Obwohl das besiegte Deutschland bereits am Abend des 8. Mai 1945 gegenüber den Truppen der
Sowjetunion kapitulierte, wurde die Siegesmeldung erst einige Stunden später, um 2.10 Uhr
morgens über Radio Moskau bekannt gegeben. Zusammen mit der Meldung von der bedingungslosen
Kapitulation des Deutschen Reiches erklärte das Präsidium des Obersten Sowjet den 9. Mai zum
landesweiten arbeitsfreien Feiertag zu Ehren des Sieges über Nazideutschland.
Bereits einige Minuten nach der offiziellen Verlautbarung der Siegesmeldung füllten sich die
Moskauer Straßen mit Gruppen feiernder Menschen. Ausländische Beobachter_innen sprachen von
einem wahren Freudentaumel, der die Bevölkerung der Hauptstadt erfasst habe. So berichtet der
damalige US-Botschafter George Kennan, dass sich gegen 10.00 Uhr morgens eine beträchtliche
Anzahl junger Leute um die amerikanische Botschaft versammelt habe, um ihre Sympathiekundgebungen
mit dem Alliierten zu bekunden (Kennan, George: Memoirs: 1925-1950. Boston 1967, S. 240f).
Die am 9. Mai 1945 um 21.00 Uhr von Radio Moskau ausgestrahlte "Ansprache an das Volk" von
Stalin bekräftigte nochmals, dass Deutschland kapituliert hat und die Sowjetunion als
heldenhafter Sieger aus ihrem Großen Vaterländischen Krieg hervorgegangen ist (Ansprache an
das Volk). Eine Stunde später wurde nach einem Salut aus 30 Artilleriegeschützen und 1000
Gewehrläufen unter dem von gigantischen weißen Lichtstrahlen illuminierten Moskauer Abendhimmel
ein aufwendiges Feuerwerk veranstaltet. Zwischen zwei und drei Millionen Menschen hatten sich
spontan auf und um den Roten Platz versammelt.
Der Höhepunkt der sowjetischen Siegesfeierlichkeiten des Jahres 1945 war die auf dem Roten Platz
von Marschall Rokossowski geführte und von Marschall Schukow abgenommene "Siegesparade" am 24.
Juni. Neben drei Infanterieregimentern, einem Regiment des Volkskommissariats für Landesverteidigung
und einem Regiment der Kriegsmarine nahmen auch einzelne Abteilungen der Kriegsakademien,
Militärschulen sowie Einheiten der Moskauer Stadtgarnison an der Parade teil. 10.00 Uhr morgens
marschierten die Einheiten der Sowjetarmee auf den Roten Platz und formierten sich vor dem
Lenin-Mausoleum zur Abnahme der Parade. Diese erfolgte durch ihren stellvertretenden
Oberkommandierenden, Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, der auf einer weißen Stute
durch das Tor des Spasskij-Turms auf den Roten Platz ritt. Zusammen mit Marschall Konstantin
Konstantinowitsch Rokossowski nahm er die Parade ab.
Danach folgte einem langen Trommelwirbel der eigentliche Höhepunkt der Siegesparade: In einem
200 deutsche Regimentsfahnen wurden vor dem Lenin-Mausoleum und dem darauf befindlichen
Politbüro zu Boden geworfen. Die siegreiche sowjetische Armee demonstrierte ihren Sieg und
die totale Niederlage des nazistischen Aggressors.
Wir schließen uns der Aussage Chruschtschow's in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag
der KPdSU an: "Die Ruhmestat des sowjetischen Volkes im Großen Vaterländischen Krieg rettete
Hunderte Millionen Menschen in Ost und West vor der drohenden Gefahr der faschistischen
Unterjochung, sie wird Jahrhunderte und Jahrtausende im Gedächtnis einer dankbaren Menschheit weiterleben."
Feiert alljährlich den 9. Mai!
Der 9. Mai 1945 wird in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion als "Tag des Sieges"
gefeiert, an dem die endgültige und bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht
besiegelt wurde. Gegenüber den Westalliierten wurde die Kapitulation bereits am 7. Mai
erklärt. Am 8. Mai wurde die Erklärung in Karlshorst gegenüber der Sowjetischen Armee
wiederholt. Die Kapitulation trat am 9. Mai in Kraft.
Nie gab es mehr Anlass, an die Taten der Sowjetsoldat_innen, ihren entscheidenden Beitrag
zur Niederschlagung von Nazismus und Wehrmacht zu erinnern. Gerade jetzt, wo revanchistische
und nazistische Politik durch die Kriegspolitik gestärkt wird, wo deutsche Verbrechen der
Vergangenheit zur Rechtfertigung von Angriffskriegen in der Gegenwart dienen sowie Rassismus
und Ausgrenzung gesellschaftsfähig zu werden drohen, muss sich dem Bestreben entgegengestellt
werden, die deutsche Geschichte umzuschreiben. Feiert mit Menschen aus aller Welt diejenigen,
die Frieden und Freiheit brachten.
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