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Africa Center for Strategic Studies

Mittwoch, 02. Juli 2008

Als erstes seiner Ziele gibt das Africa Center for Strategic Studies an, “Verständnis und Unterstützung für den Krieg gegen den Terror” aufbauen zu wollen. Angesiedelt in Washington DC und Addis Ababa verfolgt es dabei einen umfassenden Ansatz: Es will Wissenschaftler, Militärs und NGOs aus Afrika, den USA und Europa an einen Tisch bringen, das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen ihnen fördern, wobei die Interessen der USA stets im Blick bleiben, jedoch ein sehr “multilateraler” Kurs verfolgt wird, d.h. Kooperation statt Konkurrenz mit der EU und den europäischen Verbündeten. Die Ausrichtung ist anti-chinesisch und pro-interventionistisch, indem eine extrem paternalistische Sicht eingenommen wird, wonach Afrika seine Probleme niemals ohne die Hilfe der Weissen in den Griff bekäme. Dies wird auch stets durch Bilder eindeutig so transportiert.

Das Africa Center for Strategic Studies bietet drei Online-Publikationen an: Einen “Newsletter”, ein “E-Bulletin” und “Program Highlights”. Aus den jeweils aktuellen Ausgaben hier meine persönlichen “Highlights”:

“Next Generation of African Military Leaders”
[Link]
US-Offiziere bilden die zukünftige afrikanische Militär-Elite aus

African military officers from 41 countries completed the latest “Next Generation of African Military Leaders” (NGAML) course at the Africa Center for Strategic Studies. Designed to cover topics such as military leadership, ethics, emerging security threats, and civil-military relations, the NGAML course welcomed 56 participants from Jan. 21 – Feb. 15, 2008.

Distinguished speakers included Gen. William E. Ward, Commander, U.S. Africa Command; Gen. Lamine Cissé, Officerin-Charge, United Nations Office in West Africa; and Gen. Richard Myers, former U.S. Chairman of the Joint Chiefs of Staff.

NACHTRAG: der Africa Center verfolgt die Karriere seiner ausgebildeten Military Leaders weiter. Dann kommt es u.a. zu solchen Erfolgsmeldungen:

Lieutenant Colonel Francis Mutiganda has been appointed by the Secretariat of the United Nations as a Planning Officer in the United Nations Headquarters Office of Military Affairs. He previously served as an instructor at the Rwanda Military Academy. Lieutenant Colonel Mutiganda participated in the January 2006 Next Generation of African Military Leaders Course in Washington, DC.

Maritime Partnerschaften
Seit etwa zwei Jahren umschiffen die US-Marine und die europäischen NATO-Verbände nahezu dauerhaft Afrika (z.b. hier, hinzu kommen noch der NATO-Einsatz Active Endeavour im Mittelmeer und Enduring Freedom am Horn von Afrika als Dauer-Einsätze), einerseits um Präsenz zu zeigen, andererseits um an Land zu gehen und die dortigen Militärs von der Bedeutung der Seesicherheit zu überzeugen und ihnen maritime Partnerschaften anzubieten oder gemeinsame Übungen durchzuführen. Besonders wichtig sind den USA dabei gerade besonders die westafrikanischen Staaten. Wie das ungefähr abläuft, dafür nennt das aktuelle “E-Bulletin” zwei Beispiele:

While in Port Louis, Ashland and her crew will participate in military information exchanges with the Mauritian Coast Guard, practicing damage control and maritime interdiction operation techniques.

The U.S. Navy’s Africa Partnership Station (APS) arrived in Dakar, Senegal, on April 2 to provide a variety of training courses for more than 100 members of the Senegalese Navy. This marks the 15th port stop of the APS, which aims to enhance regional and maritime safety and security in West and Central Africa.

Nasty Neighbors. Resolving the Chad–Sudan Proxy War
Das selbe Bulletin weist auch auf eine Analyse der Crisis Group und des Center for American Progress über den Konflikt in Tschad. Das von beiden initiierte Enough-Projekt kennt die Lösung für diesen Konflikt, in welchen Sudan und China freilich als Bösewichter involviert sind. Die EUFOR-Mission muss verstärkt werden und könnte in einem Jahr durch eine UN-Peacekeeping-Mission abgelöst werden. Interessanter fast noch als diese kolonialen Pläne sind die Aktivitäten Débys, von denen berichtet wird:

After Chadian government forces beat back the Chadian rebel assault on N’Djamena in February, Déby began preparations for the next coup attempt: He dispatched senior aides to Ukraine to purchase weapons, began construction on a huge trench encircling the capital, laid concrete blast barriers at the gates of the presidential palace, and cut down thousands of trees in the capital to prevent rebels from using them as cover. Déby’s defensive strategy is obvious: invite the Chadian rebels back for a final showdown in the streets of N’Djamena—home to 700,000 people—and cede the rest of the country by implication.

So schlimm natürlich ein Häuserkampf in N’Djamena angesichts der zivilen Verluste wäre, stellt sich vor allem die Frage, wer anschließend das aufgegebene Hinterland zwischen Libyen, Sudan und der ZAR kontrollieren würde: Der Sudan oder die EUFOR? Könnte das der tatsächliche Hintergund der EU-Intervention sein? Kann man Solana und seinen Schergen wirklich so viel Voraussicht zutrauen und will die EU wirklich die Kontrolle über dieses Territorium ausüben (müssen)?

Gefechte an der Grenze zum Süd-Sudan

Freitag, 06. Juni 2008

Seit Ende Mai wird an der Grenze zum Süd-Sudan wieder intensiv gekämpft und zwar in der Provinz Abyei. In dieser gibt es sehr viel Öl und ihr Status, ob und wie weit sie zum Süd-Sudan gehört, war im von den USA und der EU forcierten “Friedensabkommen” zwischen der Zentralregierung und der SPLA 2005 offen gelassen worden. Nun stehen Wahlen an und von beiden Seiten wird “Bevölkerungspolitik” betrieben, Vertreibungen. Die Stadt Abyei wurde wohl mindestens zur Hälfte in Schutt und Asche gelegt, von 60.000 Flüchtlingen ist die Rede. Einige Medien melden, der Sudan setze ähnlich wie in Dafur irreguläre Reitermilizen ein, die ICG berichtet aber v.a. von der 31ten Brigade der SAF:

Gut und recht früh der Artikel in der taz, in dem auch plastisch wird, wie die SPLM davon ausgeht, dass die gesamte “Sozialpolitik” von den humanitären übernommen wird:

Bereits zuvor war gewarnt worden, dass sich um Abyei neue Konflikte entzünden würden:

In einem Interview mit dem Standard droht ein Vertreter der Zentralregierung indirekt mit der Balkanisierung Afrikas