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Alles Balla-Balla, oder was?
Verfasst von Gast am Fr, 06/13/2008 - 19:04.
Eine neue nationale Erweckung fand bei der letzten WM statt. Tausende Tübingerinnen und Tübinger schwenkten ihre Schwarz-Rot-Goldenen Flaggen und skandierten frenetisch „Deutschland“. Deutschland war wieder wer und die Masse der neuen Stolz- und Fußball-Deutschen feierte hemmungslos „ihre“ Fußballsiege. Ähnliches kündigt sich nun auch zur EM an. Hier eine kleine bittere Pille gegen dieses nationale Fieber. >>> Stolz auf Dein Land? <<< „KALLE: „Streicht eure lächerlichen Grenzpfähle doch nicht so feierlich an! Setzt drauf: Müllers Fettvaseline ist die beste! Das käme der Wahrheit schon wesentlich näher.“ Wer den nationalistischen Fehlschluss gemacht hat, für den erscheint die Welt in ganz neuen Farben. Sie ist nun voller Deutscher, Franzosen, Russen und Japaner u.ä. – nicht voll von Leuten, die zu ihrem Unglück Untertanen der jeweiligen Staatsgewalten sind – nein, voller Völker, deren Mitglieder zusammengehören, weil sie halt ein Volk sind. Ein Nationalist begrüßt die Unterteilung, die Staaten an der Menschheit vornehmen und verhimmelt sie zu etwas ganz tollem und natürlichem. Er zählt sich – und mit sich auch ganz viele andere Menschen - zu Volksgenossen. Der fiese Nachbar von nebenan wie der verhasste Stiefvater oder Käthchen Förster aus Oberunter-Butzbach – egal ob man die Leute mag oder nicht, ob man sie überhaupt kennt - alle werden sie zum Kollektiv „Deutschland“. Sie sind Deutschland. Müssen es sein. Als Nationalisten wollen sie es aber auch sein. Aber die nette Brieffreundin aus Australien, die man mag und gut kennt, ist erst einmal draußen. Ist das logisch oder sinnvoll? Bei der nationalistischen Ideologie bleiben bestimmte Menschen immer außerhalb der Gruppe. Weil sie jenseits der Grenze leben oder weil sie sonstwie aus der Definition des Kollektivs fallen. Zum Beispiel Flüchtlinge. Dass weiterhin Menschen an europäischen National-Staatsgrenzen sterben und andere Menschen in Asylheimen unter menschenunwürdigen Zuständen leben müssen, ist erwünscht oder wird zumindest einmal geduldet. „Sie“, die Flüchtlinge, gehören halt nicht hierher. Das nationale Kollektiv erstreckt sich nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in die Vergangenheit. Jenseits von geschichtlicher Realität wird die Geschichte der Nation über 1.000 Jahre rückwärts konstruiert. Aufgenommen werden alle honorigen (ehrwürdigen) Personen, ausgeschlossen werden alle unsympathischen Personen mit blutbefleckten Händen. Posthum wird der von den Nazis vertriebene Albert Einstein zum Deutschen ehrenhalber gewählt. Adolf Hitler aber wird zum Österreicher gemacht. So wird das Volk der Deutschen zum Volk der Dichter und Denker, statt zum Volk der Richter und Henker. >>> Vom Eigentor seiner Nation anzuhängen <<< Den äthiopischen Staatsbürgern scheint es in ihrem Land nicht besonders gut zu ergehen und trotzdem danken sie Gott(!) dafür, als Äthiopier auf Erden wandeln zu dürfen. Wie kommt der äthiopische Vorzeigenationalist eigentlich darauf, diese bedenkliche Tatsache für etwas Tolles zu halten? Und wieso verträgt sich nach der Auskunft von Frau Stocker der hohe „soziale Wert“ der nationalen Gemeinschaft angeblich nicht mit Selbstverwirklichung und den materiellen Vergnügungen, die mit Geld scheinbar ermöglicht werden sollen (Da hätte sie im Asfa-Wossen Asserate übrigens den schlagenden Gegenbeweis)? So wie es aussieht, eignet sich der Nationalismus gut dafür, dass Menschen ungeachtet der Scheiße, die ihr Staat ihnen einbrockt, seine Fans sind und bleiben. Nichts kann ihr Vertrauen in ihre Nation erschüttern und wenn es doch mal etwas zu beklagen gibt, dann sind es immer die anderen Nationen, die daran schuld sind. Die einen nehmen „uns“ die Arbeitsplätze weg, die anderen verschmutzen „unsere“ Umwelt und die dritten gefährden, boshaft wie sie sind, „unsere“ Sicherheit. Nationalismus bewirkt, dass real existierende Unterschiede als unbedeutend angesehen werden. Ob reich oder arm, alle sind Deutschland. Unterschiede gibt’s da nicht. „Wir sind Papst!“, „Wir werden Weltmeister!“, „Wir sind Exportweltmeister!“ und das bisher dümmste „Du bist Deutschland!“ verweisen auf den Wunsch das Individuums unter das gesellschaftliche Wir, die so genannte Volksgemeinschaft, unterzuordnen. Mit Nationalismus werden aber nicht nur real existierende soziale Unterschiede notdürftig überkleistert. Auch die schlimmsten Kürzungen werden auf diese Art begründet: „Wir müssen jetzt sparen“, „Deutschland muss jetzt zusammenstehen“. Gekürzt wird aber nicht bei Diäten und Manager-Gehältern, sondern bei den ohnehin geringen Hilfsgeldern der Arbeitslosen und Sozial-Schwachen. Statt auf die großen sozialen Unterschiede innerhalb eines Landes aufmerksam zu machen und sie anzugehen und anzuprangern, werden alle Schichten in die Deutschland-Front gegen die „Anderen“ (Flüchtlinge, Arbeitsplatzkonkurrent China etc.) eingeschlossen. Dabei wird durch den Nationalismus verdeckt, dass sich die Interessen der Schichten in unterschiedlichen Ländern oft viel ähnlicher sind, als die Interessen der verschiedenen Schichten innerhalb eines Landes. Da wundert es nicht, dass Appelle an das Nationalbewusstsein stets zusammen mit der Aufforderung daher kommen, seine eigenen Interessen für den Dienst an der Nation zurückzustellen und auf dies und das zu verzichten. Wäre die Nation wirklich so ein gemütlicher Verein, in dem das eigenen Interesse schön aufgehoben wäre und Beachtung und Befriedigung fände, dann wäre es vollkommen überflüssig, Menschen krampfhaft von den Vorzügen ihrer Nation überzeugen zu wollen. Umgekehrt gilt: würde man mal konsequent auf seinen persönlichen materiellen Interessen bestehen, stellte sich auch ganz schnell raus, dass der Nationalstaat, in dem man steckt, ihrer Befriedigung ganz schön abträglich ist. >>> Nationalismus macht dumm <<< „Was ist des Deutschen Vaterland? Warum ist ein deutscher Nationalist so stolz darauf, dass Goethe so hübsche Gedichte geschrieben hat, dass Michael Schuhmacher so schnell im Kreis fährt oder dass Ballack den Ball ins Tor schießt? Es gehört schon eine große Portion Idiotie dazu, so zu tun, als hätte man am Sieg einer Fußballmannschaft oder an den geistigen Ergüssen eines Dichters irgendwie selbst Anteil gehabt, so dass man ihre Erfolge auch „uns allen“ zurechnen darf. So viel Dummheit muss aber schon sein, wenn einer die Vorzüge seiner Nation feiern will. Und dabei bleibt es nicht. Wer "wir" sagt und damit nicht sich und seine Freunde meint, sondern gerne zugibt, sich "als Deutscher zu fühlen", glaubt, selbst wenn er es nicht aussprechen würde, zu einem "Volk" zu gehören, das von anderen "Völkern" unterschieden ist und natürlicherweise danach strebe, sich zu einem Nationalstaat zusammenzuschließen. Dass eine Anzahl höchst unterschiedlicher Menschen ein bestimmtes Volksganzes bilden soll, wird auf verschiedene Weisen begründet; keine dieser Begründungen ist jedoch richtig: Verfassungspatrioten betonen, dass der Nationalstaat nichts anderes sei als ein Zusammenschluss der Bürger zu ihrem gegenseitigen Nutzen. Ein solcher Willenszusammenhang gründet sich auf einer angenommenen Interessengleichheit seiner Mitglieder. Was alle wollen sei "Life, liberty and the pursuit of happiness", und erst der Zusammenschluss zu einer Nation ermögliche es den Einzelnen, diese Wünsche zu verwirklichen. Dass diese Begründung falsch ist, sieht man schon daran, dass man selbst gar nicht gefragt wurde, als man ins Deutschland zusammengeschlossen wurde. Umgekehrt gibt es Menschen, die gerne hier leben würden, daran aber durch die deutsche Staatsgewalt gehindert werden. Wollen die etwa nicht in Glück und Freiheit leben? Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen in diesem Laden zu ihrem Glück mehr schlecht als recht kommen. Es gibt aber noch andere Versuche die Zugehörigkeit verschiedener Leute zu einem Volk zu begründen. Beispielsweise die Behauptung, Menschen gehörten aufgrund ihrer gemeinsamen Sprache natürlicherweise zusammen. Sprachen sind aber gar nichts natürliches: man kann sie nämlich lernen. Zunächst ist eine bestimmte Sprache die äußere Form eines Gedankens. Das sieht man schon daran, dass man ein und denselben Gedanken in verschiedenen Sprachen ausdrücken kann. Dass Leute, die eine bestimmte Sprache sprechen, eine Gemeinschaft bilden, deren Mitglieder von anderen Menschen nicht nur durch die Form, in der sie sich ausdrücken, sondern auch in ihrem "Fühlen und Denken" unterschieden seien, ist schlichtweg falsch. Auch die Kultur ist nichts, worauf sich eine "Volksgemeinschaft" gründen würde. Es mag möglich sein, zwischen verschiedensten Stilrichtungen und Kunstformen, Epochen und Künstlern Verbindungen aufzuzeigen - sie unter eine "Nationalkultur" zu ordnen, ist ihnen immer äußerlich. Leute, die sich auf "unseren" Goethe berufen, als hätten sie den "Werther" selbst geschrieben, zeigen damit nur, wie wenig sie von der Kunst verstehen, die sie zum Grund ihrer nationalen Identität erklären wollen. Ein Kunstwerk enthält in sich immer eine Reflexion auf die künstlerische Tradition. Dass sich diese Tradition nicht auf Staatsgrenzen beschränken lässt, kann man an fast jedem Kunstwerk zeigen. Diesen falschen Begründungen ist eines gemeinsam: sie verkehren die Folgen einer gewaltsamen Zusammenfassung von Menschen zu einer Nation in den rechtfertigenden Grund dieses Nationalstaates. Dass offizielle Amts- und Schriftsprachen gegenüber Dialekten zum verbindlichen Verständigungsmittel werden, beruht immer auf staatlicher Anordnung: So ist die allgemeine Verbreitung von Hochdeutsch Resultat und nicht Ursache der Gründung des Deutschen Reiches. Und wenn sich überhaupt eine Gepflogenheit über genau eine ganze Nation verbreitet haben sollte, dann erst, weil es diese bereits gab. Oder was haben die ostfriesische Teekultur und das Bayrische Weißwurstessen, der Dans op de Deel und der Schuhplattler anderes gemeinsam, als dass sie unter "deutsch" sortiert werden? Das Kriterium für eine solche Sortierung sind nicht etwa Ähnlichkeiten in den Sitten und Gebräuchen; vielmehr vollzieht sich die Bestimmung "typischer" nationaler Eigenarten entlang von Staatsgrenzen. Dass Nationalisten, wenn sie ihre Argumente vorbringen, gar nicht bemerken wie falsch sie sind, liegt daran, dass sie sowieso von vornherein entschieden haben, dass das deutsche Volk irgendwie zusammengehört. Dass dann beweise zu wollen, geht nicht, ohne dass man in die Gefilde des Schwachsinns abrutscht. Auch wenn es jedem sofort auffallen könnte, dass sich die deutsche Nation nicht aus den weltweit verstreuten Goethe-Liebhabern oder Sauerkraut-Köchen rekrutiert, beharren Nationalisten stets auf dem gleichen Blödsinn. >>> Und der Fußball? <<< Fußball wird in Deutschland (und nicht nur hier) von der Politik und den Medien bewusst als eine nationalistische Feier inszeniert. Die Errichtung der Fan-Meilen, die politischen Ansprachen in den Talkshows und Zeitungen – kein deutscher Intelektueller, der sich nicht entblöden würde, der ganzen Welt seine Freude über das endlich erwachte Selbstbewusstsein der Deutschen kund zu geben usw. Die Fußballfans sollen auf ihre nationale Identität eingestimmt werden und ihrem Nationalstolz und -freude freien Lauf lassen. Wenn dann im Stadion beim Singen der deutschen Hymne die Tränen kullern, hat der ganze Affenzirkus seinen Zweck erreicht: Bis ins tiefste Gefühl hinein identifizieren sich die Leute mit ihrer Nation und reagieren dann entsprechend gefühlvoll, wenn ihr Nationalstolz angefacht oder beleidigt wird. Und in der nationalistischen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) antwortet in einem Interview eine normale, deutsche Fan-Frau auf die Frage: „Junge Freiheit: Was bedeutet der Fußball für Sie? Wenige Zeilen später schwadroniert der weibliche Deutschland-Fan dann darüber, dass „die Ausländer“ zu viele Kinder bekommen würden. Scheinbar harmloser Fußballnationalismus schließt lückenlos zur Fremdenfeindlichkeit auf. Da scheint es kein Zufall zu sein, dass es im Kontext von Fußballspielen immer wieder zu rassistischen Übergriffen und Diskriminierungen kommt. Von den Medien meist sorgsam verschwiegen, kam es während der WM 2006 zu Dutzenden von schweren rassistischen Übergriffen und Anfeindungen. Fußball ist nicht nur ein Sportereignis, sondern auch Projektionsfläche für menschenfeindliche Einstellungen: „Eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir von Mönchengladbach bis nach Auschwitz...“ lautete einer der Fangesänge. Fast schon allgegenwärtig unter betrunkenen Fußballfans ist auch Sexismus anzutreffen. Immerhin dient der Männersport Fußball ja auch zur Rekonstruktion von Geschlechter-Stereotypen. Von Zivilcourage, also engagiertem Eingreifen der Umstehenden, ist in allen Fällen fast nichts zu hören oder zu lesen gewesen. Aktives Nichtstun gegen Rechts ist anscheinend angesagt. Die extrem rechte Fan-Fraktion wird durch Toleranz und Integration zum Teil des Ganzen. Alle sind sie ja Deutschland. Alle sind eine große Volksgemeinschaft. Nun ja alle, außer denen jenseits der Grenze oder außer Asylbewerbern oder anderen die irgendwie nicht reinpassen ins Kollektiv. „Wer hätte das gedacht vor den Sommerferien: Ist das ein anderes Land, in dem wir jetzt leben dürfen? Ist das eine Stimmung? Sind wir offen, sind wir weltoffen? Mögen wir uns wieder? Sind wir wieder Nationalisten, ohne dass es etwas mit Patriotismus zu tun... nein, umgekehrt! - Ich sage: Danke, Klinsi! Ich war ja von den Fanmeilen nicht mehr wegzukriegen: Fahnen, Lebensfreude, überall jubelnde Menschen! - Günter Grass hat sich wieder gefühlt wie mit 17.“ >>> Die Mär vom guten Patriotismus und bösen Nationalismus <<< >>> Und die extreme Rechte? <<< >>> Schlechte Aussichten <<< Was zu tun ist von: :::::::Weiterführendes:. Bilder: ![]() ![]() ![]() ![]() |
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„Vereinzelt euch, seid
„Vereinzelt euch, seid stark, individualistisch und konsumistisch, damit auch ihr euch nicht zum deutschen Volksgenossen eignet!"
Sprache und Denken
Erst einmal: Ganz großes Lob! Ein gut geschriebener und analytisch ins Schwarze treffender Text. Eine kleine kritische Anmerkung würde ich aber doch gerne machen.
Im Text heißt es: "Dass Leute, die eine bestimmte Sprache sprechen, eine Gemeinschaft bilden, deren Mitglieder von anderen Menschen nicht nur durch die Form, in der sie sich ausdrücken, sondern auch in ihrem "Fühlen und Denken" unterschieden seien, ist schlichtweg falsch."
Aus einer gemeinsamen Sprache eine Volks-Konstruktion abzuleiten ist selbstverständlich Unsinn.Dass Sprache keinen Einfluss auf das Denken habe, ist allerdings eine zumindest gewagte These. Ich würde da mindestens einen systemischen Zusammenhang vermuten. Dazu sei auf die Sapir-Whorf-Hypothese (http://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese) verwiesen, nach der manche Gedanken in einer Sprache in einer anderen Sprache nicht denkbar sein können. Ein Beleg dafür könnte die 2004 in Science veröffentlichte Studie über den Zusammenhang von mathematischem Denken und Sprache sein: http://science.orf.at/science/news/122177
Leser fragen, Autoren antworten: zu "Sprache und Denken"
Zusammenhänge zu vermuten kann vermutlich:-) jeder. Im Wiki-Artikel und in dem anderen steht, dass die Hypothese bisher nicht bewiesen werden könnte, deswegen würde ich sie auch nicht als Argument verwenden. Ist halt nur eine Hypothese.
Was die Indianer angeht, so kommt aus dem Bericht raus, dass sie halt nicht zählen können und deswegen ständig Fehler in den Tests machen. Das ist nichts Ungewöhnliches - das passiert jeden Tag auch hier in der Grundschule. Offenbar brauchen sie es auch nicht zu können und kommen damit gut zurecht, außer wenn einmal in ihrem Leben Wissenschaftler bei ihnen auftauchen und Tests mit ihnen machen.
Und gerade WEIL sie nicht zählen können und es auch nicht tun, brauchen und haben sie auch keine komplexen Zahlwörter. Ihr Denken bestimmt ihre Sprache und nicht umgekehrt. Dass "die vorliegende Studie (...) einen seltenen und vielleicht einzigartigen Fall von starker linguistischer Determination" repräsentiert, stimmt also nicht.
Wisst Ihr, in gewisser Weise habt Ihr ja recht...
...und trotzdem freut mich, zwischen den Zeilen lesen zu können, wie angepisst ihr seid ;-)
Was sich in Deutschland gegenwärtig wieder abspielt, und was sich während der WM vor zwei Jahren abgespielt hat, ist nichts weiter als eine 'Normalisierung'. Sprich: Die Deutschen haben angefangen sich genauso dämlich und bescheuert zu benehmen wie alle anderen Völker (ja, pöhses Kollektiv!) auf diesem Planeten auch.
Der Nationalismus mag als Ideologie Millionen Opfer gefordert haben, er mag Genozide und ethnische Säuberungen gerechtfertigt haben, er hatte jedoch historisch gesehen auch eine durchaus emanzipative ('linke') Seite. Er hat nämlich nicht nur ausgegrenzt, wie ihr schreibt (die australische Brieffreundin, und die Flüchtlinge), sondern er hat zu allererst einmal alle Menschen eines Kollektivs zu Gleichen gemacht. Völlig egal ob Adliger, Bürgerlicher, oder Prolet - völlig egal ob katholisch, evangelisch oder jüdisch - völlig egal ob reich oder arm - ob schön oder hässlich - ob gebildet oder ungebildet - alle waren in einem gleich: sie waren deutsche Staatsbürger und als solche hatten sie alle eine Stimme, zählten sie alle gleich vor dem Gesetz und waren mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet.
Diese Errungenschaften muss man/frau erstmal anerkennen, da ohne dies alle weiteren Emanzipierungsbewegungen undenkbar gewesen wären. Erst vom Schritt der formellen Gleichheit unter Deutschen konnte man zum Schritt der formellen Gleichheit unter Menschen übergehen. Von einer Solidargemeinschaft, einem füreinander einstehen, im Rahmen eines konstruierten Kollektivs, nämlich der Nation, zur weltweiten Solidargemeinschaft, der Menschheit.
Es mag sein, und es ist so gewesen, dass sich Kollektive zur Gewalt mobilisieren lassen. Aber diese Kollektive müssen nicht notwendigerweise Nationen sein - sondern können eben auch Klassen, Interessensgemeinschaften, ethnische Gruppen, Religionsgemeinschaften sein. Die 'Nation' ist nur ein Kollektiv unter vielen, und wenn ihr dies zerstören wollt, dann fragt sich, was aus den anderen Kollektiven wird. Haben Menschen nicht auch im Namen des Christentums getötet, töten sie nicht noch im Namen des Islams, oder gar im Namen des Fortschritts - im Namen einer kleinen Elite, die sich darauf beruft eine Avantgarde zu sein? Man kann für Dummheiten zur Waffe greifen, für die vermeintliche 'Verteidigung' der Nation zum Beispiel. Man/Frau kann aber auch durchaus für die nobelsten Ziele zum Mörder werden. Linke oder sich selbst als 'links' titulierende und verstehende Menschen haben dies getan, eben weil sie glaubten, das dies im Namen des Fortschritts geschehe! Das Resultat kennen wir alle: Millionen und Abermillionen Ermordete, Entrechtete, und Vertriebene.
Eine Bitte: erkennt die Harmlosigkeit dieses Party-Patriotismus! Keiner zwingt Euch dazu, mitzumachen. Aber es ist doch auch nicht so, dass die Fahnenschwenkenden Massen hernach ins türkische Viertel oder ins Asylantenlager rennen und dort morden und brandschatzen. Es ist ein friedvoller Patriotismus, ein sich-freuen mit 'seiner' Mannschaft, aber kein Herabsetzen, sondern ein Respektieren und sich-mit-freuen und sich mit-ergötzen an den Erfolgen und den schönen Spielen der anderen. Kollektividentität mag ausgrenzen, jedes Kollektiv tut dies, es sei denn, es umschliesst die ganze Welt. Aber die Frage ist doch, wie tragisch, wie gemein, wie bösartig diese vorrübergehende Ausgrenzung ist, die doch durch so viele andere Loyalitäten und Kollektive, die uns mit Menschen über unsere Grenzen hinweg verbinden einen, wieder aufgehoben wird.
Zwei Sachen zum Schluss:
"Der Feldzug für die „Reinheit“ der deutschen Sprache und eine Deutschquote in Radio und Fernsehen."
--> ironisch dargestellt, und ja, ihr habt recht: es mag lächerlich erscheinen. Andererseits sollte man sich fragen, ob man die Usurpation unserer Muttersprache durch kleine Kollektive wie die Wirtschaftseliten dulden sollte. Genauso in anderen Ländern: war der Kampf der Québequois für den Erhalt und die Stärkung ihrer Sprache gegen das übermächtige Englisch (man herrschte sie damals an: "speak white") denn so abscheulich, oder haben Menschen nicht auch kulturelle Rechte, zum Beispiel das Recht ihre Muttersprache sprechen zu dürfen. Ähnliches gilt für Kurden, Basken, Aymara u.v.m., die 'ihre' betreffenden Staaten meinen, 'assimilieren' zu müssen.
"Die „Wiederentdeckung“ von deutschen „Opfern“ (Bombardierungen, „Vertriebene“)."
--> hübsch formuliert. Copy and Paste aus einer Zeitung der polnischen Rechten? Was ist schlimm daran, auch an eigene Opfer zu erinnern, und warum eigentlich Opfer in Anführungszeichen? Sind die Menschen, die Stalin nach Sibieren deportieren ließ, sind die Millionen Vertriebenen, denen man ihre Heimat genommen hat, sind die tausenden Toten der Bombenangriffe etwa keine Opfer? Darf ihrer nicht gedacht werden? War ihr Tod, ihre Vertreibung, der Mord an ihnen etwa 'gerecht', weil alles Deutsche nach Kriegsende scheinbar vogelfrei war, und vermeintlich Deutsche jegliche unveräußerliche Menschenrechte verloren hatten? Nein, Opfer in Anführungszeichen ist eine Verhöhnung, eine Herabsetzung, und denkender, emanzipierter Menschen in keiner Weise würdig!
Auch die kritische Linke sollte versuchen, sich von ihren 'nationalen' Komplexen zu befreien, sich davon zu lösen, diese deutsche 'Nation' erlösen und befreien zu wollen, indem sich sich dümmliche Namen wie 'Finis Germaniae' gibt. In diesem Sinne: werdet erwachsen und holt schon mal die Portugalflaggen heraus!
Leser fragen, Autoren antworten: zu "Party-Patriotismus ist doch
Schön, dass du dich über den Ärger anderer freuen kannst. Ein paar freudige Momente im Leben haben noch keinem geschadet.
Jetzt zum Inhalt: Dass im Text die NATIONALGEMEINSCHAFT kritisiert wird und nicht IRGENDEIN Kollektiv musst du doch mitbekommen haben. Warum schreibst du dann: "Aber diese Kollektive müssen nicht notwendigerweise Nationen sein"? Es mag ja sein, dass religöse Fanatiker oder rigorose Moral-Sozis einen Haufen Menschen auf dem Gewissen haben. Für uns wäre das ein Grund eben auch diese Menschen zu kritisieren und zu erklären, wie und warum sie das machen. Für dich ist es aber seltsamerweise ein Anlass dazu, die nationalistischen Gewalttaten zu ENTSCHULDIGEN. Weil es ja sowieso auch andere Zusammenschlüsse gibt, die sich der Gewalt verschreiben, soll die Kritik an der Nation unzutreffend oder zumindestmal überflüssig sein - das ist dein Argument! Das leuchtet uns nicht ein. Die Kritk an der Nation bleibt richtig, egal ob es daneben noch die Inquisition, die Taliban oder Stalin gibt.
Was für dich sonst noch so in die Kategorie "gewalttätig" fällt, sind bezeichnenderweise die Islamisten und Stalin - die erklärten Feinde DIESER Nation. Selbst deine Feindbilder übernimmst du aus dem nationalen Inventar. Daran kann man auch wiederum sehen, wie Nationalismus geht. Oder sollten wir uns in dir geirrt haben und du bist auch gegen Polizeigewalt und Bundeswehr und eigentlich ein Staatsfeind?
Nein, das bist du nicht! Weil du auf deine geliebte Nation nichts ankommen lassen willst, drehst und windest du dich und lässt dir Sachen einfallen, dass es einen vom Hocker haut.
Dass der bürgerliche Staat seinen feudalen, mittelaterlichen Vorgänger plattgemacht und sich an seine Stelle gesetzt hat, soll eine Errungenschaft sein, die emanzipatives, linkes Handeln erst so richtig ermöglicht? - Warum man erst die Gleichheit aller Deutschen erschaffen muss, wenn man die Gleichheit aller Menschen auf der Welt hinbekommen will (falls das dein Ziel sein sollte), erschließt sich uns nicht. Dein Argument ist vielmehr eine Tour mit der sich noch jede Scheiße rechtfertigen lässt. Hätte Hitler seinen Weltkrieg nicht angefangen und verloren, dann gäbe es doch wohl keine BRD, so wie sie jetzt ist. Also ist Hitlers Weltkrieg doch wohl eine Errungenschaft gewesen, oder? Und wenn die Pharaonen im alten Ägypten nicht ihr großes Imperium gehabt hätten, mit cooler Religion, Architektur, Kultur und so - wer weiss, ob die westlichen Zivilisationen in Europa überhaupt entstanden wären. Also müssen wir ihnen wohl für ihre Sklavenschinderei danken!
Die heutigen Nationalstaaten, die offenkundig eine ganze Menge Gewalt nach innen und nach außen ausüben, sind dann für dich auch was ganz anderes, als was sie wirklich sind: "Solidargemeinschaften". Dass man solidarisch überhaupt nur mit denen sein muss, mit denen man zusammen ständig eins auf den Deckel kriegt, fällt dir dabei wohl nicht ein. Anstatt die Gewalt zu kritisieren, wegen der man hier immerfort solidarisch sein muss, feierst du DIE Kollektive, die diese Gewalt ausüben. Die Nationalstaaten, deren gegensätzliche Interessen über den ganzen Globus reichen und die deswegen ständig im Streit miteinander liegen, ihr Volk als Mittel in diesem Streit benutzen und verheizen, sind für dich (ausgerechnet!!!) ein "Schritt [...] zur weltweiten Solidargemeinschaft, der Menschheit". In Wahrheit sind die ungefähr das genaue Gegenteil davon.
Du bist so stolz auf die gleichen Rechte und Pflichten der Menschen in der deutschen Demokratie, dass du dich gar nicht mehr fragst, WORAUF da alle Leute gleichermaßen verpflichtet und verrechtet sind und ob ihnen das wirklich so gut bekommt, wie man sagt. DAS würde aber doch erstmal anstehen, bevor man diese Tatsache lobt. Zu deinen verkehrten Argumenten wurde in unserem Text eigentlich schon alles Wichtige gesagt. Ich zitiere nochmal: "Dass Nationalisten, wenn sie ihre Argumente vorbringen, gar nicht bemerken wie falsch sie sind, liegt daran, dass sie sowieso von vornherein entschieden haben, dass das deutsche Volk irgendwie zusammengehört. Das dann beweisen [oder rechtfertigen] zu wollen, geht nicht, ohne dass man in die Gefilde des Schwachsinns abrutscht." Nimm uns das jetzt nicht böse und wenn du meinst, wir täten dir mit unserer Kritik unrecht und du hättest etwas ganz anderes gemeint, dann schreib das noch mal hin.
Dass alle deutschen Fußballfans nach dem Spiel Ausländerwohnheime anzünden gehen, haben wir nicht behauptet. Lies genauer (Lisotto!). Aber auf den Fehler aufmerksam gemacht, den man macht, wenn man ein Fan ist, WEIL man doch ein DEUTSCHER ist und die Hampelmänner auf dem Rasen DEUTSCHLAND repräsentieren und vertreten. Gegen Fußballfans haben wir nichts, gegen Nationalisten schon. Der Fehler ist erstens eine Dummheit, weil man so tut, als würde man grad selbst, zusammen mit der eigenen Mannschaft als DEUTSCHLAND die anderen besiegen. Und zweitens macht man sich, indem man sich als DEUTSCHER identifiziert, zum nützlichen Idioten eines Gemeinwesens, das selbst etwas ganz anderes als deinen oder unseren Nutzen zum Ziel hat. Dass jemand sich einleuchten lässt, dass nicht sein ehemaliger Firmenchef, sondern die zuvielen Vietnamesen an seiner Arbeitslosigkeit schuld sind, da Handlungsbedarf sieht und dann entsprechende Wohnheime anzündet, ergibt sich eben aus einem Standpunkt, der sich das eigene Elend nicht erklären will, sondern von vornherein mit nationalistischer Parteilichkeit auf die Welt losgeht.
Zu den "Zwei Sachen zum Schluss":
Nochmal und auch hier merkt man dir deine nationale Parteilichkeit an: Dass die Sprache nicht einfach ein Kommunikationsmittel sein soll, das man sich zu- oder auch ablegen und je nach eigenem Bedarf benutzen kann, sondern etwas überstiegen Absurdes: ein Teil der nationalen Seele, der vor den Schandtaten bösartiger Wirtschaftseliten beschützt werden muss - ist für dich nichtmal der Grund nur die Reinheit der deutschen Sprache zu verlangen. Du gibst auch noch den kurdischen und allen anderen nationalistischen Arschlöchern recht, wenn sie in der Türkei z.B. immerhin Menschen töten, weil ihre kostbare Sprache vom Staat nicht als offizielle anerkannt wird und stattdessen verboten ist. Und da soll die Gewalt, gegen die du ja scheinbar bist, schon in Ordnung gehen, weil die Gewalttäter irgendein von dir ausgedachtes kulturelles Recht besitzen?
"Was ist schlimm daran, auch an eigene Opfer zu erinnern?" - Wie? DEINE Opfer sollen im Gulag verreckt sein? Der Mord an Soldaten im Krieg und danach soll nicht "GERECHT" zustande gekommen sein? Dass Politiker, zynisch wie sie sind, nachdem sie die eigene Bevölkerung in den Krieg geschickt haben, der feindlichen Nation vorwerfen, deren Mord und Totschlag sein nicht "gerecht" gewesen und habe irgendwelche Menschenrechte verletzt - DAS machst du dir zum Maßstab, mit dem du das gegenseitige Abschlachten beurteilst?! Unsere Kritik an der Subsummierung der Toten unter ihre Nationalität (als DEUTSCHE sollen die Wehrmachtler gestorben sein) findest du moralisch bedenklich, und dass die toten Leute heute nur noch als moralische Titel dafür interessieren, wie schlimm es DEUTSCHLAND damals erwischt haben soll und wie niederträchtig die Russen und die Amis waren - also als Mittel für die außenpolitischen Beleidigung und Anspruchnahme anderer Nationen - ausgerechnet DAS soll "denkender, emanzipierter Menschen [...] würdig" sein? Du spinnst doch!
Ist schon witzig, dass du uns unterstellst, wir würden, als kritische Linke, die "deutsche 'Nation' erlösen und befreien [...] wollen". So etwas Undenkbares wie, dass man die Nation auch ABSCHAFFEN wollen kann, fällt dir, als Party-Patriot, wohl gar nicht erst ein. Naja, wie dem auch sei, wenn erwachsen werden, ein kritisch-emanzipatorischer deutscher Nationalist zu werden bedeutet, dann verzichten wir gerne darauf!
Also ich finde der
Also ich finde der Party-Patriot (ich nenne ihn mal so) hat vollkommen recht.
Diese ganzen "Nationen abschaffen" Leute sollten sich mal beruhigen, es geht hier um die Fußball-Europameisterschaft und nicht um einen Naziaufmarsch.
Ich habe manchmal das Gefühl vor lauter Protest und Kritik wird einfach alles zerrisse, egal was.
Hier wird doch einfach nur die EM gefeiert. Wenn in den Kneipen und auf den Plätzen bei einem Spiel mit gefiebert wird, dann hat man halt als sportbegeisterter Partyfreund ein Trikot an und ein Getränk in der Hand und kein systemkritisches Buch. Da wird halt was gesungen und nicht diskutiert. Aber deswegen geht doch die Welt nicht unter, der Spuk ist schnell wieder vorbei wenn die EM endet oder die deutsche Mannschaft ausscheidet. Und dann redet keiner mehr davon...
Man sollte meiner Meinung nach einfach mal selektieren für (oder gegen) was man auf die Straße geht. Fußballpartys sind sicher nicht das richtige. Wenn man immer gegen alles ist, wird man am Ende da wo es (wirklich) relevant ist nicht mehr wahrgenommen.
Also einfach locker bleiben, feiern gehen und wer keine Lust auf Fußball hat soll doch einfach zuhause bleiben.
Ja mei, was willst du denn
Ja mei, was willst du denn jetzt gesagt haben?
Wir haben ja auch nicht geschrieben: "Wer mit unserem Text nicht einverstanden ist, sollte einfach mal locker bleiben und 's Maul halten." Wenn dir die Kritik schon nicht behagt, dann geh doch auch mal auf den Inhalt ein. Ja, hier wird einfach nur die EM gefeiert. Das fanden wir nicht gut und haben mühevoll versucht darzustellen, warum. Und die Kritik war nicht, dass da getrunken, gefeiert und gesungen wird, anstatt zu diskutieren oder Bücher zu lesen, sondern WAS da von manchen Leuten gefeiert wird. War das wirklich so undeutlich? Hast du die Argumente nicht verstanden oder gar nicht erst gelesen? Stimmst du irgendwas nicht zu, aber willst nicht sagen, wozu?
Geh doch mal auf den Inhalt des Textes ein, anstatt auf unsere psychische Verfassung. Damit das jetzt mal ausgeräumt ist: Nein, wir sind keine frustrierten Leute, die "gegen alles" sind, zu Hause rumhocken und fieberhaft darauf warten, etwas "zerreißen" zu können, um dir und anderen Party-Patrioten unbedingt die Stimmung zu verderben.
Wenn du nur sagen wolltest: "Lasst mich in Ruhe, euer Gequatsche interessiert mich nicht, ich will meine EM feiern," hättest du dir den Beitrag wirklich sparen können.
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"Wie gesagt, ich halte nix von diesem dependenztheoretischen Gequatsche. 50 Jahre nach der Dekolonialisierung müssen sich die Dekolonialisierten auch mal an die eigene Nase fassen."
Es ist ja nicht so wie zur Zeit des Kolonialismus, dass die Staaten der sog. Dritten Welt ausgebeutet werden und billige Rohstofflieferanten abgeben sollen. Auch wenn das aus europäischer Perspektive sicherlich noch eine verlockende Sache darstellt.
Aber das Niveau der Rentabilität ist global doch mittlerweile so hoch, dass die Staaten oder auch die "noch-nicht-Staaten" (Palästina, Kurdistan, weiß der Geier) sowieso keine Chance hätten, auf dem Weltmarkt zu bestehen. Und da der Bestand des Kapitalismus eben von Nationalstaaten - vornehmlich denen in Europa und Nordamerika (aber auch von allen anderen) - gesichert wird, ist das für mich ein Grund, das Prinzip anzuzweifeln.
Dass sich die Dekolonisierten "an die Nase fassen sollen" finde ich ein bisschen zynisch. Wen meinst du denn damit? Die korrupten Staatschefs tun das, was für sie am besten ist: Sie basteln sich eine Kleptokratie. Die Demokratie mit dem Kapitalismus mit zu exportieren war ja nicht unbedingt ein Anliegen der ehemaligen Kolonialmächte. Abgesehen davon mischen diese nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, noch immer kräftig mit in Afrika. (Siehe die französische Einflussnahme auf den Konflikt in Elfenbeinküste oder die europäischen Firmen, die in Rohstoff-, Diamanten-, Waffenhandel etc. verstrickt sind.) Oder sollen sich die
Menschen in den Ländern an die Nase fassen und sich gefälligst nicht mehr in Boote setzen und nach Europa schippern?
Versteh mich nicht falsch, ich bin kein Freund von Mugabe, Gbagbo oder sonstwelchen afrikanischen Diktatoren. Aber das Prinzip Staat funktioniert dort nicht mehr.
"Der Westen - das kapitalistische Zentrum hat keinerlei Interesse daran, dass Afrika in Trümmern liegt. Würde es dort wirtschaftlichen Aufschwung geben wie in China, wäre das tausendmal interessanter."
Glaubst du wirklich, dass sich der Exportweltmeister Deutschland eine solche Konkurrenz aus Afrika oder anderen "strukturschwachen" Weltregionen bieten ließe und sie sich sogar als Handelspartner noch herbeiwünscht?
"Die einzige ökonomische Logik, die ich in Somalia erkennen kann, ist die der Bereicherung. Ein kapitalistisches Wirtschaftssystem kann ich nicht erkennen."
Also ich schon. Soviel ich weiß tauschen die Menschen dort immer noch Waren gegen Geld und verkaufen ihre Arbeitskraft, um Überleben zu können. Ich weiß nicht besonders viel über Somalia. Aber dass dort alle Menschen in reiner Subsistenzwirtschaft leben, glaube ich nicht. Im Gegenteil: Eigentlich herrscht dort sogar der blanke, unreglementierte Kapitalismus. Den mögen sich irgendwelche Hardcore-Liberalen herbeisehnen, aber von den Linken hier findet sich darunter glaub keiner.
"Aber man muss auch zu schätzen wissen, was man aufgibt. Es ist ja nicht so, als dass wir hier in Europa nicht zu verlieren hätten außer unsere Ketten."
Ja, zu verlieren haben wir viel. Aber auch zu gewinnen. Und damit meine ich nicht nur das moralinsaure gute Gewissen, sondern einen ganz konkreten Zuwachs an Lebensqualität. Wieso gibt es denn Heerevon Arbeitslosen, während immer weniger Menschen wieder immer länger arbeiten sollen? Warum sind wir angepisst, wenn durch die Einführung von Maschinen Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. An sich ist das doch ne schöne Sache wenn Arbeit von Maschinen verrichtet wird und nicht von Menschen?! Nenn mich gern faul, aber ich fänds schon ganz gut nur 3 Stunden am Tag zu arbeiten, so wie wahrscheinlich die meisten Menschen. Und dass das nicht denkbar (!) ist, ist nicht meine Schuld, sondern die derjenigen Menschen, die den Kapitalismus grundsätzlich als alternativlos darstellen.
"Ökologie: Das sehe ich gerade als Beispiel für die Wichtigkeit des weiteren Bestehens staatlicher Ordnungen. Da braucht es eine globale konzertierte Aktion - und die können letztlich nur Staaten zustande bringen."
Eine globale konzertierte Aktion. Und warum bleibt die aus? Warum muss erst alles vor die Hunde gehen, bevor mal irgendein Staat auf die Idee kommt, völlig ungenügende Klimaziele aufzustellen, die dann doch wieder relativiert werden? Der Regenwald wird ja nicht seit gestern abgeholzt, und den Treibhauseffekt gibt es auch schon ne Weile. Weil es sich nicht lohnt! Nachhaltigkeit war noch nie die Stärke des Kapitalismus, weil der kurzfristige ökonomische Vorsprung systembedingt immer dem nachhaltigen Konzept überlegen sein wird. Wer anders handelt, wird mit Bankrott abgestraft.
"Zwangsarbeit: Es steht in unserer Macht, diese Form der Ausbeutung zumindest zu beenden, indem wir dafür sorgen, dass eine Regierung zustande kommt, die sowas abschafft. Ist ja nicht so, als ob die große Mehrheit der Wahlbevölkerung dies gutheissen würde."
Und welche Partei soll ich dafür dann wählen? Die Grünen? Oder die Linkspartei, die du so gerne magst? (Da haben wir übrigens was gemeinsam :-))
"Anarchismus: Hört sich gut, ist halt nur fraglich ob das praktikabel ist. Für mich ist letztlich ausschlaggebend, ob die große Mehrheit der Bevölkerung davon wirklich profitieren würde, sprich ob die Theorie auch in die Praxis umzusetzen wäre. Das letzte Mal hat's ja auch nicht wirklich funktioniert.."
Welches letzte mal? Du meinst aber jetzt nicht die fiese Sowjetunion, oder? :-) Die muss man schon allein dafür hassen, dass sie durch ihre bloße Existenz jede Alternative zum Kapitalismus in den Dreck gezogen hat. Ökonomische Gleichheit unter Beibehaltung der Herrschaft muss zu neuem Despotismus führen. Und hat das hat sie, zu einem besonders bestialischen sogar.
Aber geschichtlich betrachtet ist es doch so: Wann immer sich ein anarchistisches Projekt irgendwo geregt hat, hat irgendjemand mit dem Hammer draufgeschlagen. Beispiel Spanien: Der spanische Bürgerkrieg wurde ja nicht nur von der Republik geführt, sondern in weiten Teilen auch von Anarchisten. Die dann (in einer gewissermaßen "konzertierten Aktion") von Stalins Sowjetunion, Hitlerdeutschland und den spanischen Faschisten ausgerottet wurden. Oder schau dir die Kronstädter Matrosen an. Oder die Münchner Räterepublik. Oder die Pariser Commune.
"Und ich gebe auch zu, dass eine 'anarchisch' (-libertäre) Welt jenseits meines Vorstellungsvermögens liegt. Der derzeitigen Ordnung liegt Gewalt zugrunde, sicherlich, aber strukturelle Gewalt hat ja nicht nur ne offensive sondern eben auch ne defensive Funktion. Und ich tue mich schwer daran zu glauben, dass in einer Welt ohne jede Gewalt die Rechte aller wirklich garantiert wären. Jeder Mensch ist letztlich mehr oder weniger am Eigennutz orientiert [...]. Eine Ordnung ohne Gewalt würde einen ganz anderen Menschen voraussetzen - und an der Schaffung eines solchen sind schon viele gescheitert, vorzugsweise Regime, die wir heute unter den Stichwörtern 'totalitär' bzw. diktatorisch subsummieren würden."
Ich bin Materialist und glaube, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Ich bin der Ansicht, dass in Verhältnissen, in denen die Konkurrenz so tief in die Menschen hineingesickert ist (siehe Studis, die irgendwelche Bücher aus reiner Boshaftigkeit aus der UB ausleihen, damit andere damit nicht lernen können) auch keine positive Utopie gelebt werden kann. Die ist ja gerade für die allermeisten Menschen nicht einmal denkbar! Es gibt eben kein richtiges Leben im Falschen. Das ist aber für mich kein Grund, das Falsche zu akzeptieren, wie es ist. Im Gegenteil: Die Zerstörung der kapitalistischen Produktionsweise würde ungeahnte Kräfte freisetzen, die derzeit für jede Menge Plunder verballert werden oder völlig ins Leere laufen. Aber das setzt eine Organisation jenseits des Nationalstaats voraus.
In diesem Sinne: Anarchismus oder Barbarei! :)
Leser fragen, Autoren antworten: Party-Patriotismus 2
Ganz nebenbei: der Text "Alles Balla-Balla, oder was?" wurde nicht von den Betreibern von Tueinfo geschrieben
Ich sag's mal so: Dass wir in unserem Text Nationen kritisieren, hast du mitbekommen. WAS wir an Nationen kritisieren, ist für dich erstmal scheinbar nicht wichtig. Dich veranlasst schon unser kritischer Ton dazu, uns die Kritik zu untersagen. Weil du Nationen gut findest, soll sich die Kritik unsererseits an ihnen verbieten. Und zwar mit folgenden verkehrten Argumenten:
1. Nationalstaaten sind eine Errungenschaft!
Man würde vernünftigerweise sagen: Naja gut, sind sie von mir aus eine Errungenschaft. Aber was sagt das über die Kritik an ihnen aus? Nichts. Sie mögen noch so toll sein, offensichtlich gibt es etwas, was uns an ihnen stört. Warum bescheiden sein - man will ja ein schönes Leben haben. Es mag jetzt besser sein als im Mittelalter, aber wir kritisieren die Nation, weil wir es NOCH BESSER haben wollen. Es spielt also für die Kritik am Nationalstaat überhaupt keine Rolle, ob man sich etwas noch schlimmeres vorstellen kann.
Für dich aber schon! Und zwar weil du die Nation gegen jede Kritik immunisieren willst. Weil es also noch viel SCHLIMMERE Scheiße geben kann, soll man sich freuen, dass man in DIESER Scheiße hier steckt und nicht aufmucken. Logisch ist das Argument reiner Blödsinn: Die Eigenschaften, die man an einer Sache kritisiert, haben nunmal nichts mit den vorgestellten oder echten Eigenschaften anderer Sachen zu tun. Wenn einem z.B. der Kaffe nicht schmeckt, dann verlangt oder macht man sich einen besseren und sagt nicht: "Aber es hätte ja auch Salzsäure in der Tasse sein können - da habe ich's ja noch vergleichsweise echt toll erwischt!"
Umgekehrt: Auf die Art und Weise, wie du das machst, kann man alles und wirklich ALLES rechtfertigen und jede Kritik abweisen. Da finden wir es schon sehr inkonsequent von dir, dass du den Stalinismus kritisierst. Immerhin war er eine Errungenschaft. Die Analphabetenrate war in Russland im Vergleich zur vorchristlichen Zeiten dramatisch gesunken u.ä. Und unser Text: hör gefälligst auf ihn zu kritisieren! Auch er ist eine Errungenschaft. Wäre er nicht geschrieben worden, hätte ihn auch keiner lesen können. - Du merkst hoffentlich - dieses Argument mit der "Errungenschaft" ist ziemlich blöde.
2. Wir haben ja auch die Linkspartei nicht kritisiert
Wieder willst du dich nicht inhaltlich mit unserer Kritik befassen, sondern uns die BERECHTIGUNG zum Kritisieren absprechen. Die muss man sich nämlich angeblich verdienen. Bevor man Stalin und Konsorten nicht kritisiert hat, darf man gar nicht erst den Mund aufmachen. Bevor man die Türken nicht kritisiert hat, darf man den Kurden nichts vorwerfen. Warum das denn? Wie stellst du dir das vor, dass eine Kritik falsch wird, nur weil es daneben noch andere kritikable Sachen gibt?
Wieder könnten wir sagen: Warum kritisierst du überhaupt unseren Text?! Fass dich doch mal an die eigene Nase und kritisiere erstmal ausführlich das Dritte Reich, die Bundeswehr, Hartz IV, die unpünktliche Müllabfuhr, das schlechte Wetter usw. usf. Danach darfst du hier wieder vorsprechen. - Machen wir aber nicht, weil das - dämlich ist.
Einerseits ist es doch klar, dass man nicht zwei völlig verschiedene Themen in einem Text behandelt. Wenn der Text gerade die EM kritisiert, dann ist es nicht nötig, da was von der Linkspartei reinzuschreiben. Andererseits: dass du was an der Linkspartei auszusetzen hast, nimmst du dir nicht zum Anlass eben einen Text über sie zu schreiben und hier zu veröffentlichen, sondern um unserer Kritik an einer ganz anderen Sache ihre Relevanz abzusprechen.
3. Deine Heuchelei - von wegen Mord und Totschlag ist immer ungerecht
Wenn du wenigstens eine richtige Kritik am Stalinismus hättest. Bei dir wollte Stalin angeblich aus dem Mittelalter direkt in den Sozialismus - kein Wunder, dass da so viele Tote bei rauskommen! Wie stellst du dir das denn eigentlich vor? Gibt es da so ein Naturgesetz, dass einem den Übergang einfach nicht erlaubt? Muss man dann zurück auf Los und Strafe zahlen, in Form von Leichenbergen? Anstatt dich damit auseinanderzusetzen, wer in der Sowjetunion wem Gewalt angetan hat, was sich die Täter dabei gedacht haben, ob es richtige oder falsche Gedanken waren, sagst du einfach "ungerecht" dazu und damit ist die Sache für dich gelaufen.
Nachdem du die Gewalt, die in der deutschen Demokratie an jeder Ecke zu spüren ist - und DAS ist offenkundig: es gibt hier Gesetze, die alles Mögliche regeln, angefangen bei Freiheit, Gleichheit und Eigentum bis zu solchen Sachen wie, wo man seinen Maschendrahtzaun aufstellen soll und welche Namen man seinen Kindern geben darf und welche nicht, und bei deren Nichteinhaltung einem Gewalt droht und angetan wird (Stichwort "Polizei") - kurzerhand und vollkommen argumentlos für strukturell notwendig erklärst, soll Gewalt in anderen Weltgegenden ein total unnötiges Verbrechen sein. Als hätte Stalin DAS für SEINE Gewalt nicht auch behauptet! Vermutlich hätte er sie sogar besser rechtfertigt und nicht einfach gesagt: "Da muss was geordnet werden."
Du bist dermaßen GRUNDLOS parteiisch für deine Sache, dass es dir gar nicht aufzufallen scheint, dass Prädikate wie "ungerecht" oder "notwendig" so ungefähr GAR NICHTS über die Gewalttaten, die du ansprichst, mitteilen, außer deiner eigenen Parteiname für oder gegen diese. Ganz nach deinem Belieben verteilst du Belobigungen und Rügen für Gewalttäter und hälst DAS für ein Argument für oder gegen sie. Da soll der türkische Nationalismus schlimm sein, wenn er die Sprache für einen Teil der nationalen Identität hält und seinem Volk eben die TÜRKISCHE notfalls mit Gewalt verordnet, während die kurdischen Nationalisten, die auf genau den gleichen brutalen Gedanken gekommen sind, von dir gelobt werden, weil sie Widerstand leisten und für ihr kulturelles Recht kämpfen. Da sind die Brutalitäten, die die monopolisierte Staatsgewalt in Deutschland auf Lager hat, ein naturnotwendiges Ordnungsprinzip der menschlichen Gesellschaft, während die Mörder in Somalia, die eben jenes Gewaltmonopol für sich beanspruchen und herzustellen versuchen, chaotische Verbrecher sind, so dass es den Somalis nichts so sehr fehlt als noch mehr Gewalt, damit da endlich Ruhe ist.
Zum bürgerlichen Staat: Auch bei einem Fußballspiel und in einer WG muss irgendwas "geordnet" werden. Dass da was ganz anderes abläuft, als in einem Staat, ist ja wohl auch offensichtlich. Was bringt es also, alles unter dem abstrakten Begriff "Ordnung" zusammenzufassen? Der deutsche Staat ordnet nichts, er VERordnet was: die Polizei ist dazu da, Leute aufzuhalten und zu bestrafen, die den Verordnungen nicht zustimmen und ihre eigenen Interessen verfolgen. Das tut sie ja auch - und das nicht zu knapp! Was er da verordnet, hat schon jemand in einem anderen Kommentar hingeschrieben: Für alle GLEICHermaßen die FREIHEIT und damit auch den Zwang sich gemäß dem EIGENTUM, das ihnen zur Verfügung steht, in dieser Gesellschaft durchzuschlagen. Für die, die kein Eigentum haben, bedeutet das, ihr Leben lang für andere arbeiten zu müssen. Die, die schon entsprechend viel haben, lassen für sich arbeiten und kosten halt die andere Seite der Freiheit aus. Und damit die Eigentumsvermehrung der Einen auf Kosten der Anderen klappt, kommen noch einige Rechte und Pflichten hinzu. Und um jetzt mal von hohen Ross der Theorie runter zu kommen: hast du echt nicht mitbekommen, dass die BRD in den letzten Jahren mindestens zwei Kriege geführt hat: in Kosovo und in Afghanistan (http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan#Opferzahlen)? Ja, da wurden Menschen für staatliche Interessen verheizt - dass sie sich auch bereitwillig verheizen ließen, ändert nichts an der Tatsache. Was an all diesen Taten so immens notwendig sein soll, dass man sich keine andere Welt vorstellen könnte, musst du jetzt ausführen.
Noch ein paar Anmerkungen:
"Ja, ich bekenne mich dazu: ich habe das Gefühl, dass mich irgendwas mit anderen Deutschen verbindet." Auch wenn man es mehrmals sagt, wird das Argument dadurch nicht richtiger. Jetzt hat man dir erklärt, was daran so faul ist, sich als Deutscher aufzufassen, und du sagst: "Ich bin aber einer und fühle mich toll dabei. Auch, wenn das völlig bekloppt ist, aber wieviel völlig beklopptes macht man in seinem Leben." Wir haben ja gar nicht bestritten, dass Nationalisten sich als Nationalisten toll fühlen, nur darauf aufmerksam gemacht, wie dumm das ist. Dass DU jetzt dieses dumme Gefühl hast und auch sonst nicht gerade vernünftig durch's Leben schreitest, soll ein Einwand gegen unsere Kritik sein?
"Ich denke, dass weder der Chef, noch die Vietnamesen daran schuld sind. Das ist differenziert, was?!" Wenn du jetzt noch verraten würdest, wer, wenn nicht der Firmenchef, für die Entlassungen von Menschen verantwortlich ist, könnten alle an deinen differenzierten Gedanken teilhaben.
Party-Patriot antwortet tueinfo-Menschen
Liebste tueinfo-Menschen!
Ich hoffe, die unter Euch, die Fussball mögen, haben sich auch an dem wunderbar spannenden Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal erfreuen können! Da muss man doch neid- und kritiklos anerkennen: Das war guter Fussball.
Genug der Nettigkeiten. Ich muss jetzt etwas ernster werden. Ich find's nämlich grandiose Scheisse, wenn Ihr lieben Menschen erst meine letzte Antwort löscht und mir dann dies in den Mund legt: >du sagst: "Ich bin aber einer und fühle mich toll dabei."< DIES habe ich nicht gesagt, und Ihr wisst das. Und es ist umso trauriger, dass solcherlei Methoden angewendet werden, um einen in die Ecke zu zwängen, in der ihr mich scheinbar haben wollt.
"Es spielt also für die Kritik am Nationalstaat überhaupt keine Rolle, ob man sich etwas noch schlimmeres vorstellen kann."
Richtig! Habe nie was anderes behauptet. Ich teile ja auch durchaus Kritik am Nationalstaat. In meinem ersten Post habe ich bereits gesagt, dass der Nationalismus für Millionen Tote, für Mord- und Totschlag verantwortlich ist.
"Und zwar weil du die Nation gegen jede Kritik immunisieren willst."
Nee, habe ich ebenso niemals behauptet. Die 'Nation' ist durchaus kritikwürdig. Und trotzdem ist nicht jeder Nationalismus notwendigerweise brutal.
"Da finden wir es schon sehr inkonsequent von dir, dass du den Stalinismus kritisierst. Immerhin war er eine Errungenschaft. Die Analphabetenrate war in Russland im Vergleich zur vorchristlichen Zeiten dramatisch gesunken."
LOL! Ja, sicher hat auch Väterchen Stalin durchaus 'Errungenschaften' bewirkt. So könnte man sozialistisch-konsequent antworten. Das Problem der Bolschewisten war halt nur, dass ihre doch so hehren Ziele jedwede Mittel rechtfertigen schienen. Für die Industrialisierung des Landes, die man sicherlich für notwendig halten kann, wurden halt mal so mir nix dir nix Millionen Menschen in den Tot getrieben. Schon putzig, wie Ihr euch weigert, auch nur den geringsten Unterschied zu erkennen zwischen stalinistischer Gewaltherrschaft und dem pöhsen BRD-Bullenstaat.
"sondern uns die BERECHTIGUNG zum Kritisieren absprechen"
Niemals hab ich das auch nur annähernd gemacht. Ich möchte Euch nur darauf hinweisen, dass unser BRD-Bullenstaat so toll ist, dass uns Milliarden Menschen auf der ganzen Welt dafür beneiden, und lieber hierher kommen möchten.
"Gewalt, die in der deutschen Demokratie an jeder Ecke zu spüren ist...wo man seinen Maschendrahtzaun aufstellen soll..."
Ich spüre in Deutschland nirgends Gewalt, und kann auch nicht erkennen, dass ich ständig von Bullen bedroht werde. Ich weiß ja nicht, in welcher Welt ihr lebt, aber ich spüre als Bundesbürger doch ziemlich deutlich meine Rechte und fühle mich ganz und gar nicht von staatlicher Willkür gegängelt.
Ich habe zum Beispiel das Recht, hier in diesem Forum offen meine Meinung zusagen, und dieses Recht habt ihr auch. Das ist in den meisten anderen Staaten dieser Welt nicht so sicher wie hier. Ihr könnt hier jederzeit Demos organisieren und die angebliche Gewalt des Bullenstaates öffentlich anklagen. Niemand hindert euch daran. Dies ist ein freies Land - jeder hat ein Recht auf seine Meinung, und auch sie auszusprechen. Vielleicht frustriert euch das, weil es euch viel ehrenhafter erschiene, wirklich mal gegängelt zu werden. Ich dagegen bin sehr froh über diese Freiheit - als selbst in der Diktatur geborener weiß ich diese auch zu schätzen, denn sie ist nicht selbstverständlich in dieser Welt.
Und überdies: natürlich gibt es strukturelle Gewalt in Form von Gesetzen. Aber diese Gesetze, die unsere staatliche Ordnung ausmachen, sind doch demokratisch legitimiert. Es ist ja nicht irgendein Usurpator, der uns aufzwingt, unsere Kinder Jesus Maria zu nennen, oder überall Maschendrahtzäune aufzustellen, sondern der Volkssouverän, der dies gebietet. Und zwar zum allgemeinen Wohl - weil das Zusammenleben von Menschen eben geregelt werden muss. Und wenn ihr gegen Eigentum seid, na dann habt ihr alles Recht dazu. Und wenn ihr ne Mehrheit des Souveräns, der pöhsen Nation, vom Segen der eigentumsbefreiten Geselschaft überzeugen könnt, dann steht dem nichts im Wege, Eigentum abzuschaffen. Es funzt aber eben nur auf demokratische Weise - und ich verstehe, dass euch das frustriert, und ihr doch letztlich davon träumt, diese Gesellschaft umzugestalten, auch gegen den Willen einer Mehrheit, weil ihr euch als Avantgarde dazu berufen fühlt, über die verblendete, die nationalistischer, die Bullenstaat-Mehrheit gebieten zu können. Aber ja: selbst diese Gedanken sind euer Recht, und die Menschen in einer Demokratie sollten alles dafür tun, dass ihr auch diesen Willen kundtun dürft.
"soll Gewalt in anderen Weltgegenden ein total unnötiges Verbrechen sein. Als hätte Stalin DAS für SEINE Gewalt nicht auch behauptet! Vermutlich hätte er sie sogar besser rechtfertigt und nicht einfach gesagt: "Da muss was geordnet werden.""
Wie gesagt, ihr versagt total bei der notwendigen Differenzierung zwischen Totalitarismus und bürgerlicher Demokratie. Man mag die letztlich nicht für der Weisheit letzter Schluss halten, man mag sie kritisieren, man mag ihre Ungerechtigkeiten anprangern, aber man sollte auch den menschenwürdigen Fortschritt erkennen, den sie totalitären Regimes voraushat. Ihr habt doch alle nie in Diktaturen gelebt, und habt über euer Theoretisieren völlig den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Unsere Unfreiheit in dieser bürgerlichen Demokratie ist doch ganz anderer Art als die Unfreiheit, die Bedrohung des Lebens, die Menschen im Totalitarismus tagtäglich erdulden müssen.
"Da soll der türkische Nationalismus schlimm sein, wenn er die Sprache für einen Teil der nationalen Identität hält und seinem Volk eben die TÜRKISCHE notfalls mit Gewalt verordnet, während die kurdischen Nationalisten, die auf genau den gleichen brutalen Gedanken gekommen sind, von dir gelobt werden, weil sie Widerstand leisten und für ihr kulturelles Recht kämpfen."
Kulturelle Rechte sind von den Vereinten Nationen anerkannt. Das mag im Einzelfall problematisch sein, aber ich denke, dass die Richtung stimmt. Ein Staat sollte sich nicht anmaßen, seinem Volk, so es denn anderssprachig sein sollte, seine Sprache aufzuzwingen. In Gegenden der Türkei, in denen die Kurden eine nennenswerte Minderheit bilden, sollte der Gebrauch ihrer Sprache erlaubt sein. Das funktioniert in anderen Staaten auch - ganz ohne irgendwelchen Separatismus. Wo ist also das Problem, das fortschrittliche Menschen damit haben können?
"die Brutalitäten, die die monopolisierte Staatsgewalt in Deutschland auf Lager hat, ein naturnotwendiges Ordnungsprinzip der menschlichen Gesellschaft, während die Mörder in Somalia, die eben jenes Gewaltmonopol für sich beanspruchen und herzustellen versuchen, chaotische Verbrecher sind"
WELCHE BRUTALITÄTEN? Wieso weigert ihr euch, den Unterschied zu erkennen, zwischen der demokratisch legitimierten Rechtsordnung in Deutschland und der Gewaltordnung in Somalia? Die Menschen, die dort Gewalt anwenden, sind dazu gezwungen, da es eben kein staatliches Gewaltmonopol gibt, dass das Zusammenleben regelt.
"Auch bei einem Fußballspiel und in einer WG muss irgendwas "geordnet" werden. Dass da was ganz anderes abläuft, als in einem Staat, ist ja wohl auch offensichtlich."
Fussballspiel und WG existieren wohl kaum unabhängig von staatlicher Ordnung. Schon mal die Bullenmassen gesehen, die bei jedem Fussballspiel anwesend sind? Wer sorgt denn da für Ordnung, für die Sicherheit des Einzelnen? Ganz gewiss nicht der Schiedsrichter.
Und die WG ist letztlich auch ein Ort, an dem sich einzelne auf Regeln verständigen. Es funktionniert wie beim Staat, wo wir ja letztlich auch Repräsentanten wählen, die Regeln für das Zusammenleben aufstellen. Siehe Maschendrahtzaun. Und fragt euch doch mal, was passiert, wenn einer in der WG sich wiederholt nicht an die Regeln hält, nie putzt, immer die Vorräte der anderen plündert, mitten in der Nacht laut Musik hört? Ihr werdet ihm wohl nicht die Fresse einschlagen, aber das machen die Bullen ja auch nicht. Ihr werdet ihm aber zu verstehen geben, dass sich dies zu ändern hat. Und wenn er nicht reagiert, dann gibt's Sanktionen, die wohl letztlich auf seinen Rauswurf aus der WG hinauslaufen werden. WG ist ein wirklich tolles Beispiel für ein geregeltes Miteinander aller. Mit all seinen Konsequenzen.
"Der deutsche Staat ordnet nichts, er VERordnet was: die Polizei ist dazu da, Leute aufzuhalten und zu bestrafen, die den Verordnungen nicht zustimmen und ihre eigenen Interessen verfolgen."
Der deutsche Staat verordnet, weil er dazu demokratisch legitimiert ist. Wenn der parlamentarischen Mehrheit diese Verordnungen nicht mehr passen, dann werden sie abgeschafft oder anders reglementiert. Recht passt sich an. Und die Bullerei hat gar keine Eigeninteressen, sondern ist dazu da, die aufzuhalten, die sich gegen die demokratisch legitimierte Ordnung stellen. Das sind die, die deinen WG-Kollegen davon abhalten, in dein Bett zu pissen.
"Für alle GLEICHermaßen die FREIHEIT und damit auch den Zwang sich gemäß dem EIGENTUM, das ihnen zur Verfügung steht, in dieser Gesellschaft durchzuschlagen. Für die, die kein Eigentum haben, bedeutet das, ihr Leben lang für andere arbeiten zu müssen."
Kritik am Eigentum als 'menschenrecht' halte ich durchaus für legitim. Man muss sich eben nur fragen, wie die Alternative aussieht. Dass die Abschaffung des Eigentums an Produktionsmitteln nicht direkt ins Paradies auf Erden führt, haben wir ja im Ostblock gesehen.
Und auch in einer Eigentumsordnung ist Eigentum keineswegs absolut zu setzen. Schon das Grundgesetz erkennt an, dass Eigentum verpflichtet. Das ist zwar sehr vague, aber es setzt gewisse Grenzen.
Und für die ungerechte Verteilung der Güter in dieser Gesellschaft gibt es die demokratisch legitimierte Umverteilung. Sicherlich ist die weit davon entfernt perfekt zu funktionieren, aber sie gibt Menschen doch eine gewisse Chance. Ich komme auch nicht aus einer wohlhabenden Familie und hatte trotzdem über Stipendien die Möglichkeit, mein Auslandsstudium zu finanzieren. Es gibt Möglichkeiten, und es gibt auch die Erbschaftssteuer, und Parteien, die sich dafür stark machen, diese anzuheben.
"dass die BRD in den letzten Jahren mindestens zwei Kriege geführt hat: in Kosovo und in Afghanistan"
Ja, und man sollte sich Gedanken darüber machen, wie notwendig und sinnvoll diese Kriege waren. Man hat sie zumindest mit hehren Motiven gerechtfertigt. Kosovo ging gegen eine der letzten Diktaturen in Europa und gegen einen Diktator, der aus seinen Absichten, den Kosovo ethnisch zu säubern kein Geheimnis gemacht hat. Und Afghanisten ging gegen eines der grausamsten und steinzeitlichsten Regime weltweit, das dazu noch Terroristen Unterschlupf gewährt hat. Sicher war das Krieg. Aber die Frage wäre doch auch gewesen: was war denn die Alternative? Taliban und Milosevic an der Macht lassen, und zusehen wie Albaner ermordet, und Frauen unterdrückt werden? Sicher sind die Westmächte oft heuchlerisch und das ist zum kotzen - aber sollen wir uns jetzt hinstellen, und sagen "Souveränität über alles - lassen wir die mal ihr Volk hinrichten". Viele Afghanen sind ja beispielsweise gar nicht unglücklich darüber, dass die Deutschen jetzt dort sind. Und ich kann auch nicht erkennen, dass die Bundeswehr da zum Morden hingefahren ist.
"wer, wenn nicht der Firmenchef, für die Entlassungen von Menschen verantwortlich ist"
Der Firmenchef ist genauso wie seine Angestellten in einem System gefangen. Schon Marx hat dies erkannt - man kann die Kapitalisten nicht dafür anklagen, dass sie kapitalistisch handeln. Das grausame ist eben, dass die Logik dieses Wirtschaftssystems Menschen dazu zwingt, unmoralisch zu handeln, ja unmoralisch handeln zu müssen.
Als Firmenchef macht es mir ja keinen Spass, Leute freizusetzen. Aber wenn ich ein Verantwortungsgefühl habe (ich ich denke, dass dies bei manchen durchaus vorhanden ist), dann geht es mir um den Fortbestand meines Unternehmens, und dann schmeiß ich lieber 10 Mitarbeiter raus, damit die anderen 100 in einem Jahr auch noch in LOhn und Brot stehen können.
Tueinfo
So Leute kommt jetz mal bitte von dem Tueinfo-Trip runter:
An den Party-Patrioten: Deine Antwort ist uns in dem ganzen Comment-Gewusel hier verlorengegangen und war nicht mehr wiederzubekommen.
Das tut uns leid und war ein Fehler unsererseits, aber keineswegs beabsichtigt.
Die Autoren des Artikels und die Autoren der darunter befindlichen Kommentare haben genausoviel wie du mit dem Projekt Tueinfo zu tun. Dass hier eine Plattform für Kritik am Nationalismus geboten wird ist berechtigt und notwendig, macht diese Kritik aber nicht automatisch zu unserem Produkt.
Viele Grüße,
die Administrationsgruppe.
Party-Patriotismus 3
"Es funzt aber eben nur auf demokratische Weise - und ich verstehe, dass euch das frustriert, und ihr doch letztlich davon träumt, diese Gesellschaft umzugestalten, auch gegen den Willen einer Mehrheit, weil ihr euch als Avantgarde dazu berufen fühlt, über die verblendete, die nationalistischer, die Bullenstaat-Mehrheit gebieten zu können."
Ganz erstaunlich, wie gut du unsere verborgenen Gedanken schon kennst, und dabei haben wir noch nicht mal das erste Candlelight-Dinner hinter uns...
Jetzt zur Sache:
1. "Ich möchte Euch nur darauf hinweisen, dass unser BRD-Bullenstaat so toll ist, dass uns Milliarden Menschen auf der ganzen Welt dafür beneiden, und lieber hierher kommen möchten."
Nochmal: WOFÜR soll das ein Argument sein? Was willst du denn mit dem diskreten Hinweis aufzeigen? Dass man nicht so "pöhse" mit der deutschen Demokratie umspringen soll? Ich dachte, wir haben uns mittlerweile darauf geeinigt, dass hier nur der deutsche Staat interessiert und Vergleiche mit dem Elend in der Dritten Welt, den Schandtaten im Dritten Reich, Stalin u.ä. in dieser Diskussion nichts bringen. Die Begründung ist im vorherigen Post geliefert worden. Wenn du schon sagst: "Richtig! Habe nie was anderes behauptet."- dann halte dich halt auch daran. Ansonsten ist es richtig anstrengend, dir die selben Sachen immer wieder auseinandersetzen zu müssen.
2. "LOL! Ja, sicher hat auch Väterchen Stalin durchaus 'Errungenschaften' bewirkt. So könnte man sozialistisch-konsequent antworten."
Das war doch ein Witz, um dir zu zeigen, in welche Absurditäten einen das Argument "Errungenschaft" treiben kann. Deswegen steht da nicht "Wir finden es schlimm ...", sondern "Wir finden es inkonsequent, dass du Stalin kritisierst," wenn du dir schon den Maßstab "Errungenschaft" zu eigen machst. Jetzt reiß' dich mal zusammen, Alter, und mach' daraus nicht gleich den Totalitarismus-Vorwurf an uns.
3. "Wie gesagt, ihr versagt total bei der notwendigen Differenzierung zwischen Totalitarismus und bürgerlicher Demokratie."
Auf die Differenzierung kommt es doch nur DIR an. Es hat hier bisher überhaupt niemand bestritten, dass es einen Unterschied zwischen den realsozialistischen oder sonst irgendwelchen Staaten, die für dich unter die vielsagende Kategorie "Diktatur" fallen, und der BRD gibt. Den Unterschied willst allein du so sehr betonen - und nicht mal DEN bestimmst du richtig. Um so einen Unterschied zwischen zwei Sachen festzustellen, muss man halt die beiden Sachen gut kennen. Dann kann man sagen, WORIN sie sich unterscheiden. Dass du weder vom Realsozialismus noch von der bürgerlichen Demokratie eine rechte Ahnung hast, merkt man daran, was für Unterschiede dir einfallen.
a) In der Diktatur herrscht Willkür - in der Demokratie das Recht!
Allein faktisch stimmt's doch schon mal nicht. Die KPdSU hat auch Gesetze erlassen, nach denen dann vom ganzen Volk gehandelt werden sollte. In der SU (und auch im Dritten Reich übrigens) hatte man ebenfalls seine Rechte und seine Pflichten. Wer mit denen nicht einverstanden war, hat einen auf die Rübe bekommen - da gibt es überhaupt keinen Unterschied zu hier und jetzt. Rechtlich alles einwandfrei.
Die Entgegensetzung ist schon falsch. Gesetze, die erlassen werden, haben immer einen Inhalt, sollen IRGENWAS BESTIMMTES bewirken. Da steckt der WILLE des Gesetzgebers dahinter. Er will, dass die Leute was machen, befiehlt das und setzt es mit Gewalt durch. Gesetze sind Äußerungen der Willkür des Gesetzgebers. Die Staatswesen unterscheiden sich deshalb auch nicht durch die FORM, in der der Wille des Gesetzgebers zur Geltung kommt, sondern durch den INHALT der Gesetze. In der Sowjetunion hat die Herrschaft den Untertanen bekanntlich was anderes verordnet als hier. Wenn man sich einen Begriff von den Staaten machen will, dann muss man sich anschauen, WAS da verordnet wird und zu welchem Zweck. Dass du das nicht machst, merkt man daran, dass du kurzerhand so verschiedene Staaten wie Nazideutschland und Sowjetunion einfach unter "Diktatur" zusammenfasst - eine Bezeichnung, die überhaupt nichts über diese Staaten aussagt, außer dass sie undemokratisch und deswegen "pöhse" sind.
b) In Diktaturen läuft alles mit Gewalt - in der Demokratie keine Spur davon!
Dass man, wenn man in Deutschland die Gesetze nicht befolgt, ins Gefängnis kommt oder einem zur Strafe sein Geld und damit der Zugriff auf Sachen, die man so braucht und haben will, weggenommen wird - das ist Gewalt, weil es MIT GEWALT geschieht und nur mit Gewalt geschehen kann. Keiner würde freiwillig in den Knast gehen. Und das kann man auch "Brutalitäten" nennen. Du wirst jetzt vermutlich sagen, dass es doch im Mittelalter bei der Inquisition viel brutaler zugegangen ist, mit Folter und so, und die "police brutality" heute ist doch eine Errungenschaft, aber die Sache mit den Vergleichen hatten wir schon oben abgehandelt. Es geht um eine Bezeichnung für die Sache - und Leute in ein stilles Kämmerchen einzusperren ist brutal. Dass die Gewalt in der Demokratie "demokratisch legitimiert" ist, macht ihre Anwendung vielleicht für dich, aber ganz bestimmt nicht für die Betroffenen weniger schmerzhaft. Dass der Polizeiknüppel weniger weh tut, nur weil man den Innenminister indirekt mitgewählt hat, ist ja wohl ein Märchen, dass die, zumindestmal mir bekannten, Eigenschaften der menschlichen Physis leugnet.
Wenn Menschen ein gemeinsames Anliegen haben, dann überlegen sie gemeinsam, wie sie es am besten machen könnten, und wenn es jedem einleuchtet, machen sie es auch. Wenn da einer es sich anders überlegt hat, die Sache jetzt doch anders sieht oder plötzlich keinen Bock hat, dann wird entweder weiter diskutiert oder er macht halt was anderes. Ich weiß nicht wie es bei dir ausschaut, aber in meiner WG sind wir dabei bisher noch nie auf die Idee gekommen, eine Polizei einzuführen, die uns zu etwas zwingt, was wir nicht wollen. Das ist auch eine etwas absurde Vorstellung.
Gewalt ist ein Mittel um einen Willen zu brechen - also jemanden dazu zu bringen etwas zu tun, was er nicht tun will. Es wäre auch seltsam, wenn es anders wäre: wenn alle beschlossen hätten, dass es nicht gut ist, Kinder "Jesus Maria" zu nennen, wen sollte man dann eigentlich davon abhalten, es zu tun? Wozu wäre so ein Gesetz gut? Gewalt unterstellt immer Interessensgegensätze, es ist also nicht so, dass in der Demokratie irgendein tolles gemeinsames Anliegen "geordnet" wird. In der Demokratie werden die Gegensätze nicht aus der Welt geschafft, sondern alle werden gleichermaßen darauf verpflichtet, sie gegeneinander in einem bestimmten Rahmen immer wieder auszutragen. Wie das geschieht, wurde schon erwähnt - durch die gewaltsame Verpflichtung auf Freiheit, Gleichheit und Eigentum. Selbst deine hochgelobte Meinungsfreiheit ist nichts anderes als das. Wozu sollte ein Gesetz gut sein, das noch die allerdümmsten Meinungen und Ansichten von vornherein für existenzberechtigt erklärt? Es ist eben keine Aufforderung, sich hinzusetzen und die Sache mal ordentlich auszudiskutieren, bis man zu einem Ergebnis kommt, sondern ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten, in denen jeder sich stur darauf beruft, dass seine Meinung auch berechtigt ist und er sich deshalb von keinem etwas sagen zu lassen braucht. So tief sind sie in der Sowjetunion zumindestmal nicht gesunken:) Da hatte die Partei immer recht - auch eine Art und Weise sich unzufriedene Untertanen vom Hals zu halten.
Dass die demokratischen Untertanen angesichts der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, nicht aufmucken, sondern periodisch sogar selbst wählen, wer als nächstes wieder mal über sie herrschen soll - das ist überhaupt kein Beleg dafür, dass es hier keine Gewalt gibt, sondern eine Kritik an den braven Wählern. So dämmlich muss man erstmal sein! Und warum sie so dämmlich sind, das gilt es zu erklären und nicht in ein Lob der Demokratie zu verwandeln.
Beschäftige dich doch erstmal mit dem, was Demokratie IST, dann weiss man auch, was von ihr zu halten ist. Du machst das genau umgekehrt. Weil du der Demokratie ständig ein vorgefasstes Lob ausstellen willst, kommst du auf lauter verkehrte Gedanken dazu, was Demokratie ausmacht. Jetzt soll man sich als Insasse der Sozialen Marktwirtschaft schon freuen, dass man eine "gewisse(?!) Chance(! - eine Chance war's, wenn's kein Tor war)" hat, an dem im Überfluss vorhandenem Reichtum teilzuhaben. - Na dann! - Weil du so scharf auf ein Lob der Demokratie bist, meinst du, BAFöG, Stipendien und so wären ein Umverteilungsmechanismus. In Wirklichkeit hat der Staat da gemerkt, dass er nicht genug Humankapital für die internationale Konkurrenz hat, und beschlossen ein paar Arbeiterkinder an die Unis zu holen. Stipendien sind nicht dafür gedacht, dass die Armen sich endlich ein schönes Leben machen können, sondern ein Mittel dazu, größere Bevölkerungsschichten in der Standortkonkurrenz produktiver einzusetzen. Deswegen fallen sie in der Regel auch so mager aus.
Sogar solche Selbstverständlichkeiten, dass wenn man denkt, man hat was zu sagen, man es auch tut, sind für dich Anlass genug die Demokratie zu loben. Jetzt soll man es einer Herrschaft hoch anrechnen, dass sie es einem gnädigerweise erlaubt über die ganzen schlimmen Sachen, die einem in diesem Gemeinwesen ständig zustoßen, öffentlich zu jammern. Nützen tut's ja scheinbar nichts, sonst wäre nicht ständig Grund zum Jammern da, aber dankbar muss man trotzdem sein und deshalb auch NICHT ZU VIEL jammern. - Sorry, aber das ist Untertanengesinnung erster Klasse.
4. "Kulturelle Rechte sind von den Vereinten Nationen anerkannt."
Aha, und deshalb sind sie auch richtig? Wenn man schon feststellt, dass der türkische Nationalismus einem nicht gut bekommt, weil z.B. die eigene Sprache verboten wird, dann folgt für mich daraus eine Kritik am Nationalismus und nicht Mord und Totschlag im Namen der eigenen kulturellen Identität oder so einen Quatsch. Ich würde mir, als ein Menschenfreund, wie du scheinbar einer bist, in dem Moment zumindest überlegen, ob mir die eigene Sprache wirklich so wichtig ist, dass ich dafür Leute abschlachte, oder ob ich nicht erstmal Türkisch sprechen soll - damit kann man sich nämlich genauso gut verständigen. Aber für so einen bescheuerten Nationalisten ist es halt "eine Frage der Ehre", und da kommen dann auch entsprechende Ehrenmorde raus. Und das willst du verteidigen? Und mit was für einer Heuchelei auch noch: "Ein Staat sollte sich nicht anmaßen, seinem Volk, so es denn anderssprachig sein sollte, seine Sprache aufzuzwingen." - Wenn ein Staat seinem Volk Privateigentum aufzwingt und eine "nennenswerte Minderheit" anfängt sich mit Gewalt dagegen zu wehren, dann wärst du wahrscheinlich der erste, der "Avantgarde", "Terrorismus" und "Diktatur" sagt.
5. "Ja, und man sollte sich Gedanken darüber machen, wie notwendig und sinnvoll diese Kriege waren."
Ja, das kann man machen. Man kann sich aber auch Gedanken darüber machen, wer diese Kriege macht und aus welchen Gründen. Da würden einem einige interessante Sachen auffallen. Z.B. dass in den Ländern der Dritten Welt viel mehr Menschen verhungern, als Milosevic in seinem ganzen Leben hätte töten können - und um DEN Menschen zu helfen, muss man keine Städte bombardieren. Man könnte sich auch fragen, warum nur die Serben und nicht die UCK plattgemacht wurde - die hat es mit den ethnischen Säuberungen und Vertreibungen genauso drauf. Oder warum die Bundeswehr eigentlich nicht in Spanien einmarschiert - dort gibt es auch Minderheiten, die nach deren Auskünften himmelsschreiend ungerecht behandelt werden. Offenbar hat der deutsche Staat außenpolitische Interessen, die über das bloße Wir-wollen-den-Menschen-helfen hinausgehen. Und für diese Interessen sind die Bundeswehrsoldaten in den Krieg gezogen.
Im Kosovokrieg haben die einen Nationalisten gesagt: "Wir wollen einen eigenen Nationalstaat haben," und die anderen: "Kommt nicht in die Tüte." Dann gab's Mord und Totschlag und daraus folgt für mich eine theoretische und praktische Kritik des Nationalismus (damit kann man von mir aus in Kosovo anfangen und hier weitermachen), aber nicht, was wirklich geschah: dass man die einen Nationalisten kaputtbombt und die anderen mit einem neuen Staat belohnt, der wirtschaftlich gar nicht lebensfähig ist, in dem die Leute massenweise verelenden, in dem die herrschende Nationalistenclique jetzt eigene Minderheiten zum Ausmerzen und Vertreiben hat und der in einen US-amerikanischen Militärstützpunkt umfunktioniert wird, und dabei so tut, als hätte man den Leuten in Kosovo einen Herzenswunsch erfüllt.
6. "Der Firmenchef ist genauso wie seine Angestellten in einem System gefangen. Schon Marx hat dies erkannt"
Ja, schon fies so, als Gefangener des Systems ... Das stimmt nicht, was du da sagst. Weder dass Marx das erkannt hat (selbst wenn, wäre es für die Befassung mit der Sache nicht wichtig), noch was er da angeblich erkannt haben soll. Jetzt mach doch nicht so ein Geheimnis daraus, dass Unternehmer ihr Geld vermehren wollen. DESWEGEN entlassen sie Leute - weil sie dadurch ihre Kosten senken und damit mehr Profit machen - ganz bestimmt nicht aus irgendeinem Verantwortungsgefühl. Jemandem, der noch nicht ganz irre ist, würde doch sofort auffallen, dass periodisch immer mehr Menschen zu entlassen, ihre Löhne zu kürzen, sie länger und härter arbeiten zu lassen u.ä., eine ziemlich seltsame und absurde Weise ist, für ihr Wohlergehen zu sorgen. So dumm sind nichtmal die Firmenchefs, dass ihnen das nicht auffallen würde. Sie wollen halt was ganz anderes - nämlich ihr Kapital vermehren. Klar, sagen sie das nicht so, sondern schwafeln ständig was von Verantwortung, wenn sie wieder mal Leute rausschmeißen. Das ist auch gar nicht erwünscht, dass sie sich ehrlich geben, - das untergräbt nämlich "das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft"(A. Merkel). Aber immer mehr Geld vermehren zu wollen - DAZU ist nun wirklich keiner gezwungen. Man kann jederzeit aufhören Kapitalist zu sein. Dass sie das nicht tun, beweist nur, dass sie das nicht WOLLEN.
Das Elend der Moral
Man kann jederzeit aufhören Kapitalist zu sein. Dass sie das nicht tun, beweist nur, dass sie das nicht WOLLEN.
Warum auch sollte das jemand wollen? Das Problem ist doch nicht, dass Kapitalisten gerne Profit machen wollen, das Problem ist, dass sie das auch müssen, so lange sie Kapitalisten sind. Wenn sie aufhören, das zu sein, dann kommen eben andere an die selbe Stelle.
Es "handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag." (aus: dem ersten Band vom Kapital, Vorwort zur ersten Auflage)
Korrigiere mich, wenn ich da etwas falsch verstanden habe, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass du hier Kapitalisten einen moralischen Vorwurf machen willst. Dass aber Moral eben Unsinn ist, müsste dir doch klar sein.
Die Moral des Elends :-)
Nee, das sollte kein moralischer Vorwurf sein.
Aber in deinem Marx-Zitat steht's doch schon drin: Es "handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie (...) Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen" sind. - Die Kapitalisten haben eben ein INTERESSE an der Ausbeutung, die sie veranstalten. Deswegen hören die meisten von ihnen auch nicht so gerne auf Kapitalisten zu sein.
Dass ihr Interesse sowieso ihrer Stellung in der Konkurrenz entspricht, heisst aber nicht, dass sie irgendwie vom System gezwungen sind, Kapital zu vermehren. Sie wollen es auch - ihr Interesse fällt zusammen mit der ökonomischen Notwendigkeit. Das ist wie beim Fußballspiel: Wenn man mitspielen will, muss man sich an die Regeln halten. Zum Mitspielen wird aber keiner gezwungen. Es gibt auch einige Kapitalisten, die sagen: "Ich hab jetzt genug für den Rest meines Lebens und höre auf." Die Firma wird dann von einem anderen übernommen. Umgekehrt: Wenn man die Ausbeutung auf den Tod nicht leiden kann, wird man wahrscheinlich auch kein guter Kapitalist.
Nicht wegen der Konkurrenz müssen die Kapitalisten ständig immer mehr Gewinne erwirtschaften, sondern umgekehrt: weil sie alle immer Gewinne machen wollen, gibt's die harte Konkurrenz überhaupt.
Marx sagt ja richtig in dem Zitat, dass man den Kapitalisten keine moralischen Vorwürfe machen soll, aber das heißt ja nicht, dass man die Kapitalisten jetzt nicht kritisieren darf und darauf warten muss, dass das "System" irgendwie als Ganzes abgeschafft wird - was sollte man da eigentlich genau abschaffen(?). Moralische Kritik ist nicht die einzige Form von Kritik. Als so ein ausgebeuteter Arbeiter kann man die moralische Kritik getrost bei Seite lassen und sich mal anschauen, wer mit welchen Interessen eigentlich dafür sorgt, dass es einem so schlecht geht. Das sind in dieser Gesellschaft, was die Ausbeutung angeht, die Kapitalisten, mit ihrem Interesse an der schrankenlosen Geldvermehrung, und der Staat, der dieses Interesse mit seiner Gewalt ins Recht setzt. Gegen solche Interesse sollte man als Betroffener schon was haben, sie benennen, kritisieren und praktisch was dagegen unternehmen.
Nicht wegen der Konkurrenz?
Nicht wegen der Konkurrenz müssen die Kapitalisten ständig immer mehr Gewinne erwirtschaften, sondern umgekehrt: weil sie alle immer Gewinne machen wollen, gibt's die harte Konkurrenz überhaupt.
Da versuchst du jetzt aber, ein dialektisches Verhältnis zu einem einfachen Widerspruch zu machen. Typischer GSP-Fehler. :-P
Der Konkurrenz wegen nicht
Huch, und ich dachte, ich versuche mal zu erklären, was Kapitalisten so machen. Naja, jetzt weiss ich wenigstens, wem ich meine Fehler verdanke.
Komm, erklär mal die geheimnisvolle Dialektik des dreifach widersprüchlichen Verhältnisses, ich will ja auch was lernen hier :-P
Lehrstunde :-P
Der Kommentar war im müden Zustand verfasst und leider unglücklich (weil offenbar missverständlich) formuliert. Zumindest ist das ein sich wechelseitig bedingender Vorgang. Der Konkurrenz wegen müssen die Kapitalisten immer mehr Gewinne erwirtschaften. Ihr Bemühen darum führt wiederum zu einem Weiterdrehen der Konkurrenzspirale, etc.
Und du hast eine ziemlich einschlägige GSP-Schreibe drauf. Ich denke nicht, dass ich mich da irre.
"WOFÜR soll das ein
"WOFÜR soll das ein Argument sein? Was willst du denn mit dem diskreten Hinweis aufzeigen? Dass man nicht so "pöhse" mit der deutschen Demokratie umspringen soll?"
Es geht darum anzuerkennen, dass Menschen es scheinbar attraktiv finden, unter den Bedingungen von Demokratien zu leben - attraktiver jedenfalls als jedes anderes politische Regime auf diesem Planeten.
"mittlerweile darauf geeinigt, dass hier nur der deutsche Staat interessiert und Vergleiche mit dem Elend in der Dritten Welt, den Schandtaten im Dritten Reich, Stalin u.ä. in dieser Diskussion nichts bringen."
Darauf haben wir uns nie geeinigt. Vergleiche bringen etwas, weil ihr ja auch ständig vergleicht - die pöhse Gewaltdemokratie mit eurer wie auch imer gearteten Vision einer menschenwürdigen Organisationsform.
"in welche Absurditäten einen das Argument "Errungenschaft" treiben kann"
Alles kann irgendwie ins lächerliche gezogen werden. Trotzdem gibt es 'menschenwürdige' Errungenschaften. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gehört für mich dazu. Unbegreiflich wie ihr dies in den Dreck zieht.
"Um so einen Unterschied zwischen zwei Sachen festzustellen, muss man halt die beiden Sachen gut kennen. Dann kann man sagen, WORIN sie sich unterscheiden. Dass du weder vom Realsozialismus noch von der bürgerlichen Demokratie eine rechte Ahnung hast, merkt man daran, was für Unterschiede dir einfallen."
Ich habe Unterschiede benannt. Freie Meinungsäußerung, freie Wahlen, demokratisch legitimierte Regierung, Rechtsstaat, Schutz vor staatlicher Willkür. Nach euch sind dies ja alles Banalitäten. Diejenigen Menschen, die in Diktaturen jeder Art leben, gehen nicht so fahrlässig mit diesen 'Errungenschaften' um. Aber wie gesagt, jemand, der selbst in einer Diktatur geboren wurde, weiß diese 'Nichtigkeiten' wahrcheinlich einfach besser zu schätzen.
"In der Diktatur herrscht Willkür - in der Demokratie das Recht!
Allein faktisch stimmt's doch schon mal nicht. Die KPdSU hat auch Gesetze erlassen, nach denen dann vom ganzen Volk gehandelt werden sollte."
Gottchen, was habt ihr denn für ein Bild von der Sowjetunion? Klar, gabs da Rechte. Auf dem Papier zumindest. Aber der Staat hat doch millionenfach auf diese Rechte geschissen, wenn es ihm gegen den Plan ging. Und vor welchen Gerichten hätte man diese Rechte denn auch einklagen können? Es gab ja keine unabhängigen Gerichte. Man mag ja viel über die Vereinigten Staaten schimpfen, und über die Scheisse, die sie in Guantanamo abziehen. Aber immerhin gibt es in diesem land eine Diskussion darüber, und die Gefangenen haben es vorerst geschaft, ihre Rechte nach der Amerikanischen Verfassung geltend zu machen. Nicht einmal etwas annäherndes hätte in der SU passieren können. Ihr seid völlig blind gegenüber der Sowjetdiktatur. Das war Willkür - kein Rechtsstaat.
"und auch im Dritten Reich übrigens) hatte man ebenfalls seine Rechte und seine Pflichten."
Haha! Traurig, dass ich hier lachen muss ob so viel Schrott in einem einzigen Satz. Welche Rechte hätte man denn geltend machen können gegen SA- und SS-Terror? Schon der olle Carl Schmitt hat doch richtigerweise erkannt: "Der Führer schützt das Recht." Das Abbrennen von Synagogen und die Ermordung von Juden und Kommunisten stand doch in keinem einzigen Gesetzesblatt! Der SS-Staat ist förmlich das Symbol für staatliche Willkürherrschaft. Himmelschreiend was ihr für Scheisse behauptet. Von 'einforderbaren Rechten' im SS-Staat zu reden - und das in diesem Land! Ihr rafft den Unterschied zwischen bürgerlicher Demokratie und Terrorherrschaft echt nicht!!!
"Wer mit denen nicht einverstanden war, hat einen auf die Rübe bekommen - da gibt es überhaupt keinen Unterschied zu hier und jetzt. Rechtlich alles einwandfrei."
Verfickte Scheisse. Echt! Bildet euch, bitte!!! Schon mal vom Recht auf einen fairen Prozess gehört? Wie wäre denn der SS-Staat mit 'Staatsfeinden' wie Baader-Ennslin umgegangen? And die Wand gestellt und tot. Als ob sich da jemals überhaupt jemand darum gekümmert hätte, ob Führers Befehle mit solch Nichtigkeiten wie Gesetzen übereinstimmten!
"Gesetze sind Äußerungen der Willkür des Gesetzgebers."
Es gibt im deutschen Recht ein Willkürverbot. Wenn ihr Willkür als völlig beliebiges Handeln der Staatsorgane definiert, dann handelt der deutsche Gesetzgeber keineswegs willkürlich. Willkür ist wie Hitler Synagogen anzuzünden, und sich nicht um die Weimarer Reichsverfassung zu scheren. Der deutsche Gesetzgeber hat dagegen bei seiner Gesetzgebung die Verfassung zu respektieren. Gesetze, die verfassungswirdig sind, sind nichtig. Und, die Rechte, die damit verletzt werden, können vor jedem Gericht eingeklagt werden.
Im übrigen ist der Gesetzgeber in diesem Land auch demokratisch legitimiert. D.h. er verabschiedete Gesetze nach dem Willen einer Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung. Insofern könnte man höchstens argumentieren, hier zwänge eine Mehrheit einer Minderheit ihre Gesetze auf. Allerdings ist selbst dies zweifelhaft - da in einer Demokratie ja Minderheiten durchaus Schutz genießen. Selbst wenn die Volksmehrheit die Meinung dieser Website nicht goutiert, hat der Gesetzgeber noch lange kein Recht, diese Seite zu schließen. Es sei denn, die Meinungsfreiheit würde abgeschafft - in diesem Falle würde dieses politische System aber seine Qualifizierung als 'demokratisch' verlieren.
Es ist ja auch so, dass ihr hier wohl kaum tag ein tag aus Angst habt, um die Zukunft von tueinfo. In 'Diktaturen' erleiden Oppositionelle ein ganz anderes Schicksal. Die fürchten nämlich tatsächlich um ihre soziale Existenz, und manche sogar um ihr Leben.
"Dass man, wenn man in Deutschland die Gesetze nicht befolgt, ins Gefängnis kommt oder einem zur Strafe sein Geld und damit der Zugriff auf Sachen, die man so braucht und haben will, weggenommen wird - das ist Gewalt, weil es MIT GEWALT geschieht und nur mit Gewalt geschehen kann."
Bevor man in Deutschland ins Gefängnis kommt, gibt es erstmal einen Prozess vor einem unabhängigen Gericht. Dort wird der Sachverhalt geklärt. Und sollte Freiheitsentzug dabei rausspringen, verliert man trotzdem noch nicht alle Bürgerrechte. Man hat durchaus die Möglichkeiten, den Richtsspruch durch alle Instanzen anzufechten. Und wir wissen ja, dass sowas durchaus erfolgreich sein kann. Auch wieder solch ein 'nichtiger' Unterschied zu Diktaturen.
Weiterhin habe ich Gewalt als solches nicht verurteilt, sondern darauf hingewiesen, dass ich sie für eine menschenwürdige Organisationsform durchaus für sinnvoll erachte. Wenn man Menschen Rechte zugesteht, dann müssen diese Rechte auch einforderbar sein. Ich kann nicht ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben, und dann schlägt mir auf der Straße der erstbeste die Fresse ein. In diesem Falle muss staatliche Gewalt wirken - und zwar als als Gewaltmonopol gegen die Willkürtaten einzelner. Dadurch, dass auch diesen Willkürtätern unveräußerliche Rechte zustehen, und dass die gesamte Gesetzgebung demokratisch legitimiert ist, erscheint mir das ganze als nicht zu absurdes System.
"die "police brutality""
Wie gesagt, ich tue mich schwer in Deutschland willkürliche und systematische Polizeigewalt zu erkennen. Es mag Ausfälle geben, aber in den meisten Fällen, ist dies doch sehr encadriert. Wenn die Bullerei zu Gewalt greift, dann letztlich auch als Reaktion auf Gewalt von der anderen Seite. Und es sei doch nicht geleugnet, dass die 'andere Seite' und seien es Globalisierungskritiker oder Antikapitalisten durchaus zu Gewalt greifen - un d danach ja meist am lautesten gegen den bösen Bullenstaat anschreien. Was wollen die eigentlich? Dass die Bullen zusehen, wie beim Ersten Mai in Berlin Autos angezündet werden? Wer gibt diesen Menschen denn das Recht dazu dies zu tun?
"Leute in ein stilles Kämmerchen einzusperren ist brutal"
Richtig! Fragt sich bloß, ob es nicht brutaler wäre dieselben Menschen frei auf der Straße rumlaufen zu lassen. Nehmen wir doch mal das Extrembeispiel Kinderschänder. Würdet ihr euch da auch gegen die pöhse Staatsgewalt wehren? Oder Gewalttäter, Räuber und Einbrecher, Betrüger usw.. Wer schützt uns denn gegen die? Vielleicht doch die pöhse Bullerei - oder sehe ich hier wieder alles viel zu praktisch, was ihr mir jetzt theoretisch (v)erklären würdet?
"Dass die Gewalt in der Demokratie "demokratisch legitimiert" ist, macht ihre Anwendung vielleicht für dich, aber ganz bestimmt nicht für die Betroffenen weniger schmerzhaft. Dass der Polizeiknüppel weniger weh tut, nur weil man den Innenminister indirekt mitgewählt hat, ist ja wohl ein Märchen, dass die, zumindestmal mir bekannten, Eigenschaften der menschlichen Physis leugnet."
Wieder wird es deutlich, dass ihr den Unterschied zwischen demokratischem Rechtsstaat und diktatorischer Wilkürherrschaft völlig verkennt. In einer Demokratie hat kein Polizist das Recht, Dich zu schlagen! Und sollte er es doch tun, dann steht dir offen, alle Instanzen der Gerichtsbarkeit auszuschöpfen, um Dein unveräußerliches Recht auf körperliche Unversehrheit geltend zu machen. Insofern tut der Polizeiknüppel schon weniger weh, weil du dich dagegen wehren kannst, während dich die Diktaturbullerei blöde angrinsen würde und dir gegebenenfalls ne Kugel durch den Kopf jagde. Die wissen ja, dass sie nix zu befürchten haben, und das du keinerlei einforderbares Recht hast, noch nicht mal das auf dein eigenes Leben.
"Wenn Menschen ein gemeinsames Anliegen haben, dann überlegen sie gemeinsam, wie sie es am besten machen könnten, und wenn es jedem einleuchtet, machen sie es auch."
Grundsätzlich richtig. Etwas anderes passiert ja in der Demokratie auch nicht. Allerdings gibt es eben gegensätzliche Standpunkte, und manchmal muss eine Entscheidung getroffen werden, obwohl nicht alle der gleichen Meinung sind. Wenn die einen auf dem Fischkutter meinen, Fische gebe es östlich, und die anderen denken, nein, die sind im Westen - dann muss man eine Entscheidung fällen. Wenn man das nicht macht, dann bleibt der Kutter im Hafen und nachher haben alle Hunger. Also muss sich die Minderheit der Mehrheit unterordnen, natürlich ohne, dass man die Minderheit dann als Fischköder benutzt.
"Wenn da einer es sich anders überlegt hat, die Sache jetzt doch anders sieht oder plötzlich keinen Bock hat, dann wird entweder weiter diskutiert oder er macht halt was anderes. Ich weiß nicht wie es bei dir ausschaut, aber in meiner WG sind wir dabei bisher noch nie auf die Idee gekommen, eine Polizei einzuführen, die uns zu etwas zwingt, was wir nicht wollen. Das ist auch eine etwas absurde Vorstellung."
Nein, wie schon erläutert, ist dies mitnichten absurd. Man findet eben nicht immer eine einvernehmliche Lösung. Und wenn der eine lernen will, und der andere die WG mit seiner lauten Musik beschallt, dann braucht man einen Kompromiss. Und wenn unser Musikfreund das nicht einsieht, dann kann man nicht einfach das Problem ausblenden, sondern muss gegebenenfalls entscheiden, dass dieser Mensch aus der WG fliegt. Es ist ja nicht so, dass dergleichen niemals passieren würde. Bei der Organisation menschlichen Zusammenlebens kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Und die werden zwar meist nicht gewalttätig gelöst, aber Gewalt ist immer unterschwellig vorhanden. Wie würdet ihr euch denn verhalten, wenn der Musiktyp euch Tag und Nacht beschallen würde? Irgendwann käme die 'Gewaltlösung' - und sei es dadurch, dass ihr ihn aus der Wohnung klagt.
"Gewalt ist ein Mittel um einen Willen zu brechen - also jemanden dazu zu bringen etwas zu tun, was er nicht tun will. "
Sicher, das ist vollkommen richtig. Genauso ist Gewalt unterschwellig das, was jegliche menschliche Organisationsform zusammenhält. Der Kinderschänder, um wieder mit dem Extrembeispiel zu kommen, MUSS eben davon abgewalten werden, seinen Willen in die Tat umzusetzen. Ist Gewalt hier abartig und schlecht - wenn es keine anderen Mittel gibt, dies zu tun (man könnte ja mit ihm reden...)?
"Gewalt unterstellt immer Interessensgegensätze, es ist also nicht so, dass in der Demokratie irgendein tolles gemeinsames Anliegen "geordnet" wird. In der Demokratie werden die Gegensätze nicht aus der Welt geschafft, sondern alle werden gleichermaßen darauf verpflichtet, sie gegeneinander in einem bestimmten Rahmen immer wieder auszutragen. Wie das geschieht, wurde schon erwähnt - durch die gewaltsame Verpflichtung auf Freiheit, Gleichheit und Eigentum."
Diese Verpflichtung ist demokratisch legitimiert - d.h. die Mehrheit der Menschen in dieser Organisation haben sich aus freiem Willen dazu bekannt. Danach wird dieses Bekenntnis natürlich mit Gewalt (zumeist struktureller Natur) eingefordert. Falls eine Mehrheit mit diesem Bekenntnis nicht mehr einverstanden ist, und meint sich anders besser organisieren zu können, dann steht es ihr frei diese Art der Organisation aufzulösen und eine neue zu begründen. Verfassungen sind ja bekanntlich nicht für die Ewigkeit geschrieben. Und "Die Würde des Menschen ist unantatsbar." ist eine Phrase, die wir sicherlich ersetzen könnten. Fraglich nur, was dabei an neuem rauskäme, und ob es wirklich menschenwürdiger wäre.
"Es ist eben keine Aufforderung, sich hinzusetzen und die Sache mal ordentlich auszudiskutieren, bis man zu einem Ergebnis kommt, sondern ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten, in denen jeder sich stur darauf beruft, dass seine Meinung auch berechtigt ist und er sich deshalb von keinem etwas sagen zu lassen braucht."
Solche Sätze erinnern doch stark an die 1920er Jahre, als die "Quasselbude" Parlament von links- und rechts-außen geschmäht wurde. Beide Parteien (NSDAP und KPD) waren ja dann in der Lage, dieses 'absurde' System durch ein eigenes zu ersetzen. 1933-45 sowie 1945-89 waren denn auch wahrlich glücksbringende Jahre für Deutschland und Europa.
Die Begründer des Liberalismus waren im 17. Jahrhundert bereits weiter als ihr jetzt. Sie haben erkannt, dass es eben unmöglich ist, in der Politik eine Art 'Ergebnis' (davon sprecht ihr ja) zu erreichen, dass der absoluten Wahrheit entspricht - und somit "ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten" verhindern könnte. Damit diejenigen, die sich im Besitz dieser grandiosen absoluten Wahrheit wußten, daran gehindert werden konnten, den anderen die Schädeldecken einzuschlagen, haben diese Urliberalen TOLERANZ gepredigt. Toleranz gegenüber anderen Meinungen, und eben die friedliche Debatte, die ihr hier in den Schmutz zieht. Dass es in solchen Debatten durchaus gelingt, Kompromisse zu schliessen, und gegebenefalls die andere Seite auch mal zu überzeugen, ist euch wohl leider nicht in den Sinn gekommen. Traurig aber wahr.
"Dass die demokratischen Untertanen angesichts der Gewalt, der sie ausgesetzt sind, nicht aufmucken, sondern periodisch sogar selbst wählen, wer als nächstes wieder mal über sie herrschen soll - das ist überhaupt kein Beleg dafür, dass es hier keine Gewalt gibt"
Ich habe ja nie behauptet, dass es hier keine Gewalt gäbe. Ich habe gesagt, dass auch diese menschliche Organisationsform sich durchaus auf Gewalt stützt. Und im übrigen ist Gewalt in der Menschlichkeitsgeschichte ja nun überhauapt kein Grund gewesen, für Menschen nicht aufzumucken. Wie oft denn sind politische Regime schon gestürzt? Wie häufig hat es schon Revolutionen gegeben? Nicht aber auch gar nichts kann durch Gewalt auf Dauer wirkungsvoll verhindert werden, wenn eine Mehrheit der Menschen unterdrückt wird. Freiheit ist eine Idee, die viel stärker ist als willkürliche Gewaltherrschaft.
"Beschäftige dich doch erstmal mit dem, was Demokratie IST, dann weiss man auch, was von ihr zu halten ist."
Das habe ich ja in den letzten Zeilen gemacht. Und ich halte nach wie vor viel von ihr.
"In Wirklichkeit hat der Staat da gemerkt, dass er nicht genug Humankapital für die internationale Konkurrenz hat, und beschlossen ein paar Arbeiterkinder an die Unis zu holen."
Ja, diese Einschätzung ist keineswegs falsch. Positiv formuliert können wir hier auch erkennen, wie der Kapitalismus Standesunterschiede nivelliert. Das ökonomisch 'erfolgreichste' System, also in der Logik der Standortkonkurrenz, ist sicherlich das, das langfristig alle Ressourcen seines 'Humankapitals' effizient auszuschöpfen vermag. Elite durch geburt ist da auf Dauer wenig wettbewerbsfähig.
In perverser Art und Weise erhöht der Kapitalismus also die Gleichheit der Menschen, indem er allen seine Logik aufzwingt, und alles andere überwindet.
"Jetzt soll man es einer Herrschaft hoch anrechnen, dass sie es einem gnädigerweise erlaubt über die ganzen schlimmen Sachen, die einem in diesem Gemeinwesen ständig zustoßen, öffentlich zu jammern. Nützen tut's ja scheinbar nichts, sonst wäre nicht ständig Grund zum Jammern da, aber dankbar muss man trotzdem sein und deshalb auch NICHT ZU VIEL jammern."
Wie gesagt, ihr verkennt den 'Errungenschaftscharakter' des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Wenn dieses denn so banal ist, warum enthalten es dann denn ein Großer Teil der Staaten dieser Erde ihren Bürgern vor?
Und es wäre unsinnig zu behaupten, dass 'jammern' nichts bringen würde. Probleme werden doch angesprochen, und dann auch versucht zu lösen. Dazu trägt doch bei, dass jeder sein Maul aufmachen darf. Ihr argumentiert leider völlig bizarr - indem ihr annehmt, der Großteil dieser bevölkerung wäre gegen das politische System, gegen die 'Herrschenden' und könnte doch nichts gegen sie unternehmen - trotz freier Meinungsäußerung. Ich sage: Der Großteil dieser Bevölkerung accordiert diesem System eine Daseinsberechtigung, und genau aus diesem Grunde bleibt das System stabil. Aus der Sicht der oppositionellen Minderheit ist dies natürlich schwer einzusehen. Darum wird gesagt, Meinungsfreiheit bringe doch eh nix, weil es euch ja scheinbar trotz der Tatsache, dass ihr eure Meinung überall kundtun dürft, nicht gelingt auch nur nennenswert Anhang in der Bevölkerung zu finden. Putzigerweise finden Oppositionelle in Diktaturen dieses 'banale' Recht auf Meinungsfreiheit keineswegs so banal, sondern setzen ihr Leben für den Kampf um dieses ein. Das zeigt ja, dass es scheinbar doch was bewirkt, und dass viele 'Herrschende' Angst davor haben. Ansonsten könnten die Herrscher in Peking und Moskau ihren Völkerin dies doch gnädigsterweise gewähren. Machen sie aber nicht, und das aus gutem Grund.
"ob mir die eigene Sprache wirklich so wichtig ist, dass ich dafür Leute abschlachte"
Mir ist nicht bekannt, dass 10-15 Mio. Kurden in der Türkei den ganzen Tag damit verbringen, Türken abzuschlachten. Viele von ihnen wollen trotzdem das Recht haben, ihre kurdische Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen. Wiederum kann ich nicht erkennen, wie ihr Menschen dieses Recht aberkennen könnt.
"Wenn ein Staat seinem Volk Privateigentum aufzwingt und eine "nennenswerte Minderheit" anfängt sich mit Gewalt dagegen zu wehren, dann wärst du wahrscheinlich der erste, der "Avantgarde", "Terrorismus" und "Diktatur" sagt."
Ich sehe nicht, dass demokratische Staaten hier was aufzwingen. Ich sehe nur, dass Privateigentum von einer Mehrheit, ich würde sogar sagen sehr großen Mehrheit der Bevölkerung für wichtig und schützenswert erachtet wird. Das heisst natürlich nicht, dass die dann alle die Verteilung der Reichtümer innerhalb der Gesellschaft auch so großartig finden. Aber für Umverteilung ist in einer Demokratie ja durchaus Platz.
"Z.B. dass in den Ländern der Dritten Welt viel mehr Menschen verhungern, als Milosevic in seinem ganzen Leben hätte töten können - und um DEN Menschen zu helfen, muss man keine Städte bombardieren."
Sicher, das ist DAS Totschlagargument. Was, Deine Schwester wurde bei nem Unfall getötet? Na, is ja nich schlimm, schau mal nach Afrika. Du könntest gar nicht soviele Schwestern haben, wie da tagtäglich Menschen getötet werden...
Ich erwarte jetzt auch euren Masterplan, DIESEN Menschen zu helfen. Ist ja nicht so, dass sich darüber noch keine schlauen Leute Gedanken gemacht hätten.
"Man könnte sich auch fragen, warum nur die Serben und nicht die UCK plattgemacht wurde"
Gutes Argument. Amis und Engländer hätten im 2.WK ja auch zusammen mit Hitler Stalin plattmachen können. Man trifft immer ne Wahl. Und wie sagte good ol' Roosevelt schon so schön? He's a sonofabitch, but he's our sonofabitch. Das trifft dann wohl auf die UCK zu.
"warum die Bundeswehr eigentlich nicht in Spanien einmarschiert"
Liegt wohl daran, dass niemand in Berlin erkannt hat, wie Aznar dabei war das Baskenland und Katalonien ethnisch zu säubern? Vielleicht könnt ihr Berlin ja mit dieser Erkenntnis weiterhelfen?
"Offenbar hat der deutsche Staat außenpolitische Interessen, die über das bloße Wir-wollen-den-Menschen-helfen hinausgehen"
Ja, sicher. Naiv, dass nicht zu glauben. Allerdings haben ja berühmte Philosophen schon herausgefunden, dass es für die Welt letztlich am besten wäre, wenn einfach jeder nach seinen Interessen handelte, und man dieses moralisierende Rumgeier lassen würde. Aus zweiterem erwächst nämlich meist viel größeres Unheil.
Deutschland hatte insofern sicherlich Interesse einen Diktator wegzukriegen, der den Balkan destabilisierte und somit deutschen Wirtschaftsinteressen keineswegs guttat.
"der wirtschaftlich gar nicht lebensfähig ist"
Auch so ein blödsinniges Totschlagargument. Daraus würde folgen, dass man die meisten afrikanischen Staaten einfach abschaffen möge. Die sind ja auch alle 'nicht lebensfähig'.
"Jetzt mach doch nicht so ein Geheimnis daraus, dass Unternehmer ihr Geld vermehren wollen."
Liegt mir fern, aus dieser Evidenz ein Geheimnis zu machen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auf diesem Vermehrungstripp unser gesamtes Wirtschaftssystem beruht - man also nicht die pöhsen Unternehmer dafür geiseln kann, dass sie Menschen entlassen, weil sie es ja erst waren, die diesen Menschen überhaupt Arbeit gegeben haben. Wenn, dann muss das gesamte unmoralische System kritisiert werden, und nicht DER PÖHSE UNTERNEHMER, der nichts weiter als ein zahnrad im Getriebe ist, das jederzeit ersetzt werden kann.
"Jemandem, der noch nicht ganz irre ist, würde doch sofort auffallen, dass periodisch immer mehr Menschen zu entlassen, ihre Löhne zu kürzen, sie länger und härter arbeiten zu lassen u.ä., eine ziemlich seltsame und absurde Weise ist, für ihr Wohlergehen zu sorgen"
Unternehmer sorgen sich natürlich nicht in erster Linie um das Wohlergehen ihrer Arbeiter - sonst wären sie beim Roten Kreuz oder in der Heilsarmee. Trotzdem wird es viele 'menschliche' Unternehmer geben, die durchaus am Wohl der Arbeiterschaft interessiert sind - natürlich nur im Rahmen eines Systems, das sie letztlich zur Amoralität zwingt, und diese Menschen zu Humankapital und Produktionsfaktoren degradiert. Aber auch wieder hier: es ist nicht der Unternehmer daran schuld, sondern das System. Und den Unternehmer kannst du beiebig durch jemanden anders ersetzen, selbst durch nen Arbeiter. Die Logik der kapitalistischen Profitmaximierung steckt in jedem, der sich der Logik dieses Wirtschaftssystems unterworfen hat. Auch der Arbeiter will ja nur eins, und das ist: mehr und mehr und mehr.
"Man kann jederzeit aufhören Kapitalist zu sein."
Na, wenns denn so einfach wäre ;-) Ich halte dagegen: das Sein bestimmt das Bewusstsein - und niemand hört einfach so auf, vor allem, weil die Menschen eben auf ihren Lebensunterhalt angewiesen sind. 'Aufhören' kann nur der, der aus dem System 'austeigt'. Das aber ist nicht wirklich möglich, es sei denn man flüchtet auf ne einsame Insel und frisst nur noch Muscheln.
Party-Patriotismus 4
"Vergleiche bringen etwas, weil ihr ja auch ständig vergleicht - die pöhse Gewaltdemokratie mit eurer wie auch imer gearteten Vision einer menschenwürdigen Organisationsform."
Nein, das mache ich nicht und wenn du meinst, dass doch, dann her mit den Belegen.
"Es geht darum anzuerkennen, dass Menschen es scheinbar attraktiv finden, unter den Bedingungen von Demokratien zu leben - attraktiver jedenfalls als jedes anderes politische Regime auf diesem Planeten."
Schau mal, so kann es nicht weiter gehen. Das hat doch keiner bestritten, dass es viele Menschen gibt, denen es ziemlich schlecht geht und die meinen, in einer Demokratie würde es besser sein. Es hat auch keiner bestritten, dass es im finsteren Mittelalter, im Dritten Reich, in den failed states, unter Stalin u.ä. schlimm war, womöglich um einiges schlimmer als hier und jetzt. Die Frage ist nur: was willst du eigentlich damit sagen, wenn du es ständig wiederholst? Dass es so war - darüber will ich und brauche ich mit dir nicht zu streiten. Wenn du einfach nochmal auf das Fakt hinweisen wolltest, weil du dachtest, jemand hätte es evtl. vergessen oder so - hiermit geschehen, die Sache ist abgehackt.
Aber bei dir kommt es ständig als Einwand gegen meine Argumente. Beim Kritisieren der Demokratie soll es gleichzeitig darum gehen, "anzuerkennen, dass ...". Der Zweck von der ganzen gedanklichen Operation ist - korrigiere, wenn es nicht stimmt - dass die Kritik nichts oder nicht mehr so viel zählen soll. Weil es woanders noch schlimmer ist, ist das, was hier schlimm ist, plötzlich nicht mehr so schlimm. Wie absurd das Ganze: jetzt stört micht irgendwas an der Demokratie und ich versuchen zu sagen, was und warum, und du kommst her und meinst so was wie: "Erkenne doch an, dass du das, was dich stört, eigentlich gar nicht störend finden, sondern schätzen und lieben oder zumindestmal nicht kritisieren solltest."
So eine Entgegnung würde man sich sonst nicht gefallen lassen. Stell dir vor, du gehst mit einem kaputten Bein zum Arzt und er sagt: "Ach stellen Sie sich doch nicht so an, gehen Sie nach Hause - es gibt Leute, die haben überhaupt KEINE Beine, da sollten Sie froh sein, dass Sie wenigstens kaputte Beine haben." Würde dir das einleuchten? Mir nicht. Warum soll nun, wenn man sich mit der hiesigen Demokratie befasst, nicht genau das gleiche gelten?
Jedes mal, wenn dir irgendwas nicht passt, kramst du den Einwand raus: "aber in ...!" Man kritisiert die Gewalt - du sagt, woanders gibt's nochmehr Gewalt; man kritisiert die Armut - du sagst, woanders sind die Leute noch ärmer dran - als würde das die Armut HIER irgendwie ungeschehen machen; man kritisiert die Gesetze - du sagst, woanders haben die Menschen nichtmal Gesetze; man kritisiert die Meinungsfreiheit - du sagst, woanders werden die Menschen verprügelt, wenn sie ihre Meinung sagen; usw. Wozu soll das Ganze denn eigentlich führen? Man soll sich freuen, dass es einem nicht noch schlechter geht - das ist deine ganze Botschaft! Das ist doch kein Argument. Man kritisiert das, was man vor sich hat und was einem irgendwie nicht gefällt. Ich wohne nunmal in Deutschland und nicht in Simbabwe oder im Mittelalter - da hätte ich ganz andere Sorgen.
Das ist bescheuert, was du machst, und das hat auch gar keinen Sinn. Es ist mir zu anstrengend und meine Freizeit ist mir auch zu schade, seitenweise Argumente hinzuschreiben, um dann von dir mit dem immer gleichen Einwand abgewickelt zu werden. Entweder wir einigen uns tatsächlich darauf, dass diese Vergleicherei in der Debatte nichts zu suchen hat, weil Vergleiche nunmal keine Argumente ersetzen, oder die Diskussion über die Demokratie ist zu Ende (obwohl ich da noch was zu sagen hätte).
Zu den restlichen Sachen:
1. "Die Begründer des Liberalismus waren im 17. Jahrhundert bereits weiter als ihr jetzt. Sie haben erkannt, dass es eben unmöglich ist, in der Politik eine Art 'Ergebnis' (davon sprecht ihr ja) zu erreichen, dass der absoluten Wahrheit entspricht - und somit "ein ewiges Fortschreiben von unsinnigsten Debatten" verhindern könnte."
Sie sind also letztendlich zum Ergebnis gekommen, dass es kein letztendliches Ergebnis geben kann? Merkst du was?
2. "Positiv formuliert können wir hier auch erkennen, wie der Kapitalismus Standesunterschiede nivelliert."
Positiv formuliert? Da haben haufenweise Leute kein Geld zum studieren, gerade WEGEN dem Kapitalismus, und was dir dazu einfällt ist "Gleichheit"? Dass der Kapitalismus "allen seine Logik aufzwingt, und alles andere überwindet", soll für ihn sprechen? Ihre eigene Logik hatte die Sklavenhaltergesellschaft doch auch. Man muss sich schon die Logik anschauen, die da allen aufgezwungen wird, um ein Urteil darüber fällen zu können. Und die kapitalistische sorgt dafür, dass viele Menschen von höherer Bildung ausgeschlossen sind. Darin ist doch nichts "Positives" zu finden.
3. "Mir ist nicht bekannt, dass 10-15 Mio. Kurden in der Türkei den ganzen Tag damit verbringen, Türken abzuschlachten."
Na, um die ging es doch auch gar nicht. Am Beispiel der PKK-Mitglieder, die Anschläge verüben, kann man sehen, wozu es führt, wenn man die Sprache und andere Sachen konsequent zu einer Frage der nationalen Ehre macht. Was die restlichen Kurden darüber denken, weiss ich nicht genau. Vielleicht geben sie nicht so viel auf ihre nationale Identität oder vielleicht haben sie was anderes als die Sprache zum nationalen Ausweis erkoren, vielleicht würden sie gern, aber haben zu viel Angst vor Repressionen, vielleich hoffen sie, dass die EU der Türkei was aufzwingt usw. Und es geht nicht darum diesen Leuten irgendwelche Rechte abzuerkennen - als ob ich das könnte! - sondern die falschen Urteile der kurdischen Nationalisten zu kritisieren.
4. "Sicher, das ist DAS Totschlagargument."
Nein, das ist kein Totschlagargument. Wovon redest du? Es ging darum auf die Interessen des deutschen Staates hinzuweisen und nicht zu sagen, dass man den Tod der eigenen Schwester nicht schlimm finden soll, weil noch andere Menschen sterben. Da hast du doch zugestimmt, warum liest du das dann so böswillig? Die BRD ist nicht darauf aus Menschen zu helfen, sonst wäre es unverständlich, warum sie die ganzen Leute in der Dritten Welt verhungern lässt, anstatt ihnen zu helfen. Dabei wäre das gar nicht so schwer: man müsste ihnen nur was von den in der Welt im Überfluss vorhandenen Nahrungsmitteln geben.
"Auch so ein blödsinniges Totschlagargument. Daraus würde folgen, dass man die meisten afrikanischen Staaten einfach abschaffen möge. Die sind ja auch alle 'nicht lebensfähig'."
Jaja, dass die Menschen im Kosovo und in den afrikanischen Staaten im tiefsten Elend hausen und reihenweise verhungern, ist natürlich kein Einwand gegen diese Staaten. Wie könnte es auch, die Konsequenz hieße ja, diese Staaten - man denke nur! - abzuschaffen.
5. "Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auf diesem Vermehrungstripp unser gesamtes Wirtschaftssystem beruht - man also nicht die pöhsen Unternehmer dafür geiseln kann, dass sie Menschen entlassen, weil sie es ja erst waren, die diesen Menschen überhaupt Arbeit gegeben haben."
Weil die Unternehmer Menschen für sich arbeiten lassen, um Profit daraus zu schlagen, darf man sie nicht kritisieren, wenn sie die Menschen wieder rausschmeißen? Hä? Was?
"Die Logik der kapitalistischen Profitmaximierung steckt in jedem, der sich der Logik dieses Wirtschaftssystems unterworfen hat. Auch der Arbeiter will ja nur eins, und das ist: mehr und mehr und mehr."
Der Arbeiter vermehrt sein Kapital, wenn er am Fließband steht? - Das ist mir jetzt ganz neu, Abgründe der Politischen Ökonomie tun sich da auf. Der Arbeiter will sich seine Brötchen kaufen - deswegen arbeitet er. Bei den meisten reicht das Geld jedoch kaum bis zum Monatsende. Die Unternehmer sind wiederum mit was ganz anderem beschäftigt, als für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. "Im Geschäftsjahr 2007 betrug der Gesamterlös des Konzerns 72,4 Mrd. Euro, nach 87,325 Mrd. Euro im Jahr 2006 und 75,445 Mrd. Euro im Jahr 2005. Der Gewinn nach Steuern stieg von 2,248 Mrd. Euro 2005 über 3,033 Mrd. Euro 2006 auf 3,9 Mrd. Euro im folgenden Jahr." (http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens) Die Zahlen haben mit dem Lebensunterhalt der Aktionäre nichts zu tun. Den Unterschied sollte man nicht übersehen: da werden die Einen zum Vorteil der Anderen angewandt. Gegen das Interesse an meiner eigenen Benutzung hätte ich als Arbeiter schon was einzuwenden.
Was ist nochmal toll an der Gleichheit????
Ich finde hinter deiner Aussage: der Nationalismus
"hat nämlich nicht nur ausgegrenzt, wie ihr schreibt (die australische Brieffreundin, und die Flüchtlinge), sondern er hat zu allererst einmal alle Menschen eines Kollektivs zu Gleichen gemacht. Völlig egal ob Adliger, Bürgerlicher, oder Prolet - völlig egal ob katholisch, evangelisch oder jüdisch - völlig egal ob reich oder arm - ob schön oder hässlich - ob gebildet oder ungebildet - alle waren in einem gleich: sie waren deutsche Staatsbürger und als solche hatten sie alle eine Stimme, zählten sie alle gleich vor dem Gesetz und waren mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet"
steckt schon eine ganz schön verdrehte und unreflektierte Sicht auf die hiesigen Dinge im "schönen Nationalstaat". Du hast es ja schon richtig beschrieben: Der Staat hat es geschafft alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu machen, egal ob Adeliger, Bürgerlicher, Proletariat; arm oder reich, aber ich verstehe nicht wie du daraus zu einem Lob der Sache kommst? Was heißt das denn "gleich machen, egal ob arm oder reich", doch nicht, dass es am Ende den Unterschied arm und reich nicht mehr gibt, sondern nur, dass beide mit ihren (materiellen) Mitteln dem Gesetz und dem herrschenden Wirtschaftssystem unterworfen sind und sich in ihm bewähren müssen und es heißt nicht, dass die Unterschiede aufgehoben werden und es dann allen gut geht. Tja, der Arme hat halt nix und damit muss er halt innerhalb dieses Staates klar kommen. Ok, der Adelige darf mit dem Bauern nicht mehr so wüst umspringen wie früher und das soll jetzt irgendwas sein worüber ich mich freuen soll?
Ich würde vorschlagen, bevor man ein Lob über Freiheit und Gleichheit ausspricht, sollte man sich die Sache mal anzuschauen und vielleicht sein erstes emotionales Empfinden bei der Nennung der Worte Freiheit und Gleichheit beiseite schieben und gucken was das hier in einem Nationalstaat eigentlich für die Leute bedeutet.
Gleiches Recht auf Verhungern?
Ein gleiches Recht auf Verhungern bringt natürlich dem Verhungernden nichts. Deshalb gilt: Eine theoretische Gleichheit vor dem Gesetz vor dem Gesetz schafft noch keine praktische Gerechtigkeit, sie schafft noch nichteinmal vergleichbare Startbedingungen, sondern wird dann, wenn sie nicht durch steuerndes Handeln der Gemeinschaft (ggf auch des Staates) flankiert und korrigiert wird, nur Ungerechtigkeiten zementieren.
Die jetzt sechzig Jahre alte Soziale Marktwirtschaft, deren Jubiläum jetzt gerade in Jena gefeiert wurde, legt genau das als Grundlage sozialen Friedens und sozialen Aufstiegs fest: Dass möglichst allen, jedenfalls möglichst vielen, die gesellschaftliche Teilhabe und die Teilnahme am Marktgeschehen ermöglicht werden soll. Dazu muss ein Ordnungsrahmen geschaffen werden, der wildgewordene Turbokapitalisten am Zügel nimmt und für echten Wettbewerb sorgt. Wenn etwa nur die Kinder von Abiturienten eine Gymnasialempfehlung erhalten, während den Kinder von Hilfsarbeitern nur der Bildungsweg zum Hilfsarbeiter offensteht, dann ist das weder im Sinne des Wettbewerbs noch des Marktes noch der Menschen gut - und schon gar nicht im Sinne einer auf Wissen angelegten Gesellschaft.
Die FDP etwa hat das nicht wirklich verstanden oder -wo verstanden- inzwischen vergessen weil es nicht in die 10Sekunden-Schnipsel der Nachrichten passt, die den zum Glück in Bedeutungslosigkeit sinkenden Niebelwelles noch zugemessen werden.
Wer auf der linken Seite heute nicht nur Vulgärtheoretiker ist sondern auch praktisch Politik gestalten oder wenigstens beeinflussen möchte, tut gut daran den Konsens mit den Konservativen zu suchen die das Ahlener Programm der CDU verstanden und Wilhelm Röpke mal gelesen haben. Dass die auch von der SPD in den 70ern als "Modell Deutschland" gefeierte Soziale Marktwirtschaft an der Universität Istanbul entwickelt wurde weiss auch kaum einer - dorthin nämlich sind während der Nazizeit die guten Denker der Wirtschaftswissenschaften ausgewandert - nur so als Anregung für Diskussionen nach dem Spiel morgen. ;-)
Ein Letztes: Es ist nicht ohne Grund, dass die Bundesrepublik als Ziel der Erziehung den "Mündigen Staatsbürger" entwickelt hat. Im Gegensatz zum unmündigen Konsumenten Nationalen Kulturbreis ist (oder wäre) der nämlich in der Lage, die Demokratie und den sozialen Ausgleich immer wieder von innen her zu erneuern indem er sie infrage stellt und reformiert. Unsere Werte zu reflektieren, ironisieren, infrage zu stellen und zu parodieren und sie doch ernst zu nehmen ist die Stärke unseres republikanischen Wertemodells.
Der 'Nationalstaat' war ein herrschaftliches Zwangsgebilde mit verordneten Symbolen, die nur dem Entwurzelten oder dem Verdummten ein Ersatz für eigene kulturelle Identität sind. Die Kehrseite der "Leitkultur" ist das Feindbild, das immer die Rückseite des Leitbilds ist. Dass ein Stuttgarter Müllmann mit einem Rostocker Bankfilialleiter mehr gemeinsam hat als mit einem Mailänder Müllmann ist doch eine absurde Behauptung, die die eigentlichen Unterschiede vertuscht und internationale Solidarität erst gar nicht aufkommen lassen soll.
Wenn einmal jede den Mut hat, sich ihres eigenen Verstandes selbst zu bedienen, dann kann sie darauf stolz sein, ohne auf eine Nation stolz sein zu müssen die eine Fiktion traditioneller Chauvinisten oder als Fanmeilenkultur ein Produkt der Konsumgüterindustrie ist.
könnten die diskussionen
könnten die diskussionen nicht wieder in ein forum verlagert werden? die jeweilige diskussion kann ja ruhig unter dem beitrag verlinkt werden. ich finde aber, dass diskussionsbeiträge nicht so ein großes gewicht bekommen sollten wie aktuell.
hm..
..da bin ich anderer Meinung..durch solche Diskussionen kann mensch meiner Meinung nach einiges mehr mitnehmen, als wenn mensch nur ein Topic-Beitrag vorgesetzt bekommt, ohne mit Kritik (ob diese jetzt in diesem Fall sinnvoll war oder nicht...is ja egal ;-P ) rechnen zu müssen..
über Demokratieidealismus und anderen Blödsinn
An den Party-Patrioten,
check doch bitte einfach, dass dein Kritiker krass Recht hat. Deine ständigen (z.T. auch falschen) Vergleiche zwecks Relativierung der bürgerlichen Demokratie mit allen anderen angeblich oder tatsächlich noch unangenehmeren Herrschaftsformen sind so ungefähr das Dümmste, was einem zur Kritik an der Demokratie einfallen kann. Es ist schon eine ziemliche Gehirnverrenkung, einem Staat, der einen weiteren Rahmen für erlaubte und nichterlaubte Äußerungen erzwingt als andere dieses positiv als "Meinungsfreiheit" und Argument für seine Existenz anzurechnen.