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Theorie- & Praxisverhältnis

‚Keine Theorie ohne Praxis – keine Praxis ohne Theorie'

Generell haben wir einen sehr weiten Praxisbegriff, der sowohl unsere Theoriearbeit in Arbeitsgruppen umfasst, als auch konkrete nach außen gerichtete Aktionen und Kampagnen. Ob das Erlangen von Positionen über den Weg der konkreten Praxis oder über den der theoretischen Analyse erfolgt, ist für uns insofern nicht relevant. Eine sinnvolle Verbindung von Theorie und Praxis erachten wir jedoch als unerlässlich für das Ausloten von progressiven Kräften und Widerstandspotentialen, an das wir praktisch und politisierend anknüpfen wollen. Gerade heute, wo revolutionäre und soziale Bewegungen - nicht mehr, noch nicht - kaum eine gesellschaftliche Kraft darstellen, hat politische Praxis notwendigerweise einen experimentellen Charakter. Und die kritische Analyse läuft Gefahr, spekulativ zu werden, da sie sich ohne Bewegung in einer `Trockenschwimmphase´ befindet. Wir sagen dazu: Na und? Alles oder alles! Zum einen weil aus der Praxis befruchtende Impulse für die Theorie resultieren können und andersherum. Zum anderen weil dies wichtig ist für einen eigenen „langen Atem”...

Analyse und Kritik
In der Auswertung von dem was war und ist sehen wir neben eigenen praktischen Schritten einen wichtigen Bestandteil unseres politischen Engagements.

Die (selbsttätige) Aneignung fundierter Analysen machen wir, um zu verstehen, was das ‚Elend‘ verursacht und welche Versuche es gegeben hat, es aufzuheben. Dabei wollen wir uns der (theoretischen) Arbeit bedienen, die Andere bereits vollbracht haben, um diese zu verstehen und politische Positionen dazu zu beziehen. Theoriearbeit betreiben wir auf mehreren Ebenen:

Zum einen, um allgemeine Grundlagen wie Staat, Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus... zu erfassen:
•  Auf welche tiefer liegenden gesellschaftlichen Strukturen stoßen wir?
•  Wann und in welchem Kontext sind sie entstanden?
•  Welche Zusammenhänge zeigen sie – möglicherweise – auf ?

Zum anderen, um uns Versuche von Gesellschaftsveränderung, Revolutions- und Organisierungstheorie und –strategie (innerhalb) von politischen und sozialen Bewegungen zu erschließen:
•  welche Revolutions- und Organisationsversuche gab es?
•  Wie kann politischer Widerstand aussehen?
•  Wer ist TrägerIn des gesellschaftlichen Wandels
•  Wie sieht das Verhältnis von Spontaneität und Organisierung aus?

Zu guter letzt suchen wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit konkreter Wirklichkeit und tagespolitischen Geschehen, also z.B. der Irak-Krieg, Bildungsabbau oder Agenda 2010:
•  Welche Argumente und Argumentationsstrukturen existieren?
•  Was ist die Bedeutung für den Alltag der Betroffenen?
•  Welche Kämpfe werden geführt?
•  Welche Forderungen und Kampagnen wären inwiefern sinnvoll?

Praxis
Letzter Maßstab politischen Engagements war und ist die praktische Veränderung der Verhältnisse. Langfristig geht es darum, eine Gegenmacht von unten über politische und soziale Bewegungen aufzubauen. Wenn wir auch heute nicht unmittelbar in der Lage sind, relevant einzugreifen, so gehen wir dennoch davon aus, dass konkrete Praxis aus mehreren Gründen sinnvoll ist:

•  Überwindung individueller Ohnmacht und Erfahrung kollektiver Stärke
•  Verzögerung oder Verhinderung kleinerer und größerer Schweinereien
•  Einübung organisatorischer und praktischer Fähigkeiten
•  aus der Praxis Anstöße für individuelle und kollektive Theoriearbeit finden
•  öffentlich Protest und Kritik zeigen und dazu anregen
•  Öffentlichkeit für unsere Positionen schaffen
•  Erfahrungen und Solidarität in (breiten) linken Bündnissen sammeln

Förderung politischer Selbsttätigkeit
Ein erheblicher Teil unserer praktischen Tätigkeit hat die Förderung politischer Selbsttätigkeit zum Ziel. Da wir wenig Befreiungspotential in einer autoritären Avantgarde-Revolution sehen, geht es uns darum, mehr zu werden. In diesem Zusammenhang geht es uns nicht darum, möglichst viele ‚Mitglieder‘ zu bekommen, sondern immer mehr Menschen in den Prozess einzubeziehen, sich selbsttätig theoretische und praktische Fähigkeiten für die politische Auseinandersetzung anzueignen. 1 Deswegen legen wir viel Wert darauf, ständig und bewusst Anknüpfungspunkte für Interessierte zu geben. An der Uni läuft das über die ErstsemesterInnen-Arbeit in Form von kritischen Orientierungswochen und politischer Arbeitsgruppen für StudienanfängerInnen 2, in der Stadt eher über die Form von Kampagnen in Bündnissen mit anderen linken Gruppen.

1 In diesem Bereich verfügen wir über einen großen Erfahrungsschatz, den wir schriftlich in Form von Thesenpapieren festgehalten haben und auf Nachfrage gerne zur Verfügung stellen.

2 Diese Arbeitsgruppen sind auf ein Semester befristet. Anliegen ist das Erlernen von Selbsttätigkeit mit emanzipativer Perspektive und eine allgemeine politische Orientierung an der Uni und anderswo.

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