schmutz zieht. Dass es in solchen Debatten durchaus gelingt, Kompromisse zu schliessen, und gegebenefalls die andere Seite auch mal zu überzeugen, ist euch wohl leider nicht in den Sinn gekommen. Traurig aber wahr.

"Dass die demokratischen Untertanen angesichts der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, nicht aufmucken, sondern periodisch sogar selbst wählen, wer als nächstes wieder mal über sie herrschen soll - das ist überhaupt kein Beleg dafür, dass es hier keine Gewalt gibt"

Ich habe ja nie behauptet, dass es hier keine Gewalt gäbe. Ich habe gesagt, dass auch diese menschliche Organisationsform sich durchaus auf Gewalt stützt. Und im übrigen ist Gewalt in der Menschlichkeitsgeschichte ja nun überhauapt kein Grund gewesen, für Menschen nicht aufzumucken. Wie oft denn sind politische Regime schon gestürzt? Wie häufig hat es schon Revolutionen gegeben? Nicht aber auch gar nichts kann durch Gewalt auf Dauer wirkungsvoll verhindert werden, wenn eine Mehrheit der Menschen unterdrückt wird. Freiheit ist eine Idee, die viel stärker ist als willkürliche Gewaltherrschaft.

"Beschäftige dich doch erstmal mit dem, was Demokratie IST, dann weiss man auch, was von ihr zu halten ist."

Das habe ich ja in den letzten Zeilen gemacht. Und ich halte nach wie vor viel von ihr.

"In Wirklichkeit hat der Staat da gemerkt, dass er nicht genug Humankapital für die internationale Konkurrenz hat, und beschlossen ein paar Arbeiterkinder an die Unis zu holen."

Ja, diese Einschätzung ist keineswegs falsch. Positiv formuliert können wir hier auch erkennen, wie der Kapitalismus Standesunterschiede nivelliert. Das ökonomisch 'erfolgreichste' System, also in der Logik der Standortkonkurrenz, ist sicherlich das, das langfristig alle Ressourcen seines 'Humankapitals' effizient auszuschöpfen vermag. Elite durch geburt ist da auf Dauer wenig wettbewerbsfähig.
In perverser Art und Weise erhöht der Kapitalismus also die Gleichheit der Menschen, indem er allen seine Logik aufzwingt, und alles andere überwindet.

"Jetzt soll man es einer Herrschaft hoch anrechnen, dass sie es einem gnädigerweise erlaubt über die ganzen schlimmen Sachen, die einem in diesem Gemeinwesen ständig zustoßen, öffentlich zu jammern. Nützen tut's ja scheinbar nichts, sonst wäre nicht ständig Grund zum Jammern da, aber dankbar muss man trotzdem sein und deshalb auch NICHT ZU VIEL jammern."

Wie gesagt, ihr verkennt den 'Errungenschaftscharakter' des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Wenn dieses denn so banal ist, warum enthalten es dann denn ein Großer Teil der Staaten dieser Erde ihren Bürgern vor?
Und es wäre unsinnig zu behaupten, dass 'jammern' nichts bringen würde. Probleme werden doch angesprochen, und dann auch versucht zu lösen. Dazu trägt doch bei, dass jeder sein Maul aufmachen darf. Ihr argumentiert leider völlig bizarr - indem ihr annehmt, der Großteil dieser bevölkerung wäre gegen das politische System, gegen die 'Herrschenden' und könnte doch nichts gegen sie unternehmen - trotz freier Meinungsäußerung. Ich sage: Der Großteil dieser Bevölkerung accordiert diesem System eine Daseinsberechtigung, und genau aus diesem Grunde bleibt das System stabil. Aus der Sicht der oppositionellen Minderheit ist dies natürlich schwer einzusehen. Darum wird gesagt, Meinungsfreiheit bringe doch eh nix, weil es euch ja scheinbar trotz der Tatsache, dass ihr eure Meinung überall kundtun dürft, nicht gelingt auch nur nennenswert Anhang in der Bevölkerung zu finden. Putzigerweise finden Oppositionelle in Diktaturen dieses 'banale' Recht auf Meinungsfreiheit keineswegs so banal, sondern setzen ihr Leben für den Kampf um dieses ein. Das zeigt ja, dass es scheinbar doch was bewirkt, und dass viele 'Herrschende' Angst davor haben. Ansonsten könnten die Herrscher in Peking und Moskau ihren Völkerin dies doch gnädigsterweise gewähren. Machen sie aber nicht, und das aus gutem Grund.

"ob mir die eigene Sprache wirklich so wichtig ist, dass ich dafür Leute abschlachte"

Mir ist nicht bekannt, dass 10-15 Mio. Kurden in der Türkei den ganzen Tag damit verbringen, Türken abzuschlachten. Viele von ihnen wollen trotzdem das Recht haben, ihre kurdische Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen. Wiederum kann ich nicht erkennen, wie ihr Menschen dieses Recht aberkennen könnt.

"Wenn ein Staat seinem Volk Privateigentum aufzwingt und eine "nennenswerte Minderheit" anfängt sich mit Gewalt dagegen zu wehren, dann wärst du wahrscheinlich der erste, der "Avantgarde", "Terrorismus" und "Diktatur" sagt."

Ich sehe nicht, dass demokratische Staaten hier was aufzwingen. Ich sehe nur, dass Privateigentum von einer Mehrheit, ich würde sogar sagen sehr großen Mehrheit der Bevölkerung für wichtig und schützenswert erachtet wird. Das heisst natürlich nicht, dass die dann alle die Verteilung der Reichtümer innerhalb der Gesellschaft auch so großartig finden. Aber für Umverteilung ist in einer Demokratie ja durchaus Platz.

"Z.B. dass in den Ländern der Dritten Welt viel mehr Menschen verhungern, als Milosevic in seinem ganzen Leben hätte töten können - und um DEN Menschen zu helfen, muss man keine Städte bombardieren."

Sicher, das ist DAS Totschlagargument. Was, Deine Schwester wurde bei nem Unfall getötet? Na, is ja nich schlimm, schau mal nach Afrika. Du könntest gar nicht soviele Schwestern haben, wie da tagtäglich Menschen getötet werden...

Ich erwarte jetzt auch euren Masterplan, DIESEN Menschen zu helfen. Ist ja nicht so, dass sich darüber noch keine schlauen Leute Gedanken gemacht hätten.

"Man könnte sich auch fragen, warum nur die Serben und nicht die UCK plattgemacht wurde"

Gutes Argument. Amis und Engländer hätten im 2.WK ja auch zusammen mit Hitler Stalin plattmachen können. Man trifft immer ne Wahl. Und wie sagte good ol' Roosevelt schon so schön? He's a sonofabitch, but he's our sonofabitch. Das trifft dann wohl auf die UCK zu.

"warum die Bundeswehr eigentlich nicht in Spanien einmarschiert"

Liegt wohl daran, dass niemand in Berlin erkannt hat, wie Aznar dabei war das Baskenland und Katalonien ethnisch zu säubern? Vielleicht könnt ihr Berlin ja mit dieser Erkenntnis weiterhelfen?

"Offenbar hat der deutsche Staat außenpolitische Interessen, die über das bloße Wir-wollen-den-Menschen-helfen hinausgehen"

Ja, sicher. Naiv, dass nicht zu glauben. Allerdings haben ja berühmte Philosophen schon herausgefunden, dass es für die Welt letztlich am besten wäre, wenn einfach jeder nach seinen Interessen handelte, und man dieses moralisierende Rumgeier lassen würde. Aus zweiterem erwächst nämlich meist viel größeres Unheil.
Deutschland hatte insofern sicherlich Interesse einen Diktator wegzukriegen, der den Balkan destabilisierte und somit deutschen Wirtschaftsinteressen keineswegs guttat.

"der wirtschaftlich gar nicht lebensfähig ist"

Auch so ein blödsinniges Totschlagargument. Daraus würde folgen, dass man die meisten afrikanischen Staaten einfach abschaffen möge. Die sind ja auch alle 'nicht lebensfähig'.

"Jetzt mach doch nicht so ein Geheimnis daraus, dass Unternehmer ihr Geld vermehren wollen."

Liegt mir fern, aus dieser Evidenz ein Geheimnis zu machen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auf diesem Vermehrungstripp unser gesamtes Wirtschaftssystem beruht - man also nicht die pöhsen Unternehmer dafür geiseln kann, dass sie Menschen entlassen, weil sie es ja erst waren, die diesen Menschen überhaupt Arbeit gegeben haben. Wenn, dann muss das gesamte unmoralische System kritisiert werden, und nicht DER PÖHSE UNTERNEHMER, der nichts weiter als ein zahnrad im Getriebe ist, das jederzeit ersetzt werden kann.

"Jemandem, der noch nicht ganz irre ist, würde doch sofort auffallen, dass periodisch immer mehr Menschen zu entlassen, ihre Löhne zu kürzen, sie länger und härter arbeiten zu lassen u.ä., eine ziemlich seltsame und absurde Weise ist, für ihr Wohlergehen zu sorgen"

Unternehmer sorgen sich natürlich nicht in erster Linie um das Wohlergehen ihrer Arbeiter - sonst wären sie beim Roten Kreuz oder in der Heilsarmee. Trotzdem wird es viele 'menschliche' Unternehmer geben, die durchaus am Wohl der Arbeiterschaft interessiert sind - natürlich nur im Rahmen eines Systems, das sie letztlich zur Amoralität zwingt, und diese Menschen zu Humankapital und Produktionsfaktoren degradiert. Aber auch wieder hier: es ist nicht der Unternehmer daran schuld, sondern das System. Und den Unternehmer kannst du beiebig durch jemanden anders ersetzen, selbst durch nen Arbeiter. Die Logik der kapitalistischen Profitmaximierung steckt in jedem, der sich der Logik dieses Wirtschaftssystems unterworfen hat. Auch der Arbeiter will ja nur eins, und das ist: mehr und mehr und mehr.

"Man kann jederzeit aufhören Kapitalist zu sein."

Na, wenns denn so einfach wäre ;-) Ich halte dagegen: das Sein bestimmt das Bewusstsein - und niemand hört einfach so auf, vor allem, weil die Menschen eben auf ihren Lebensunterhalt angewiesen sind. 'Aufhören' kann nur der, der aus dem System 'austeigt'. Das aber ist nicht wirklich möglich, es sei denn man flüchtet auf ne einsame Insel und frisst nur noch Muscheln.

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