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Hochschule in der Gesellschaft

Vorweg: Da viele von uns an der Uni Bremen studieren, begreifen wir unsere Tätigkeit an diesem Ort als einen der Schwerpunkte unserer Arbeit.

Hochschulen im Kapitalismus
Zur Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems und um seinen Krisen zu begegnen, muss sich die Gesellschaft ständig an verschiedenste Veränderungen anpassen. Wo früher in erster Linie die gesellschaftlichen Eliten rekrutiert wurden, findet heute an den Universitäten die Bereitstellung des benötigten Wissens- und Fähigkeitspotentials, des so genannten ‚Humankapitals' in Forschung und Lehre statt. Die erworbene Qualifikation der Studierenden wird (zu großem Teil auch von ihnen selbst) unter dem Gesichtspunkt der optimalen (profitabelsten) Verwertung auf dem Arbeitsmarkt betrachtet. Auch kritisches Potential wird integriert und auf ein reibungsloseres Funktionieren des Systems hin verwertet.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Sofern rassistische und sexistische Diskriminierung, physische und psychische Gewalt, etc. in gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichen als Probleme in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen und thematisiert werden, werden sie in der Regel systemimmanent bearbeitet.

Bildung als Ware
Bildung wird in immer mehr Bereichen der herrschenden Marktlogik und Privatisierungsprozessen unterworfen. Die Universitäten befinden sich zunehmend in einem Wettbewerb untereinander. Sie müssen verstärkt um Drittmittel kämpfen und Lehre und Forschung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Solche Bedingungen werden längst nicht mehr lokal geschaffen, sondern von der WTO (Welthandelsorganisation) im Rahmen von GATS (General Agreement on Trades in Services) festgeschrieben. Entsprechend sollen StudentInnen zukünftig Studiengebühren bezahlen und bekommen von der Uni eine Dienstleistung dafür. So folgt der universitäre Lehrbetrieb immer stärker der Doktrin von nationaler und internationaler Standortlogik. Allerdings haben die meisten Menschen ohnehin entweder keine formale Zulassung oder aus materiellen Gründen nicht die Möglichkeit zu studieren. Darüber hinaus werden die einzelnen Unis sich Studierende und damit „KundInnen“ in Zukunft zunehmend selbst aussuchen.

Der Konkurrenzdruck unter den Studierenden wird durch wachsende Orientierung des Lehrbetriebes auf messbare Leistung wie Scheinauflagen und Anwesenheitszwänge verstärkt. Strukturen studentischer Mitbestimmung werden abgebaut und es bleibt auf Grund von materiellen und strukturellen Zwängen immer weniger Raum für selbstbestimmtes Lernen und politisches Engagement.

Hochschulperspektiven
An Hochschulen tummeln sich nur die Menschen, die es trotz der großen Selektivität und ständigen fremdbestimmten Anforderungen geschafft haben, sich durch das Bildungssystem zu kämpfen.

Deswegen gilt es grundsätzlich, alle Selektionsmechanismen des Bildungssystems in Frage zu stellen und ein Bildungssystem zu schaffen, das allen Menschen zu allen Bildungsangeboten freien Zugang und selbstbestimmtes Lernen ermöglicht. In diesem Sinne ist auch eine Abschaffung der Hochschulen anzustreben, nicht als Bildungseinrichtungen, aber als exklusive AkademikerInnenschmieden. An konkreteren Perspektiven für emanzipatorische Bildung arbeiten wir auch inhaltlich. Wir müssen aber anerkennen, dass das aktuelle Hochschul- und Bildungssystem als Teil des gesamten kapitalistischen Systems isoliert von diesem nicht grundlegend verändert werden kann.

Unserem Anliegen, an der Uni wieder gesellschaftskritische linke Basisstrukturen aufzubauen versuchen wir mit unserem Engagement in unterschiedlichen Bereichen der studentischen Selbstverwaltung und – tätigkeit gerecht zu werden.

 

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