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Jede Phase der spezifisch menschlichen, kulturgeschichtlich auf einige tausend Jahre zu datierenden, ”Gattungsgeschichte” hatte ihre jeweilige ökonomische Organisationsweise mit ihr entsprechenden politischen, gesellschaftlichen Überbau- und Regulationsformen (anfangs Rituale, Mythologien und kommunitäre oder (personelle Herrschafts-) oder Organisationsformen / heute Ideologie, Staat (-liche Institutionen) und strukturelle Herrschaft). 1 Die historisch jüngste erst etwa 200 Jahre alte Produktionsweise ist der Kapitalismus mit dem bürgerlichen Nationalstaat als Überbau. Trotz dieser historischen Relationen erscheint den meisten Menschen der Status quo als ”naturgegeben” und unveränderbar. Im Kapitalismus sind vorangegangene Formationen aufgehoben. Er ist zunächst historischer Fortschritt in Form politischer Emanzipation, formaler Gleichheit aller Menschen. Das bedeutet nicht das Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen, denn die sozialen Fesseln der ”doppelt freien” LohnarbeiterInnen, die nun frei sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen oder zu verrecken, gehen mit dem selben Prozess einher. Neben der historischen Errungenschaft der formalen Gleichheit treibt der Kapitalismus die gesellschaftlichen Produktivkräfte (z.B. Technologien, Arbeitsorganisation, ...) explosionsartig voran und schafft damit die materiellen Voraussetzungen für ein ”Reich der Freiheit” ohne Ausbeutung und Herrschaft. – Gleichzeitig setzt er dabei allerdings auch (s)eine soziale Logik durch, die in den Köpfen und Herzen der Menschen zum T.I.N.A-Syndrom führt und damit Kritik und Utopien versperrt. 2 Historisch kennzeichnend für den Kapitalismus sind folgende, zusammenhängende Charakteristika: die Trennung der ProduzentInnen von ihren Produktionsmitteln Die ungeheure innere Dynamik des Kapitalismus entsteht durch die historisch neue Logik der Selbstverwertung des Wertes. Durch Ausbeutung angehäufter Reichtum wird im wesentlichen nicht mehr verprasst, sondern wieder investiert. Das Kapital folgt der Logik der Selbstvermehrung - getrieben von der innerkapitalistischen Konkurrenz, die sich auf Gedeih und Verderb am Markt realisiert. Dieser Zwang zur Selbstverwertung des Kapitals ist die verselbständigte Triebfeder des bestehenden Systems. Der stetig zunehmende (global-)gesellschaftliche Charakter der Produktion gerät parallel immer mehr in Widerspruch zur privaten, kapitalistischen Aneignung; - objektiv wird letztere zur Fessel für weitere Produktivkraftentwicklung, subjektiv erfahren immer mehr Menschen einerseits absolute Verelendung bis hin zur Infragestellung ihrer physischen Existenz, andererseits einen Klassengegensatz, in dem die „Reichen” dermaßen unendlich viel reicher werden, als irgendwelche „Reallöhne” steigen würden. Ob und/oder wann sich daraus die soziale und politische Sprengkraft für eine Aufhebung des Kapitalismus speisen wird, ist offen. Die materiellen Verhältnisse sind reif. Der (alte und dennoch ganz neue & andere) Faschismus steht als Überbauvariante wieder verstärkt auf der Tagesordnung der Geschichte. „Sozialismus oder Rückfall in die Barbarei!” (Luxemburg)
1 Das Verhältnis von ”Basis und Überbau” ist für uns noch weiter zu klären ...
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