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What ambitions for European defence in 2020?

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Um ihre Strategie weiterzuentwickeln, hat die EU 2001 ihr Strategic Studies Institute gegründet. Dieses publiziert regelmäßig Studien zu einzelnen Ländern und Regionen, Rüstungsvorhaben und anderen Sachbereichen. Mitte dieses Jahres hat das EUISS auch ein Buch herausgegeben, in dem verschiedene Größen aus Politik, Militär und Wissenschaft (wobei diese Bereiche ineinander fließen zu scheinen) ihre Sicherheitspolitischen “Ambitionen” für das Jahr 2020 vorstellen. Javier Solana hat für dieses Buch ein Vorwort verfasst, der heutige Direktor des EUISS, Álvaro de Vasconcelos, eine Einleitung und die frühere, Nicole Gnesotto, einen Beitrag. Es handelt sich also um ein durchaus offiziöses Dokument von hohem Stellenwert, das auch im Internet abrufbar ist.
Ich persönlich halte es für das wichtigste Strategie-Dokument seit der Europäischen Sicherheitsstrategie. Im Vergleich zu dieser ist es durchaus Komplex. So wird zum Beispiel die Frage nach der zukünftigen Legitimität EUropäischer Interventionen von mehreren AutorInnen angesprochen, auch zum Verhältnis zur NATO gibt es unterschiedliche Positionen. Relativ deutlich wird die Sichtweise, dass die eigentliche Verteidigung EUropas weiterhin durch die NATO gewährleistet werden soll und die EU deshalb Zeit und Luft hat, weltweit gestaltend zu intervenieren. Gegenüber der NATO verfüge die EU über mehr zivil-militärische Mittel und damit über einen Vorteil, der ausgebaut werden müsse.
Da die EU also nicht mit der im engeren Sinne militärischen Verteidigung beschäftigt sein wird, kann sie sich neue Betätigungsfelder suchen. Hier provoziert insbesondere Tomas Ries, der von globalen Klassenkonflikten und “Barrier Operations” schreibt, mit denen die Welt der Reichen von den Problemen der Armen abgeschottet werden müssten. Z.B. so:

“the key political fault lines generating violent conflict have shifted from within the elite peer community to the tensions between unequal socioeconomic classes of society…” (57)

“Boots on the Ground (BOG) operations, providing security for conflict resolution or state building, from consensual peacekeeping to enforcement. Such peace operations differ from the direct unleashed use of violence since they are in essence a subordinate part of a broader social engineering campaign…” (57)

“The defining political fault lines generating major vuiolent confrontations are shifting away from yesterday’s horizontal peer competition between elite states and towards the vertical tensions between different global socioeconomic strata…” (61)

“Barrier operations – shielding the global rich from the tensions and problems of the poor. As the ratio of the world population living in misery and frustration will remain massive, the tensions ans spillover between their world and that of the rich will continue to grow. As we are unlikely to have solved this problem at its root by 2020 – i.e. vy curing dysfunctional societies – we will need to strengthen our barriers. It is a morally distasteful, losing strategy, but will be unavoidable if we cannot solve the problems at their roots…” (67)

Besonders dieser Beitrag wurde in der Presse und auch in einem sehr kritischen Beitrag von Report Mainz über Frontex aufgegriffen.

Trotzdem wurde hier mal etwas an sich ungeheuerliches, der Krieg gegen die Armut als explizites Programm, in die Runde geworfen und wird nun kontrovers diskutiert. Wir können uns denken, wo die Reise hingeht…

Sehr einig sind sich die AutorInnen in ihrer Position zum Vertrag von Lissabon. Ist ja auch klar, denn der enthält die Vorbedingungen für eine vertiefte Militarisierung der EU. Die Äußerungen aus dem Buch zu diesem Vertrag hat die IMI zusammengefasst.

Das muss jedoch noch deutlich intensiver aufgearbeitet werden…

Weltbank: Nahrungsmittelpreise stoßen 105 Mio. Menschen zusätzlich in Armut - Aufhebung der Exportzölle und -beschränkungen gefordert

Dienstag, 29. Juli 2008

Die Weltbank hat zum G8-Gipfel eine Studie zur Nahrungsmittelkrise vorgelegt. Zahlreiche Gründe werden für die steigenden Preise genannt, darunter die Förderung von Biotreibstoffen in USA und EU, steigende Preise für Öl und Dünger sowie Exportrestriktionen insbesondere in Indien.

Zu zahlreichen einzelnen Ländern im Mittleren Osten, Afrika und Asien finden sich Zahlen und werden Hintergründe angerissen. Die Auswirkungen im globalen Maßstab werden wie folgt beschrieben:

Preliminary estimates suggest that up to 105 million people could become poor due to rising food prices alone. A recent World Bank study in eight countries estimates that the increase in food prices between 2005 and 2007 increased poverty by 3 percentage points on average. Extrapolating these results globally suggests that, as a result of the rise in food prices, total world poverty may have increased by 73 million to 105 million people (lower and upper bounds depend on assumptions on the extent to which world prices are passed through to local prices – see Annex 2 for more details). Results from recent simulations suggest that the food price crisis could lead to close to 30 million additional persons falling into poverty in Africa alone…
In Liberia, the cost of the food basket for a typical household increased by 25% in January alone. As a result the poverty rate has risen from 64% to over 70%. In Yemen, the doubling of the price of wheat and bread has resulted in a 12% loss in real income of the poor. Such setbacks may reverse the gains made in reducing poverty over the last seven years. In Honduras, the rise in food prices is estimated to have increased poverty by four percentage points from 51% to 55%, while in Sierra Leone the food crisis has raised poverty by 3 percentage points, to 69%. In Djibouti, the increase in food prices over the past three years is estimated to have led to an increase in extreme poverty from 40% to 54% (See Annex 2 for more country-specific impacts)…
Recent increases in food prices in Bangladesh have not only increased poverty, but also raised the Gini index of inequality by five percent. This is due to the benefit that larger farmers accrue relative to smaller farmers and to the urban poor. Similarly, the effective rate of inflation faced by the poor in Latin America is 3 percentage points more than the official rate (see Annex 2) implying that rich-poor gaps are widening.6 In Vietnam, while a significant number of those close to the poverty line are net sellers of rice and benefit from rising prices, the poorest in rural areas benefit least and those in urban areas are worst affected.7 As a result, inequality across and within regions in Vietnam is likely to increase. The complexity of poverty and distributional impacts of rising food prices warns against sweeping, ‘onesize fits all’ responses…
Even stable, high growth countries are not immune to the damaging effect of escalating food prices on child malnutrition.

IRINNews fasst hier die Diskussion um die Ursachen, wie sie auch von der Weltbank geführt wird etwas knapper und verständlicher zusammen. Die Welbank ihrerseits erhebt zahlreiche Forderungen, was nun zu tun sei, die ich weder im einzelnen noch insgesamt bewerten kann. IRINNews geht an anderer Stelle insbesondere auf die von der FAO unterstützte Forderung ein, per UN-Resolution den Staaten Zölle und Exportbeschränkungen für humanitäre Lebensmittelexporte, also solche, die für arme Bevölkerungen vorgesehen sind, zu untersagen. Klingt erstmal logisch und sinnvoll. Auf der anderen Seite werden den Staaten damit wieder Spielräume für “eigene Sozialpolitik” genommen und diese an globale Planungsorganisationen übertragen.