Zug der Erinnerung - Haltestelle Berlin
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Warum der Zug am Bahnhof Westhafen / Putlitzbrücke halten wird.

Am 19. 04. 2008 wird der „Zug der Erinnerung“ am Bahnhof Westhafen/Putlitzbrücke für zwei Tage Station machen. Dazu erklären der Sprecher der Berliner Initiative Dirk Stegemann und die BEHALA mbH:

1941 hatte die Gestapo in der Liberalen Synagoge Levetzow - /Ecke Jagowstraße das erste Sammellager für jüdische Bürger eingerichtet. Von dort wurden die Opfer durch die Straßen zum Güterbahnhof getrieben. Über 1.000 Menschen wurden mit dem ersten Transport am 18.10.1941 durch die Deutsche Reichsbahn in Richtung Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Viele 10.000 Menschen teilten in den darauf folgenden Jahren dieses Schicksal, wählten den Freitod, mussten emigrieren oder sich verstecken. Darunter Menschen aller Altersgruppen, auch Kinder und Jugendliche.

Die Ermordung dieser Menschen und aller anderen Opfer des Nationalsozialismus ist in ihrer Grausamkeit, Brutalität und damaligen „Normalität“ unbegreiflich. Kinder zu deportieren und umzubringen stellte dabei den Höhepunkt der Perversität menschlichen Denkens und Handels dar.

Wir stehen zu der Verantwortung für unsere Geschichte.

Das war Anlass für die Berliner Initiative und die BEHALA mbH den „Zug der Erinnerung“ am 19. und 20. April der Öffentlichkeit auf dem Betriebsgelände am Bahnhof Westhafen für das Gedenken und Erinnern zugänglich zu machen. Dabei bedanken wir uns für die sofortige Bereitschaft der BEHALA mbH die ihr entstehenden Kosten zu übernehmen und das Anliegen des Zuges zu unterstützen.

Die Berliner Initiative fordert die DB AG weiterhin auf diesem Beispiel zu folgen und die Gebühren über eine Spende an die bundesweite Initiative auszugleichen.

Dirk Stegemann/ Sprecher der Berliner Initiative & BEHALA mbH


Zug der Erinnerung kommt vom 13. bis 22. April nach Berlin

Presseerklärung der Berliner Initiative:
Nach langer Planung macht der Zug der Erinnerung nun vom 13. bis 22. April in Berlin Station. Zu verdanken ist dies der Berliner Initiative und Dank einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen, Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen. Ihnen ist es gelungen, bisher ca. 18.000 Euro aus Spendengeldern und Zuwendungen zu sammeln. Für den Restbetrag hat die Initiative „Zug der Erinnerung“ die Garantie in der Hoffnung übernommen, diese durch weitere Unterstützung und bis Anfang April ausgleichen zu können.

Halten wird der Zug an den Bahnhöfen Grunewald und Westhafen als ehemalige Deportationsbahnhöfe, am Hauptbahnhof oder Alexanderplatz sowie zur Unterstützung antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Engagements an den Bahnhöfen Lichtenberg und Schöneweide. Zu welchem Zeitpunkt die einzelnen Bahnhöfe angefahren werden, steht noch nicht fest. Der Zug, der von einer Dampflok gezogen wird und aus mehreren Ausstellungswagen besteht, fährt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn zur Gedenkstätte Auschwitz. Unterwegs steuert er die Städte der über 12.000 Kinder und Jugendlichen an, die zwischen 1940 und 1944 in die Vernichtungslager deportiert wurden.

Bereits am Vorabend der Ankunft des Zuges in Berlin wird es eine Gedenkveranstaltung um 18 Uhr vor dem Brandenburger Tor geben. Ein Schweigemarsch führt anschließend von dort zum Potsdamer Platz zur dortigen Bahnzentrale. Während der Veranstaltung sollen 4.646 Kerzen mit Namensschildern bekannter deportierter ermordeter und verschollener Kinder im Alter von einem bis zwanzig Jahren gegen kleine Spenden verteilt werden. Diese sollen auf dem Potsdamer Platz gestellt und angezündet werden. Eine größere Kerze wird dort symbolisch für alle unbekannten Opfer der Deportationen brennen. Neben dem Gedenken an die Deportierten soll auf diese Weise gegen die Haltung der Deutschen Bahn AG protestiert werden. Als Erbe des „Sondervermögens Deutsche Reichsbahn“ will diese offensichtlich nun ein weiteres Mal an den früheren Deportationen verdienen – diesmal am Gedenken an die damaligen Opfer und an der Erinnerung an die Täter. Der Erlös der „Kerzenaktion“ wird der bundesweiten Initiative „Zug der Erinnerung“ zur Begleichung der Rechnungen zur Verfügung gestellt.



Berliner Senat fördert die Initiative „Zug der Erinnerung - Haltestelle Berlin“

Presseerklärung der Berliner Initiative:
Das Vorhaben der Berliner Initiative des „Zug der Erinnerung“, diesen Mitte April in Berlin halten zu lassen, ist einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Wie die Berliner Senatskanzlei heute mitteilte, fördert der Berliner Senat die Vorbereitung und Durchführung der Initiative mit 8000,- Euro.

Wir begrüßen die Entscheidung des Berliner Senats. Der Berliner Senat beweist damit, dass Berlin seine historische Verantwortung als ehemalige Reichshauptstadt, Schaltzentrale der Nationalsozialisten und Ausgangspunkt vieler Deportationen ernst nimmt und seinen Anteil an der Aufarbeitung dieser Verbrechen übernehmen will. Damit wird eine Initiative unterstützt, die eine pädagogisch und politisch sinnvolle Ergänzung des Senatsprogramms „Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ darstellt. Auch die Initiative „Zug der Erinnerung-Haltestelle Berlin“ setzt sich, jugendgemäß und stadtteilbezogen, mit Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzen und leistet damit einen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Kultur.

Die Berliner Initiative, zusammengesetzt aus einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen, Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen hat somit bisher 13.000 Euro gesammelt. Weitere 10.000 Euro sind notwendig, um die Fahrt des „Zuges der Erinnerung“ nach Berlin und das geplante Programm finanziell abzusichern! Deshalb wird auch weiterhin jede Unterstützung durch die Berlinerinnen und Berliner gebraucht.



Offener Brief an den Bundesverkehrsminister Tiefensee:

Sehr geehrter Herr Minister,
wie wir über die bundesweite Kampagne und Nachrichtenagenturen erfahren haben, wollen Sie die Berliner Initiative des „Zuges der Erinnerung“ mit 15.000 Euro unterstützen. In seiner historischen Verantwortung als ehemalige Reichshauptstadt und damit als Macht- und Schaltzentrale des Nationalsozialismus kommt Berlin eine besondere Bedeutung zu. Wir halten es allerdings für angemessen, das Gedenken im „Zug der Erinnerung“ bundesweit und nicht nur in Berlin zu unterstützen. Deshalb kann die Unterstützung der Berliner Initiative, wenn überhaupt, so begrüßenswert sie ist, aus unserer Sicht nur ein erster Schritt sein.

Wir halten die Forderung nach Verzicht auf finanzielle Forderungen seitens der Deutschen Bahn AG bzw. die Übernahme der Kosten durch den Bund nach wie vor für richtig und begründet und wünschten uns eine diesbezügliche Initiative Ihrerseits.

Als Teil der bundesweiten Kampagne halten wir die ausschließliche Unterstützung der Berliner Initiative gegenüber anderen lokalen Initiativen für nicht gerechtfertigt. Wohl wissend, dass Sie, Herr Minister, sich bereits früher kritisch gegenüber der Deutschen Bahn AG und vor allem deren Chef, Herr Mehdorn, engagiert haben, bleibt bei dieser Initiative der fade Beigeschmack eines Freikaufs von der bundesweiten Verantwortung der Deutschen Bahn AG, aber auch des Bundesverkehrsministeriums als Rechtsnachfolger des Reichsverkehrsministeriums.

Gerade in Zeiten, in denen rechtsextremes Gedankengut auch und vor allem durch geschichtsrevisionistische Propaganda versucht, den „demokratischen Konsens“ der Nachkriegsordnung aufzubrechen, erscheint uns dies besonders problematisch. Bisher war diesbezüglich die historische Erfahrung des Nationalsozialismus eines der wichtigsten Hindernisse. Seine „Kompromittierung“ durch den Vernichtungskrieg, die Shoa und die vielen anderen begangenen Verbrechen erschwerten es bisher den Rechtsextremen, selbst modernisierte Varianten dieser Ideologie gesellschaftsfähig zu machen. Darum beschäftigen sie sich verstärkt damit, die Geschichtsschreibung bezüglich des Nationalsozialismus zu revidieren und zu relativieren. Und das bei Jugendlichen zunehmend mit Erfolg.

Deshalb ist es wichtig, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich mit regionalen Orten und Ereignissen im unmittelbaren Lebensumfeld auseinanderzusetzen, um eine demokratische Sichtweise auf die Vergangenheit zu entwickeln. Das erschwert es, rechtsextremer Propaganda Gehör und Sympathie bei Jugendlichen zu finden. Die Spurensuche nach Lebenszeugnissen in Form von Dokumenten, Bildern, Personen und Publikationen, die in einem Zusammenhang zu den deportierten verschollenen Kindern oder Jugendlichen stehen, ist also eines der wirksamsten Mittel, um sich nazistischen Denk- und Geschichtsmodellen bundesweit entgegenstellen zu können.

Offener Brief der bundesweiten Initiative "Zug der Erinnerung": hier



4646 Namen deportierter Kinder und Jugendlicher:

Die Liste der Namen, die wir Berlin zuordnen konnten, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie basiert auf dem Gedenkbuch "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945" (Bundesarchiv Koblenz, 2006).

Die Namen von Kindern und Jugendlichen anderer Opfergruppe sind in dieser Liste nicht enthalten. Das hier angebotene Material kann Ausgangspunkt für Recherchen vor Ort sein, wenn sie nicht bereits erfolgt sind.

Hier ist der Geburtszeitraum auf Anfang 1925-Ende 1944 eingegrenzt. Also nur Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sind berücksichtigt um einen Zeitrahmen zu schaffen.

Um die Liste herunterzuladen klicken Sie bitte hier



Spurensuche:

„Wer die Zukunft gestalten will, muss die Geschichte kennen“

Die Hoffnung weiter Teile der Bevölkerung durch Totschweigen oder Verdrehen eines Teils der Geschichte diese ungeschehen machen zu können, existiert noch immer. Gerade diese Tatsache bietet die optimale Vorraussetzung rechtsextremes Gedankengut über Geschichtsfälschungen in den dafür empfänglichen Teil der Jugendlichen hineinzutragen. Antisemitismus, Rassismus und antidemokratisches Denken ist die Folge. Deshalb ist es wichtig Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich mit regionalen Orten und Ereignissen im unmittelbaren Lebensumfeld auseinanderzusetzen, um eine eigene Sichtweise auf die Vergangenheit zu entwickeln. Eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen erschweren es rechtsextremer Propaganda Gehör und Sympathie bei Jugendlichen zu finden. Sich selbst angeeignetes Wissen über die NS-Verbrechen ist somit eines der wirksamsten Mittel um sich nazistischen Denk- und Geschichtsmodellen entgegenstellen zu können.

Deshalb ist eine wichtige Zielsetzung der Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ die Einbindung regionaler Gruppen, Interessenten und gesellschaftlicher Organisationen bei der Suche nach Lebenszeugnissen in Form von Dokumenten, Bildern, Personen und Publikationen die in einem Zusammenhang zu den deportierten verschollenen Kindern oder Jugendlichen stehen.

Fragen die bei der Suche helfen können:

Gibt es bereits Publikationen am Ort?
Welche Dokumente finden sich in den örtlichen und regionalen Archiven?
Welche Kinder und Jugendlichen würden aus Ihrer Stadt deportiert?
Mit welcher Person will ich mich näher beschäftigen?
Hat die Person in meiner Nachbarschaft gewohnt?
Gibt es noch Familienangehörige?
Wo hat das Kind gelebt? Wer waren die Eltern? Was war ihr Schicksal?
Gibt es die Straße, das Haus heute noch? Gibt es noch Nachbarn, die sich an die Kinder erinnern?
Gibt es Fotos, Briefe, Gegenstände, die den ehemaligen Nachbarn gehörten?
Welche Schulen haben die Kinder besucht?
Gibt es diese Schule noch heute? Finden sich im Schularchiv Unterlagen, Schülerkarteikarten, Schülerakten, Zeugnisse, Prüfungsunterlagen?
Welche Erinnerungen haben ehemalige Klassenkameraden?
Existieren Fotos und Dokumente aus der Schulzeit, Klassenfotos etc.

Verbunden mit unserem Aufruf zur Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Projektes „Zug der Erinnerung-Haltestelle Berlin“ wollen wir insbesondere Schulen und Schulklassen animieren, bei der Spurensuche zu helfen. Hinweise dazu findet man auf der Hauptseite des „Zuges der Erinnerung“ unter didaktische Anregungen und Material. Für die Nachforschungen eignen sich unter anderem Archive, Bibliotheken, zeitgeschichtliche Museen, sowie Kontakte zu Personengruppen, Vereine oder Organisationen die in direkter Beziehung zu den damals betroffenen Opfern stehen.

Direkte Unterstützung für die Suche im Landesarchiv Berlin findet man bei Frau Rotschenk (030 90264-266). Eine rechtzeitige Anmeldung wird erbeten.

Informationen über örtliche Deportationen bietet die Initiative außerdem unter info@zugde.eu.

Ergebnisse der selbständigen Recherchen von Schulen, Schulklassen, Vereinen, Gruppen oder Einzelpersonen im Vorfeld der Ankunft des Zuges können in die Ausstellung des Zuges integriert werden. Dafür halten die entsprechenden Wagen Leerstellen frei. Nach Ankunft des Zuges ist alternativ und ergänzend die Nutzung eines Computer-Arbeitsplatzes und einer Auswahlbibliothek für weitere Nachforschungen möglich.

Weitere Anregungen und Arbeitsblätter finden sie bei der Körber Stiftung, deren Abteilung Geschichtswettbewerb eng mit der Initiative zusammenarbeitet.