einleitung I herrschaftsverhältnisse I (anti)patriarchales I kapitalismus I staat I strategie I theorie&praxis I organisierung I alternative I hochschule I wie & was

zurück I start I vor

 

Allein machen sie dich ein!

Stichpunkte zu unserer Organisierung

Wir halten es für wichtig, auch dort politisch tätig zu sein, wo mensch lebt, arbeitet und Zeit verbringt, um dort die vorhandenen Themen sowie Fragen von Menschen aufzugreifen und in diese Diskurse linksradikale Standpunkte einzubringen.

Organisierung ist notwendig...
•  um verbindliche Handlungsperspektiven zu entwickeln und umzusetzen.
•  für Kontinuität in der politischen Arbeit.
•  für ein kollektives Gedächtnis.
•  für kollektive Diskussionsstände und gemeinsame Schritte.
•  für Interventionsfähigkeit.
•  als Gegenorganisierung.

1. Organisierung bedeutet für uns eine verbindliche Form der inhaltlichen und praktischen Zusammenarbeit, welche es uns ermöglicht, gemeinsame Ziele und darauf gerichtete Strategien zu entwickeln und umzusetzen, sie zu reflektieren und zu erweitern.

2. Kontinuierliche politische Arbeit setzt bei uns allen Verbindlichkeit und Tragen von Verantwortung voraus, um das politische Engagement nicht von Einzelpersonen abhängen zu lassen.

3. Organisierung ermöglicht es uns, ein kollektives Gedächtnis zu entwickeln und aus Erfahrungen und Fehlern von uns selbst und anderen zu lernen.

4. Um effektiv miteinander arbeiten zu können, müssen wir uns ein gewisses Maß an Gleichzeitigkeiten organisieren, um kollektive Diskussionsstände entwickeln zu können, gemeinsam gemachte Erfahrungen konstruktiv zu reflektieren und die nächsten Schritte zu planen und zu koordinieren.

5. Nur so sind wir in der Lage, sowohl durch quantitative als auch durch qualitative Stärke, schlagkräftig in politische Kämpfe eingreifen zu können.

6. Letztlich verstehen wir unseren Organisierungsansatz als Gegenorganisierung. Das bedeutet für uns selbstbestimmte und bewusst gewählte politische und soziale (Selbst-)Organisierung neben oder anstelle der Organisationsformen, in die wir individuell bereits eingebunden sind, wie z.B. Familie, Schule, Verein, bezahlte und unbezahlte Arbeitsverhältnisse. Sie dient uns unter anderem als Freiraum für unabhängigere Selbsttätigkeit von und gegen Vermarktung.

Entscheidungsprozesse innerhalb von andiamo!
Unsere kollektiven Entscheidungsprozesse sind wenig formalisiert.
Transparenz und Verbindlichkeiten in Bezug auf die Zusammenarbeit, die Zielbestimmungen und konkrete Umsetzungsschritte entstehen durch Diskussionen und die gemeinsame Arbeit in thematischen Arbeitsgruppen (AGs) und in verschiedenen AG-übergreifenden, praxisbezogenen Koordinierungstreffen. Darüber hinaus finden im Abstand von mehreren Wochen ausführliche themenbezogene Perspektivdiskussionen statt, die möglichst langfristig angekündigt und von AGs oder Einzelnen vorbereitet, strukturiert und moderiert werden. An diesen Perspektivdiskussionen beteiligen sich im Idealfall alle Aktiven von andiamo!
Für Richtungsentscheidungen, die das ganze Projekt betreffen und die in diesem Basispapier dargestellten gemeinsamen Grundpositionen gilt das Konsensprinzip.

Die Arbeit in thematischen Arbeitsgruppen ist von Phasen kontinuierlicher Zusammenarbeit, aber auch Neugründungen, Auflösungen, Wechsel von beteiligten Personen bzw. thematischen Neuausrichtungen geprägt. Hier werden also jede Menge kollektive wie individuelle Entscheidungen getroffen. Solche Veränderungen werden diskutiert. Sie erfordern aber keine formalen Entscheidungsverfahren, sondern vielmehr Initiative, Kreativität und eine konstruktive und (selbst-) kritische Kommunikationskultur, in der sowohl individuelle als auch kollektive Interessen, Bedenken und Vorhaben für alle Interessierten transparent werden. Transparenz, Initiative und Diskussionen sind Voraussetzung dafür, dass jedeR Einzelne sich selbst aktiv im Projekt verorten und Orte wechseln, sich wirksam einbringen und Diskussionsergebnisse (mit-) tragen kann. An Mehrheitsbeschlüssen durch Abstimmungen besteht aufgrund dieser Arbeitsweise tatsächlich weder ein Bedarf noch ein Interesse.

Die Handlungsfähigkeit und die Handlungsautonomie der Arbeitsgruppen in ihrem jeweiligen Praxisfeld haben Priorität vor der kollektiven inhaltlichen Zustimmung zu allen Aktivitäten im Vorhinein. Auch Flugblätter, Positionspapiere und Ähnliches, die im Namen von andiamo! erscheinen, werden von den jeweiligen AGs diskutiert und selbstständig veröffentlicht. Berichte über die Arbeit der AGs sowie sämtliche Veröffentlichungen, die im Namen von andiamo! erschienen sind, werden allerdings zusätzlich halbjährlich im Reader zur Projektfahrt abgedruckt und können damit bei Bedarf im Nachhinein kritisch diskutiert werden bzw. Anlass zur Diskussion von Grundsatzfragen bieten.

(Konsens-) Entscheidungen in Bezug auf die Projektstruktur sowie kurz- und mittelfristige strategische Vorgehensweisen der Bereiche sind letztlich Ausdruck und Konsequenz der jeweils aktuellen Diskussionen und Initiativen derer, die sich daran beteiligen. Die Entscheidungsstrukturen selbst sind auch Gegenstand der Reflektion.

Strategien
Wir gehen davon aus, dass wir Strategien entwickeln müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Ein Ausgangspunkt für unsere Strategiefindungen ist die Betrachtung anderer Strategien, Organisierungsansätze und Befreiungsversuche. Es ist uns wichtig auch mit uns nahe stehenden Projekten über Strategiefragen zu diskutieren. Aus der Entwicklung einer gegenseitigen, produktiven Kritik daran ziehen wir Handlungsperspektiven für unsere politische Arbeit. Selbstverständlich werten wir ebenso unsere eigene Arbeit aus und ziehen die entsprechenden Konsequenzen für unser weiteres Vorgehen.

Wir halten es für notwendig, Ziele und Schritte immer wieder zum Gegenstand von Reflexion und Neubestimmung zu machen. Organisierung ist kein Selbstzweck, Ziel ist die Interventionsfähigkeit und die Überwindung der bestehenden Verhältnisse. Dafür sehen wir die Notwendigkeit eines stabilen Wachstums in und von linken undogmatischen, selbstorganisierten Kreisen und basisdemokratischen Strukturen, damit sich „massenhaft” kritisches Bewusstsein entwickeln und stabilisieren sowie eine breite Organisierung innerhalb der Gesellschaft wachsen kann.

Organisation versus Organisierung
Eine revolutionäre Organisation muss permanent in Bewegung bleiben, sonst verdinglicht sie. Das heißt, sie wird zu dem, was sich meist unter „Organisation“ vorgestellt wird. Doch die revolutionäre Organisation kann nur als Organis ierung existieren, d.h. als permanenter Prozess. Eine Organisation, in der sich alle auf ihre Rollen einspielen ist zwar ungeheuer stabil, kann aber schnell zu statischen Strukturen führen. Wir wollen daher der Prozesshaftigkeit von Organisierung auch innerhalb von andiamo! Rechnung tragen.

Die meisten Aktiven in andiamo! haben einen bildungsbürgerlichen Hintergrund - das soll nicht so bleiben. Über Veranstaltungen, (thematische) Arbeitsgruppen, Bündnisse, Aktionen, Kampagnen, individuell soziale Bezüge oder die Beteiligung an hochschulpolitischem Engagement an der Uni versuchen wir Anknüpfungspunkte für Interessierte zu bieten.

Alle nach ihren Bedürfnissen – Alle nach ihren Fähigkeiten!?!
Eine gesellschaftliche Entwicklung in Richtung Befreiung kann nur in dem Maße stattfinden, in dem immer mehr Menschen Verantwortung für diesen Prozess übernehmen. Dabei ist zu bedenken, dass in keiner Gruppe alle Menschen dieselbe Initiative zeigen oder sich in gleicher Weise für ein Projekt entscheiden. Im Organisierungsprozess kommen wir daher nicht umhin, uns mit dem Gefälle zwischen denjenigen, die Verantwortung übernehmen und denjenigen, die eher passiv dabei sind auseinanderzusetzen. Dieses Gefälle lässt sich dabei nur tendenziell, aber nie vollständig überwinden.

Ansprüche in Bezug auf die politische Zukunft, auf die Gestaltung des eigenen Lebens und auf die Fähigkeit der Auseinandersetzung darüber – all dies ist bestimmt von einer Menge an Ungleichzeitigkeiten, Reibungspunkten und Konfliktpotentialen. Das Kollektiv kann eine Stütze dafür sein, die Umsetzbarkeit von (auch individuellen) Ansprüchen, Reihenfolgen und nächsten Schritten auszuloten anstatt ein unvermitteltes „Alles oder Nichts“ zu fordern. Eine (ständige) produktive Auseinandersetzung darüber ermöglicht es hoffentlich, dass wir nicht an eigenen Ansprüchen zerbrechen und eines Tages als Kleinstzusammenhang gleichaltriger, gleichgeschlechtlicher, gleichberuflicher Gleichgesinnter enden.

Langfristig geht es uns auch darum, Bereiche zu schaffen in denen ganz unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichem Umfeld und Hintergrund zu ihren Bedingungen und ohne Leistungsdruck aktiv sein können. Und auch jetzt schon müssen wir Bedingungen für uns schaffen, unter denen wir politische Notwendigkeiten mit eigenen Interessen und Lust dauerhaft und tragfähig miteinander verbinden können.

Konkreter Umgang mit Verantwortungsübernahme, Ansprüchen, Konflikten
Das „Reinwachsen“ in Verantwortung wird durch aktive Abgabe, „Lücken“ lassen, aus AGs rausgehen, neue Leute einbeziehen, Tandems von „Neuen“ und „Oldies“ gefördert. Auch die Arbeitsweise auf den Treffen versucht den Erwerb von Selbsttätigkeit zu berücksichtigen durch Anfangs- und Abschlussrunden, wechselnde inhaltliche Vorbereitung, Protokolle schreiben und Redeleitung (sofern Bedarf dafür besteht).

Wir setzen Kapazitäten (für Engagement) nicht willkürlich voraus, sondern thematisieren sie und machen sie transparent. Bei individuellen Überlastungen werden Aufgaben delegiert. Bei allgemeiner Überlastung legen wir Prioritäten fest, um einzelne Arbeitsbereiche sinnvoll zu streichen oder auf einen späteren Zeitraum zu verschieben. Kapazitätsdiskussionen sind jederzeit möglich.

Für einen bewußten Umgang mit Gruppendynamik reflektieren wir in Abständen unsere „Rollen“. Biografierunden eignen sich bei neuen Gruppenkonstellationen sehr für das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen von persönlichen Hintergründen.

„Polit-Pausen“ sind für alle jederzeit möglich. Das gegenseitige soziale Auffangen und sich Kümmern gehört zu unserem politischen Selbst- und Alltagverständnis. Deshalb haben „Störungen“ Vorrang vor „Tagesordnungen“!

In andiamo! sind auch Menschen aktiv, die mit dem Projekt „nur“ sympathisieren und sich z.B. auf der Ebene von inhaltlichem Interesse in einem Bereich beteiligen. Es gilt diese Schwerpunktsetzungen ernstzunehmen und nicht ständig an Leuten zu „zerren“.

Alle oben genannten Punkte stellen einen „Idealfall“ dar, der nicht immer und manchmal auch äußert schwer realisierbar ist. Wir bemühen uns um einen bewussten, undogmatischen Umgang mit der Diskrepanz zwischen unseren Ansprüchen und unserer (Alltags-) Wirklichkeit.

nach oben