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Haiti als Testfall für Zivil-Militärische Zusammenarbeit bei der NATO

Donnerstag, 18. Februar 2010

Dass sich die Katastrophe in Haiti als Testfall nicht nur für die EUropäische Außenpolitik, die European Gendarmerie Force und das zivil-militärische Krisenmanagement insgesamt “anbietet”, ist ja klar. Dass und in welchem Maße hieran nun auch die NATO beteiligt ist, dafür einige Beispiele. Hier zunächst einige Links, die davon berichten, dass sowohl von der erst vor drei Jahren in Ungarn stationierten Strategic Airlift Capability (SAC) als auch vom NATO-Stützpunkt in Gailenkirchen Hilfslieferungen von der NATO im Auftrag ziviler Behörden nach Haiti geflogen wurden:

C17 conducts third humanitarian relief flight to Haiti
NATO Aircraft transports humanitarian aid for Haiti

Besonders spannend finde ich aber den Bericht über das offensichtlich noch im Experimentierstadium befindliche Civil-Military Fusion Centre (CFC) am für die Transformation zuständigen Hauptquartier der NATO (Allied Command Transformation, ACT) in Norfolk, Virginia. Diese betreiben eine Webseite mit dem Titel Civil-Military Overview (CMO).

Insgesamt bietet dieses “Portal” auf den ersten Blick wenig Informationen oder zumindest Zugang zu diesen. Schnell wird aber klar, dass die Haiti-Sonderseite auch der Profilierung dienen soll. So werden hier zahlreiche, wenn auch wenig brauchbare Karten, Übersichten, Berichte und Pressemitteilungen über Hilfslieferungen gesammelt und thematisch geordnet(”Cluster”) zugänglich gemacht. Es liefert einen guten Überblick über die militärischen Koordinierungsbemühungen der Katastrophenhilfe von Morgen - und den Einblick, dass es letztlich doch die zivilen Helfer und hilfsorganisationen sind, die wirklich helfen.

Wer auf täglicher Ebene möglichst genau nachverfolgen will, wie die Situation in Haiti aussieht und was die internationale Gemeinschaft tut, mag die Seite mit den Situation Reports hilfreich finden. Dort sind nicht nur die täglichen Berichte des OCHA, USAIDS und des britischen Department for International Development dokumentiert, sondern auch diejenigen der US-Amerikanischen Joint Task Force (JTF) Haiti, die sich (auch bei Youtube, Twitter und Flickr) alle Mühe gibt, ihre gute Zusammenarbeit mit der Haitianischen Regierung, den UN usw. zu betonen.

Hier finden sich beispielsweise die Bilder eines MINUSTAH-Aufklärungsfluges, mit dem der Zustand der Häfen in Haiti festgestellt werden sollte.

Humanitäre Hilfe aus Kanonenrohren?

Freitag, 20. Juni 2008

Das ISW hat einen weiteren guten Artikel zur R2P und Myanmar veröffentlicht. Darin wird nochmals deutlich, warum die dortige Junta die “Hilfe” etwas widerwillig angenommen hat:

Die USA nehmen dort mit 13.500 Soldaten am jährlichen Cobra-Gold- Manöver vom 13. bis 27. Mai am thailändischen Marinestützpunkt Sattahip teil. Im Vorjahr waren es nur 5000 Soldaten. Kern der US-Streitmacht ist der Flottenverband um den US-Hubschrauberträger “USS Essex”, letzterer mit über 1000 Soldaten und Offizieren und 1900 Marines an Bord und jede Menge Amphibienfahrzeugen für Landeoperationen im Schiffsbauch. Die “U.S. Navy-Kriegsschiffe könnten vom Golf von Thailand durch die Straße von Malakka nach Norden in die Bucht von Bengalen zum Irrawaddy Delta fahren”, spekuliert Kaplan weiter. “Landungstruppen” könnten dann Lieferungen zu den am meisten verwüsteten Landstrichen bringen. Mittlerweile hat der amphibische Träger Essex mit den Docklandungsschiffen Juneau und Herpers Ferry den Weg dorthin zurückgelegt und wartet in Sichtweite des Irrawaddy-Deltas, um an möglichen “humanitären Hilfsoperationen” teilzunehmen (www.marineforum,info/Aktuelles – 18.5. und 25.5.08). Der mit Tomahawk-Marschflugkörpern bestückte US-Zerstörer USS Mustin hat sich unmittelbar nach dem Wüten des Zyklon Nargis auf den Weg dorthin gemacht. Vor der Küste kreuzen zudem der französische Hubschrauberträger “Mistral” und die britische Fregatte “HMS Westminster”, allesamt angeblich mit tausenden Tonnen Hilfsgütern an Bord. Die einst waffenstarrenden schwimmenden Festungen scheinen mittlerweile in Care-Paket-Dampfer umgerüstet zu sein. Der britische Premier Gordon Brown zog bereits in Erwägung, in den Luftraum von Myanmar einzudringen und Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. Etwaige Konfrontationen mit der myanmarischen Armee hätten dann zweifelsohne den Vorwand zu massiveren militärischen Eingriffen hergegeben.

Vor einigen Tagen wurde außerdem dieser Link über den Verteiler geschickt. Es handelt sich dabei um eine Art kritische Presseschau. Es wird dort auch ein Leserbrief zitiert, der an den Hurrikan Katharina erinnert:

Die westlichen Staaten würden in solchen Fällen auch keine iranischen oder arabische Helfern ins Land lassen. Selbst als der Hurrikan Katharina New Orleans unter Wasser gesetzt hatte und der landeseigene Katastrophenschutz einen ziemlich hilflosen Eindruck machte, hielt Washington die Grenzen für ausländische Helfer geschlossen. Nicht nur den sehr erfahrenen und für solche Zwecke hervorragend ausgerüsteten Teams, die Kuba und Venezuela entsandt hatten, wurde die Einreise verweigert, auch ein französisches Hospitalschiff das in der Karibischen See bereitstand wartete vergeblich auf seinen Einsatz.