Ich hoffe, die unter Euch, die Fussball mögen, haben sich auch an dem wunderbar spannenden Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal erfreuen können! Da muss man doch neid- und kritiklos anerkennen: Das war guter Fussball.
Genug der Nettigkeiten. Ich muss jetzt etwas ernster werden. Ich find's nämlich grandiose Scheisse, wenn Ihr lieben Menschen erst meine letzte Antwort löscht und mir dann dies in den Mund legt: >du sagst: "Ich bin aber einer und fühle mich toll dabei."< DIES habe ich nicht gesagt, und Ihr wisst das. Und es ist umso trauriger, dass solcherlei Methoden angewendet werden, um einen in die Ecke zu zwängen, in der ihr mich scheinbar haben wollt.
"Es spielt also für die Kritik am Nationalstaat überhaupt keine Rolle, ob man sich etwas noch schlimmeres vorstellen kann."
Richtig! Habe nie was anderes behauptet. Ich teile ja auch durchaus Kritik am Nationalstaat. In meinem ersten Post habe ich bereits gesagt, dass der Nationalismus für Millionen Tote, für Mord- und Totschlag verantwortlich ist.
"Und zwar weil du die Nation gegen jede Kritik immunisieren willst."
Nee, habe ich ebenso niemals behauptet. Die 'Nation' ist durchaus kritikwürdig. Und trotzdem ist nicht jeder Nationalismus notwendigerweise brutal.
"Da finden wir es schon sehr inkonsequent von dir, dass du den Stalinismus kritisierst. Immerhin war er eine Errungenschaft. Die Analphabetenrate war in Russland im Vergleich zur vorchristlichen Zeiten dramatisch gesunken."
LOL! Ja, sicher hat auch Väterchen Stalin durchaus 'Errungenschaften' bewirkt. So könnte man sozialistisch-konsequent antworten. Das Problem der Bolschewisten war halt nur, dass ihre doch so hehren Ziele jedwede Mittel rechtfertigen schienen. Für die Industrialisierung des Landes, die man sicherlich für notwendig halten kann, wurden halt mal so mir nix dir nix Millionen Menschen in den Tot getrieben. Schon putzig, wie Ihr euch weigert, auch nur den geringsten Unterschied zu erkennen zwischen stalinistischer Gewaltherrschaft und dem pöhsen BRD-Bullenstaat.
"sondern uns die BERECHTIGUNG zum Kritisieren absprechen"
Niemals hab ich das auch nur annähernd gemacht. Ich möchte Euch nur darauf hinweisen, dass unser BRD-Bullenstaat so toll ist, dass uns Milliarden Menschen auf der ganzen Welt dafür beneiden, und lieber hierher kommen möchten.
"Gewalt, die in der deutschen Demokratie an jeder Ecke zu spüren ist...wo man seinen Maschendrahtzaun aufstellen soll..."
Ich spüre in Deutschland nirgends Gewalt, und kann auch nicht erkennen, dass ich ständig von Bullen bedroht werde. Ich weiß ja nicht, in welcher Welt ihr lebt, aber ich spüre als Bundesbürger doch ziemlich deutlich meine Rechte und fühle mich ganz und gar nicht von staatlicher Willkür gegängelt.
Ich habe zum Beispiel das Recht, hier in diesem Forum offen meine Meinung zusagen, und dieses Recht habt ihr auch. Das ist in den meisten anderen Staaten dieser Welt nicht so sicher wie hier. Ihr könnt hier jederzeit Demos organisieren und die angebliche Gewalt des Bullenstaates öffentlich anklagen. Niemand hindert euch daran. Dies ist ein freies Land - jeder hat ein Recht auf seine Meinung, und auch sie auszusprechen. Vielleicht frustriert euch das, weil es euch viel ehrenhafter erschiene, wirklich mal gegängelt zu werden. Ich dagegen bin sehr froh über diese Freiheit - als selbst in der Diktatur geborener weiß ich diese auch zu schätzen, denn sie ist nicht selbstverständlich in dieser Welt.
Und überdies: natürlich gibt es strukturelle Gewalt in Form von Gesetzen. Aber diese Gesetze, die unsere staatliche Ordnung ausmachen, sind doch demokratisch legitimiert. Es ist ja nicht irgendein Usurpator, der uns aufzwingt, unsere Kinder Jesus Maria zu nennen, oder überall Maschendrahtzäune aufzustellen, sondern der Volkssouverän, der dies gebietet. Und zwar zum allgemeinen Wohl - weil das Zusammenleben von Menschen eben geregelt werden muss. Und wenn ihr gegen Eigentum seid, na dann habt ihr alles Recht dazu. Und wenn ihr ne Mehrheit des Souveräns, der pöhsen Nation, vom Segen der eigentumsbefreiten Geselschaft überzeugen könnt, dann steht dem nichts im Wege, Eigentum abzuschaffen. Es funzt aber eben nur auf demokratische Weise - und ich verstehe, dass euch das frustriert, und ihr doch letztlich davon träumt, diese Gesellschaft umzugestalten, auch gegen den Willen einer Mehrheit, weil ihr euch als Avantgarde dazu berufen fühlt, über die verblendete, die nationalistischer, die Bullenstaat-Mehrheit gebieten zu können. Aber ja: selbst diese Gedanken sind euer Recht, und die Menschen in einer Demokratie sollten alles dafür tun, dass ihr auch diesen Willen kundtun dürft.
"soll Gewalt in anderen Weltgegenden ein total unnötiges Verbrechen sein. Als hätte Stalin DAS für SEINE Gewalt nicht auch behauptet! Vermutlich hätte er sie sogar besser rechtfertigt und nicht einfach gesagt: "Da muss was geordnet werden.""
Wie gesagt, ihr versagt total bei der notwendigen Differenzierung zwischen Totalitarismus und bürgerlicher Demokratie. Man mag die letztlich nicht für der Weisheit letzter Schluss halten, man mag sie kritisieren, man mag ihre Ungerechtigkeiten anprangern, aber man sollte auch den menschenwürdigen Fortschritt erkennen, den sie totalitären Regimes voraushat. Ihr habt doch alle nie in Diktaturen gelebt, und habt über euer Theoretisieren völlig den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Unsere Unfreiheit in dieser bürgerlichen Demokratie ist doch ganz anderer Art als die Unfreiheit, die Bedrohung des Lebens, die Menschen im Totalitarismus tagtäglich erdulden müssen.
"Da soll der türkische Nationalismus schlimm sein, wenn er die Sprache für einen Teil der nationalen Identität hält und seinem Volk eben die TÜRKISCHE notfalls mit Gewalt verordnet, während die kurdischen Nationalisten, die auf genau den gleichen brutalen Gedanken gekommen sind, von dir gelobt werden, weil sie Widerstand leisten und für ihr kulturelles Recht kämpfen."
Kulturelle Rechte sind von den Vereinten Nationen anerkannt. Das mag im Einzelfall problematisch sein, aber ich denke, dass die Richtung stimmt. Ein Staat sollte sich nicht anmaßen, seinem Volk, so es denn anderssprachig sein sollte, seine Sprache aufzuzwingen. In Gegenden der Türkei, in denen die Kurden eine nennenswerte Minderheit bilden, sollte der Gebrauch ihrer Sprache erlaubt sein. Das funktioniert in anderen Staaten auch - ganz ohne irgendwelchen Separatismus. Wo ist also das Problem, das fortschrittliche Menschen damit haben können?
"die Brutalitäten, die die monopolisierte Staatsgewalt in Deutschland auf Lager hat, ein naturnotwendiges Ordnungsprinzip der menschlichen Gesellschaft, während die Mörder in Somalia, die eben jenes Gewaltmonopol für sich beanspruchen und herzustellen versuchen, chaotische Verbrecher sind"
WELCHE BRUTALITÄTEN? Wieso weigert ihr euch, den Unterschied zu erkennen, zwischen der demokratisch legitimierten Rechtsordnung in Deutschland und der Gewaltordnung in Somalia? Die Menschen, die dort Gewalt anwenden, sind dazu gezwungen, da es eben kein staatliches Gewaltmonopol gibt, dass das Zusammenleben regelt.
"Auch bei einem Fußballspiel und in einer WG muss irgendwas "geordnet" werden. Dass da was ganz anderes abläuft, als in einem Staat, ist ja wohl auch offensichtlich."
Fussballspiel und WG existieren wohl kaum unabhängig von staatlicher Ordnung. Schon mal die Bullenmassen gesehen, die bei jedem Fussballspiel anwesend sind? Wer sorgt denn da für Ordnung, für die Sicherheit des Einzelnen? Ganz gewiss nicht der Schiedsrichter.
Und die WG ist letztlich auch ein Ort, an dem sich einzelne auf Regeln verständigen. Es funktionniert wie beim Staat, wo wir ja letztlich auch Repräsentanten wählen, die Regeln für das Zusammenleben aufstellen. Siehe Maschendrahtzaun. Und fragt euch doch mal, was passiert, wenn einer in der WG sich wiederholt nicht an die Regeln hält, nie putzt, immer die Vorräte der anderen plündert, mitten in der Nacht laut Musik hört? Ihr werdet ihm wohl nicht die Fresse einschlagen, aber das machen die Bullen ja auch nicht. Ihr werdet ihm aber zu verstehen geben, dass sich dies zu ändern hat. Und wenn er nicht reagiert, dann gibt's Sanktionen, die wohl letztlich auf seinen Rauswurf aus der WG hinauslaufen werden. WG ist ein wirklich tolles Beispiel für ein geregeltes Miteinander aller. Mit all seinen Konsequenzen.
"Der deutsche Staat ordnet nichts, er VERordnet was: die Polizei ist dazu da, Leute aufzuhalten und zu bestrafen, die den Verordnungen nicht zustimmen und ihre eigenen Interessen verfolgen."
Der deutsche Staat verordnet, weil er dazu demokratisch legitimiert ist. Wenn der parlamentarischen Mehrheit diese Verordnungen nicht mehr passen, dann werden sie abgeschafft oder anders reglementiert. Recht passt sich an. Und die Bullerei hat gar keine Eigeninteressen, sondern ist dazu da, die aufzuhalten, die sich gegen die demokratisch legitimierte Ordnung stellen. Das sind die, die deinen WG-Kollegen davon abhalten, in dein Bett zu pissen.
"Für alle GLEICHermaßen die FREIHEIT und damit auch den Zwang sich gemäß dem EIGENTUM, das ihnen zur Verfügung steht, in dieser Gesellschaft durchzuschlagen. Für die, die kein Eigentum haben, bedeutet das, ihr Leben lang für andere arbeiten zu müssen."
Kritik am Eigentum als 'menschenrecht' halte ich durchaus für legitim. Man muss sich eben nur fragen, wie die Alternative aussieht. Dass die Abschaffung des Eigentums an Produktionsmitteln nicht direkt ins Paradies auf Erden führt, haben wir ja im Ostblock gesehen.
Und auch in einer Eigentumsordnung ist Eigentum keineswegs absolut zu setzen. Schon das Grundgesetz erkennt an, dass Eigentum verpflichtet. Das ist zwar sehr vague, aber es setzt gewisse Grenzen.
Und für die ungerechte Verteilung der Güter in dieser Gesellschaft gibt es die demokratisch legitimierte Umverteilung. Sicherlich ist die weit davon entfernt perfekt zu funktionieren, aber sie gibt Menschen doch eine gewisse Chance. Ich komme auch nicht aus einer wohlhabenden Familie und hatte trotzdem über Stipendien die Möglichkeit, mein Auslandsstudium zu finanzieren. Es gibt Möglichkeiten, und es gibt auch die Erbschaftssteuer, und Parteien, die sich dafür stark machen, diese anzuheben.
"dass die BRD in den letzten Jahren mindestens zwei Kriege geführt hat: in Kosovo und in Afghanistan"
Ja, und man sollte sich Gedanken darüber machen, wie notwendig und sinnvoll diese Kriege waren. Man hat sie zumindest mit hehren Motiven gerechtfertigt. Kosovo ging gegen eine der letzten Diktaturen in Europa und gegen einen Diktator, der aus seinen Absichten, den Kosovo ethnisch zu säubern kein Geheimnis gemacht hat. Und Afghanisten ging gegen eines der grausamsten und steinzeitlichsten Regime weltweit, das dazu noch Terroristen Unterschlupf gewährt hat. Sicher war das Krieg. Aber die Frage wäre doch auch gewesen: was war denn die Alternative? Taliban und Milosevic an der Macht lassen, und zusehen wie Albaner ermordet, und Frauen unterdrückt werden? Sicher sind die Westmächte oft heuchlerisch und das ist zum kotzen - aber sollen wir uns jetzt hinstellen, und sagen "Souveränität über alles - lassen wir die mal ihr Volk hinrichten". Viele Afghanen sind ja beispielsweise gar nicht unglücklich darüber, dass die Deutschen jetzt dort sind. Und ich kann auch nicht erkennen, dass die Bundeswehr da zum Morden hingefahren ist.
"wer, wenn nicht der Firmenchef, für die Entlassungen von Menschen verantwortlich ist"
Der Firmenchef ist genauso wie seine Angestellten in einem System gefangen. Schon Marx hat dies erkannt - man kann die Kapitalisten nicht dafür anklagen, dass sie kapitalistisch handeln. Das grausame ist eben, dass die Logik dieses Wirtschaftssystems Menschen dazu zwingt, unmoralisch zu handeln, ja unmoralisch handeln zu müssen.
Als Firmenchef macht es mir ja keinen Spass, Leute freizusetzen. Aber wenn ich ein Verantwortungsgefühl habe (ich ich denke, dass dies bei manchen durchaus vorhanden ist), dann geht es mir um den Fortbestand meines Unternehmens, und dann schmeiß ich lieber 10 Mitarbeiter raus, damit die anderen 100 in einem Jahr auch noch in LOhn und Brot stehen können.
Party-Patriot antwortet tueinfo-Menschen
Liebste tueinfo-Menschen!
Ich hoffe, die unter Euch, die Fussball mögen, haben sich auch an dem wunderbar spannenden Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal erfreuen können! Da muss man doch neid- und kritiklos anerkennen: Das war guter Fussball.
Genug der Nettigkeiten. Ich muss jetzt etwas ernster werden. Ich find's nämlich grandiose Scheisse, wenn Ihr lieben Menschen erst meine letzte Antwort löscht und mir dann dies in den Mund legt: >du sagst: "Ich bin aber einer und fühle mich toll dabei."< DIES habe ich nicht gesagt, und Ihr wisst das. Und es ist umso trauriger, dass solcherlei Methoden angewendet werden, um einen in die Ecke zu zwängen, in der ihr mich scheinbar haben wollt.
"Es spielt also für die Kritik am Nationalstaat überhaupt keine Rolle, ob man sich etwas noch schlimmeres vorstellen kann."
Richtig! Habe nie was anderes behauptet. Ich teile ja auch durchaus Kritik am Nationalstaat. In meinem ersten Post habe ich bereits gesagt, dass der Nationalismus für Millionen Tote, für Mord- und Totschlag verantwortlich ist.
"Und zwar weil du die Nation gegen jede Kritik immunisieren willst."
Nee, habe ich ebenso niemals behauptet. Die 'Nation' ist durchaus kritikwürdig. Und trotzdem ist nicht jeder Nationalismus notwendigerweise brutal.
"Da finden wir es schon sehr inkonsequent von dir, dass du den Stalinismus kritisierst. Immerhin war er eine Errungenschaft. Die Analphabetenrate war in Russland im Vergleich zur vorchristlichen Zeiten dramatisch gesunken."
LOL! Ja, sicher hat auch Väterchen Stalin durchaus 'Errungenschaften' bewirkt. So könnte man sozialistisch-konsequent antworten. Das Problem der Bolschewisten war halt nur, dass ihre doch so hehren Ziele jedwede Mittel rechtfertigen schienen. Für die Industrialisierung des Landes, die man sicherlich für notwendig halten kann, wurden halt mal so mir nix dir nix Millionen Menschen in den Tot getrieben. Schon putzig, wie Ihr euch weigert, auch nur den geringsten Unterschied zu erkennen zwischen stalinistischer Gewaltherrschaft und dem pöhsen BRD-Bullenstaat.
"sondern uns die BERECHTIGUNG zum Kritisieren absprechen"
Niemals hab ich das auch nur annähernd gemacht. Ich möchte Euch nur darauf hinweisen, dass unser BRD-Bullenstaat so toll ist, dass uns Milliarden Menschen auf der ganzen Welt dafür beneiden, und lieber hierher kommen möchten.
"Gewalt, die in der deutschen Demokratie an jeder Ecke zu spüren ist...wo man seinen Maschendrahtzaun aufstellen soll..."
Ich spüre in Deutschland nirgends Gewalt, und kann auch nicht erkennen, dass ich ständig von Bullen bedroht werde. Ich weiß ja nicht, in welcher Welt ihr lebt, aber ich spüre als Bundesbürger doch ziemlich deutlich meine Rechte und fühle mich ganz und gar nicht von staatlicher Willkür gegängelt.
Ich habe zum Beispiel das Recht, hier in diesem Forum offen meine Meinung zusagen, und dieses Recht habt ihr auch. Das ist in den meisten anderen Staaten dieser Welt nicht so sicher wie hier. Ihr könnt hier jederzeit Demos organisieren und die angebliche Gewalt des Bullenstaates öffentlich anklagen. Niemand hindert euch daran. Dies ist ein freies Land - jeder hat ein Recht auf seine Meinung, und auch sie auszusprechen. Vielleicht frustriert euch das, weil es euch viel ehrenhafter erschiene, wirklich mal gegängelt zu werden. Ich dagegen bin sehr froh über diese Freiheit - als selbst in der Diktatur geborener weiß ich diese auch zu schätzen, denn sie ist nicht selbstverständlich in dieser Welt.
Und überdies: natürlich gibt es strukturelle Gewalt in Form von Gesetzen. Aber diese Gesetze, die unsere staatliche Ordnung ausmachen, sind doch demokratisch legitimiert. Es ist ja nicht irgendein Usurpator, der uns aufzwingt, unsere Kinder Jesus Maria zu nennen, oder überall Maschendrahtzäune aufzustellen, sondern der Volkssouverän, der dies gebietet. Und zwar zum allgemeinen Wohl - weil das Zusammenleben von Menschen eben geregelt werden muss. Und wenn ihr gegen Eigentum seid, na dann habt ihr alles Recht dazu. Und wenn ihr ne Mehrheit des Souveräns, der pöhsen Nation, vom Segen der eigentumsbefreiten Geselschaft überzeugen könnt, dann steht dem nichts im Wege, Eigentum abzuschaffen. Es funzt aber eben nur auf demokratische Weise - und ich verstehe, dass euch das frustriert, und ihr doch letztlich davon träumt, diese Gesellschaft umzugestalten, auch gegen den Willen einer Mehrheit, weil ihr euch als Avantgarde dazu berufen fühlt, über die verblendete, die nationalistischer, die Bullenstaat-Mehrheit gebieten zu können. Aber ja: selbst diese Gedanken sind euer Recht, und die Menschen in einer Demokratie sollten alles dafür tun, dass ihr auch diesen Willen kundtun dürft.
"soll Gewalt in anderen Weltgegenden ein total unnötiges Verbrechen sein. Als hätte Stalin DAS für SEINE Gewalt nicht auch behauptet! Vermutlich hätte er sie sogar besser rechtfertigt und nicht einfach gesagt: "Da muss was geordnet werden.""
Wie gesagt, ihr versagt total bei der notwendigen Differenzierung zwischen Totalitarismus und bürgerlicher Demokratie. Man mag die letztlich nicht für der Weisheit letzter Schluss halten, man mag sie kritisieren, man mag ihre Ungerechtigkeiten anprangern, aber man sollte auch den menschenwürdigen Fortschritt erkennen, den sie totalitären Regimes voraushat. Ihr habt doch alle nie in Diktaturen gelebt, und habt über euer Theoretisieren völlig den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Unsere Unfreiheit in dieser bürgerlichen Demokratie ist doch ganz anderer Art als die Unfreiheit, die Bedrohung des Lebens, die Menschen im Totalitarismus tagtäglich erdulden müssen.
"Da soll der türkische Nationalismus schlimm sein, wenn er die Sprache für einen Teil der nationalen Identität hält und seinem Volk eben die TÜRKISCHE notfalls mit Gewalt verordnet, während die kurdischen Nationalisten, die auf genau den gleichen brutalen Gedanken gekommen sind, von dir gelobt werden, weil sie Widerstand leisten und für ihr kulturelles Recht kämpfen."
Kulturelle Rechte sind von den Vereinten Nationen anerkannt. Das mag im Einzelfall problematisch sein, aber ich denke, dass die Richtung stimmt. Ein Staat sollte sich nicht anmaßen, seinem Volk, so es denn anderssprachig sein sollte, seine Sprache aufzuzwingen. In Gegenden der Türkei, in denen die Kurden eine nennenswerte Minderheit bilden, sollte der Gebrauch ihrer Sprache erlaubt sein. Das funktioniert in anderen Staaten auch - ganz ohne irgendwelchen Separatismus. Wo ist also das Problem, das fortschrittliche Menschen damit haben können?
"die Brutalitäten, die die monopolisierte Staatsgewalt in Deutschland auf Lager hat, ein naturnotwendiges Ordnungsprinzip der menschlichen Gesellschaft, während die Mörder in Somalia, die eben jenes Gewaltmonopol für sich beanspruchen und herzustellen versuchen, chaotische Verbrecher sind"
WELCHE BRUTALITÄTEN? Wieso weigert ihr euch, den Unterschied zu erkennen, zwischen der demokratisch legitimierten Rechtsordnung in Deutschland und der Gewaltordnung in Somalia? Die Menschen, die dort Gewalt anwenden, sind dazu gezwungen, da es eben kein staatliches Gewaltmonopol gibt, dass das Zusammenleben regelt.
"Auch bei einem Fußballspiel und in einer WG muss irgendwas "geordnet" werden. Dass da was ganz anderes abläuft, als in einem Staat, ist ja wohl auch offensichtlich."
Fussballspiel und WG existieren wohl kaum unabhängig von staatlicher Ordnung. Schon mal die Bullenmassen gesehen, die bei jedem Fussballspiel anwesend sind? Wer sorgt denn da für Ordnung, für die Sicherheit des Einzelnen? Ganz gewiss nicht der Schiedsrichter.
Und die WG ist letztlich auch ein Ort, an dem sich einzelne auf Regeln verständigen. Es funktionniert wie beim Staat, wo wir ja letztlich auch Repräsentanten wählen, die Regeln für das Zusammenleben aufstellen. Siehe Maschendrahtzaun. Und fragt euch doch mal, was passiert, wenn einer in der WG sich wiederholt nicht an die Regeln hält, nie putzt, immer die Vorräte der anderen plündert, mitten in der Nacht laut Musik hört? Ihr werdet ihm wohl nicht die Fresse einschlagen, aber das machen die Bullen ja auch nicht. Ihr werdet ihm aber zu verstehen geben, dass sich dies zu ändern hat. Und wenn er nicht reagiert, dann gibt's Sanktionen, die wohl letztlich auf seinen Rauswurf aus der WG hinauslaufen werden. WG ist ein wirklich tolles Beispiel für ein geregeltes Miteinander aller. Mit all seinen Konsequenzen.
"Der deutsche Staat ordnet nichts, er VERordnet was: die Polizei ist dazu da, Leute aufzuhalten und zu bestrafen, die den Verordnungen nicht zustimmen und ihre eigenen Interessen verfolgen."
Der deutsche Staat verordnet, weil er dazu demokratisch legitimiert ist. Wenn der parlamentarischen Mehrheit diese Verordnungen nicht mehr passen, dann werden sie abgeschafft oder anders reglementiert. Recht passt sich an. Und die Bullerei hat gar keine Eigeninteressen, sondern ist dazu da, die aufzuhalten, die sich gegen die demokratisch legitimierte Ordnung stellen. Das sind die, die deinen WG-Kollegen davon abhalten, in dein Bett zu pissen.
"Für alle GLEICHermaßen die FREIHEIT und damit auch den Zwang sich gemäß dem EIGENTUM, das ihnen zur Verfügung steht, in dieser Gesellschaft durchzuschlagen. Für die, die kein Eigentum haben, bedeutet das, ihr Leben lang für andere arbeiten zu müssen."
Kritik am Eigentum als 'menschenrecht' halte ich durchaus für legitim. Man muss sich eben nur fragen, wie die Alternative aussieht. Dass die Abschaffung des Eigentums an Produktionsmitteln nicht direkt ins Paradies auf Erden führt, haben wir ja im Ostblock gesehen.
Und auch in einer Eigentumsordnung ist Eigentum keineswegs absolut zu setzen. Schon das Grundgesetz erkennt an, dass Eigentum verpflichtet. Das ist zwar sehr vague, aber es setzt gewisse Grenzen.
Und für die ungerechte Verteilung der Güter in dieser Gesellschaft gibt es die demokratisch legitimierte Umverteilung. Sicherlich ist die weit davon entfernt perfekt zu funktionieren, aber sie gibt Menschen doch eine gewisse Chance. Ich komme auch nicht aus einer wohlhabenden Familie und hatte trotzdem über Stipendien die Möglichkeit, mein Auslandsstudium zu finanzieren. Es gibt Möglichkeiten, und es gibt auch die Erbschaftssteuer, und Parteien, die sich dafür stark machen, diese anzuheben.
"dass die BRD in den letzten Jahren mindestens zwei Kriege geführt hat: in Kosovo und in Afghanistan"
Ja, und man sollte sich Gedanken darüber machen, wie notwendig und sinnvoll diese Kriege waren. Man hat sie zumindest mit hehren Motiven gerechtfertigt. Kosovo ging gegen eine der letzten Diktaturen in Europa und gegen einen Diktator, der aus seinen Absichten, den Kosovo ethnisch zu säubern kein Geheimnis gemacht hat. Und Afghanisten ging gegen eines der grausamsten und steinzeitlichsten Regime weltweit, das dazu noch Terroristen Unterschlupf gewährt hat. Sicher war das Krieg. Aber die Frage wäre doch auch gewesen: was war denn die Alternative? Taliban und Milosevic an der Macht lassen, und zusehen wie Albaner ermordet, und Frauen unterdrückt werden? Sicher sind die Westmächte oft heuchlerisch und das ist zum kotzen - aber sollen wir uns jetzt hinstellen, und sagen "Souveränität über alles - lassen wir die mal ihr Volk hinrichten". Viele Afghanen sind ja beispielsweise gar nicht unglücklich darüber, dass die Deutschen jetzt dort sind. Und ich kann auch nicht erkennen, dass die Bundeswehr da zum Morden hingefahren ist.
"wer, wenn nicht der Firmenchef, für die Entlassungen von Menschen verantwortlich ist"
Der Firmenchef ist genauso wie seine Angestellten in einem System gefangen. Schon Marx hat dies erkannt - man kann die Kapitalisten nicht dafür anklagen, dass sie kapitalistisch handeln. Das grausame ist eben, dass die Logik dieses Wirtschaftssystems Menschen dazu zwingt, unmoralisch zu handeln, ja unmoralisch handeln zu müssen.
Als Firmenchef macht es mir ja keinen Spass, Leute freizusetzen. Aber wenn ich ein Verantwortungsgefühl habe (ich ich denke, dass dies bei manchen durchaus vorhanden ist), dann geht es mir um den Fortbestand meines Unternehmens, und dann schmeiß ich lieber 10 Mitarbeiter raus, damit die anderen 100 in einem Jahr auch noch in LOhn und Brot stehen können.