Proteste in Kaschmir eskalieren weiter
Nachdem indische Sicherheitskräfte einen gemäßigten Führer der Unabhängigkeitsbewegung erschossen haben, kam es trotz Ausgangssperre zu heftigen Protesten. Indische Polizisten und Soldaten erschossen dabei zehn Menschen, über 80 wurden verletzt. Die Krankenhäuser in Srinagar haben zusätzliches Personal angefordert und zu Blutspenden aufgerufen.
Die Ereigniskette wird von afp in etwa so dargestellt:
Die Übergabe von Land an hinduistische Pilgerer wurde nach muslimischen Protesten zurückgenommen. Daraufhin kam es zu Übergriffen durch Hindus und einer Blockade der wichtigsten Versorgungsroute ins Kaschmir-Tal. Verschärft wurde die Lage durch Ausgangssperren und einige Lebensmittel wurden knapp, während die Bauern ihre Früchte nicht verkaufen konnten. Daraufhin gab es am Montag (11.8.) einen großen Marsch über die “Grenze” nach Pakistan (die Line of Control), wo sich die Händler mit Waren versorgten und die Ernte verkauften. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen unter ungeklärten Umständen prominente Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung getötet wurden, darunter Sheikh Abdul Aziz. An dessen Beerdigung heute nahmen trotz einer landesweiten Ausgangssperre geschätzte 50.000 Menschen teil, sie durchbrachen Polizeiabsperrungen und befreiten Menschen, die unter Hausarrest standen. Während der Proteste wurde dann das Feuer auf Demonstranten eröffnet.
Der Artikel von afp thematisiert weniger die Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen, sondern den Wunsch der Bevölkerung nach Freiheit und Unabhängigkeit. Er kritisiert auch die massive Militärpräsenz in der Region.