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Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd?

Dienstag, 09. Dezember 2008

… so der Titel der Schlaininger Sommerakademie im Juli 2008. Unter der Projektleitung von Thomas Roithner wurden die Beiträge der Referenten gesammelt und sind nun in einem ziemlich interessanten und für seinen Umfang auch günstigen Buch erschienen:

Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd?
Auswege aus der Armutsspirale oder westliche Kriegsstrategien?

Das Buch umfasst 364 Seiten und kostet 9,80 Euro zuzüglich Porto.

Zum Inhalt:

Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd?, Vorwort
Thomas Roithner (Friedenszentrum Burg Schlaining - Wien)

Eröffnungsrede zur Internationalen Sommerakademie
Gerald Mader (Präsident des ÖSFK)

Wege aus der Armut. Entwicklungsgeschichtliche und aktuelle Lehren
Dieter Senghaas (Universität Bremen)

Teil I: Armut Macht Krieg. Globale Armutsbekämpfung in des Kaisers neuen Kleidern

Parameter von Kriegen im 21. Jahrhundert oder die Unübersichtlichkeit sozialer Ordnungen unter Bedingungen von Schattenglobalisierung und neoliberalem Chaos
Peter Lock (EART Hamburg)

Armut schafft Kriege - nicht immer, aber fast überall
Zum Zusammenhang zwischen Mangel und (bewaffneten) Konflikten
Andreas Zumach (Journalist, Genf)

Die Kriege der Armen mit den Waffen der Reichen
Regionale Konflikte und ihre globalen Ursachen
Elmar Altvater (Freie Universität Berlin)

Teil II: Armut und reiche Kriegskasse. Das Armutszeugnis der globalen Ökonomie

Globale soziale Ungleichheit versus Verteilungsgerechtigkeit
Zur Interdependenz von Armut und Krieg
Ueli Mäder (Universität Basel)

Armut, Ressourcen und Konfliktdynamik
Claudia Haydt (Soziologin und Religionswissenschafterin, Tübingen)

Armut - Reichtum - Krieg: Europa in einer globalisierten Welt
Werner Ruf (Universität Kassel)

Die NATO - illegitimes Kind des Zweiten Weltkriegs
Peter Strutynski (Universität Kassel)

Teil III: Gescheiterte oder zum Scheitern gebrachte Staaten? Ansätze, Irrwege und Auswege von Staatlichkeit

Nation-Building als Strategie der Konfliktbearbeitung
Claudia Derichs (Universität Hildesheim)

Failing States in Afrika: interne und externe Ursachen für Staatsversagen und Perspektiven für dessen Überwindung
Rainer Tetzlaff (Universität Hamburg)

Teil IV: Die EU im Dienste der Armutsbekämpfung: Zwischen größter Entwicklungshelferin und Rüstungsexportweltmeisterin

Warum Entwicklungspolitik?
Die Rolle der EU-Entwicklungshilfe und ihre Rüstungsexporte
Carola Bielfeldt (Universität Innsbruck)

Die EU in der Pflicht: Wege aus der globalen Armutsfalle
Franz Küberl (Präsident Caritas Österreich)

Die “Versicherheitlichung” der Europäischen Entwicklungspolitik:
Risiken und Nebenwirkungen
Astrid Wein und Agnes Otzelberger (CARE Österreich)

Entwicklungshilfe und Rüstungsexport - ein europäischer Widerspruch?
Gunther Hauser (Landesverteidigungsakademie Wien)

Von der militärischen Sicherheit zur Militarisierung der menschlichen Sicherheit?
Der Sicherheits- und Friedensbegriff im Zeitalter der Globalisierung unter besonderer Berücksichtigung der EU
Thomas Roithner (Friedensforschungszentrum Burg Schlaining, Wien)

Teil V: Unbekömmliche Gerichte vom globalen Konfliktherd? Beispiele vom Horn von Afrika und dem Mittleren und Nahen Osten

Das Horn von Afrika: Gewaltkonflikte, Anti-Terror-Krieg und Friedensperspektiven in einer chronischen Krisenregion
Volker Matthies (Universität Hamburg)

Der Teufelskreis von Krieg, Armut, Unterentwicklung und Diktatur
Beispiel Mittlerer und Naher Osten
Mohssen Massarrat (Universität Osnabrück)

Teil VI: Wege aus Armut und Krieg. Was kann die Zivilgesellschaft und die Staatenwelt tun?

Herrschaft und Befreiung. Global Governance und emanzipatorisches Handeln im sich globalisierenden Kapitalismus
Ulrich Brand (Universität Wien)

Rhetorik und Praxis von Global Governance
Franz Nuscheler (Universität Duisburg-Essen, INEF)

Krieg und Armut gewaltfrei überwinden. Das Beispiel Lumbumbashi/DR Kongo
Hildegard Goss-Mayr, Pete Hämmerle (Internationaler Versöhnungsbund)

Neue Akteure in der humanitären Hilfe. Ein Schreckgespenst geht um
Martina Schloffer (Rotes Kreuz)

Bibliographische Angaben:
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.), Projektleitung: Roithner Thomas: Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd? Auswege aus der Armutsspirale oder westliche Kriegsstrategien?, Dialog 56 - Beiträge zur Friedensforschung, ISBN 9783825817626, Lit-Verlag, http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-1762-6, Münster - Hamburg - London - Berlin - Wien, 364 Seiten, € 9,80, Jänner 2009.

Nähere Information zur Publikation

AFRICOM: 400 Mio. US$ und fünf Büros für Afrika

Donnerstag, 24. Juli 2008

Matthew Blake berichtet über eine Anhörung im US-Senat zum AfriCom. Kernaussage des Artikels ist, dass unklar sei, was mit dem militärischen Zentralkommando für Afrika eigentlich bezweckt ist, sich die “afrikanischen Führer” aber vor einer militarisierung der Beziehungen zu den USA, US-Militärbasen und -patrouillen fürchten.
Ich denke, dass wir einiges zum Zweck des AfriCom u.a. hier auf diesem Blog lesen können. Auch Blake erkennt in seiner Ratlosigkeit, dass es u.a. um Ausbildungsprogramme gehen wird:

The new Government Accountability Office audit released Tuesday explained that Bush announced the creation of Africom in February 2007 as a way to provide a U.S. military presence on the continent - but one that wouldn’t engage in conflicts. Instead, the military would do “conflict-prevention programs,” ranging from training African military officers to conducting HIV/AIDS education.

Am Rande finden sich auch einige konkrete Informationen:
- “The president’s fiscal-year 2009 budget has put $400 million toward launching Africom.”
- “Anxious about bases, all 53 African countries, except Liberia, have said they don’t want a U.S. military command in their country.”
- “the planned construction of five Pentagon offices in Africa”

Sowie etwas zum Ursprung der Idee:

The creation of Africom stemmed from the work of a planning team led by former Defense Secretary Donald Rumsfeld. The team spent part of 2006, Rumsfeld’s final year at the Pentagon, on how to establish a centralized command of Africa.
Rumsfeld worked from the White House’s 2006 national security strategy report that said it’s a U.S. priority to “partner with Africans to strengthen fragile and failing states and bring ungoverned areas under the control of an effective democracy.” One idea to promote Democratic institutions in Africa was through the creation of provincial reconstruction teams similar to those currently rebuilding Iraq.

Übrigens ist sich die Führung des AfriCom durchaus bewusst, dass sie ein Image- bzw. “Kommunikationsproblem” hat, wie hier anlässlich eines Besuchs im NATO-George C. Marshall European Center in Garmisch-Patenkirchen deutlich wird. An dieser Stelle hat sie aber die Terrorbekämpfung als Hauptaufgabe des AfriCom dargestellt:

Mullen cited Africa’s tremendous resources, but said it faces great challenges as well, from poverty and disease to threats including terrorists seeking safe haven.
“It’s a place where there are opportunities for terrorists to evolve,” he told the AFRICOM staff while visiting their headquarters. “We have to address those things, because if we don’t, they are coming our way. Either we have to engage them or they are coming to us as a country, and actually, as a world.”