Presseschau zu Gefechten im Osten Tschads

Mitte Juni haben die Rebellen im Tschad einige Ortschaften im Osten überfallen, darunter auch Goz Beida, das nur etwa fünf Kilometer neben einem von der EUFOR bewachten Flüchtlingslager liegt und nur etwa 20 Kilometer von Abéché, wo französische Truppen und die EUFOR stationiert sind und viele humanitäre Organisationen ihren Hauptstützpunkt haben. Bei Goz Beida sahen sich irische Soldaten gezwungen, Warnschüsse abzugeben. Sie griffen allerdings nicht ein, bis sie selbst in unmittelbarer Gefahr waren und verhinderten nicht, dass Büros des UNHCR geplündert und Mitarbeiter der Organisation bedroht wurden. Daraufhin richtete die lokale Sprecherin des UNHCR scharfe Kritik an die EUFOR, die später von der UNHCR-Führung zurückgenommen wurde. Auch Déby warf der EU vor, mit den Rebellen unter einer Decke zu stecken. Solana wies diese Kritik zurück und betonte den guten Kontakt mit Déby. Der französische Außenminister drohte jedoch, dass Engagement seiner Soldaten für Déby zu beenden.

Die meisten Seiten äußerten sich überrascht über die gute Ausrüstung und Mobilität der Rebellen. Sie verfügten offensichtlich über 500-600 Fahrzeuge und bis zu 7.000 Soldaten. Sie verabredeten sich für bestimmte Orte und würden dann in kleinen Gruppen unterschiedliche Routen fahren, damit die französische und europäische Luftaufklärung ihr Ziel nicht bestimmen kann. Die eingenommenen Städte werden nicht besetzt, sondern bald wieder verlassen.

Was damit bezweckt werden soll ist unklar. Zwar gaben die Rebellen an, die westliche Hauptstadt angreifen zu wollen, stattdessen sind sie aber Richtung Nordosten vorgedrungen. Dort gab es auch Gefechte mit der nationalen Armee des Tschad, welche diese wohl für sich entscheiden konnte. Auf jeden Fall ist es den Rebellen gelungen, Stärke zu demonstrieren und auch, Zwietracht zwischen Déby und der EU zu sähen. Zwischendurch lobte ein Rebellenführer die Zurückhaltung der EUFOR und sprach sich für deren Verbleib in Tschad aus, zuletzt reklamierten die Rebellen, ab jetzt würden sie für die Sicherheit der humanitären Organisationen sorgen. Eine andere Vermutung wurde geäußert, wonach die Rebellen Débys Truppen aus der Hauptstadt locken wollen, um diese anzugreifen.

Dies ist bislang nur eine kurze Zusammenfassung einiger Presseartikel, bessere Quelle konnte ich bislang nicht finden. Ergänzungen sind also willkommen.

Nachträgliche Korrektur: Abéché liegt mindestens 150km nord-nordöstlich von Goz Beida. Gute Karten, in denen die verschiedenen Camps etc. des UNHCR eingetragen sind, gibt es hier.

Tags: , ,

Eine Antwort zu “Presseschau zu Gefechten im Osten Tschads”

  1. Bilder sagt:

    zum Einsatz gibt´s u.a. hier. So harmlos sieht das gar nicht aus…
    http://shadowspear.com/vb/showthread.php?t=12433

Hinterlasse eine Antwort

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.