Ebby Thust: Glanz und Elend.
192 Seiten, Goliath Verlag 1999, 39.80 DM / 20.35 EU<

Ebby Thust hat sich auch eine eigene Homepage gebastelt. Unter www.ebby.de findet man Fotos von ihm und seiner Familie, viele Boxinfos und allerlei andere Erstaunlichkeiten. So kann man sich hier auch seine zwei Singles anhören. Und wenn Ihr schon mal am Surfen seid: Unter www.haircrimes.de findet ihr viele wunderbare Frisuren und die anerkennende Beurteilung Ebbys: »Eine Ausnahmeerscheinung auf dem Gebiet der Extrem-Frisuren. Wie kein Zweiter trägt er stets seine Frisuren mit Stolz und unbeirrbarem Hochmut. Das mag nicht unbedingt gut aussehen, erfordert aber Mut!«
Das Leben als Fototapete
Ebby Thust hat vielleicht keinen Geschmack, aber viel Stil

Um Rockstar zu sein, muss man keine einzige Platte besungen haben, solange man schillernd genug auftreten kann. Wie das am besten geht, zeigt uns Boxpromoter Ebby Thust, der berühmt wurde, als er wegen angeblicher Erpressung Peter Grafs in den Knast einziehen musste.

Sein selbstzufriedenes Lächeln zeigt es an: Diesem Mann geht es immer noch verdammt gut. In seiner reich bebilderten Autobiographie berichtet er – wie der Titel schon verspricht – von Glanz und Elend. Darin erzählt der ›geläuterte‹ Ebby sein Leben. Auch wenn er anders aussieht, ist er kein Großkotz, sondern auf seine Art sympathisch und fast bescheiden. Seit zehn Jahren sei er straffrei, sagt er, er parkt nicht mal mehr falsch.

Thust wurde 1947 geboren und hatte nicht gerade eine tolle Kindheit. Seine Mutter starb, als er drei war, und seine Stiefmutter hat er gehasst. Sein Vater war cholerisch und rechthaberisch. »Wenn z.B. eine Wand grün war, und er der Überzeugung, sie sei weiß, dann war das halt nun mal so.« Eine Eigenschaft, die Thust von seinem Vater geerbt hat. »Ich war als Kind schon ein böser Bube«, sagt Ebby. Eigentlich sei er ja ein guter Schüler gewesen, aber. Nach einer ausgiebigen Tour durch verschiedene Schulen landete er schließlich im »Milieu«. Schon mit 15 verkehrte er in Frankfurter In-Lokalen, in die ihn sein älterer Bruder mitnahm. Zwei Jahre später hat sich dann nach München abgesetzt, um das Erwachsensein auszuprobieren, wie er sagt. Kurzfristig war er sogar mal mit Uschi Obermair zusammen, die später zur Kommune 1 gehörte und irgendwann mal mit Mick Jagger ein Verhältnis hatte. Auch auf sowas kann man stolz sein.

In einem damals einschlägigen Club hantierte er eines Tages mit einer Pistole herum und hat »ungewollt einem Gast, der unsichtbar hinter einem Separeevorhang saß, in den Kopf getroffen. Der Schuss traf ihn direkt am Oberkiefer und er verlor dabei fast alle Zähne«. Seitdem nennt man Ebby auch den »schnellsten Zahnarzt von Frankfurt«. Thust machte damals einen Haufen Schotter, indem er sogenannte »Hostessenwohnungen« untervermietete und damit »über 500% Gewinn« einfuhr. Später eröffnete er mehrere Saunaclubs, in denen »nur Top-Gäste« verkehrten, »Ölscheichs und alle möglichen illustren Leute«. Alles sehr diskret natürlich. Keine Namen bitte.
Dieses lukrative Geschäft breitete sich allmählich aus im Land. Da wurde es ihm langweilig, und Thust stieg lieber aus und konzentrierte sich fortan auf Glücksspiel. »Zu der Zeit gab es kein Spielkasino in Frankfurt, ob legal oder illegal, an dem ich nicht beteiligt war.« Er reiste ständig nach Las Vegas und führte ein Leben in Saus und Braus. Überholspur eben, die entsprechenden Autos standen vorm Haus. Er trank flaschenweise Wodka, auch sexuelle Eskapaden gehörten natürlich dazu, wie er erzählt: »Es gibt wahrscheinlich nichts, was ich in dieser Hinsicht noch nicht ausprobiert hatte.« Einer wie Thust will spüren, dass es ihm gut geht, also hatte er immer »Pakete mit Geld in der Tasche«.
Weil einer seiner Jugendfreunde der spätere Boxeuropameister Rüdiger Schmidtke war, begann Thust, ins Boxgeschäft einzusteigen. Logisch, dass er in dem Buch ausführlichst über Boxen erzählt.

Konflikte mit dem Gesetz hatte er des öfteren, aber richtig bekannt wurde er wegen einer Straftat, die er immer noch abstreitet. Er soll Tennis-Steffis Vater Peter Graf um 800.000 Mark erpresst haben. 1992 verurteilte man ihm deswegen zu drei Jahren Haft. Ebbys damalige Freundin Nicole Meissner behauptete, ein Kind von Graf zu haben. Weil der das – zu Recht – abstritt, wollte Thust »die Story gewinnbringend an die Medien verkaufen«. Und um das zu verhindert, hat Graf eben das Geld gezahlt. Und das ist ja wohl keine Erpressung! Im Knast hat Ebby immerhin den Bau-Pleitier Dr. Jürgen Schneider kennen gelernt und – wie er sagt – seine Hand über ihn gehalten. Solche Leute muss man sich ja warm halten. Eins seiner Motti heißt schließlich auch: »Neid und Missgunst sind die ehrlichste Form der Anerkennung.«
Ebby Thust hat es immer geschafft aufzufallen. Manch einer mag finden, dass er wie ein Zuhälter daherkommt, doch er hat immerhin einen eigenen Stil: modisch getönte Brille, schicke Fönfrisur, mitunter dauergewellt und auf jeden Fall vokuhila. Einmal die Woche geht's ins Solarium, in seinem Bad stehen 80 Rasierwässerchen zur Auswahl. Und immer dieses Betonlächeln! Respekt, Herr Thust. So ein extremes Aussehen muss man sich schließlich auch erstmal trauen.
Ein Leben also zwischen Glanz und Elend. »Ich wollte nie Durchschnitt sein«, sagt Thust, »und wenn man das nicht will, kommt man unausweichlich mit beidem in Berührung.« Musik macht er inzwischen übrigens auch. Kein Rock'n'Roll, aber total ehrlich. In seinem Song Life is a fight sagt er: »Mit Herz und Faust wird man ein Sieger«. Rock on, Ebby!



Thilo Bock
(aus: ätzettera Nr.33/Juni 2001)