Archiv für die Kategorie ‘Nahrungskrise’

Haiti als Testfall für Zivil-Militärische Zusammenarbeit bei der NATO

Donnerstag, 18. Februar 2010

Dass sich die Katastrophe in Haiti als Testfall nicht nur für die EUropäische Außenpolitik, die European Gendarmerie Force und das zivil-militärische Krisenmanagement insgesamt “anbietet”, ist ja klar. Dass und in welchem Maße hieran nun auch die NATO beteiligt ist, dafür einige Beispiele. Hier zunächst einige Links, die davon berichten, dass sowohl von der erst vor drei Jahren in Ungarn stationierten Strategic Airlift Capability (SAC) als auch vom NATO-Stützpunkt in Gailenkirchen Hilfslieferungen von der NATO im Auftrag ziviler Behörden nach Haiti geflogen wurden:

C17 conducts third humanitarian relief flight to Haiti
NATO Aircraft transports humanitarian aid for Haiti

Besonders spannend finde ich aber den Bericht über das offensichtlich noch im Experimentierstadium befindliche Civil-Military Fusion Centre (CFC) am für die Transformation zuständigen Hauptquartier der NATO (Allied Command Transformation, ACT) in Norfolk, Virginia. Diese betreiben eine Webseite mit dem Titel Civil-Military Overview (CMO).

Insgesamt bietet dieses “Portal” auf den ersten Blick wenig Informationen oder zumindest Zugang zu diesen. Schnell wird aber klar, dass die Haiti-Sonderseite auch der Profilierung dienen soll. So werden hier zahlreiche, wenn auch wenig brauchbare Karten, Übersichten, Berichte und Pressemitteilungen über Hilfslieferungen gesammelt und thematisch geordnet(”Cluster”) zugänglich gemacht. Es liefert einen guten Überblick über die militärischen Koordinierungsbemühungen der Katastrophenhilfe von Morgen - und den Einblick, dass es letztlich doch die zivilen Helfer und hilfsorganisationen sind, die wirklich helfen.

Wer auf täglicher Ebene möglichst genau nachverfolgen will, wie die Situation in Haiti aussieht und was die internationale Gemeinschaft tut, mag die Seite mit den Situation Reports hilfreich finden. Dort sind nicht nur die täglichen Berichte des OCHA, USAIDS und des britischen Department for International Development dokumentiert, sondern auch diejenigen der US-Amerikanischen Joint Task Force (JTF) Haiti, die sich (auch bei Youtube, Twitter und Flickr) alle Mühe gibt, ihre gute Zusammenarbeit mit der Haitianischen Regierung, den UN usw. zu betonen.

Hier finden sich beispielsweise die Bilder eines MINUSTAH-Aufklärungsfluges, mit dem der Zustand der Häfen in Haiti festgestellt werden sollte.

Medien-Offensive des Agrobusiness (3)

Sonntag, 06. September 2009

Der Begriff Medienoffensive suggeriert Fernsehberichte und Schlagzeilen in der Tagespresse. Daran ist hier aber weniger gedacht. Für die Meinungsbildung, besser Meinungsbeeinflussung, von “Führungskräften”, speziell Politikern mit Entscheidungsgewalt, haben Produkte von “Denkfabriken”, die sich in Publikationsorganen wie Foreign Policy oder Washington Quarterly niederschlagen, eine ungleich größere Bedeutung. In “Denkfabriken” wiederum greift man gern auf wissenschaftliche Publikationen zurück, um die eigene Synthese zu fundieren. Die Korrektheit der Publikationen in Fachjournalen kann durch den sogenannten Peer Review zwar nicht garantiert, aber immerhin gefördert werden. Hinter dem Peer Review verbirgt sich die Beurteilung eingereichter Manuskripte durch zwei oder drei (möglichst) unabhängige Gutachter, die von den Herausgebern der Fachzeitschrift um ihr Urteil gebeten werden.

Insofern ist es alarmierend, dass vermeintlich wissenschaftliche Publikationen zur grünen Gentechnik bereits vor der Einreichung bei den Redaktionen der Fachzeitschriften einer strikten Zensur unterliegen, und das seit nunmehr 10 Jahren.

In der August-Ausgabe des Scientific American, einem Wissenschaftsmagazin, das im deutschen Sprachraum etwa dem Spektrum der Wissenschaft vergleichbar ist und nicht in dem Verdacht steht, Teil der Anti-Gentechnik-Front zu sein, wird darüber berichtet, dass die Gentechnikkonzerne von ihren “geistigen Eigentumsrechten” Gebrauch machen, um unliebsame Publikationen von vornherein zu verhindern.

In einem von 24 WissenschaftlerInnen unterschriebenen Brief wird die Environmental Protection Agency (EPA, US-Umweltbehörde), um veränderter Regeln bei der Forschung zu gentechnisch veränderten Sorten gebeten. Elson J. Shield (Cornell University), Sprecher einer Gruppe von 24 EntomologInnen, die sich auf Maisschädlinge spezialisiert haben und von denen die meisten aus Angst vor Vergeltungsaktionen anonym bleiben wollen, verwies darauf, dass nur Manuskripte, die von Monsanto, Pioneer und Syngenta genehmigt wurden, jemals bei den Redaktionen der Wissenschaftsjournale eingereicht werden. Der Knebel, um diesen Gehorsam zu erreichen, sind die an den Verkauf des Saatguts gekoppelten Endnutzer-Lizenzen (und gerichtliche Schritte bei Verstoß gegen diese Lizenz). Damit können die Konzerne jegliche unabhängige Forschung zur Qualität und zu Umwelt- und Gesundheitsrisiken ihrer Produkte unterbinden.

“Unfortunately, it is impossible to verify that genetically modified crops perform as advertised. That is because agritech companies have given themselves veto power over the work of independent researchers. To purchase genetically modified seeds, a customer must sign an agreement that limits what can be done with them. (If you have installed software recently, you will recognize the concept of the end-user agreement.)”,

heißt es im Scientific American, um mit der fragwürdigen, aber nicht überraschenden Feststellung fortzufahren

“Agreements are considered necessary to protect a company’s intellectual property, and they justifiably preclude the replication of the genetic enhancements that make the seeds unique.”

Dabei gehen die Konzerne aber noch eine wesentlichen Schritt weiter.

“But agritech companies such as Monsanto, Pioneer and Syngenta go further. For a decade their user agreements have explicitly forbidden the use of the seeds for any independent research. Under the threat of litigation, scientists cannot test a seed to explore the different conditions under which it thrives or fails. They cannot compare seeds from one company against those from another company. And perhaps most important, they cannot examine whether the genetically modified crops lead to unintended environmental side effects”,

und das is selbst dem Scientific American zu viel.

Elson Shields weist daraufhin, dass es nicht bei beim Blockieren von Publikationen bleibt, sondern dass bereits beim Verkauf des Saatguts potentiell unliebsame ForscherInnen aussortiert werden.

“It is important to understand that it is not always simply a matter of blanket denial of all research requests, which is bad enough, but selective denials and permissions based on industry perceptions of how ‘friendly’ or ‘hostile’ a particular scientist may be toward [seed-enhancement] technology.”

Sind wir in Aldous Huxley’s “Schöner neuer Welt” angekommen? Der Agrobusiness würde sich das wohl wünschen.

Klaus Pedersen

Medien-Offensive des Agrobusiness (2)

Montag, 31. August 2009

In ihrem Beitrag “The Coming Food Coups”, der im Januar 2009 im Washington Quartely erschien, das vom Center for Strategic and International Studies herausgegeben wird, befassen sich Natsios und Doley mit den humanitären, politischen und Sicherheitskonsequnezen der Preiexplosionen bei Nahrungsmitteln. Dabei ist für sie die Famine Theory ein hilfreiches Werkzeug, also die Theorie von den Hungersnöten, “a body of knowledge about the microeconomic dynamics of famines, the vulnerability of people to food price shocks, and the common patterns of behavior people use to try to survive in different stages of a famine“.

Ihrer Meinung nach müssen Politiker ausgerüstet sein, um die Sicherheits- (und andere) Konsequenzen derartiger Entwicklungen zu minimieren. Dabei betrachten sie - im Gegensatz zu Paul Collier (vgl. Medien-Offensive des Agrobusiness [1]) - die Rücknahme von Subventionen (z.B. für Agrotreibstoffe) in einer bürgerlichen Demokratie als unrealistisch.

“The likelihood of a substantial reduction in U.S. corn-based ethanol subsidies is unlikely. Once democratic governments begin to subsidize something, withdrawing the subsidy becomes politically very difficult, mainly because the subsidies create constituencies which make a great deal of money and wield substantial political power.”

Im Abschnitt “What We Know About Famine” führen uns die Autoren zu folgender erstaunlicher Erkenntnis:

“Famines are seldom caused by the absence of food, but rather by an individual’s inability to access food that is available.”

So weit so gut. Zugleich wird uns aber mitgeteilt, dass die Hungersnot in dem Maße abnimmt, in dem sich die Zahl der zu stopfenden Mäuler durch den Tod des schwächeren Teils der Bevölkerung verringert:

“Famine is … climaxing in widespread mortality, and then followed by reduced mortality as the death of the most vulnerable people reduces the number of mouths to feed.”

Liegt es also doch an der Menge der verfügbaren Nahrungsmittel ? So richtig schlau wird man aus der zynischen Betrachtungsweise der Autoren nicht.

Ausgehend von der Feststellung, dass das Horten von Nahrungsmitteln die Versorgungssituation verschlimmert, kommen die Autoren unter bemerkenswerter Ignorierung der Tatsache, dass die Spekulation an den Rohstoffbörsen, also Horten in globalem Maßstab, maßgeblich zur 2008er Preisexplosion beigetragen hat, zu der frappierenden Einsicht:

“Market-based interventions work best to stop hoarding.”

Interessant für eine Publikation aus dem Center for Strategic and International Studies ist das Eingeständnis, “The Iraqi insurgency was partially fueled by the migration of destitute young men from rural areas” auch wenn schützend die Behauptung hinzugefügt wird “where the agricultural economy had collapsed before the Iraq war had begun.”

Für Afghanistan sehen es die Autoren ähnlich: “…(T)he increase in food prices in Afghanistan, … may contribute to an increase in the number of Taliban recruits.”, was in Anbetracht der Tatsache, dass trotz zig Milliarden “Entwicklungshilfe” (militärischer und ziviler Art) 35% der 26.6 Millionen Afghanen chronisch hungern, nicht verwunderlich ist. Im ersten Halbjahr 2008 hat es 12 bewaffnete Überfälle auf Nahrungsmittelkonvois de World Food Program (WFP) gegeben, im Jahr 2007 waren es insgesamt 30 (Zur Instrumentalisierung des eigentlich der UNO unterstehenden WFP für die US-amerikanische Außenpolitik siehe hier).

Das sicherste Mittel gegen Hungersnöte, so schlussfolgern Natsios & Doley, ist eine gut funktionierende bürgerliche Demokratie. Ihr schlagkräftigster Beweis ist, dass es in Indien seit Einführung der Demokratie keine Hungersnot mehr gegeben habe. Mehrere Hundert Millionen chronisch Hungernder fallen da offenbar ebenso wenig ins Gewicht wie die Tatsache, dass sowohl während der Hungersnöte in Indien im 19. Jahrhundert als auch während der Great Irish Famine (1845-1852) ein Nettoexport von Lebensmitteln ins demokratische “Mutter”land Großbritannien stattfand. Diese Hungersnöte hielten übrigens den Kriterien von Natsios & Doley stand - es waren solche, bei denen sich an ein “Klimaxstadium verbreiteter Mortalität eine Periode abnehmender Mortalität” anschloss.

Die Autoren, die Food Riots und die daraus resultierenden Sicherheitskonsequenzen fürchten, greifen am Ende ihres Beitrages in die Kiste mit den guten Ratschlägen, um im Abschnitt “What to do” mit einer “Vier-Zinken-Strategie künftigen Preisanstiegen entgegen zu wirken”.

Zinke 1: Investitionen in landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme, einschließlich 1,2 Milliarden Dollar von der Weltbank; Verdopplung des Budgets der Consultative Groups on International Agricultural Research (CGIAR); verstärkte Investitionen in gentechnisch modifizierte (GM-) Sorten; Grüne Revolution für Afrika; und eine Gegenoffensive gegen die anti-Biotechnologie und anti-GM-Kampagnen.

Zinke 2: Etablierung eines Frühwarnsystems “to meet rapid increases in food prices with new tools, new market-based approaches, and improvements in existing tools“, ähnlich dem “Famine Early Warning Systems Network” (FEWS NET) von USAID, FEWS NET sollte über die bisherigen 25 Länder hinaus ausgedehnt werden.

Zinke 3: Marktinterventionen (wieso das jetzt plötzlich ?).

Zinke 4: Einstampfen der Subventionen für die Herstellung von Agrotreibstoffen aus Getreide (nun also doch !?).

Klaus Pedersen

Medien-Offensive des Agrobusiness (1)

Samstag, 22. August 2009

Innerhalb der letzten 12 Monate sind mehrere einflussreiche Publikationen der Befürworter von Gentechnik und industrieller Landwirtschaft erschienen Hier werfen wir einen Blick auf den ersten dieser Beiträge, den Walden Bello in seinem Text “The global food price crisis: A critique of orthodox perspectives“ als „Perhaps the most influential orthodox view on the causes, dynamics, and solution to the food price crisis“ bezeichnet (http://www.worldhunger.org/articles/09/editorials/bello.htm). Kaum überraschend, wird Colliers Beitrag vom World Food Program als Informationsquelle angeboten (http://www.wfp.org/content/politics-hunger-foreign-affairs).

Der Text von Paul Collier, Ökonomie-Professor und Direktor des Center for the Study of African Economies an der Universität Oxford, erschien 2008 in der November-Ausgabe von Foreign Affairs mit dem Titel “The Politics of Hunger“.

In seiner Analyse ermittelt Collier drei Bedrohungen für die Welternährung: die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die US-Subventionen für Agrosprit (der dort fast ausschließlich aus Mais gewonnen wird) und die europäische Zurückhaltung bei der Nutzung von gentechnisch modifizierten (GM-) Sorten. Sein Lösungsvorschlag: Die rasche Ausdehnung der industriellen Landwirtschaft und sofortige Abschaffung der US-Subventionen für Agrosprit. Später dann (weil die Entwicklung einer neuen GM-Sorte etwa 15 Jahre in Anspruch nimmt) der große Befreiungsschlag: Gentechnik für alle und überall. Mit den ersten beiden Maßnahmen schlägt er vor Zeit zu schinden, bis die ultimative Lösung dann greift.

The three policies — expanding large commercial farms, ending the GM-crop ban, and doing away with the U.S. subsidies on ethanol — fit together both economically and politically. Lifting the ethanol subsidies would probably puncture the present ballooning of prices. The expansion of commercial farms could, over the next decade, raise world output by a further few percentage points. Both measures would buy the time needed for GM crops to deliver on their potential (the time between starting research and the mass application of its results is around 15 years). Moreover, the expansion of commercial farming in Africa would encourage global GM-crop research on Africa-suited crops, and innovations would find a ready market not so sensitive to political interference.

Collier’s Strategie wäre in ihrer Simplizität fast zu belächeln, würde dahinter nicht der bittere Ernst von Millionen Dollar u.a. der Melinda & Bill Gates-Stiftung für eine “Neue Grüne (gentechnische) Revolution in Afrika” stehen. Zu den amüsanteren Passagen gehört seine Erklärung, worauf die europäischen Gegnerschaft zur Gentechnik zurückzuführen ist – auf einen tief sitzenden Antiamerkanismus. Den gordischen Knoten durchschlägt er mit “Opferbereitschaft”: einerseits müssen die amerikanischen Agrospritsubventionen geopfert werden, weil es aus seiner Sicht bessere Lösungen gibt …

If the United States wants to run off of agrofuel instead of oil, then Brazilian sugar cane is the answer.

… zum anderen als Zeichen des guten Willens gegenüber Europa - “Wir opfern etwas, also opfert auch Ihr etwas” - gebt Eure negative Einstellung zu GM-Sorten auf!

One such message concerns the scope for international reciprocity. Although Americans are attracted to homegrown fuel, they are infuriated by the European ban on GM crops. They see the ban for what it is: a standard piece of anti-American protectionism. Europeans, for their part, cling to the illusory comfort of the ban on high-tech crops, but they are infuriated by the American subsidies on ethanol… the difficulties of reaching a deal on the mutual de-escalation of recent environmental follies is scarcely daunting: the United States would agree to scrap its ethanol subsidies in return for Europe’s lifting the ban on GM crops.

Interessant ist der Vorschlag, wie die Herzen und Köpfe der Gentechnik-Gegner gewonnen werden könnten: Ausgehend von der Feststellung, dass Millionen anständiger Bürger, sowohl in den USA als auch in Europa, sich Sorgen um den globalen Hunger machen, beklagt er, dass viele dieser anständigen Bürger leider gleichzeitig der Kleinbauern-Romantik verfallen seien. Wenn diese erstmal begriffen haben, dass die Gentechnik die Probleme des globalen Hungers lösen kann, werden sie zu Gentechnikbefürwortern konvertieren, wobei ähnlich wie in anderen Publikationen dieser Art, „Gentechnik“ und „wissenschaftliche Landwirtschaft“ synonym verwendet werden.

How might the romantic hostility toward commercial and scientific agriculture be countered politically? The answer is to educate the vast community of concern for the poorest countries on the bitter realities of the food crisis. In both the United States and Europe, millions of decent citizens are appalled by global hunger. Each time a famine makes it to television screens, the popular response is overwhelming, and there is a large overlap between the constituency that responds to such crises and the constituency attracted by the idea of preserving organic peasant lifestyles. The cohabitation of these concerns needs to be challenged. Many people will need to agonize over their priorities. Some will decide that the vision articulated by Prince Charles is the more important one: a historical lifestyle must be preserved regardless of the consequences. But however attractive that vision, these people must come face-to-face with the prospect of mass malnutrition and stunted children and realize that the vital matter for public policy is to increase food supplies. Commercial agriculture may be irredeemably unromantic, but if it fills the stomachs of the poor, then it should be encouraged.

Wenn es Collier bzw. der Gentechnik-Lobby gelingen sollte, einem Teil der entpolitisierten Gutmenschen diesen Unfug unterzujubeln, könnten tatsächlich einige von ihnen zur Gentechnik “bekehrt” werden.

Im Rest des knapp 12-seitigen Beitrags geißelt er vor allem die “Kleinbauern-Romantik”, wobei es ihm unter völliger Ausblendung der großen sozialen Bewegungen wie MST und Via Campesina um den Biobauern Prince Charles und die „Liebesaffäre der Mittel- und Oberschicht mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft geht.

The first giant that must be slain is the middle- and upper-class love affair with peasant agriculture. With the near-total urbanization of these classes in both the United States and Europe, rural simplicity has acquired a strange allure. Peasant life is prized as organic in both its literal and its metaphoric sense. (Prince Charles is one of its leading apostles.) In its literal sense, organic agricultural production is now a premium product, a luxury brand. (Indeed, Prince Charles has his own such brand, Duchy Originals.) In its metaphoric sense, it represents the antithesis of the large, hierarchical, pressured organizations in which the middle classes now work. (Prince Charles has built a model peasant village, in traditional architectural style.) Peasants, like pandas, are to be preserved.

Die Lanze, die Collier für Monsanto bricht, klingt dann schon wieder fast niedlich:

Although Monsanto, the main innovator in GM-seed technology, has undertaken never to market a seed that is incapable of reproducing itself, skeptics propagated a widespread belief that farmers will be trapped into annual purchases of “terminator” seeds from a monopoly supplier. Thus were laid the political foundations for a winning coalition: onto the base of national agricultural protectionism was added the anti-Americanism of the left and the paranoia of health-conscious consumers.

Auch sonst strotzt der Beitrag vor Weisheiten. Hungeraufstände sind die Basis für die hässliche Wiederauferstehung populistischer Politik (For centuries, sudden hunger in slums has provoked the same response: riots. This is the classic political base for populist politics, … , and the food crisis may provoke its ugly resurgence), der Reichtum der westlichen Gesellschaften ist dem Unternehmergeist einer Minderheit zu verdanken (In successful economies, entrepreneurship is a minority pursuit; most people opt for wage employment so that others can have the worry and grind of running a business), große Firmen (wie Monsanto, K.P.) internalisieren bestimmte Verluste, die von der bäuerlichen Landwirtschaft der Gesellschaft aufgebürdet werden (Large organizations can internalize the effects that in peasant agriculture are localized externalities) und so geht es fort.

Klaus Pedersen, 22.08.2009

URL: http://www.foreignaffairs.com/articles/64607/paul-collier/the-politics-of-hunger

Afrikas “Umweltprobleme” vom Satelliten aus gesehen

Dienstag, 14. Juli 2009

Es ist bestimmt einen Monat her, seit ich den AFRICA Atlas of Our Changing Environment des UNEP gefunden habe. Seit dem wollte ich hierzu einen Blog-Eintrag verfassen. Ich musste ihn freilich erst lesen und mir ein Bild von diesem Bildreichen Dokument machen, das man komplett mit 44 MB herunterladen kann. Weitere Grafiken und thematische Karten sowie die Möglichkeit eigene thematische Karten zu erstellen werden auf einer den Atlas ergänzenden Homepage angeboten.

Es fällt mir sehr schwer, dazu etwas zu schreiben. Hier wird eben die Satelliten-Perspektive angeboten. Menschen spielen keine Rolle, außer als Verursacher von Umweltproblemen und zur hübschen Illustration. Der Klimawandel spielt auch keine große Rolle, vielleicht, weil es hier v.a. um Entwicklungen der letzten 50 Jahre geht und um Entwicklungen, die ohnehin periodisch auftreten und um Entwicklungen (Verhinderungen von Wirbelstürmen durch Wüstensandverwehungen), die so komplex sind, dass vor diesem Hintergrund jede Prognose albern erscheint? Das immerhin aber ist erfrischend: Es werden nicht nur, wie in einem ebenfalls begleitenden Video [hier unter Multimedia], rein negative Entwicklungen berichtet. Verwirrend sind die Auswahl der Beispiele und die Werte auf deren Grundlage diese dargestellt werden. Implizit ist es natürlich schlecht, wenn ein See oder ein Wald schrumpft, aber das wird nie an die Lebensbedingungen der Menschen rückgekoppelt, die grundsätzlich eher Zerstörer als Nutznießer der Natur sind. Daneben stehen Aufnahmen von wachsenden Städten und Diamantenminen, bei denen gar nicht ganz klar wird, ob das nun eine positive Entwicklung sein soll. An vielen Stellen denkt man sich, wie ein solcher Vorher-Nachher-Vergleich wohl in Europa aussehen würde, wenn etwa die Zunahme an Infrastruktur dokumentiert wird (was dann wohl Umweltzerstörung bedeutet! - auch in der Sahara?).
Letzlich scheint es v.a. um schöne Satellitenbilder gehen und das mit diesen stets einhergehende Gefühl der menschenverachtenden Global-Governance-Omnipotenz. Für Recherchen kann der Atlas dennoch sicher nützlich sein. Aber was heißt eigentlich Umwelt?

Mehr als eine Milliarde Menschen hungern

Freitag, 19. Juni 2009

Tagesschau.de berichtete, wie viele andere auch:

UN legt Bericht vor
Mehr als eine Milliarde Menschen hungern

Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde leiden nach UN-Angaben Hunger - das entspricht einem Sechstel der Weltbevölkerung. Für den traurigen Rekord macht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Wirtschaftskrise und die anhaltend hohen Lebensmittelpreise verantwortlich. Die Situation sei ein “ernsthaftes Risiko für den Weltfrieden und die Sicherheit”, warnte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf. “Wir brauchen dringend einen breiten Konsens darüber, dass der Hunger in der Welt völlig und rasch ausgerottet wird.” Die notwendigen Programme dafür müssten endlich auf den Weg kommen.

Das 21. Jahrhundert drohe zum Hungerjahrhundert zu werden, warnte Barbara Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, angesichts der neuen FAO-Zahlen. Zwei von drei Hungernden lebten auf dem Land, also müsse die Hilfe dort ansetzen. Dieckmann verlangte für die Bekämpfung von Hunger und Armut “nur ein Prozent der von den Industrieländern aufgelegten Konjunkturprogramme”, zusätzlich zur Entwicklungshilfe.

Die von Unterernährung betroffenen Menschen leben alle in Entwicklungsländern, wie aus dem in Rom veröffentlichten FAO-Bericht hervorgeht. In Asien und der Pazifikregion leiden der Schätzung zufolge 642 Millionen Menschen chronisch Hunger, in Afrika - südlich der Sahara - sind es 265 Millionen. Insgesamt habe sich die Zahl der Betroffenen gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen erhöht. Die FAO legt ihren offiziellen Welthungerbericht im Oktober vor.

Hier der “Bericht” mit einigen Tabellen und Grafiken

Klima-Kolonialismus am Beispiel Tansania

Mittwoch, 10. Juni 2009

In einer neuen Zeitschrift des Lehrstuhls für Pan-Afrikanische Studien an der Universität Dar es Salaam, Tansania erschien bereits Anfang dieses oder Ende letzten Jahres ein spannender Artikel über die Pläne einer schwedischen Firma, Zuckerrohr bzw. Agrotreibstoffe auf 400,000 Hektar in Tansania anzubauen. Der Artikel behandelt dies als Beispiel für “Klima-Kolonialismus” und führt die Folgen auf die Landkauf und Anbau für Tansania haben würde. Dieser Artikel uns seine Autoren führten zu einer intensiven Debatte sowohl in Schweden, als auch in Tansania, woraufhin die schwedische Firma im Februar bekannt gab, dass sie das Projekt nicht weiter verfolgt.

Biofuels and neo-colonialism
Seif Madoffe, Salim Maliondo, Faustin Maganga, Elifuraha Mtalo, Fred Midtgaard and Ian Bryceson

As climate change forces economies around the world to cap carbon emissions, investors are pouring cash into the development of biofuels, as a replacement for fossil fuels. Seif Madoffe writes that this has led to ‘climate colonialism’ – ‘a massive land-grabbing scramble in Africa’, as European companies – some with foreign aid money support – rapidly establish enormous carbon monoculture fields in tropical countries. With reference to the Saadani National Park in Tanzania, Madoffe asks whether it is ethical for rich countries in the North to make ‘renewable’ carbon in places where it has serious negative impacts on poor people and tropical forests that will be cut down to create space for ‘carbon fields’ in monoculture plantations.

We are currently witnessing a new and massive land-grabbing scramble in Africa, unprecedented since the fall of colonialism. The ‘justification’ for this land-grabbing is supposedly that global climate change is threatening the entire world and that therefore huge tracts of land are required for the planting of biological crops which produce ‘biofuels’ which should replace ‘fossil fuels’ so as not to add net carbon dioxide to the atmosphere.

But this ignores the underlying fact that the vast majority of carbon dioxide is being produced by rich countries in the North who do not want to reduce their excessive fuel consumption and wastage levels. It is postulated by the proponents of ‘biofuels’ that enormous areas of unused (or under-used) land supposedly exist in Africa, which can be bought (cheaply) by commercial enterprises from the rich countries in the North. The logic is that rich countries can thus ‘buy’ their way out of a situation wherein they would otherwise have to drastically reduce their carbon dioxide production if indeed they really are serious about the threats posed by such emissions.

We shall explain why we consider these neo-colonial proposals for biofuels to be a new form of neo-colonialism – ‘climate colonialism’.

Several questions arise – are there really enormous areas of unused land? No, this is a myth. Should the re-incorporation of carbon into plant material happen where the carbon was emitted originally, or could it be ‘exported’ from one country to another? This raises problems in the context of unequal power relations and unfair commercial deals. Should one make ‘renewable’ carbon in places where it has serious negative impacts on poor people and tropical forests that will be cut down to create space for ‘carbon fields’ in monoculture plantations? Furthermore, should this be done by taking over large tracts of agricultural land in poor countries, using huge quantities of water and polluting the soil, the rivers and coastal ecosystems – for example, giant plantation projects owned by European or American corporations, subsidised by ‘development assistance’ funds?

This scenario requires urgent consideration because European companies – some with foreign aid money support – are rapidly establishing enormous carbon monoculture fields in tropical countries. In Tanzania alone, there are ambitious proposals put forward by more than twenty European companies to establish several sugar, Jatropha and palm-oil plantations in order to produce biofuels. We will elucidate this by examining one such sugar-ethanol example from coastal Tanzania.

In Tanzania, Saadani National Park is situated at the coast, and it serves as an important connection between the coastal environment of the Indian Ocean and inland areas. This National Park is an area with unique fauna and flora. Nearby, in the Zaraninge Forest reserve in Bagamoyo district there is a proposed sugarcane plantation site between the two major rivers of the area, Wami and Ruvu. These rivers provide fresh water to large tracts of natural land and are situated close to the coast adjacent to coral reefs, mangroves and other biologically diverse marine environments. There are several villages inhabited by many thousands of farmers and pastoralists. An enormous 22,000 hectares of this area has been leased by a Swedish company, SEKAB, for the production of ethanol for Sweden, supposedly to make Sweden more ‘eco-friendly’. SEKAB furthermore aims to expand to 400,000 hectares or more to include also areas in Rufiji.

What are the values found in the area that will be destroyed and what are the ecological and social consequences of this, both in Tanzania and in Europe?

SEKAB’s project is one of several that are intended to be located near the coast so that ethanol or vegetable oil may be easily exported by sea. The plantations are also placed where there is good availability of fresh water, and in places remote enough to make it ‘easier’ to marginalise local villagers and move them out of their traditional areas at a low cost to the rich corporations (if indeed any compensation is paid at all).

When a corporation wants to undertake such a huge change in an area, as for instance converting it from tropical forest to sugarcane monoculture, an assessment needs to be done (called ESIA, environmental and social impact assessment) as well as seeking approvals from different levels of the government in the country in question. Such assessments are usually done by consultant agencies, which are often from the same country as the corporation proposing the project.

The ESIA report for SEKAB’s proposed project has been prepared by the Swedish consultant company ORGUT. The report states that the projected plantation area is situated between the two major rivers, Wami and Ruvu, and that the plantation will extract water from Wami. ‘The Wami River is one of the major rivers draining the Eastern Arc Mountains’. The Eastern Arc Mountains are geologically old mountain ranges with unique flora and fauna with exceptionally many endemic species (species that are only found there). It is clear that the amount of water required by SEKAB from the Wami River to irrigate the 22,000 ha sugarcane farm will mean drying up and severe pollution of the Wami River. Most important, animals in the Saadani National Park depend on the river, as do mangroves and fishery resources which will suffer serious impacts due to water shortage and pollution from sugar-cane farming and ethanol processing. The routes used by the animals to approach the sea for salt licks will also be blocked. ORGUT’s report states that: ‘There is incomplete information on the amount of water available in the Wami River’. But the report does not mention the various serious scenarios for the National Park and forest reserve bordering the proposed plantation, the red listed animals there, or the coral reefs, mangroves and fisheries along the coast.

ORGUT’s report is quite extraordinary in its description of flora and fauna in the area which will become a sugarcane plantation. In addition to the Saadani National Park, the Zaraninge Forest reserve, part of Eastern Africa coastal forests which is one of the globally important biodiversity hot spots in East Africa, is located nearby and will be affected if the sugarcane plantation and biofuels factory are established. The area SEKAB wants to acquire consists of a number of forest types from woodlands with African ebony, Acacia and Terminalia, to mangrove forest on the coast and tall forest in the northern part with valuable tree species: ‘Afzelia quanzensis, Pterocarpus angolensis and Dalbergia melanoxylon that are found in the northern part of the Razaba area are valuable timber species and products from these species have a very high market value. However, the species are also threatened by both local and international demand and the abundances of these species in Tanzania have declined dramatically’. The report further states that many rare and endangered tree species occur in the area: ‘Such species include the endemic Encephalartos hildebrandtii (Cycad tree) and important timber trees such as Dalbergia melanoxylon (African ebony) and Trichalysia sp. which are threatened by unsustainable harvesting’.

The value of the timber on the land which has to be cleared for sugarcane production is high. Even before a final decision has been taken by the ministry on whether SEKAB will get a concession, timber is being cut. The sustainable Community Based Forest Management of the area, built up by the villagers, and which used to contribute considerably to the village economy, will now cease. It is unclear how significant the income from this timber is, compared to the future value of the sugarcane production. However, in several other cases, the companies must get a significant amount of money from the timber harvesting alone. In some cases it is likely that it will exceed the future biofuel income from the same areas.

With respect to fauna, ORGUT’s report states that: ‘The project area is potentially rich in wildlife and shares many species with the adjacent Saadani National Park’. The report further states that: ‘The area has high diversity of both resident and migratory bird species with composition and abundance of species changing with seasons due to inter-Africa and Palaearctic migrations. The importance of Makurunge area (also in Bagamoyo district) for bird conservation is indicated by the high abundance of birds observed during the EIA survey’. According to the report, many large mammals are found in the area earmarked for the sugarcane plantation: Lion, leopard, cheetah, sable antelope, wild dog, warthog, duiker antelope, Sykes monkey, black and white Colobus monkey, yellow baboon, elephant, hippo, wild pig, buffalo, reedbuck and others. ORGUT’s report further states that: ‘At least 34 species of mammals occurring in the project area are threatened according to the IUCN (International Union for Conservation of Nature) red list’.

According to the report, the area in question has been used by local hunters, small-scale farmers and fishermen for at least 1500 years. There are currently 3 villages in the area with a total of close to 6,000 people (probably an underestimate). A large number of pastoralists also live here, with a cattle population of between 10,000 and 50,000. All these will now be forced out and have to find new grazing lands. We consider their population estimates to be on the low side.

The report further states that ‘HIV/AIDS prevalence is still minimal’. Later in the report, when discussing the consequences of importing workers from the city to the plantation, it is stated that there will be an ‘increase in the risk of communicable diseases (e.g. HIV/AIDS) and (decreased) human health due to increased population of workers and social interaction’.

The energy needs of the local people are met almost entirely by firewood. This will of course become more difficult to collect when large areas have been converted into sugarcane plantations. Homes and livelihoods will be destroyed to give way to ethanol production for the European market. The displaced communities will be forced to clear other woodland areas for settlements, farming, fuelwood and grazing. This kind of deforestation is known as ‘leakage’ in GHG (Green House Gas) terminology, and increases Tanzania’s ‘C debt’ (carbon debt). In addition to this deforestation, organic matter in the soil will also be transformed into carbon dioxide.

All in all, production of biofuels also results in a lot of carbon emissions. Firstly, of course the machinery needed requires a lot of fossil fuel to be produced, transported to Tanzania, to be used in Tanzania. Transport of biofuels to Europe also necessitates the burning of fossil fuel. Secondly, the whole process of producing biofuels involves emission of a lot of GHG. Before harvesting, sugarcane fields are burned to remove litter, leaves, debris, snakes, and rats. This produces not only a lot of CO2, but also other more aggressive GHGs in great amounts. The harvested canes are then pressed and the remaining fibres are burned, producing further GHG. After fermentation, the molasses will most likely be poured out in the Wami River causing a severe pollution problem. The whole process of producing biofuel ethanol this way will cause severe pollution by GHG. Estimates vary (depending on how refined the process might be), but per unit ethanol produced, they range between 17 to 840 times more GHG released into the atmosphere than the amount of GHG that is reduced. Production of biofuels in the way intended by the Swedish company will therefore cause Tanzania to be in a possible carbon debt and thus violate international agreements, such as the Kyoto agreement. Sweden, on the other hand, will be better off because the reduction will happen in Sweden while the increase happens in Tanzania. The actual estimates will depend upon how SEKAB actually practices its use of fuels – they will probably claim to use biofuels to a large extent, but there will still be excessive carbon emission in Tanzania, and ‘theory’ and ‘practice’ may not be the same especially when fossil fuel prices are relatively low, as they are now.

The sugarcane plantation will also be fertilised with enormous amounts of artificial fertiliser. Considerable quantities will leak out into the ocean and will influence life in the coral reefs. Poisonous pesticides will also be used which will subsequently seriously affect harmless and beneficial insects, birds, marine organisms, and also impair human health. We need to remind ourselves that this plantation is placed in the middle of a National Park and a Forest reserve and is near the seashore. The estimated amounts mentioned in the ORGUT report – 3,400 tonnes of di-ammonium phosphate and 5,100 tonnes of urea used on the start-up area of 17,000 ha – will influence the surrounding environment considerably. Soil acidification and atmospheric warming due to emitted nitrous oxide gas are serious pollution impacts. As mentioned above, pre-harvest burning of sugarcane will add tons of carbon dioxide and nitrous oxide to the atmosphere. The pollution of the air during sugarcane harvesting in other countries and in similar settings is known to have caused an increase in respiratory health problems among the surrounding communities.

The potential impacts on fisheries along the coast, on the coral reefs and on the whole ecosystem in the adjacent National Park and other areas by an enormous sugar-cane plantation with massive water consumption and leaking of fertiliser and poisonous pesticides have been poorly investigated. If a harbour or pipeline for transporting the ethanol to Sweden is built on the coral reef, it will also add to the negative environmental effects. Reduced fish resources in the polluted water will seriously affect the livelihoods of the fishing communities.

Based on this information, and a lot more throughout ORGUT’s report of 155 pages, what would be the conclusion of the Swedish consultant agent? Well, they state: ‘Although there are some limited negative environmental implications of the project, the project will have significant socio-economic and environmental benefits to the people surrounding the project, Bagamoyo District and the Nation’. This illogical conclusion is a blatant apologist ‘green washing’ attempt.

SEKAB reportedly hopes to acquire 400,000 ha for sugar-cane plantations in Tanzania. The prospect of a Swedish corporation owning and controlling so much land for the benefit of rich Swedish investors, with serious deleterious environmental impacts and at the expense of poor rural people in Tanzania smacks strongly of neo-colonialism. When one considers that the total arable land in Tanzania is a mere three million hectares, SEKAB will have control of more than one tenth of the available land. If each of the 20 biofuel projects already scheduled get even half of the land allocated to SEKAB, it is clear that the Tanzanian rural population will be condemned to eke out their livelihoods in the badlands of the country.

At a workshop organised by HakiArdhi with Oxfam in Morogoro last year, the director responsible for energy in Tanzania was asked by participants whether the government had a policy on biofuels. He informed participants that there was no such policy and that his appearance at the workshop was part of efforts to get input towards the formulation of a Biofuels Task Force that would develop such a policy. Everyone present was shocked that the government, through the Tanzania Investment Centre (TIC), had already allocated massive tracts of land and apparently signed contracts for biofuel production without any policy support. This serious omission is bound to have significant and far-reaching adverse socio-economic impacts on Tanzania, compounded by the environmental impacts identified above. Evidently the assignment of land delivery duties to the TIC without clear policy guidelines on such foreign investments has aggravated the problem. One may also wonder how the biofuels ‘bandwagon’ fits in to the bigger picture exemplified by the Vision 2025, Mkukuta/Mkuza and Mkurabita strategies for poverty eradication in Tanzania. When TIC and a foreign company have identified a particular area for biofuel production, an application for lease of land has then to be approved by the government. In the case of areas less than 100,000 ha, this may be done at the level of Ministry of lands and human settlement. Larger areas would have to be approved by the president. However, companies may write a series of smaller contracts that add up to a larger total. But areas even very much smaller than 100,000 ha are still very huge indeed and we think it is very unwise to allow one company to control such a big area. It is currently unclear what has actually been approved at the ministry level of the proposed contracts with foreign companies.

There is a set of draft guidelines for biofuels for Tanzania under development. Unfortunately, these guidelines mainly focus on biofuels as a substitute for fossil fuel in Tanzania – which is not what is happening. Foreign companies want to grow biofuels in Tanzania for export (for the reasons mentioned above). The development of these guidelines, and other biofuel frameworks, are supported by 20 million SEK ($3 million) by the Swedish government through SIDA (the Swedish Development Assistance Agency). Who are they assisting: The Tanzanian people or the Swedes? Not surprisingly, these guidelines focus on the possible positive side of liquid biofuels only.

The question is whether it is right for SIDA to support the development of donor-dependent parallel institutions to govern issues of biofuel policy in Tanzania. Shouldn’t existing institutions be supported to strengthen their legitimate roles instead? Is this a sophisticated form of neo-colonialism couched in ‘innocent’ donor platitudes?

‘Eco-friendly’ ethanol fuel for big 4WD Volvos and racy Saabs in Sweden that replaces Tanzanian coastal forests with Swedish-owned sugar plantations, that consumes huge quantities of scarce water, that pollutes soil and coral reefs, and that violates the traditional land-rights of poor people and threatens their food security – what is this if it is not a violation of human rights? Is this a new era of climate colonialism?

POSTSCRIPT

During the February 2009, following the exposure of an initial draft of this article on the Swedish Radio website and interviews on Swedish Radio P1 with Ian Bryceson on 28 January 2009 about the SEKAB project, several debates have followed in various Swedish media, as well as an article on ‘Klimakolonialismen’ (Climate colonialism) by Tor Arve Benjaminsen and Ian Bryceson in the Norwegian newspaper Dagbladet (also published on 28 January 2009). The case has also been exposed in several Tanzanian media by other authors. SEKAB has now announced their withdrawal from Africa in a press release on 2 February 2009, referred to in an article in The Sunday Citizen (010309) in Tanzania.

* This article first appeared in the maiden issue of CHEMCHEMI, Bulletin of the Mwalimu Nyerere Professorial Chair in Pan African Studies of the University of Dar es Salaam, Tanzania, and is reproduced here with the kind permission of the Editorial Board of CHEMCHEMI.
* Please send comments to editor@pambazuka.org or comment online at http://www.pambazuka.org/.

Landraub für Agrosprit geht weiter

Dienstag, 09. Juni 2009

german-foreign-policy.com meldete heute (09.06.2009):

Grüner Goldrausch

BERLIN
(Eigener Bericht) - Trotz massiver öffentlicher Kritik treibt die Bundesregierung die Nutzung von Agrotreibstoffen mit dreistelligen Millionensummen voran. Man müsse die Abhängigkeiten von Staaten, die traditionelle Energierohstoffe produzierten, verringern, heißt es im Bundestag; der Bundesrat setzt sich für neue Steuererleichterungen für Biodiesel ein. Dem Druck der Öffentlichkeit setzt die Bundesregierung ein eilends entwickeltes “Zertifizierungssystem” entgegen, das der weltweit kritisierten Erzeugung von Agrotreibstoffen ökologische und soziale Unbedenklichkeit bescheinigen soll. Tatsächlich konstatieren Beobachter einen “grünen Goldrausch” in den Ländern des Südens: Demnach hat dort ein massiver Landraub zur Deckung des Biomassebedarfs der wohlhabenden Länder des Nordens eingesetzt. Auch deutsche Firmen sind daran beteiligt. Das Berliner Zertifizierungssystem lässt soziale Konsequenzen der Herstellung von Agrosprit in hohem Maße unberücksichtigt und trägt damit zur Verschleierung der Folgeschäden bei.
Allenfalls langsamer
Die Bundesregierung hält an ihren Plänen zum Ausbau der Nutzung von Agrotreibstoffen fest. Befürworter von Biosprit haben Zukunftsvisionen entwickelt, denen zufolge künftig zwei Milliarden 5-Liter-Autos zu hundert Prozent mit Agrotreibstoffen angetrieben werden sollen; um den Bedarf zu decken, würden 250 Millionen Hektar ertragsstarkes Ackerland benötigt, ein Sechstel der gesamten globalen Ackerfläche.[1] Kritiker kommen zu dem Schluss, dass dies de facto auf die Vernutzung von Abermillionen Hektar Land in den Ländern des Südens für monokulturellen Energieanbau hinausläuft [2] - ein Horrorszenario für die dortige Bevölkerung, deren Bedarf an Grundnahrungsmitteln hinter den Mobilitätsinteressen des reichen Nordens zurückstehen muss. Allenfalls könne “der Ausbau der zunehmenden Verwendung von Biokraftstoffen langsamer als bisher geplant erfolgen”, heißt es im Bundestag. Das Parlament bestätigt die Ausbaupläne jedoch im Grundsatz.[3]
Steuererleichterungen
Hintergrund ist laut Marie-Luise Dött, der umweltpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, der Versuch, strategische Abhängigkeiten von den traditionellen Energielieferanten zu verringern: “Wir werden immer abhängiger von weniger stabilen Regionen in der Welt, in denen es auch längerfristig noch Erdöl geben wird.”[4] Entsprechend fasste der Bundestag kürzlich den Beschluss, der Agrospritindustrie mit Steuernachlässen in Höhe von 279 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Der Bundesrat fordert noch mehr und teilt mit, er sei mit der “beschlossenen Reduzierung der Beimischungsquote von Biosprit nicht einverstanden”; zudem verlange er “Steuererleichterungen für Biodiesel und Pflanzenöl.”[5] Am morgigen Mittwoch werden die Verhandlungen im Vermittlungsausschuss fortgesetzt.
Öl statt Nahrung
Von dem Agrosprit-Boom profitieren Unternehmen wie die Itzehoer PROKON Regenerative Energien GmbH und Co. KG, die ihren Anlegern von 2003 bis 2007 alljährlich Renditen von sieben bis acht Prozent beschert hat.[6] PROKON beteiligt sich ähnlich wie die Münchener Flora Ecopower Holding AG an dem Versuch, sich durch langjährige Pachtverträge in Afrika den Flächenzugang für den Anbau von Agrotreibstoffen zu sichern. Beobachter sprechen von einem regelrechten “grünen Goldrausch”. PROKON begann mit 10.000 Hektar in Tansania - Ziel sind 200.000 Hektar -, Flora Ecopower verfügt derzeit über 15.000 Hektar in Äthiopien und streckt seine Finger nach Madagaskar aus. Alle drei Länder verzeichnen erhebliche Probleme bei der Versorgung ihrer Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Flora Ecopower strebt an, zum weltweiten Marktführer in der Produktion von Castor- und Jatrophapflanzen zu avancieren, aus denen biogenes Öl hergestellt wird - im Non-Food-Bereich.[7] Eine Folge des Booms ist, dass sich der lokale Preis für den Samen des bis zu fünf Meter hohen Jatrophabaums innerhalb von zwei Jahren versechsfacht hat. Die Folgen für die Bevölkerung wiegen schwer: Jatropha wird in Ostafrika traditionell zur Feldbegrenzung gegen Erosion und Wildfraß benötigt.[8]
Naturschutz
Nicht nur die industrielle Nutzung von Jatropha, auch etwa das Palmölgeschäft hat in den letzten Jahren heftige Kritik hervorgerufen. Multinationale Naturschutzorganisationen wie der WWF, die eine effiziente Lobby- und Pressearbeit in Sachen Naturschutz leisten, haben die klimaschädlichen Folgen des Anbaus von Palmöl zur Treibstoffgewinnung thematisiert - mit Erfolg: Die Bundesregierung hat binnen kürzester Zeit ein Zertifizierungssystem entwickeln lassen, das zum globalen Standard werden soll, um Agrotreibstoffen aller Art eine “Unbedenklichkeitsbescheinigung” auszustellen. Das Zertifizierungssystem, das von dem Kölner Consulting-Unternehmen meó Corporate Development GmbH erarbeitet worden ist, trägt den Stempel des WWF: Die “Naturschutz”-Interessen des Nordens stehen absolut im Vordergrund, während die Einhaltung sozialer Standards nicht über Lippenbekenntnisse hinausgeht. Der WWF ist dafür bekannt, dass er die Rechte der lokalen Bevölkerung in den Ländern des Südens missachtet - bis hin zur Mitverantwortung an unmittelbaren Menschenrechtsverletzungen.[9]
“Muss” und “Empfehlung”
Tatsächlich gibt es bei dem von meó entwickelten System drei Arten von “Kontrollpunkten zur Verifizierung” [10]: Eine Kategorie “Umwelt”, die als “großes Muss” bezeichnet wird, eine Kategorie “Ökonomie” - ein “kleines Muss” - und eine Kategorie “Soziale Aspekte”, die allerdings lediglich den Stellenwert unverbindlicher “Empfehlungen” hat. Dabei geht es vor allem um die Verhinderung von Sklaven- und Kinderarbeit. Das primäre Problem bei der Anlage von Energiepflanzen-Plantagen - die Vertreibung der lokalen Bevölkerung, die den Plantagen Platz machen muss - findet in keinem einzigen der öffentlich zugänglichen meó-Dokumente Erwähnung. Dabei wird das meó-System inzwischen angewandt. “Erste Pilotauditierungen für Palmöl aus Malaysia abgeschlossen”, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium am 6. Mai 2009 mit. Begleitet wurde das Auditierungsteam von Vertretern des WWF.[11]
[1] Pacala, S.; Socolow, R. (2004): Stabilization wedges: solving the climate problem for the next 50 years with current techologies. Science 305: S. 968-972
[2] Ernsting, A. (2007): The global blueprint for a biomass economy. climatechangeaction.blogspot.com/2007/01/guest-post-by-almuth-ernsting-global.html
[3] Deutscher Bundestag, Drucksache 16/12466, 25.03.2009
[4] Rede im Bundestag am 23.04.2009; www.ikauder.de
[5] Pressemitteilung des Bundesrats vom 05.06.2009
[6] www.neueenergie.net/index.php?id=1832
[7] www.floraecopower.com/download/presse/ger/FEP_PM_CleanOil_080917.pdf
[8] www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/afka1729.html
[9] Pedersen, K. (2008): Naturschutz und Profit. Unrast-Verlag Münster
[10] www.iscc-project.org/e276/e723/ISCCPresentation170209_ger.pdf
[11] “Erste Pilotauditierungen für Palmöl aus Malaysia abgeschlossen”; Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 06.05.2009

NACLA-Report mit Schwerpunkt Food Crisis

Freitag, 08. Mai 2009

Der Report on the Latin Americas, Ausgabe Mai/Juni 2009 des North American Congres on Latin America hat den Schwerpunkt “Food Crisis”. Diese sei zwar Anfang letzten Jahres kurz aufgrund der “Food Riots” durch die Medien gegangen, die Aufmerksamkeit sei dann aber schnell wieder abgeebbt. In wirklichkeit sei das Problem aber permanent und hätte seinen Ursprung v.a. in der “Verletzlichkeit” der armen Bevölkerungskreise gegenüber Preisschwankungen. Die Empfehlungen in der Einleitung lauten entsprechend u.a.:
“strengthening the production of domestic small farmers through access to land and resources, labor rights enforcement for landless farmers, and government programs to insulate peasants from price swings.”
Einige Beiträge der Zeitschrift sind kostenpflichtig (darunter leider ein Bericht der letzten Konferenz von Via Campesina), andere kann man gratis herunterladen. Beispielsweise eine Fotoreportage zum Anbau von Soja in Paraguay und einen Bericht über einen genossenschaftlichen Nahrungsmittelbetrieb in Oaxaca.

Es folgen die Einleitung und das Inhaltsverzeichnis.

Introduction: Food Crisis in the Americas
by NACLA

In early March, Olivier de Schutter, the United Nations special rapporteur on the right to food, said there had been a “severe mistake in the diagnosis of last year’s food crisis.” Referring to the explosion of prices for basic grains in the global market that began in 2007, Schutter explained that development aid and reform proposals were misdirected at boosting exports. The real problem, he emphasized, was not low supplies but the vulnerability of the world’s near 1 billion hungry people to price volatility. In place of stimulating exports, he recommended strengthening the production of domestic small farmers through access to land and resources, labor rights enforcement for landless farmers, and government programs to insulate peasants from price swings.

These recommendations, though unspecific, resonate with many of those discussed in this Report, which aims to step back and reconsider the 2007–08 food crisis within its long-term context. As Peter Rosset makes clear in his contribution, there are, on the one hand, crises that may grab our attention as seemingly new—such was the urgent problem in the spring of 2008, when the media parachuted in to cover the latest disaster: “food riots” in several poor countries triggered by escalating prices. On the other hand, there is the slow-burning crisis that rarely gets media play—the normalized, routine violence of everyday hunger that we may think of as existing ever “out there.” Rosset emphasizes that the “new” crisis is just a new face of “the same old rural crisis,” which ultimately stems from the near total control wielded by transnational capital in the food systems of the world.

The corporate monopoly on food production, practically institutionalized over decades of neoliberal policies at every level, is a recurring theme in this Report. Contributors Annette Aurélie Desmarais and Luis Hernández Navarro, reporting from La Via Campesina’s October conference in Maputo, Mozambique, describe the 16-year-old transnational peasant movement’s articulation and consolidation of a powerful anti-neoliberal alternative: food sovereignty, which the movement views as “a prerequisite to realizing the human right to food.” At the conference, food sovereignty was described not only as a just goal but as “the only [solution] that responds effectively to all of the dimensions of the crisis.”

Protecting and renationalizing food markets, promoting local circuits of production and consumption, defending indigenous peoples’ territories, comprehensive agrarian reform—these demands, which form the basis of food sovereignty, could not contrast more sharply with the solutions to the crisis endorsed by Big Food. As Gerardo Otero and Gabriela Pechlaner note, the dramatic food price hikes last year inspired the quasi-utopian language of an imagined Green Revolution 2.0: We can feed the world with high-yield genetically modified crops, industry boosters told us. Using evidence from the NAFTA countries, Otero and Pechlaner deconstruct this argument, which is really about expanding agricultural exports—part of what UN rapporteur Schutter described as a “severe mistake.” Mexico, the birthplace of corn, now imports almost a quarter of its supply of the crop, much of it transgenic.

Finally, photojournalist Evan Abramson offers a window onto land conflict in Paraguay, where transgenic soy plantations have displaced thousands of small-scale farming families that once cultivated a plurality of food crops. Visiting former villages turned soy fields in the conflictive departments of Alto Paraná and San Pedro, Abramson photographed all the players in the drama—militant landless activists who have established encampments on private farmlands, the classic tactic of Latin America’s rural activism; landowners’ armed guards; the police, arresting landless activists; children poisoned by the liberal use of pesticides and herbicides, a hallmark of many transgenic crops; and the landscape itself, all but overtaken by transgenic soy.

While the media have moved on to the next spectacle, the food crisis hasn’t gone away. Unless, among other things, financial speculation in basic grains is regulated, if not abolished, the high volatility of food prices seems to be a fact of life now. In the face of the market’s vicissitudes, the organized peasants of La Vía Campesina declare: “Humanity depends on us, and we refuse to disappear.”

Intro
Introduction: Food Crisis in the Americas
NACLA

Taking Note
Venezuela’s Opposition: Back Into the Frying Pan
Pablo Morales
If the Venezuelan right remains committed to electoral politics, it must confront a new reality after a decade under Chávez: Thousands of nonprivileged Venezuelans, enfranchised and energized, now constitute a voting bloc too significant to ignore.

Updates
Guadeloupe on Strike: A New Political Chapter in the French Antilles
Yarimar Bonilla
Although labor strikes are common in the French Antilles, the wide impact, mass support, and broad agenda of the LKP strike was unique in Guadeloupe’s history. For many, this episode marks the beginning of a new chapter of political and social activism in the French Antilles.

A New Model With Rough Edges: Venezuela’s Community Councils
Steve Ellner
The councils put into practice the “participatory democracy” embodied in the 1999 Bolivarian Constitution drafted by Chávez’s followers. Some of their activities also reflect Chávez’s discourse, which minimizes the importance of “experts” or “technocrats” and stresses the will of the people and their capacity to solve all problems, even highly technical ones.

Report
Food Sovereignty in Latin America: Confronting the ‘New’ Crisis
Peter Rosset
The sudden crisis of high food prices in 2008 was the latest manifestation of a long-standing rural crisis that stems from the corporate takeover of agriculture. As we enter a new era of increasingly volatile commodity prices, food sovereignty offers the only comprehensive solution.

Voices From Maputo: La Vía Campesina’s Fifth International Conference
Annette Aurélie Desmarais and Luis Hernández Navarro
More than 500 delegates attended the fifth conference of La Vía Campesina, the transnational peasant movement, in October. High on the agenda was analyzing the food crisis, as well as codifying a statement on women’s participation in the movement and denouncing sexist violence.

Building a Transnational Peasant Movement
Annette Aurélie Desmarais

Is Biotechnology the Answer? The Evidence From NAFTA
Gerardo Otero and Gabriela Pechlaner
While biotechnology industry boosters would have us believe that more transgenic crops are what we need to solve the food crisis, the evidence of how they have affected food consumption in North America offers little to be hopeful for.

Eating to Dream: A Tortillería in Oaxaca
Deborah Poole and Benjamín Alonso Rascón
In the following excerpts from a conversation in December, Ramírez Leyva, a Mixtec restaurant owner in the southern Mexican city of Oaxaca, calls for a profound rethinking of the market-based models of profit and trade that lie at the heart of capitalist understandings of food policy.

Soy: A Hunger for Land
Evan Abramson (photographs and text)
In this photo essay, small-scale farmers in the Paraguayan departments of Alto Paraná and San Pedro face off over land with industrial soy. Large-scale Paraguayan landowners have, with government collusion, displaced thousands of families in the last decade for their sprawling soy plantations.

Reviews
Tears Learning to Be Cried: Profiles of Femicide in Ciudad Juárez
Irene Ortiz
Bajo Juárez is a film that opens broader lines of questioning: Who are the people ultimately responsible for the murders? What lies behind the “femicides” and violence against women in Mexico? How will this violence end? Can a measure of justice ever be provided to the victims and their families?

‘A Great Feeling of Love’: Hilda and Che
Hobart Spalding
Most works on the Cuban Revolution concentrate on larger political issues, breakthrough moments, and endless political debates, but this book strikes a more personal, day-to-day note without ever neglecting the political. It reminds us of the ties between the political and the personal, which are often overlooked in writings about famous personages.

New & Noteworthy
NACLA
The Conquest on Trial, by Carlos A. Jáuregui; Cannibal Democracy, by Zita Nunes; and Twenty Theses on Politics, by Enrique Dussel.

Open Forum
Snubbing Davos: The Presidents at the World Social Forum
Marc Becker
Five of Latin America’s presidents skipped this year’s World Economic Forum in Davos, Switzerland, instead making appearances at the World Social Forum in Belém, Brazil. Signaling a deepening disengagement from neoliberal institutions, the presence of Rafael Correa (Ecuador), Hugo Chávez (Venezuela), Luiz Inácio Lula da Silva (Brazil), Fernando Lugo (Paraguay), and Evo Morales (Bolivia) generated excitement among social forum participants, but also tension.

MALA
The Fun House Mirror: Distortions and Omissions in the News on Bolivia
Dan Beeton
Bolivia’s history, both recent and distant, is, of course, unique, complex, and worthy of careful analysis. When it pays attention to Bolivian politics, however, the U.S. press sometimes offers coverage that treats the current government of Bolivia as a threat, and one that perhaps lacks appropriate popular support. One can only hope other U.S. media outlets will be more even-handed in their future treatment of Bolivia.

Haiti vor der Wahl - ICG legt Briefing vor

Mittwoch, 04. März 2009

Am 19.April soll in Haiti ein Drittel des Senats gewählt werden. Die Sicherheitslage hat sich anscheinend leicht verbessert, die soziale Lage sei hingegen schlechter als vor den letzten Ausschreitungen und birgt deshalb große Gefahren im Kontext der Wahl. Vor diesem Hintergrung legte die International Crisis Group ein neues Briefing zu der Lage in Haiti mit dem Titel Stability at Risk vor: [Zusammenfassung]

Bemerkenswert dabei scheint zunächst, dass die ICG ihre Rhetorik und ihre Perspektive leicht verändert hat. Soziale Probleme und die Rolle der Armen spielen in diesem Briefing eine wesentlich größere Rolle als in früheren Publikationen, allerdings weiterhin fast ausschließlich als begünstigende Faktoren für Aufstände. Die Riots im Frühjahr 2008 werden mittlerweile auf solche Probleme zurückgeführt, die Rolle der Drogenmafia dabei wurde - obwohl diesmal immerhin (schwach) belegt - in die Fußnoten verwiesen.

Das Briefing liefert spannende Ansätze für weitere Recherchen: so muss es eine 2006/2007 eine “U.S. Haiti Stabilization Initiative” gegeben haben und von Seiten der Regierung ein Program for Social Appeasement (PAS). Venezuela hingegen nahm Haiti in das PetroCaribe-Programm auf, dessen Einnahmen für die Beseitigung von Sturmschäden aufgebracht werden sollten. Interessant fand ich auch den Vorgang, aus dem die “Legilsative Agenda” der neuen Regierung hervorging. Hierzu steht in dem Bericht: “This is all the more urgent because of the need to pass the 2008-2009 national budget rapidly and adopt the legislative agenda that was identified in December 2008 at a seminar with international support.” Eine Fußnote ergänzt:

“The agenda results from a 9-10 December 2008 seminar organised with Canadian Parliamentary Centre, MINUSTAH Civil Affairs and USAID-SUNY (State University of New York) parliamentary support project help. It provides the government and parliament an agreed framework within which to work. The agenda, which applies to the first 2009 parliamentary session (January-May), includes items such as the treaty on port safety and bills on the customs code and anti-corruption.”

Einen Schwerpunkt des Berichts bildet die Darstellung von Regierung und Parlament. Obwohl das im Moment die Haitianer auf der Straße alles wenig interessiert, mag das angemessen sein, sind diese doch für die Verteilung der internationalen Hilfsgelder zuständig. Darin scheint sich Politik in Haiti nach den Darstellungen der ICG auch weitestgehend zu erschöpfen. Demnach sei es der neuen Premierministerin Pierre-Louis bislang nicht gelungen, die in sie gesetzten Hoffnungen - nichtmal insofern sie realistisch waren - zu erfüllen. Dann geht es um die in zwei Monaten anstehenden Wahlen, die in neue Gewalt münden können. Hier wird das Provisional Electoral Council (CEP), das mit internationaler Finanzierung die Wahlen vorbereiten soll (”A memorandum of understanding for financing the elections was signed on 23 January 2009 between the government, the CEP, the U.S., Canada, the EU and Brazil)” von der ICG recht offen dafür kritisiert, dass es keine Kandidaten der ehemaligen Bewegung Aristides, der Fanmi Lavalas, zulässt.

Die ökonomische Lage habe sich seit den Riots 2008 weiter verschlechtert. Dafür wird neben den Wirbelstürmen letzten Sommer insbesondere die globale Finanzkrise als Ursache benannt, weil sie die Remissen, die Überweisungen von Haitianern im Ausland, verringere. Diese hätten 2006 bereits über 30% des BIP in Haiti ausgemacht. Auch die Bereitschaft von Drittstaaten, Geld für Projekte in Haiti aufzubringen, sei durch die Finanzkrise zurückgegangen. Die Inflation betrug 2008 13%, während der Wachstum auf 1,5% einknickte.

Beim Thema Sicherheit fällt die ICG allerdings endgültig wieder in alte Wahrnehmungsmuster zurück. Die Position des Polizeichefs (Mario Andrésol, Aristide-Hasser und Liebling Washingtons wie der weißen Oberschicht), dass mehr Geld für die Polizei und eine schnellere Ausbildung dieser nötig seien, wird ebenso widerspruchsfrei übernommen, wie die Annahme von Polizei und UN, dass sich die zeitgleich mit dem Anwachsen der Polizei massiv angestiegene Zahl gemeldeter Verbrechen (”Nonetheless, in the same period authorities registered 509 cases of crime as compared to 389 in January-February 2008; reported crimes rose from 1,079 in 2007 to 2,847 in 2008″) nur mit dem zunehmenden Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei erklären ließe. Am Rande wird erwähnt, dass die Polizei nicht zuverlässig und selbst in viele Verbrechen verwickelt ist. Die Zusammenarbeit von Polizei und ausländischem Militär, insbesondere durch die USA wird durchweg begrüßt.