Gentech-Zulassungsverfahren: Heimspiel der Industrie
unter diesem Titel fand am Mi., 21. 11., 19:30-22:00 Uhr in Wuppertal ("börse", Wolkenburg 100) eine Vortrags-
und Diskussionsveranstaltung statt.
DI Werner Müller (Global 2000, Wien) beleuchtete vor über 90 Teilnehmerinnen/Teilnehmern die Praktiken der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Gemeinsam mit attac Wuppertal und dem Paritätischen
Bildungswerk hatten 10 Organisationen zu dem Abend eingeladen, 21 weitere bildeten einen bundesweiten
Unterstützerkreis. Zu der Veranstaltung waren engagierte Mitglieder vieler der beteiligten Gruppen gekommen,
sowie zahlreiche weitere interessierte Mitbürgerinnen und -bürger nicht nur aus Wuppertal und benachbarten
Städten, sondern z. B. auch aus der Eifel und aus Kassel. In seinem Vortrag verglich Müller die Vorgänge
im Rahmen der Gentechnik-Zulassungen der EFSA mit einer unfairen Sportveranstaltung, bei der massive
Rechtsverletzungen und wissenschaftlich nicht begründbare Willkür zur Norm geworden sind. In der angeregten
Diskussion kamen aus dem Publikum zahlreiche und vielfältige Fragen und Beiträge.
Die Anwesenden waren darüber einig, dass diese Vorgänge der Zulassung und des Anbaus Gentechnisch Veränderter
Pflanzen umgehend beendet werden müssen, und die Diskreditierung gentechnik-kritischer Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler mit der gesetzlich gewährleisteten Freiheit der Forschung und Lehre nicht vereinbar ist.
Kurze Zusammenfassung des Vortrags:
Müller legte eingangs anhand der Beispiele von DDT, Methylbromid und dem recht modernen Pestizid Vinclozolin,
drei heute verbotenen Substanzen, dar, dass Wissenschaftler zwangsläufig Fehler in der Risikobewertung machen.
Da gentechnisch veränderte Pflanzen bzw. ihre synthetischen Gene aus der Umwelt nicht mehr zurückholbar sind,
und somit jede Fehleinschätzung unwiderruflich und unumkehrbar die Umwelt und folgende Generationen belastet,
ist die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen mit dem Vorsorgeprinzip und dem Menschenverstand
unvereinbar.
Im folgenden benannte er Missstände, die er in Bezug zu einem sportlichen Ereignis stellte:
KEINE Abschätzung von Langzeitrisiken (730 Tage - Test)
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1 : 0 für die Industrie
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KEINE Abschätzung von Effekten auf zukünftige Generationen
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2 : 0 für die Industrie
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KEINE Abschätzung von kumulativen toxischen Wirkungen
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3 : 0 für die Industrie
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Es werden die gesetzlichen Anforderungen an eine Fall zu Fall Analyse nicht umgesetzt.
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4 : 0 für die Industrie
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Die Unsicherheiten müssten in der Risikoabschätzung ausdrücklich analysiert werden
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5 : 0 für die Industrie
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Alle signifikanten Effekte werden zugunsten der Biotechfirmen verharmlost.
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6 : 0 für die Industrie
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In vielen Fällen übernimmt EFSA die Schlussfolgerungen der Herstellerfirmen eins zu eins
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7 : 0 für die Industrie
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Es gibt keine mehrjährigen Studien an Regenwürmern, Asseln, Schmetterlingen etc.
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8 : 0 für die Industrie
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Es gibt keine Tritrophischen Studien (Effekte über die Nahrungskette)
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9 : 0 für die Industrie
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Wissenschaftliche Einwendungen von Mitgliedsstaaten wie z.B. Österreich oder Italien werden von der EFSA unbegründet abgelehnt. ("Keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse")
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10 : 0 für die Industrie
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EFSA macht Werbung für die Industrie
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11 : 0 für die Industrie
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Die Konsumentinnen und Konsumenten haben de facto keine Mitsprache-Möglichkeit
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12 : 0 für die Industrie
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In der Diskussion klärte er auf Anfrage die Anwesenden u. a. auch darüber auf, dass die Befürworter der
GVO auch von der längst widerlegten Annahme ausgehen, dass 98 % des Genoms "Müll" wären. Eine Annahme,
die massiv gegen den Menschenverstand spricht.
Außerdem wurde darüber gesprochen, mit welch radikalen Mitteln gentechnik-kritische Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler ausgegrenzt werden.
Von dem Vortrag wurden ein Podcast und ein Film mitgeschnitten, die Präsentationsdatei ist auf
www.eco-risk.at , der Internetseite von Müller, zu finden und steht auf
www.attac.de/wtal-agrar/vortrag-werner-mueller-2007.html in mehreren Dateiformaten zur Verfügung.