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Alternativ- & Gegengesellschaft Zur Alternativ- und Gegengesellschaft Trotzdem halten wir alternative Lebens- und Arbeitsprojekte für einen unverzichtbaren Bestandteil unserer politischen Arbeit, denn die Fragen wovon wir leben, was wir dafür tun müssen und wie uns das auf Dauer prägt und verändert, können wir nicht unbeantwortet neben unserem politischem Engagement stehen lassen. Die Analyse der materiellen Reproduktion jedes Individuums bzw. Kollektivs und alle ihre Folgeerscheinungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaftskritik. Sie bilden die Grundlage für die Kriterien an den Aufbau von Alternativ- und Gegenstrukturen. Die bürgerliche Gesellschaft, fußend auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und konkurrenzhafter Kapitalakkumulation, bietet uns als Antwort: Lohnarbeit, unbezahlte, informelle Arbeit, Konkurrenz, Individualisierung und Entsolidarisierung. Sie tut dies als gewaltförmiges Verhältnis, dem alle und alles unterworfen wird und reproduziert sich als vielfach verschränktes Herrschaftsverhältnis immer wieder. Damit steht die bürgerlich-patriarchale Gesellschaft im unversöhnlichen Gegensatz zu unserer Utopie, in der alle Menschen gemeinsam und solidarisch bestimmen, wie sie Leben und Arbeit organisieren wollen. Wir halten es für notwendig, die Verwirklichung der Utopie nicht erst auf einen nachrevolutionären Zeitraum zu vertagen. Revolution ist ein langwieriger Prozess mit den Mühen der Berge, der Täler und der Ebenen, mit unterschiedlichen Dynamiken, Grenzen und Möglichkeiten. Wir denken, es ist wichtig für den revoluionären Prozess hier und heute erste Keimformen einer Alternativ- und Gegengesellschaft anzulegen, um: sich der, die Menschen und die Natur ausbeutenden, kapitalistischen Produktionsweise zu entziehen und ihr alternative Lebens- und Arbeitsformen entgegen zu stellen uns ein soziales und ökonomisches Rückgrat für politisches Engagement und Freiräume für Selbstveränderungsprozesse zu verschaffen und uns selbst das Leben angenehmer zu gestalten nicht von Lohnarbeit, Küche und Kleinfamilie aufgefressen zu werden der Parole „eine andere Welt ist möglich“ eine ganz praktische und unmittelbare Glaubwürdigkeit zu verleihen sinnlich-praktische Zugänge für uns selbst und andere Menschen zu ermöglichen soziale Ansätze zu starten, die später für größere Bezüge relevant sein können … Wir wollen das nicht als Nischenansatz anfangen, sondern uns mit einem Projekt offensiv zur herrschenden Wirklichkeit ins Verhältnis setzen. Deshalb sprechen wir von Alternativ- und Gegengesellschaft. Das bedeutet für uns auch, bewusst Bezug auf internationalistische Bewegungen zu nehmen, deren Ziel die grundsätzliche Überwindung der globalen Herrschaftsverhältnisse ist. Langfristig ist unser Ziel, die bestehenden Verhältnisse als Ganze zu überwinden. Unser Weg ist der Aufbau eines Ansatzes einer „ganz anderen“ Gesellschaft im bestehenden Falschen, in der Leben und Arbeiten in aller menschlichen Vielschichtigkeit jedoch auch nur relativ(!) unabhängig von den Zwängen des bestehenden Falschen möglich ist. Das halten wir für ein wichtiges, wenn auch allein nicht ausreichendes Moment revolutionärer Praxis. Daneben steht gleichbedeutend die aktive Auseinandersetzung mit dem herrschenden System in bewegungsorientierter Arbeit. Kurz- und mittelfristige Schritte für andiamo! Was wir schon ganz unmittelbar tun können ist, einen kollektiven und solidarischen Umgang mit unseren individuellen materiellen Lebenslagen zu organisieren. Niemand darf aus politischer Arbeit herausfallen, weil er/sie – im Vergleich zu anderen Projektaktiven - überdurchschnittlich viel lohnarbeiten muss oder aufgrund von Erwerbslosigkeit im bürgerlichen Diskurs als „antriebloseR SozialschmarotzerIn“ stigmatisiert wird und den Schikanen von Sozial- und Arbeitsämtern ausgesetzt ist. Verschieden „radikale“ Kollektivierungsmodelle bieten sich dafür an und können auch nebeneinander laufen: - Eine Teilkollektivierung könnte einen - Geld und nötige Lohnarbeit - umschichtenden Charakter haben. Nach einer Bestandsaufnahme der finanziellen Verhältnisse und Lohnarbeitszwänge, würde gemeinsam ein bestimmter Grad an Umverteilung festgelegt werden. - Eine Einkommenskollektivierung geht etwas weiter. Alle Einkünfte der Beteiligten kommen in einen Topf, alle Ausgaben gehen aus selbigem. Dieser Ansatz beruht auf kollektiver Selbstverantwortlichkeit. Bei Bedarf können z.B. auch Ausgabenlimits und –kriterien festgelegt werden, ab denen noch kollektive Rücksprache nötig ist. - Eine Radikalkollektivierung kollektiviert darüber hinaus noch alle angehäuften Reichtümer und Schulden. Alle drei Modelle erfordern und fördern ein hohes Maß an Auseinandersetzungsbereitschaft zu Themen wie Geld, Besitz, Konsum, Geben & Nehmen, Gruppenverbindlichkeit, Vertrauen. Sie können, über ihre materielle Funktion hinaus, Bewusstwerdungs- und Selbstveränderungsprozesse über verinnerlichte Werte, Gewohnheiten und die eigenen gesellschaftlich-sozialisatorischen Bedingheiten anschieben. Da Geld das unangetastete Heiligtum des Kapitalismus ist, kommt eine Kollektivierung einem Tabubruch gleich und stellt die unantastbare, alles durchdringende Macht des Geldes in Frage. Anzustreben ist – auch schon in der Teilkollektivierung – ein Modell, das sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen und nicht an formaler Gleichheit orientiert. Letztere wäre gegenüber der kapitalistischen Ökonomie zwar schon fortschrittlich, aber sie verneint noch die faktische Ungleichheit der konkreten Menschen in ihren Fähigkeiten, Möglichkeiten, Interessen und Bedürfnissen. Was wir ebenso unmittelbar tun können ist, in Polit-Wohngemeinschaften zusammen leben. Rein ökonomisch betrachtet sind das dann Konsumptionskollektive, die über gemeinsamen Einkauf und gemeinsame Nutzung von allerlei Klein- und Großgeräten (auch über die einzelne WG hinaus) ihre Reproduktionskosten und damit auch Lohnarbeitszwänge senken können. Die ökonomisch-ökologisch-sozial unsinnige gesellschaftliche Praxis von „jedem Single seine Waschmaschine“ wird damit auch praktisch widersprochen, ohne auf „Lebensqualität“ zu verzichten. Diese Lebensqualität müsste auf ein weltweit verallgemeinerbares Niveau reflektiert und schrittweise entwickelt werden. WGs können auch Ort des Zusammenhalts, Rückhalts und des persönlichen und politischen Austauschs sein. Auch das erfordert Aufmerksamkeit und Energie und passiert nicht von selbst …! Die Gefahren auch in Polit-WGs Geschlechterrollen zu reproduzieren, engen Klüngel zu entwickeln, sich sozial abzuschotten etc. sind bekannt. Nicht ganz unmittelbar, aber vielleicht in ein bis zwei Jahren könnte der Aufbau eines Wohn-Arbeit-Polit-…Zentrums anstehen. Ein ausreichend großes Gebäude (alte Schule, Fabrik, o.ä.) sollte Raum zum Wohnen, für Polittreffen, Veranstaltungen, Beratungsangebote, Selbsthilfewerkstätten, Cafe, Kneipe und Kultur bieten. Aus den Selbsthilfewerkstätten könnte längerfristig eine eigene, autonome Produktionssphäre jenseits kapitalistischer Marktlogik entwickelt werden. Hier könnten Dinge für den internen Projektbedarf, jenseits von Profitlogik und entfremdeter Produktionsweise, hergestellt werden, die nicht auf dem öffentlichen Markt verkauft werden sollen. Dass wir dafür noch auf Rohstoffe oder Zwischenprodukte aus der herrschenden Gesellschaft zurückgreifen müssen, ist vorerst unumgänglich (vgl. „AlGe-reader 2001“, auf Nachfrage erhältlich). Ein Stadtteilbüro (evtl. zusammen mit befreundeten Gruppen) wäre schon kurzfristig machbar, und wir könnten „im Kleinen“ einige Erfahrungen für ein größeres Zentrum sammeln. Den auführlichen, aktuell überarbeiteten Reader der AlGe, unserer Alternativ- und
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