Max Schneider
Verurteilter Kriegsverbrecher
Der 83-jährige Max Schneider wurde Anfang 2007 in Italien wegen Beteiligung an einem Massaker im Zweiten Weltkrieg zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotzdem kann er von der deutschen Justiz unbehelligt im Prenzlauer Berg leben, da das zuständige Gericht – trotz der Verurteilung in Italien – keinen hinreichenden Tatverdacht erkennen will.
Max Schneider wurde wegen der Teilnahme an dem Massaker in Marzabotto (Wikipedia) verurteilt. Zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober 1944 wüteten Einheiten der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“, der deutschen Wehrmacht und einheimische Faschisten in dem italienischen Ort Marzabotto und den Nachbargemeinden. Sie töteten über 770 Zivilist_innenen, laut einigen Quellen bis zu 1.836 Personen, vor allem alte Männer, Frauen und Kinder. Die Liste der über 770 Opfer enthält die Namen und Geburtsdaten von 213 Kindern unter 13 Jahren. Erwachsene Männer im wehrfähigen Alter fehlen fast völlig auf der Liste. Schneider tritt mit 17 Jahren, im Juli 1943, freiwillig in die SS ein. Am 1. August 1944 wird er zum SS-Unterscharführer befördert – kurz zuvor war ihm für seinen Einsatz bei der SS in Italien das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen wurden. Zum Zeitpunkt des Massakers befehligte er acht SS-Angehörige.
Weitere Informationen zu dem Massaker in Marzabotto, dem juristischen Verfahren, Max Schneider und weiteren Kriegsverbrechern findet ihr unter www.keine-ruhe.org.
Zug der Erinnerung
Was die Deutsche Bahn nach wie vor nicht zeigt
Erst im Jahr 2000 hatte ein Thema Banken, Versicherungen und Konzerne wie die Deutsche Bahn, wieder eingeholt, das von ihnen über Jahrzehnte verdrängt und verleugnet worden war. Es geht um die Verstrickung der Firmen in die Kriegs- und Vernichtungspolitik der Nazis, den völkerrechtswidrigen Einsatz von mehr als acht Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus allen besetzten Ländern Europas. Während die Deutsche Bank am Bau von Auschwitz beteiligt war, deportierte die Deutsche Reichsbahn unter anderem über 12.000 namentlich bekannte Kinder und Jugendliche vor allem jüdischer Eltern dorthin, wo sie mit dem von einer Tochtergesellschaft der Degussa AG und der I.G. Farben, die Firma Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), hergestellten Zyklon B in den Gaskammern ermordet wurden. Die Verbrechen der Nazis hätten ohne die Reichsbahn und ihre Kapazitäten bei weitem nicht in diesem Umfang stattfinden können. Weiterlesen ...
Dieser Text wurde in gekürzter Form auch im Antifaschistischen Infoblatt (Ausgabe #79) veröffentlicht.
Gegen Antisemitismus im Prenzlauer Berg
Hausverwalterin hetzt gegen Jewish-Claims-Conference, der Haus zugesprochen wurde
Eine empörte Berliner Hausverwalterin hetzt in antisemitischer Manier gegen die Conference for Jewish Material Claims against Germany (CJMCAG), weil ihre Freundin durch ein ordentliches Verfahren vor dem Berliner Verwaltungsgericht Ende 2008 das geerbte Haus an der Ecke Schönhauser Allee Paul-Robeson-Straße abgeben musste. Die CJMCAG vertritt die Entschädigungsansprüche der Nachfahren der ehemaligen jüdischen Eigentümer des Hauses.
Weiterlesen im Artikel der EAG.
Resozialisierungsverein CDU-Pankow
Partei holt Mitmarschierer bei der NPD in eigene Reihen zurück und überlässt ihm gleich zwei ämter
Die Pankower CDU wählte auf ihrem Kreisparteitag am 21. Februar einen alten Bekannten zum Kassenprüfer: Bernhard Lasinski. Der ehemalige Schatzmeister des CDU-Ortsverbandes Pankow-Nord hatte sich im April 2006 an einem NPD-Aufmarsch gegen den Moscheebau in Heinersdorf beteiligt und dies als "einzige Möglichkeit" gesehen, "Kritik am geplanten Bau der Moschee öffentlich mitzuteilen". Nach Presseberichten kam er im Mai 2006 dem Parteiausschluß durch den Austritt aus der CDU bevor. Jetzt, wo Gras über die Sache gewachsen ist, begehrte er erneut Zugang in die Partei, wurde kurzerhand wieder aufgenommen und bekam gleich Parteiämter: Vorstandsmitglied in Pankow-Nord ist er auch wieder.
Details in den Artikel der EAG auf Indymedia, der ALB und der Presse.
Harakiri
Seit 1994 existiert der „Harakiri“ im Stadtteil Berlin-Prenzlauer Berg. Vormals ansässig in der Grellstraße, findet mensch ihn seit 2002 in der Bornholmer Straße 93. Oberflächlich betrachtet scheint das Geschäft ein normaler Military-Laden zu sein. Das Angebot reicht von bekannten Markenklamotten, wie Lonsdale, Fred Perry, bis hin zu der Neonazimarke „Thor Steinar“. Aber das Angebot ist weitaus größer, als mensch denkt, dazu dient der im Laden angeschlossene Versandhandel. Auf Nachfrage sind dort nicht nur CDs von bekannten Neonazibands, wie Spreegeschwader, Screwdriver erhältlich oder die entsprechenden Fanartikel, zum Beispiel ein T-Shirt von den Blue Eyed Devils (einer extrem rassistischen Band aus den USA), sondern auch etliche andere Sachen, wie Schlüsselanhänger mit der Aufschrift „Nationalist“ oder „Deutschland“. Dort können sich also vor allem junge Neonazis dem Lifestyle entsprechend ankleiden. Dass somit das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt wird und Jungnazis gefestigt, ja weiter in die Neonazi-Szene integriert werden, ist unausweichlich. Der „Harakiri“ bietet außerdem eine Anlaufstelle, um Kontakte zu knüpfen. Dort werden die Termine der nächsten Neonazikonzerte und Veranstaltungen bekanntgegeben, und zwar vom Ladenbesitzer Henry Harm höchstpersönlich.
Dieser betrieb vor dem „Harakiri“ einen ähnlichen Laden, und zwar den „No Remorse“ im Stadtteil Pankow. Er pflegt gute Kontakte zu bekennenden Neonazis und zum Motorradclub (MC) „Born to be wild“. Auch bei der Polizei ist Harm kein Unbekannter: 1995 wurde er wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verurteilt. Des weiteren läuft gegen ihn ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Im Moment scheint er es ruhiger angehen zu lassen und gibt sich den Medien gegenüber als „normaler, neutraler“ Geschäftsmann. Jedoch kann mensch sich wohl denken, wen Henry Harm finanziell unterstützen mag ...
Die vorangegangenen antifaschistischen Proteste gegen das Geschäft waren mitunter äußerst erfolgreich. AntifaschistInnen fanden gute Möglichkeiten, dem Nazigeschäft das Leben ein wenig zu erschweren, indem sie die Schlösser verklebten und ihn mit Farbeiern bewarfen, sodass Henry Harm leider später öffnen musste und ihn die Entfernung von dem Farbeinsatz auch so einiges kostete. Es gab mehrere Demonstrationen, z.B. im Rahmen einer Kampagne gegen Neonaziläden, die auch größere Teile der BewohnerInnen ansprach. Wichtig ist es nun, dranzubleiben, aufzuklären und gemeinsam deutlich zumachen, dass Nazis unerwünscht sind - überall!!!
Der Spaß ist vorbei - Die Nazikneipe Spasseck ist zu
Einer der zentralen Treffpunkte der Neonaziszene im Nordosten Berlins macht dicht.
Die Betreiber_innen geben auf. Warum? Ob die Nazikundschaft mit ihren Prügeleien untereinander und Übergriffen im Umfeld der Kneipe verantwortlich für den Entschluss war. Oder ob es doch die Öffentlichkeit war, die durch antifaschistische Porblematisierung der Nazikneipe hergestellt wurde. Oder am Ende gar der Sachschaden, den die Kneipe in regelmäßigen Abständen zu beklagen hatte. Das wird sich nicht endgültig klären lassen.
Klar ist, das Suff-Proll- und Neonazi-Publikum wird sich neue Orte zum Saufen, Treffen und Vernetzen suchen wird. Bleibt zu hoffen, dass die nächsten Betreiber_innen konsequenter mit dem ungeliebten Publikum umgehen werden.
Mehr Infos bei der Antifa Pankow.