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Neuer ICG-Report zu Tschad rät der EU implizit, sich militärisch rauszuhalten

Montag, 20. April 2009

Die International Crisis Group hat einen neuen Report zum Tschad veröffentlicht. Die Verschlechterung der Lage und das Verhalten Débys werden dort ungeschönt beschrieben, allerdings wird auf die Rolle des EUFOR-Einsatzes nicht eingegangen:

Nevertheless, eastern Chad was relatively stable until 2003, despite a tense political climate and sporadic bloody clashes. The humanitarian and security problems that have shaken it since then are unprecedented, with spillover from the Darfur crisis aggravating pre-existing inter-ethnic confrontations and strengthening cross-border intercommunal loyalties.

Large-scale internal displacement and a massive influx of Sudanese refugees have upset eastern Chad’s demographic balance and intensified the struggle for resources. Both the Chadian government and rebel groups have armed their supporters, leading to bloodier banditry and bloodier inter-ethnic conflicts that often pit farmers against cattle breeders and making the work of humanitarian workers increasingly difficult. The central government has systematically co-opted for its own political purposes traditional mediation and conflict management mechanisms, such as diyah, the compensation due for shedding blood.

For more than five years, the Déby regime has instrumentalised the troubles in eastern Chad in order to perpetuate itself. Déby has been able not only to divide his political opponents at the local level in the East, but also to limit the political space for his adversaries at the national level. His strategy has had two phases. During the first, in 2004-2005, the government tried and failed to consolidate the support of its Zaghawa ethnic base. Following splits among the Zaghawa, Déby stoked the historical mistrust between the Zaghawa and Tama ethnic groups in Dar Tama. He claimed that the Front uni pour le changement (FUC), the main coalition of rebel groups at the time, was an alliance between the Tama and the Janjawid of Darfur ill-repute and had been armed by Khartoum to eliminate the Zaghawa on both sides of the border. To the international community, he depicted the FUC as the “Chadian-armed right hand of the Sudanese Islamist regime”, a characterisation that was widely accepted, given the many Janjawid attacks against Sudanese refugees in Chad.

During the second phase, from 2006 to the present, the government has tried with limited success to win the allegiance of the Dadjo ethnic group in Dar Sila by providing support both for existing Dadjo self-defence groups and for the creation of new, mostly Dadjo militias. This support is supposed to protect civilians from Janjawid attacks, but its real purpose is to enlist the Dadjo in fighting Chadian rebel groups. In turn, rebel leaders have used the crisis as a convenient political justification for settling scores with Déby. Sudan has exacerbated the instability in the East by supporting virtually all the rebel groups, even though they are strongly divided along ethnic lines.

Dann wird doch kurz die EUFOR erwähnt, sie hätte die Lage jedenfalls nicht “signifikant” verbessert:

The international community has had a pair of peacekeeping missions on the scene since February 2008 to alleviate spillover effects of the Sudanese conflict into eastern Chad: a European Union force (EUFOR) and the United Nations Mission in the Central African Republic and Chad (MINURCAT). However, neither significantly improved the security situation.

Entsprechend taucht die EU unter den Empfehlungen nur noch in aller Kürze auf:

To the European Union: Finance and help organise the peace conference on eastern Chad.

Das ist in seiner Kürze bemerkenswert und deutet darauf hin, dass selbst die ICG keine Perspektive mehr für ein militärisches Engagement sieht. Erstaunlich ist allerdings, dass gerade von Frenkreich hingegen erwartet wird, dass es seinen Einfluss auf Déby nutze und den Druck erhöhe, Friedensverhandlungen aufzunehmen:

France, which has reinforced Déby without helping the Chadians to find a durable solution to the crisis, should pressure the government to engage with the communities in the East for the organisation of such a conference…
[RECOMMENDATIONS]
To the Government of France: Support diplomatically and financially the organisation of the peace conference on eastern Chad and make its financial, military and political support to the government conditional on progress in that conference and other national conflict resolution mechanisms.

Crisis Group warnt vor Gewaltausbrüchen in der Zentralafrikanischen Republik

Dienstag, 09. Dezember 2008

Am 8.12. wurden in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik wie vorgesehen die Verhandlungen um die zukünftige Macht(-verteilung) zwischen zivilgesellschtlichen Akteuren, Vertretern der “internationalen Gemeinschaft”, der alten und der gegenwärtigen Regierung sowie den größten aktiven Rebellenbewegungen aufgenommen. Dieser Dialog geht auf ein Friedensabkommen vom Juni 2008 zurück, nach dem einige Rebellenmilizen bereits in die Regierungsarmee “teilintegriert” wurden. In der Zwischenzeit versuchten die Regierung ein Amnestiegesetz zu formulieren (das ihre eigenen Sicherheitskräfte begünstigte) und die Rebellengruppen hierbei für sich möglichst günstige Konditionen zu erzwingen. Die großen Rebellengruppen verhielten sich wohl relativ ruhig, es gab jedoch einige Abspaltungen von kleinstgruppen und auch Übergriffe von Kämpfern, die nicht zugeordnet werden konnten. Irinnews berichtet z.B. über solch einen Übergriff auf eine kleine Stadt im Nordosten, wo die Lage insgesamt am instabilsten ist. Ban Ki-moon veröffentlichte am 2.12. einen Bericht zur Lage in der CAR, indem am Rande den dort stationierten EU-Truppen eine eher deeskalierende Rolle zugeschrieben wird. Ebenfalls eher am Rande wird in dem Bericht auf die soziale Situation eingegangen, viel erfährt man aber zur Sicherheitslage und Amnestiegesetzgebung.

Die International Crisis Group ist mit dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen wohl überhaupt nicht zufrieden, sie seien nur zentimeterweise vorangekommen. Es drohe neue Gewalt auszubrechen, da die beteiligten Akteure nur in Gewalt eine endgültige Lösung der Machtfrage sehen würden und würden sich auf neue konflikte vorbereiten. Was die Crisis Group weiter zu sagen hat, klingt wenig stringent. Natürlich sei es nun das Wichtigste, die Reform des Sicherheitssektors weiterzuführen und Wahlen abzuhalten. An der “internationalen Gemeinschaft” übt sie Kritik:

“The international community bears a share of responsibility for devaluation of the political dialogue. By initiating army reform in early 2008, the donors emptied the political dialogue of the security element that is at the heart of the crisis. They are paying the price today for their complacency about democracy in the CAR, including their readiness to give up on reconciliation in return for simple disarmament. Indeed, they are de facto abetting new insurrections by granting blank concessions to rebel leaders without demanding anything else from them except lip-service to legality.”

Etwas unklar auch ihre Empfehlungen zur internationalen Truppenpräsenz. Diese sei natürlich grundsätzlich wünschenswert und irgendwo steht auch der Appell, Truppen bereitzustellen, andererseits wird der Rückzug von EU und Frankreich nicht kritisiert. Zwischen den Zeilen klingt das eher wie die Empfehlung, sich heimlich zu verabschieden und den Schlamassel der UN bzw. der Economic and Monetary Community of Central Africa (CEMAC) zu überlassen:

“The international community should seek to maintain the presence of MINURCAT 2 in the CAR. However, if it is forced to reduce its deployment in the CAR, that UN contingent should harmonise and coordinate its withdrawal with a comparable reinforcement of the regional peacekeeping force (MICOPAX), so there are smooth handovers and transitions between them, as well as with the French forces that are being drawn down, and a coherent security approach is maintained toward the CAR.”

Crisis Group zur Situation im Tschad

Donnerstag, 25. September 2008

Die ICG hat einen neuen Bericht mit Empfehlungen zur Situation im Tschad verfasst. Der Bericht selbst ist nur auf Französisch verfügbar, die Zusammenfassung mit Empfehlungen auch auf Englisch.

Auch die Crisis Group geht davon aus, dass der Konflikt im Tschad überwiegend interner Natur ist und die Machtakkumulation und ungerechte Verteilung des Wohlstandes durch Déby und seinen Clan eine wichtige Ursache darstellt. Eine externe Komponente, ein drohender Stellvertreterkrieg mit dem Sudan komme hinzu. Das Abkommen von August 2007 wird von der ICG als wenig produktiv erachtet und die EU und Frankreich sollten sich nicht darauf konzentrieren, es umzusetzen. Déby habe den EU-Einsatz zur stabilisierung seiner Macht nutzen können. Es wird empfohlen, dass die EU ihr Mandat an die UN übergibt und die einen intensiveren Einsatz durchführt, um für Sicherheit zu sorgen und umfassende Verhandlungen über die Machtaufteilung, begleitet von einer Sicherheitssektorreform, befördert. Von der EU und Frankreich wird eher weniger erwartet, stattdessen sollten regionale Akteure, AU, Senegal, Libyen, Sudan, etc. sich um die Konfliktbeilegung bemühen.

Deutschland und die Tschad/RCA-Missionen

Dienstag, 05. August 2008

Wie aus einer Meldung des Bundestags hervorgeht, sind die Bundesregierung und der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, bezüglich der Wirksamkeit der Mandatierung der Einsätze MINURCAT und EUFOR Tschad/RCA unterschiedlicher Meinung. Dies gehe speziell aus der Antwort der Bundesregierung (16/9579) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/9256) hervor.

Während Ban Ki Moon in seinem Bericht vom 1. April 2008 (S/2008/215) feststellt, dass weder MINURCAT noch EUFOR Tschad/RCA ausreichend mandatiert seien um die an sie gestellten Aufgaben erfüllen zu können, ist die Bundesregierung „der Auffassung, dass sowohl EUFOR TCHAD/RCA (im Folgenden „EUFOR“ genannt) als auch MINURCAT die in ihren Mandaten gestellten Aufgaben erfüllen können.“(Antwort der Bundesregierung, 16/9579:2)

Weiterhin heißt es in der Antwort, dass insbesondere der internen Krise im Tschad und dem grenzüberschreitenden Konflikt durch politische Maßnahmen entgegengewirkt werden müsse. Dass die Sicherheitslage laut Bundesregierung, anders, als bspw. in Afghanistan, nicht primär mit Militär und Polizei zu lösen sei, mag wohl auch daran liegen, dass Deutschland sich an diesem EUFOR-Einsatz nicht direkt mit Truppen im Einsatzgebiet beteiligt. Unterstützt wird dieser Einsatz lediglich (abgesehen von finanziellen Mitteln) durch die Arbeit vierer Offiziere im EU-Operationshauptquartier in Mont Valerien in Frankreich. Diese vier Offiziere setzen sich zusammen aus zwei Stabsoffizieren (einem Planungsoffizier in der Operationsplanungsabteilung und einem Stabsoffizier im Bereich der Lageführung in der Operationsführungsabteilung), einem weiteren Offizier als Datenverarbeitungsoffizier im Bereich Informationsmanagement, sowie einem Unteroffizier mit Portepee als Personalfeldwebel in der Personalabteilung des Hauptquartiers. Die Bundesregierung merkt in ihrer Stellungnahme an, dass diese Soldaten nicht bewaffnet seien und ihre Verwendung auf das Hauptquartier in Mont Valerien beschränkt sei.

Kosten, Kostenabrechnung
Auch wenn sich die Bundesregierung diesmal nicht mit bewaffneten Truppen in Afrika präsent zeigt, so unterstützt sie als (Mit)Trägerin Kerneuropas diesen Einsatz doch mit einem erheblichen finanziellen Aufwand. Nach Aussage der Regierung, setze sich das zu finanzierende Operationsbudget in Höhe von rund 119,6 Mio Euro aus zwei Blöcken zusammen. Der Block für allgemeine Unterstützungsleistungen betrage rund 8,1 Mio. Euro, der Block für die Missionsunterstützung rund 111,5 Mio. Euro In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linkspartei heißt es:

Der deutsche Beitrag an den gemeinsam zu finanzierenden Ausgaben des Einsatzes setzt sich zusammen aus einer ersten Zahlungsverpflichtung, die aufgrund der am 15. Oktober 2007 festgesetzten vorläufigen Referenzsumme zu leisten war (50 Prozent der Referenzsumme in Höhe von 99,2 Mio. Euro bei einem deutschen Kostenteilungsschlüssel von 20,184584 Prozent in 2007) sowie der in zwei weiteren Tranchen zu leistenden Verpflichtung (neuer Kostenteilungsschlüssel: 20,016376 Prozent) aufgrund des am 24. Januar 2008 endgültig gebilligten Budgets. Hierauf wird die bereits in 2007 geleistete erste Zahlung angerechnet. Der gesamte deutsche Anteil in Höhe von rund 24 Mio. Euro ist aus dem Einzelplan 14, Kapitel 1403, Titelgruppe 08 hier Titel 687 81, zu erbringen.

Wie hoch letzten Endes der deutsche Beitrag an den Kosten dieser, vorerst für ein Jahr angesetzten Mission sein wird, ist abzuwarten. Björn H. Seibert kommt in seiner im Auftrag des Massachussetts Institute of Technology, Security Studies Program, erstellten Studie, African Adventure? , über die Machbarkeit einer solchen militärischen Operation zu der Schlussfolgerung, dass dieser Einsatz nicht zuletzt an seinen immensen Kosten scheitern wird. Dies ist unter anderem auf die geographische Lage des Tschads und der ZAR sowie auf deren Infrastruktur zurückzuführen, die den Transport militärischen Geräts und Truppen nur unter dem Aufwand erheblicher finanzieller Mitteln erlauben. So berechnet Seibert die Kosten für diesen Einsatz, dem er ein offenes Ende zuspricht, auf ca. 500 Millionen Euro. Diese Berechnungen stützt er auf u.a. auf einen, am ersten November 2007 in Jane’s International Defence Review erschienen Artikel von Brooks Tigner, EU struggles to firm up plans for central African deployment. Einen weiteren, mit den Kosten einhergehenden Grund für ein Scheitern dieser Mission sieht Seibert darin, dass die VN nicht in der Lage sein werden, Länder zu finden, die sowohl in der Lage sind, als auch die nötige Motivation aufbringen können, eine solche enorme finanzielle Last für diesen humanitären Einsatz zu tragen (Seibert, 2007:38)

„Faktor 4: Finanzielle Einschränkungen
Letzten Endes werden finanzielle Einschränkungen Zögern und Unwille bei den meisten Ländern hervorrufen, Truppen für einen teuren und potentiell nicht begrenzten Einsatz in Zentral Afrika zu stellen. Laut inoffiziellen Einschätzungen, wird die für ein Jahr vorgesehene Mission der Europäischen Union in etwa 500 Millionen Euro (750 Millionen $) kosten. Selbst wenn die Kosten für diese Operation geringer wären, was, gemäß den logistischen Herausforderungen, als unwahrscheinlich gilt, scheint es unwahrscheinlich, dass die VN genügend Länder finden werden, die sowohl in der Lage, als auch gewillt wären, eine solche finanzielle Belastung für einen humanitären Einsatz zu tragen.“

Festzuhalten ist, dass die Differenz zwischen den für diesen Einsatz vorgesehenen 119,6 Millionen Euro und den von Seibert errechneten 500 Millionen Euro, 380,4 Millionen Euro (380.400.000) beträgt. Ob es sich dabei um mehr als um einen bloßen Rechenfehler handelt, ob die Kosten für diesen Einsatz, wie im Falle Österreichs zu 59% als Entwicklungshilfe über die OECD abgerechnet werden können, oder aber ob Frankreich sich dazu bereit erklärt, die anfallenden militärischen Bedürfnisse durch seine, nicht zum EUFOR-Einsatz, sondern zu seiner seit 1986 im Tschad stationierten Truppen der Operation Epervier zu kompensieren, bleibt abzuwarten.

Verlängerung des Einsatzes
Klar ist hingegen jetzt schon, dass die EU-Mission unter VN-Mandat nicht innerhalb der vorgesehenen zwölf Monaten beendet sein wird. So schreiben zwei irische Zeitungen, The Examiner und The Irish Times, dass die Soldaten der EUFOR-Mission, falls die VN-Truppen noch nicht in der Lage sein werden diese Mission zu übernehmen, länger im Tschad bleiben müssten.

„Jedoch, falls die Truppen der VN noch nicht bereit sein werden, könnte die EUfor Mission über das Ende einer 12 monatigen Stationierung – nächsten März – hinaus verlängert werden. Irlands Teilnahme an jedweder verlängerten EUfor Mission, oder aber auch als Teilnehmer eines herkömmlichen VN-Einsatzes, wird in den nächsten Monaten seitens der Regierung entschieden werden.“

„Die VN werden vermutlich nicht in einer Position sein um die Mission im März zu übernehmen. Falls dem so sein wird, werden sie die EU bitten zu bleiben.“

Weiterhin schreibt The Examiner, dass es dann Aufgabe der nationalen Regierungen sein wird, zu entscheiden, ob sie ihre Truppen weiterhin im Tschad stationiert sehen möchten, dies zumal der Einsatz ein sehr kostenaufwendiger sei und jedes Land die Kosten für seine Beteiligung am Einsatz selbst zu tragen habe.

„Dann wird es Sache der nationalen Regierungen sein, zu entscheiden, ob es weiterhin ihrem Wunsch entspricht, die Stationierung ihrer Truppen dort aufrecht zu erhalten, was ein kostspieliges Unterfangen ist, zumal jedes Land seine eigenen Kosten trägt.“

Der irische Verteidigungsminister Willie O´Dea ist jedenfalls jetzt schon davon überzeugt, dass er die 460 irischen Truppen, über die zwölf Monate hinaus, in dem von den Iren im Tschad errichteten Lager stationiert sehen möchte.

„Verteidigungsminister Willie O’Dean sagte, er würde ein Verbleiben der 460 irischen Truppen ,in dem von ihnen gebauten Lager, positiv bewerten.“ .

Kevin Gurka

Presseschau zu Gefechten im Osten Tschads

Montag, 07. Juli 2008

Mitte Juni haben die Rebellen im Tschad einige Ortschaften im Osten überfallen, darunter auch Goz Beida, das nur etwa fünf Kilometer neben einem von der EUFOR bewachten Flüchtlingslager liegt und nur etwa 20 Kilometer von Abéché, wo französische Truppen und die EUFOR stationiert sind und viele humanitäre Organisationen ihren Hauptstützpunkt haben. Bei Goz Beida sahen sich irische Soldaten gezwungen, Warnschüsse abzugeben. Sie griffen allerdings nicht ein, bis sie selbst in unmittelbarer Gefahr waren und verhinderten nicht, dass Büros des UNHCR geplündert und Mitarbeiter der Organisation bedroht wurden. Daraufhin richtete die lokale Sprecherin des UNHCR scharfe Kritik an die EUFOR, die später von der UNHCR-Führung zurückgenommen wurde. Auch Déby warf der EU vor, mit den Rebellen unter einer Decke zu stecken. Solana wies diese Kritik zurück und betonte den guten Kontakt mit Déby. Der französische Außenminister drohte jedoch, dass Engagement seiner Soldaten für Déby zu beenden.

Die meisten Seiten äußerten sich überrascht über die gute Ausrüstung und Mobilität der Rebellen. Sie verfügten offensichtlich über 500-600 Fahrzeuge und bis zu 7.000 Soldaten. Sie verabredeten sich für bestimmte Orte und würden dann in kleinen Gruppen unterschiedliche Routen fahren, damit die französische und europäische Luftaufklärung ihr Ziel nicht bestimmen kann. Die eingenommenen Städte werden nicht besetzt, sondern bald wieder verlassen.

Was damit bezweckt werden soll ist unklar. Zwar gaben die Rebellen an, die westliche Hauptstadt angreifen zu wollen, stattdessen sind sie aber Richtung Nordosten vorgedrungen. Dort gab es auch Gefechte mit der nationalen Armee des Tschad, welche diese wohl für sich entscheiden konnte. Auf jeden Fall ist es den Rebellen gelungen, Stärke zu demonstrieren und auch, Zwietracht zwischen Déby und der EU zu sähen. Zwischendurch lobte ein Rebellenführer die Zurückhaltung der EUFOR und sprach sich für deren Verbleib in Tschad aus, zuletzt reklamierten die Rebellen, ab jetzt würden sie für die Sicherheit der humanitären Organisationen sorgen. Eine andere Vermutung wurde geäußert, wonach die Rebellen Débys Truppen aus der Hauptstadt locken wollen, um diese anzugreifen.

Dies ist bislang nur eine kurze Zusammenfassung einiger Presseartikel, bessere Quelle konnte ich bislang nicht finden. Ergänzungen sind also willkommen.

Nachträgliche Korrektur: Abéché liegt mindestens 150km nord-nordöstlich von Goz Beida. Gute Karten, in denen die verschiedenen Camps etc. des UNHCR eingetragen sind, gibt es hier.

Abkommen zwischen Zentralafrikanischer Republik und EU

Freitag, 04. Juli 2008

Das Abkommen zwischen der EU und Guinea-Bissau, dessen Umstände hier beschrieben wurden, hielt ich ja ursprünglich für eine Premiere, einen Dammbruch. Heute habe ich erfahren, dass am 7.4.2008 ein ähnliches Abkommen mit der ZAR, wiederum “ohne Diskussion” vom Rat angenommen wurde. Ich war mir ja bislang unklar, wie die “Ratifikation” bzw. die Unterzeichnung des EU-Vertragspartners ablief, das wird in diesem Falle aber genauer beschrieben: Zuerst wurde das Abkommen mit der ZAR ausgehandelt und mit der Annahme im Rat trat es gleich in Kraft.
Zum Inhalt: Auch in der ZAR sind die EUFOR-Truppen von allen Visa- und Zollkontrollen ausgenommen, immun gegenüber den Behörden der ZAR unterliegen sie nur der Jurisdiktion des Entsendestaates. (Wie die im Falle Frankreichs bei Auslandseinsätzen funktioniert, kann man u.a. an diesem Fall sehen.) Ihre Angehörigen sind von allen Steuern befreit, außer denen, die sie bei Dienstleistungen unmittelbar entrichten müssen. Die Mission muss von den Behörden genau so unterstützt und behandelt werden, wie die eigene (quasi nicht existente) Armee, ihr müssen Gebäude zur Verfügung gestellt werden, bei Gebäuden in Privatbesitz muss sie aber in diesem Fall, anders als in Guinea-Bissau, die Kosten selber tragen. Für private oder öffentliche Schäden im Zuge der Operation kann die Mission nicht haftbar gemacht werden. Auch dieses Abkommen gilt automatisch, bis die letzten EU-Soldaten das Land verlassen haben.

Africa Center for Strategic Studies

Mittwoch, 02. Juli 2008

Als erstes seiner Ziele gibt das Africa Center for Strategic Studies an, “Verständnis und Unterstützung für den Krieg gegen den Terror” aufbauen zu wollen. Angesiedelt in Washington DC und Addis Ababa verfolgt es dabei einen umfassenden Ansatz: Es will Wissenschaftler, Militärs und NGOs aus Afrika, den USA und Europa an einen Tisch bringen, das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen ihnen fördern, wobei die Interessen der USA stets im Blick bleiben, jedoch ein sehr “multilateraler” Kurs verfolgt wird, d.h. Kooperation statt Konkurrenz mit der EU und den europäischen Verbündeten. Die Ausrichtung ist anti-chinesisch und pro-interventionistisch, indem eine extrem paternalistische Sicht eingenommen wird, wonach Afrika seine Probleme niemals ohne die Hilfe der Weissen in den Griff bekäme. Dies wird auch stets durch Bilder eindeutig so transportiert.

Das Africa Center for Strategic Studies bietet drei Online-Publikationen an: Einen “Newsletter”, ein “E-Bulletin” und “Program Highlights”. Aus den jeweils aktuellen Ausgaben hier meine persönlichen “Highlights”:

“Next Generation of African Military Leaders”
[Link]
US-Offiziere bilden die zukünftige afrikanische Militär-Elite aus

African military officers from 41 countries completed the latest “Next Generation of African Military Leaders” (NGAML) course at the Africa Center for Strategic Studies. Designed to cover topics such as military leadership, ethics, emerging security threats, and civil-military relations, the NGAML course welcomed 56 participants from Jan. 21 – Feb. 15, 2008.

Distinguished speakers included Gen. William E. Ward, Commander, U.S. Africa Command; Gen. Lamine Cissé, Officerin-Charge, United Nations Office in West Africa; and Gen. Richard Myers, former U.S. Chairman of the Joint Chiefs of Staff.

NACHTRAG: der Africa Center verfolgt die Karriere seiner ausgebildeten Military Leaders weiter. Dann kommt es u.a. zu solchen Erfolgsmeldungen:

Lieutenant Colonel Francis Mutiganda has been appointed by the Secretariat of the United Nations as a Planning Officer in the United Nations Headquarters Office of Military Affairs. He previously served as an instructor at the Rwanda Military Academy. Lieutenant Colonel Mutiganda participated in the January 2006 Next Generation of African Military Leaders Course in Washington, DC.

Maritime Partnerschaften
Seit etwa zwei Jahren umschiffen die US-Marine und die europäischen NATO-Verbände nahezu dauerhaft Afrika (z.b. hier, hinzu kommen noch der NATO-Einsatz Active Endeavour im Mittelmeer und Enduring Freedom am Horn von Afrika als Dauer-Einsätze), einerseits um Präsenz zu zeigen, andererseits um an Land zu gehen und die dortigen Militärs von der Bedeutung der Seesicherheit zu überzeugen und ihnen maritime Partnerschaften anzubieten oder gemeinsame Übungen durchzuführen. Besonders wichtig sind den USA dabei gerade besonders die westafrikanischen Staaten. Wie das ungefähr abläuft, dafür nennt das aktuelle “E-Bulletin” zwei Beispiele:

While in Port Louis, Ashland and her crew will participate in military information exchanges with the Mauritian Coast Guard, practicing damage control and maritime interdiction operation techniques.

The U.S. Navy’s Africa Partnership Station (APS) arrived in Dakar, Senegal, on April 2 to provide a variety of training courses for more than 100 members of the Senegalese Navy. This marks the 15th port stop of the APS, which aims to enhance regional and maritime safety and security in West and Central Africa.

Nasty Neighbors. Resolving the Chad–Sudan Proxy War
Das selbe Bulletin weist auch auf eine Analyse der Crisis Group und des Center for American Progress über den Konflikt in Tschad. Das von beiden initiierte Enough-Projekt kennt die Lösung für diesen Konflikt, in welchen Sudan und China freilich als Bösewichter involviert sind. Die EUFOR-Mission muss verstärkt werden und könnte in einem Jahr durch eine UN-Peacekeeping-Mission abgelöst werden. Interessanter fast noch als diese kolonialen Pläne sind die Aktivitäten Débys, von denen berichtet wird:

After Chadian government forces beat back the Chadian rebel assault on N’Djamena in February, Déby began preparations for the next coup attempt: He dispatched senior aides to Ukraine to purchase weapons, began construction on a huge trench encircling the capital, laid concrete blast barriers at the gates of the presidential palace, and cut down thousands of trees in the capital to prevent rebels from using them as cover. Déby’s defensive strategy is obvious: invite the Chadian rebels back for a final showdown in the streets of N’Djamena—home to 700,000 people—and cede the rest of the country by implication.

So schlimm natürlich ein Häuserkampf in N’Djamena angesichts der zivilen Verluste wäre, stellt sich vor allem die Frage, wer anschließend das aufgegebene Hinterland zwischen Libyen, Sudan und der ZAR kontrollieren würde: Der Sudan oder die EUFOR? Könnte das der tatsächliche Hintergund der EU-Intervention sein? Kann man Solana und seinen Schergen wirklich so viel Voraussicht zutrauen und will die EU wirklich die Kontrolle über dieses Territorium ausüben (müssen)?

Wasser- und Holzmangel im Flüchtlingslager / Drohnen an der Grenze zum Sudan

Montag, 30. Juni 2008

Wasser- und Holzmangel im Flüchtlingslager Iridimi wird in diesem Artikel auf Afrika.info beschrieben, auch wie und weshalb es zu Konflikten mit der bereits länger ansässigen Bevölkerung kommt und was dagegen unternommen wird:

Im weiten Umkreis des Flüchtlingscamps gibt es längst kein Brennholz mehr. Die lokale Hilfsorganisation ‘Adesk’ schafft es einmal im Monat auf Lastwagen herbei. Ihre Helfer sind stundenlang unterwegs, um etwas Brennbares zu finden und plündern dabei auch schon mal die kostbaren Holzvorräte anderer Gemeinden.
Die drei Tonnen Zweige, die die Laster abends im Lager abladen, werden von den Frauen gebündelt und abgewogen. Für jede der zehn Lagerzonen gibt es nur eine Lieferung pro Monat. Obwohl nach Ansicht der UN Flüchtlingen pro Tag ein Kilo Brennholz zusteht, erhalten die Menschen in Iridimi gerade mal ein Drittel dieser Menge, berichtete die CARE-Mitarbeiterin Caroline St. Mieux.

Auch die Trinkwasserressourcen des Lagers werden nicht mehr lange reichen. Den hier genutzten 15 Meter tiefen traditionellen offenen Brunnen mit seinem klaren, mineralhaltigen Wasser hatten die Einwohner von Iriba vor Jahren angelegt und wollten ihn anfangs nicht mit den Flüchtlingen aus dem 2004 eingerichteten Lager Iridimi teilen. Es kam zu Schlägereien zwischen den Frauen aus Iriba und den Fremden.
Inzwischen haben beide Seiten traditionelle Komitees gegründet, die bei der Wasserverteilung vermitteln. Auch heute noch geraten sich gelegentlich an den Zapfstellen wartende Frauen in die Haare, doch es bleibt bei Rangeleien um das immer knapper werdende Trinkwasser.

Um auch einen Teil der kurzen, aber kräftigen Sommerregen nicht ungenutzt in die Wadis, die Regenflüsse, abfließen zu lassen, haben sie am Ufer innerhalb und außerhalb des Lagers ein Netz von provisorischen Dämmen gebaut, die die Regenfluten aufhalten, damit sie im Boden versickern können.
In diesem Jahr ist der Bau eines solideren Betondamms geplant.

CARE bietet allen Familien mit drei und mehr Personen einen ‘Save 80′ genannten Sparkocher an, der, wie der Name sagt, Wärme speichert und nur ein Fünftel der für eine offene Feuerstelle benötigten Holzmenge verbraucht. Bislang ist die Nachfrage nach dem hochmodernen Gerät gering, denn sein Preis von umgerechnet 100 US-Dollar ist für die meisten Flüchtlingsfamilien unerschwinglich.

EU setzt Drohnen an der Grenze zum Sudan ein.
Per Mail erreichte uns eine Meldung von Agence France-Presse, wonach die EUFOR an der Grenze zwischen Tschad und Sudan unbemannte Flugkörper mit Infrarot-Kameras einsetzt:

Zur Unterstützung der EUFOR-Schutztruppe im Tschad hat Frankreich elf Drohnen an der Grenze zur sudanesischen Krisenprovinz Darfur stationiert. Die unbemannten Flugzeuge zur Luftaufklärung würden von Forchana aus eingesetzt, das wenige Kilometer vom Sudan entfernt liege, teilte der französische Generalstab am Freitag in Paris mit. Die auch mit Infrarot-Kameras ausgestatteten Drohnen lieferten seit gut einer Woche “Tag und Nacht” Bilder. Die EU-Truppe könne damit den Zustand von Landepisten in der Regensaison überwachen, “aber vor allem Bewegung bewaffneter Gruppen kontrollieren”, sagte ein Generalstabssprecher. Dies sei im Umkreis von 400 Kilometern um den Startplatz möglich.

Drohnen werden gerade überall sehr gerne eingesetzt, bei der Fußball-EM, an den EU-Außengrenzen, in den Banlieus, in Afghanistan und Irak. Drohnen eignen sich auch für niedrigschwellige Souveränitätsverletzungen. Sie können mal sehr leicht “aus Versehen” in sudanesisches gebiet eindringen oder dort sogar abstürzen. Sie werden von Soldaten gelenkt und deshalb handelt es sich streng genommen um einen Angriff. Der Sudan könnte also auch irgendwie militärisch reagieren und schon wäre das gezielt eskaliert.