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Recherche-Tool für Journalisten: „Das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung“

Montag, 10. August 2009

Ein vom Deutschen Institut für Menschenrechte entwickeltes Recherche-Tool ermöglicht eine gezielte Recherche zum Thema Wasser aus menschenrechtlicher und entwicklungspolitischer Perspektive. Es bietet einen ersten Überblick, Hintergrunddokumente, Ansprechpersonen sowie ausgewählte Links zu einschlägigen Menschenrechts-Websites und Datenbanken.

Aus menschenrechtlicher Sicht ist der Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung von elementarer Bedeutung. Ebenso für die Entwicklungszusammenarbeit: Gesetzliche Regelungen, der Umgang mit vorhandenen Wasserressourcen und der Ausbau der Infrastruktur sind entscheidend für einen auch für Arme erschwinglichen Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung.

Das Recherche-Tool stellt Positionen staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zum Thema dar. Länderbeispiele veranschaulichen Hindernisse in der Umsetzung und gelungene Ansätze zur Verwirklichung des Rechts auf Wasser: Menschenrechtsansatz und Wassersektorreform (Kenia), Probleme der Privatisierung (Bolivien) und erfolgreiches Wassermanagement (Chile).

Weitere Recherche-Tools des DIMR gibt es zu folgenden Themen:
- Menschen ohne Papiere in Deutschland: Ihr Recht auf Gesundheit
- Temporäre Migration und Menschenrechte

Ausbeutung der Wüste

Donnerstag, 25. Juni 2009

Hier mal zwei fantastische Pläne zur Ausbeutung der Sahara:

Die “elektronische Zeitschrift Schattenblick” schreibt am 18.6.2009:

Es klingt wie ein Märchen: Mit einer verspiegelten Fläche von 300 mal 300 Kilometern in der Sahara könnte der Strombedarf der ganzen Welt gedeckt werden. Die Afrikaner haben ja genügend Wüste, die von niemandem genutzt wird, warum also nicht in solarthermischen Kraftwerken “saubere” Energie für den europäischen Bedarf produzieren? So lautet der allgemeine Tenor bei Politik und Presse im Anschluß an einen Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (16.6.2009) über ein neues Projekt namens Desertec. Rund 20 deutsche Firmen sollen 400 Milliarden Euro investieren, um auf einer riesigen Fläche in der afrikanischen Wüste Solarstromanlagen zu errichten und den elektrischen Strom nach Deutschland und in andere europäische Länder zu leiten.

Die Versicherungsgruppe Münchener Rück, die sich für das Projekt in besonderer Weise einsetzt, hat für den 13. Juli zu einem Gründungstreffen der Initiative Desertec nach München geladen. Welch eine Vision: In Afrika entstünden Arbeitsplätze, es würde eine Infrastruktur aufgebaut, der Strom wäre voll öko … Was gibt’s denn da noch zu meckern?

Investitionen hin, Investitionen her, Afrika wird in diesem Beispiel wieder einmal die Funktion als bloßer Ressourcenkontinent zugewiesen. So weit es die Pläne, die sich noch in einem Anfangsstadium befinden, erkennen lassen, dient der Aufbau der Infrastruktur primär dem Transport des elektrischen Stroms nach Europa. Einen breiten wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß für ein afrikanisches Land darf man sich davon nicht erwarten. In diesem Aspekt ähnelt das Vorhaben der Zusage des südkoreanischen Konzerns Daewoo, der der madagassischen Regierung als Gegenleistung für die Bewirtschaftung einer riesigen Landfläche zur Produktion von Getreide versprochen hatte, daß er Straßen und Hafenanlagen bauen werde. Wie schlau! Der Konzern hätte diese Infrastruktur sowieso bauen müssen, um die Ernteerträge außer Landes zu schaffen.

Genauso verhält es sich mit dem elektrischen Strom, der in solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika generiert werden soll. Davon werden die Bewohner der Länder, die sich als Standort für die Anlagen anbieten, weniger haben, als es ihnen vor Vertragsabschluß schmackhaft gemacht werden wird. Ein Nebenaspekt: Es genügt nicht, Parabolspiegel in die Wüste zu stellen und nur noch zu warten, daß die Sonne scheint und die Anlage fleißig elektrischen Strom produziert. Die Spiegelflächen müssen regelmäßig abgewaschen werden, da sie zustauben, wodurch die Ausbeute drastisch einbricht. Wasser ist jedoch knapp in der Wüste, sonst wäre sie keine.

Der entscheidende Einwand gegen solche Großprojekte besteht jedoch in der Zementierung des bereits bestehenden Nutzungs- und Produktionsverhältnisses zwischen Europa und Afrika. Damit die europäische Bevölkerung ihre elektrischen Zahnbürsten mit Ökostrom betreiben kann und der Anteil der Elektroautos am Fahrzeugpark der Europäer zunimmt, werden die Nomadenvölker auf ihren Wüstenschiffen lange Umwege um die solarthermischen Anlagen herum in Kauf nehmen müssen.

Jetzt schält sich allmählich heraus, warum die EU in den letzten Jahren schon mehrere militärische Einsätze in Afrika durchgeführt und eine Reihe von 1500 Mann starken Schlachtgruppen für den blitzschnellen Einsatz in aller Welt aufgestellt hat. Sollte es in einem nordafrikanischen Land zu einem gewaltsamen Konflikt kommen und irgendeine der von der mit dem europäischen Konsortium kooperierenden Regimes unterdrückten Gruppen anfangen, die Parabolspiegel zu zerdeppern, werden die Schlachtgruppen von der Leine gelassen, um europäische Interessen in Nordafrika zu schützen. Diese Form des Neokolonialismus firmiert unter dem Titel “Green New Deal”. Übersetzt heißt das: Der Ressourcenverbrauch wird nachhaltig, er bleibt also erhalten …

Das erinnerte mich an ein Projekt, über das mal PM berichtet hat:

Die Wüste fruchtbar machen und gleichzeitig auch noch Strom erzeugen – das hört sich schier unmöglich an. Ist es aber nicht, wenn man einem britischen Architekten- und Technikerteam glauben will. In ihrem Projekt „Sahara-Forest“ planen sie eine riesige Gartenanlage, die mit entsalztem Meerwasser bewässert wird und mit Solaranlagen Strom produziert.

Das Sahara-Forest-Projekt ist die Verbindung zweier Technologien: Bei der so genannten Concentrating Solar Power wird Wasser über Spiegel erhitzt und treibt dann eine Turbine. Die zweite Technik, die zum Einsatz kommen soll, heißt Seawater-Greenhouse. Dabei wird der natürliche Wasserkreislauf im Miniaturformat nachgebaut und die Funktionsweise üblicher Treibhäuser umgekehrt: Wasser hat eine kühlende Wirkung und erlaubt so den Anbau von Gemüse und Obst in Regionen, in denen normalerweise nichts gedeiht.

Die Solaranlagen betreiben mit ihrem Strom die Meerwasserentsalzung. Was an Energie übrig bleibt, wird über Hochspannungsleitungen nach Europa exportiert. Die Kosten für eine Anbaufläche von zehn Hektar (20 Fußballfelder) mit einer 10-MW-Stromanlage (100 Stück davon entsprechen einem durchschnittlichen Kernkraftwerk) belaufen sich auf rund 80 Mio. Euro. Investoren aber fehlen noch.